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I.10 · The Spirit or Soul of the World

Das X. Capitel. Entdeckung des wahren Universal-Samens oder regenerirten Chaos sive Spiritus seu Animae mundi, des berühmten Welt-Geistes.

Im vorberührten haben wir gesagt, daß der Himmel, Lufft, Wasser und Erde, welche aus dem Chaos Wasser und Geist entsprungen, ein Gebot empfangen, einen Universal-Saamen hervor zu bringen, oder das vorgewesene Chaos wieder zu gebähren und zu regeneriren, zur Multiplication, Erhaltung, Gebährung, Zerstörung und Wiedergebährung aller Dinge. Solchen Saamen aber, wie erwiesen, gebähren sie durch ihre Ausdämpffung, und treiben solche Dämpffe alle 4. zusammen in der Lufft, allwo solcher Dampff hin und wieder getrieben und circuliret wird, so lange bis es durch die stets und ohne Unterlaß nachfolgende Dämpffe sich verdicket von oben und unten, und endlich durch solche Verdickung sich zu Wasser resolviret. Solches Wasser heissen wir insgemein Thau, Regen, Schnee, Schlossen, Reiff, Hagel. Im Grunde aber ists der rechte Saamen, das wahre regenerirte Chaos, der wahre Spiritus und Anima mundi, aus dem alle unter-mondische Subjecta geboren, erhalten, zerstöret und wiedergeboren werden. Die Probe nun, daß solcher Thau, Regen rc. das regenerirte Chaos und Universal-Saamen oder Spiritus mundi sey, muß diese seyn, dann dieses ein solches Wasser seyn muß, aus welchem alle Dinge entspringen und geboren werden kan, was aus dem uranfänglichen Chaos entsprungen ist. Auch muß es diese Krafft und Macht haben, daß es alle 4. Elementa, Himmel, Lufft, Wasser und Erde in sich habe, und so es dieses hat, muß es auch nothwendig alles dieses haben, was die 4. Elementen Himmel, Lufft, Wasser und Erde in sich begreiffen und wircken und in sich halten: So sagen wir, daß ein jedes Ding, aus wem es entsprungen, in dasselbe muß es wieder zurück gehen und dahin sich resolviren.

Ex quo aliquid fit, in illud rursus resolvitur, & per quod aliquid fit, per illud ipsum resolvi atque reduci in suam primam materiam necesse est. Das ist: Durch was ein Ding natürlich gemacht ist, durch eben dasselbe muß es wieder in seine Natur zurück gehen, resolvirt und zerbrochen werden. Die Elementa sind aus dem Dampffe und Wasser entsprungen, sie resolviren sich auch wieder zu Dampff und Wasser, das ist in Thau und Regen, von dem Geist und Wasser sind sie ausgegangen, zu Geist und Wasser werden sie wieder durch den Geist und Wasser gebracht. Daß nun der Thau und Regen ein solcher Geist und Wasser ist, oder ein solch regenerirtes Chaos, wie das erste, beweiset nicht nur der tägliche effect, welcher den Bauren und Gärtnern mehr bekant als denen Stadt-Philosophis; sondern es beweiset es auch die Anatomia, daß alle vier Elementa durch solche heraus gebracht werden. Der tägliche effect und Wirckung dieses Wassers weiset ja, daß es nicht allein dasjenige sey, davon alles Kraut und Graß wächst und zunimmt, sondern auch die Mineralia und Animalia von solchen gebohren, erhalten, zerstöret und wiedergebohren werden ad consummationem seculi usque. Die Animalia nähren sich und wachsen davon, weil sie stets die Lufft geniessen, und hernach die Vegetabilia, welche aus solchem Wasser wachsen, zu ihrer Lebens-Erhaltung gebrauchen. Die Vegetabilia haben keine Probe nöthig, denn solches siehet jeder Bauer. Daß die Mineralia auch aus solchem Wasser und Saamen wachsen, wird sein eigen Capitel lehren. Nun haben wir zum Theil theoretice bewiesen, daß der Regen und Thau sey das regenerirte Universal Chaos, der Universal-general-Saamen der grossen Welt oder Macrocosmi, der Spiritus und Anima Mundi, aus und durch welchen nicht allein, was schon geboren ist, erhalten wird zu seiner Zeit, und denn wieder mit diesem zerstöret, und wieder von diesem geboren wird, und solche ration treibet dieses Wasser bis zu Ende der Welt, wie wir nachgehends in seinem sondern Capitel ferner darthun wollen.

Jetzt aber wollen wir diesen bekanten Universal-Samen oder Chaos regeneratum durch die Anatomia examiniren, was es vor Art in sich halte. Derowegen nimm und fange einen Thau oder Regen, Schnee, Reiff oder Hagel, welches du nun wilst: Besser und geschwinder kanst du aber procediren, so du nimmst das Regen-Wasser und am allerbesten, so es donnert, so fange solches in ein rein Faß, denn filtrir es durch einen Filtz, daß es keinen Mist von den Dächern in sich fasse, so wirst du befinden ein helles, klares, durchsichtiges, crystallinisches Wasser, welches keinen besondern Geschmack als ein Brunn-Wasser von Ansehen, in summa, ein schön klares Wasser ohne Mangel zu trincken und zu geniessen, wie ander rein Wasser. Dieses stelle hin an ein laues Ort unter ein Dach, da weder Sonn noch Mond, weder Wind noch Regen darzu kan. Decke es mit einem Tuch oder Faß-Boden zu, daß keine Unreinigkeit hinein falle, laß es einen Monat also unbewegt stehen, so wirst du in diesem Wasser währender Zeit sehen eine Alteration von seiner vorigen Natur. Denn dieses Wasser fänget an durch den eingepflantzten Geist sich zu erlauen, wiewol insensibiliter, zu erwärmen, und sich zu brechen; Es hebt an zu faulen, bekommt einen übeln Geruch, und man findet eine Trübigkeit in diesem zuvor klaren und durchleuchteten Wasser, denn es schwimmet eine braune schwammichte Erden empor, welche sich immer mehr und mehr wird vermehren, endlich schwer werden und zu Boden sincken. Hier wird man sehen durch den eingepflantzten Archäischen Geist eine Scheidung des subtilen von dem groben, des dickeren von dem dünnen. Denn die Erde, die es scheidet, ist an der Farbe braun, schwammicht wie eine Wolle, in Angreiffung schmierig und schlüpffrig, schleimig, und dieses ist die Universal Gur.

Aus diesem siehet der Liebhaber augenscheinlich 2. Dinge, als Wasser und Erde, in welchen beyden der Himmel und Lufft verborgen sind. Denn den Himmel können wir mit unsern dunckeln Augen nicht sehen, die Lufft aber können wir zwar sehen, wenn sie als ein Dampff, Rauch, Nebel in seiner Sphær herum fliegen; Aber hier hat sie sich in Wasser resolviret, und ist im Wasser enthalten, wie der Himmel. Nun hat der Leser schon 2. Elementa sichtbar, Wasser und Erde. Zuvor hat er ein flüchtiges Wasser allein, jetzt aber hat sich die Erde ex benignitate putrefactionis seu tepidæ digestionis sichtbar dargestellet. Den Himmel aber und die Lufft müssen wir auch auf eine andere Art suchen und ausführen. Wenn sich nun das Regen-Wasser also getrübet hat, so rühre alles wohl zusammen, und thue es in eine küpfferne Blase, setze sie in einen Ofen und hitze unter, daß das Wasser anfange zu dämpffen, so wirst du zu der Blasen herauf steigen sehen Dampff und Dunst, Rauch, Nebel, und dieses ist die Lufft, welche den Himmel in sich hat und mit sich beschlossen hat. Wilst du aber die Lufft fangen, und solche zu Wasser machen mit samt dem Himmel, so setze einen Helm auf, denn lege eine Vorlage dran, wie die Brandtwein-Brenner pflegen, so condensiret sich der Dampff in dem Helm, und rinnet Strömlein-weise in sehr klarer crystallinischer Wasser-Gestalt in das Receptaculum. Dieses Wasser distillire den 4ten Theil, so hast du Himmel und Lufft beysammen, und hast 2. Elementen geschieden. Den Himmel spürest du an seinem Licht und Schein. Dieses Wasser, zuförderst so es rectificiret wird, leuchtet viel heller und klarer als zuvor, als ein crystallinisches Brunnen-Wasser, welches Licht anzeiget, daß es eine obere Krafft als ein himmlisches Wesen in sich hat.

Wenn du nun den Himmel und Lufft distilliret hast, so thue es besonders und setze ein ander Receptaculum vor, und fahre fort mit distilliren und distillire alles Wasser ab, bis auf eine Dicke, wie zerlassen Honig, und nicht biß auf die Trockene: denn du verbrennest die noch junge zarte jungfräuliche terram, so seine Fixität noch nicht erlanget. Das distillirte Wasser aber thue auch beyseits, so hast du das 3te Element; Was aber in der Blasen zurück geblieben, nemlich die noch viel feuchte Erde, die nimm rein heraus, thue sie in eine Glaß-Schale, setz an die Sonne wohl einzutrocknen, daß es gantz dürre werde, daß mans zu Pulver reiben kan; reibe es dann auch zu Pulver. So hast du nun alle Elementa geschieden, und vor deinen Augen. Nun müssen sich auch die Elementa weisen, daß sie wahre Elementa seyn, sonst ist es falsch, was ihnen zugeschrieben wird, nemlich daß aus ihnen alle unter-mondische Subjecta gebohren werden. Denn den Himmel zu bauen, bilde sich keiner ein, es sey denn, daß er habe himmlische Offenbarungen aus diesem Wasser auch Sternen zu machen, auch die Meteora, weil dieses Wasser selbst eine meteorische Geburt ist, und lasse solches beyseits: Sondern wir wollen sehen, ob aus diesem gefärbten Wasser unser nothwendigstes, als Animalia Vegetabilia und Mineralia können gebohren werden, von denen wir unser meistes Leben haben, und mit welchen und durch welche wir leben und schweben und einander helffen müssen.

So nun Rec. deine Erde, so du wilst Mineralia gebähren, befeuchte sie in einem Kolben ein klein wenig, stells an einen Ort, da die Wärme der Sonnen hin kan, aber nicht die Strahlen der Sonne, und so es trocken ist, so befeuchte es wieder mit seinem Wasser, aber nicht mit seinem Himmel oder Lufft, und dieses befeuchten und trockenen thue so offt, ja wenn du wilt, so kanst du die völlige Erde mineralisch machen. Durch dieses befeuchten und trockenen wirst du befinden, daß die Erde schwer und sandig. NB. Der Kolben darff nur mit einem papiernen Stöpsel verwahret werden und nicht fest, daß die Lufft auch darzu hinein kan. Wenn du nun siehest, daß die Erde zu Sand wird, so erkennest du, daß die Erde ein Mineral ist. Denn ein Vegetabile ist es nicht, auch kein Animale: ergo Minerale. Wenn du nun dieses Sandes viel hast, so nimm davon, und thue eine Probe, wie man die Ertze probiret, so wirst du finden eine Spur Silber und Goldes. Wilst du aber ein Vegetabile aus derselben Erde haben, so nimm obbesagte Erde pulverisirt von der Sonne, und nimm seines Wassers 2. Theil, des Himmels und Lufft einen Theil, geuß zusammen und befeuchte die Erde damit, wie die Gärtner pflegen, nicht zu naß, auch nicht zu trocken, stelle sie an die Lufft, nicht an die Sonne, so wird dir allerhand wachsen. Thue aber eines Krauts Saamen hinein, so wächst die Frucht desselben Saamens auch daraus. Hieraus nimm die Vegetabilische Geburt.

Wilst du aber ein Animale haben, so nimm die von der Sonnen getrocknete und pulverisirte Erde, geuß des Wassers 1. Theil, des Himmels und der Lufft 2. oder 3. Theil darauf, und so viel, daß es werde wie ein dünn zerlassenes Honig, thue es in laue Lufft, und in kleine Sonnen-Wärme, daß die Sonne nicht gar zu heiß drauff scheine, so wirst du sehen, wie es in kurtzen Tagen voll allerhand Thiergen von unterschiedenen Sorten wird sich rühren und wenden, und wenn das Wasser abnähme und die Feuchte, so begeuß es wie zuvor mit neuen, doch daß es immer in einer Consistenz bleibe, wie zu erst, so wirst du sehen, daß sich die ersten Thiere zum Theil verliehren werden, und andere daraus wachsen, zum Theil werden sich etliche davon nähren und speisen und immer grösser werden. Ich wolte wohl einen Griff sagen, wie man allerhand Sorten Thiere könte gebähren, was man für eins wolte: Damit man aber nicht sagen möge, ich wolte dem Schöpffer in seine Schöpffung greiffen; (will ich ihn verschweigen.) Da man doch besser ratiociniren solte, daß GOtt alles aus Nichts und ohne Materie erschaffen; wir aber, so wir allen nachäffen wolten, müssen überall dazu die Geschöpffe und die gemachte Materie haben, und hat uns GOtt nicht verboten uns in seinen Geschöpffen und Schöpffung zu belustigen, sondern vielmehr geboten, und solche seine heilige Gebote und die Cabalistische Kunst ins geheim offenbaret, aus welchem der Mensch immer mehr und mehr zur Erkäntniß gelanget.

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