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Hieraus kan ein jeder schliessen, daß dieses Wasser oder Chaos regeneratum, Spiritus mundi oder Thau und Regen-Wasser der Universal-Saame sey, aus welchem alles geboren werden kan, was auch aus dem ersten worden ist. Und ist aus diesem zu sehen, daß dieses Wasser und Erde fruchtbar ist, und daß aus diesem alles gezeuget werden kan. Wenig sind, die da wissen die Heimligkeit dieses Dinges, was das ist, das die Fruchtbarkeit giebt und macht. Es weiß freylich jeder und wird sagen: Der Geist mit Hülffe des Wassers ists, der da wachsen macht. Freylich ist es der Geist, aber als ein flüchtiger Geist wird er in unter-mondischen wenig ausrichten. Denn was hier in diesem corporalischen irdischen Reich, in diesen sichtbaren Cörpern etwas fruchten will, das muß auch mit leiblich seyn oder werden, es muß auch können begriffen und betastet werden, auch gesehen, also muß dieser flüchtige Geist einen begreifflichen Leib, einen sichtbaren Leib an sich haben, sowol als der animalische, vegetabilische und mineralische Saamen sicht- und greiffbar ist, also muß dieser seyn und werden. Dieses wissen wenige, ob wohl sie es sehr offt mit Händen tractiren; es kennen diesen corporalischen Geist oder Saamen seinem Ursprung nach sehr wenige, ob er schon in der Menge zu bekommen ist: Die Ursache dessen ist, er hat einen andern Nahmen, als er wohl haben solle. Denn nach seinem rechten Stamm und Wurtzel soll er heissen semen macrocosmi, das Sperma der grossen Welt, der gantzen Welt Fruchtbarkeit. Dieser Titul gebühret ihm, weil er ist der concentrirte, corporalische Saame und Spiritus mundi in einem durchsichtigen sichtbaren Leib, wie ein Crystall, ein trocken Wasser, das die Hände nicht netzet, eine Erde, eine wässerige Erde und voller Hitze, auch voller Kälte, wie ein Eiß, ein coagulirter Himmel, eine coagulirte Lufft, die da besser ist, als alle Schätze der Welt.
Damit ich aber diesen Geist corporalisch vor die Augen stelle, und in deine Hände gebe, daß du ihn gnugsam betrachten könnest: So nimm das putreficirte Regen-Wasser aus dem Faß in ein Glaß oder Kessel und koche es bis auf den 3ten Theil ein. Denn laß erkalten, jedoch daß es noch lauwarm ist, so filtrir solches rein durch, dann stelle es in einem zinnern Becken oder Glaß-Schale oder höltzernen Platlein in kalten Keller, so wird über Nacht der Welt-Geist anschiessen oder erscheinen in zweyerley Gestalten. Eines einer gantz crystallinischen Diamanten-Art und durchsichtig, dieses hänget an den Wänden und Seiten des Geschirrs an, und so man Höltzlein drein leget, so hänget er sich auch dran: Das andere aber sitzet zu Grunde auf dem Boden des Geschirrs etwas brauner Gestalt. Nun hast du hier den Geist, den allgemeinen Welt-Geist und Semen Macrocosmi, Chaos regeneratum leiblich zu greiffen und zu besehen. Nimm den an der Seite angehängten besonders heraus und behalte ihn reine. Den, der auf dem Grunde des Wassers sitzend ist, nimm auch heraus, trockene ihn und behalte ihn an der Sonne oder lauen Ofen wohl getrocknet. Mit diesen beyden gehe zum krummen Vulcano, so wird er dir sagen, wie sie heissen. Wirff den obern Saamen, so sich an die Seite angehänget, auf die glüenden Kohlen, so wird er dir flugs seinen Nahmen sagen. Er heisset (schweige still) ⦶ Nitrum. Den andern wirff auch auff die Kohlen, der hat gar eine heischere rauschende Stimme, und knirschet mit den Zähnen um sich. Er nennet sich Saltz, gemein Saltz, alcalisch Saltz. Jetzt hast du beyder Nahmen.
Dieses Nitrum aus dem Regenwasser fulminiret wie alle andere Salpeter, thut keinen andern noch bessern Effect als alle andere Salpeter. Das Saltz aber kracht und brasselt wie andere gemeine Speise-Saltz, thut auch in allen Wercken solchen Effect. Aus dieser Probe siehest du nun klärlich den Kern und das Centrum, den Saamen aller Dinge, das Sperma Macrocosmi sichtbar und corporalisch vor deinen Augen und greiffest es mit deinen Händen, welche beyde alles gebähren, erhalten, zerstören und wiedergebähren, was unter dem Mond begriffen ist und sichtbar zu Gesichte kommt. In der Lufft ist er flüchtig, macht auch flüchtige Meteora, im Wasser und Erde wird er corporalisch und macht auch corporalisch, nach dem Grade fixe und fixeste Sachen, ohne welche beyde kein Ding unter dem Mond in ihrer Resolution zu finden. Alles und jedes bestehet aus diesen beyden, wie unten gesagt und mehr wird erwiesen werden.
Das eine ist ⦶, Das andere ist ⊖. Das eine ist Acidum, Das andere ist Alcali. Das eine ist Spiritus, Das andere ist Corpus. Dieser ist Vater. Dieser ist Mutter. Männlicher Saame, Weiblicher Saame. Agens Universale, Patiens Universale. 🜍 ☿ Primordialis, ⊖ Primordiale. Himmel und Lufft, Wasser und Erde. Der Stahl, Der Magnet. Der Hammer, Der Ambos.

Correspondences of nitre and salt. Original printed page 56; the preceding passage translates each paired row.
Source: Aurea Catena Homeri (1723), Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich; digitised by e-rara. Public-domain original. https://doi.org/10.3931/e-rara-3819
Erstlich war dieses Ding gantz flüchtig durchaus, welches zu sehen, wenn man das Regen-Wasser vor der putrefaction, so bald es gefangen, distilliret, so steiget es alles gantz flüchtig herüber. Durch die putrefaction erlanget es einen Grund der fixität durch die præcipitation der in sich enthaltenen Erde. Die Flüchtigkeit dieses Wassers gebieret Animalia; so es ein wenig fixer wird, macht es Vegetabilia; und so es gar fix ist, macht es Mineralia. Darum wer aus solchem Mineralia generiren will, der nehme die fixere partes und gröbere, als das Wasser mit der Erde, wie ich vorgesaget. Wer Vegetabilia haben will, der thue zu diesen etwas Lufft und Himmel. Wer Animalia daraus haben will, der thue mehr Volatile darzu, nemlich mehr Lebens-Geist von Lufft und Himmel. Denn die Vegetabilia stehen im Mittel zwischen den Animalien und Mineralien, denn aus ihnen kan so bald ein Minerale oder Stein gemacht werden, als eben auch ein Animale, wie unten mit ausführlichen Bericht wird angezeiget werden. Die Ursache aber, daß wir den Universal-Samen zu Gesichte bekommen und zur Betastung erlangen, hat uns die Probe und Haupt-Schlüssel aller Eröffnungen der natürlichen Banden und Schlösser zu wege bracht, nemlich die Putrefaction. Der Putrefaction Ursach aber ist der nimmer ruhende eingepflantzte Geist, welcher nimmer stille sitzt, sondern so er sein Instrument hat, vermittelst er alles macht, nemlich das Wasser, so arbeitet er ohne Unterlaß, sichtbar oder unsichtbar, empfindlich und unempfindlich, dieser causiret die Putrefaction und macht aus dem Flüchtigen ein Fixes, und aus dem Fixen ein Flüchtiges, und dieser Arbeit Abwechselung continuiret er ohne einiges Aufhören: Er zerbricht die Steine, die er selbst coaguliret hat, und macht sie zu Sand un Staub, er zermodert die Bäume und zerfaulet die Animalia, und macht wieder aus dem zu Staub gemachten Stein einen Baum, aus dem vermoderten Baum ein Thier, aus dem verfaulten Thier einen Baum, und aus dem zermoderten Baum einen Stein oder Mineral, und dieses ohne Unterlaß.
Nun haben wir semper magis descendendo a primordio dargethan, wie aus dem Primordial-Dampff das Chaos, aus diesen 4. worden seynd Himmel, Lufft, Wasser, Erde, und diese durch das Gebot dahin gewiesen, den Primordial-Dampff, und aus diesem das Chaotische Wasser ohn Unterlaß zu regeneriren. Wir haben gewiesen deren flüchtigen und unsichtbaren unbegreifflichen Saamen. Wir haben ihn aus der Unsichtbarkeit sichtbar, aus Unbegreifflichkeit greifflich gemacht, daß nun jeder solchen mit Augen sehen, und seine Kräffte durch weitere Nachforschung bewundern kan. Daß ich aber gesagt habe, daß dieser Universal-Saame aus dem regenerirten Chaos oder Regen-Wasser, das ist: daß das Nitrum nicht viel besser sey, wie auch das Sal, als das gemeine Nitrum und Sal, ist aus diesem zu schliessen und giebt es die Demonstration, daß man alle und jede Operation mit einem wie mit dem andern thun kan, und der Effect weiß keinen Unterscheid: Es müste dann seyn, daß einer mehr gereiniget wäre als das andere, so sie aber in gleicher Purität stehen, so ist eines wie das andere, und darff sich kein Artist verführen lassen. Wenn einer wolte sagen, das ist Nitrum vulgi, jenes aber Nitrum Philosophorum, das ist ein purer Aberglauben. Wenn mir das gemeine Nitrum den Effect weiset, wie das andere, wie ich es verlange, so ist es mir eben das Nitrum Philosophorum. Damit aber der Leser sehe, daß das Nitrum universale aus dem Regen nicht besser als das Nitrum vulgi, also auch das Sal, so soll er auch doch dieses consideriren, daß das Nitrum universale der Gebährer und Ursprüngler ist des Nitri vulgi, so wird er ja schliessen müssen, daß das Geblüte des gebornen Kindes von des Vaters und der Mutter ihrem herkomme, und daß es eben aus jenen Principiis sey, und so es den Effect, Wirckung und Thaten des Vaters thut, so ist es ja in aller seiner Substanz eben der Vater selbst. Zudeme, wie ich gesagt habe, und wie es das Axioma selbst giebt: Ex quo aliquid fit, in illud rursus resolvitur. Wird nun aus dem Nitro universali alles und jedes geboren, die Animalia, Vegetabilia und Mineralia, so müssen sie ja wieder zurück und sich in solches resolviren und reduciren, bis gar in das äusserste Primordium. Wenn nun alles aus diesem geboren wird und das Geborne wird wieder darein resolviret, so ist es ja kein Unterscheid, und daß alles aus diesem Nitro und Sal bestehe, und aus diesem geboren werde, muß die Probe darzeigen, daß er allenthalben müsse gefunden werden, also daß er ubiquoties in allen Dingen sey. Dieses probiren wir durch das nachfolgende Capitel.