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Das IX. Capitel. Von der Erden und deren Ausfluss.
Die Erde ist das 4te und letzte Principium in der Scheidung des Chaos, und das unterste, wie der Himmel der oberste, Lufft und Wasser der mittelste Theil. Der Himmel ist der subtileste, die Erde das gröbste, der Himmel flüchtig, die Erde fix, Lufft und Wasser stehen im Mittel, doch im Grad der Subtiligkeit und Flüchtigkeit nach unterschieden. Die Erde ist der andere leidende Theil und sperma fœmininum, der weibliche Saamen, die Mutter aller unter-mondischen Dinge, die Erde ist ein coagulirter fixer Himmel, ein coagulirtes Wasser, eine dick gemachte Lufft, ein zu Erden verkehrter Dampff, ein fix coagulirtes Wesen, das Centrum und Gefäß aller himmlischen Einflüsse und des allgemeinen Samens, aus welchem in der Erde und durch die Erde wachsen alle Mineralia, Vegetabilia und Animalia. Damit wir aber kürtzlich darthun, auf was Weise die Erde und Wasser zu Dämpffen, Lufft, Rauch, Nebel und Dunst werden, zur Gebährung des Universal-General-Samens, oder zur Regenerirung des Chaos, und wie sich selbe in die Höhe der Lufft, ja bis in Himmel schwingen, so betrachte folgendes. Anfänglich aber soll der Liebhaber mentem meam recht verstehen, daß ich unter dem Himmel nicht jenen Himmel oder Empyreum verstehe, als in welchem GOtt mit seinen Auserwehlten wohnet, welcher Himmel von allen Veränderungen und natürlichen Wirckungen gantz und gar entäusert und privilegiret, als unter welchem diese Veränderungen entstehen und weiters dorthin nicht gelangen, aus sonderlichem Gebot des allmächtigen HErrn.
Dieses voran geschickte mercke der Leser, daß, wie ich oben gesaget, der Himmel durch seine allerhöchste Subtilheit der allerbeweglichste aller Dinge ist, welcher nimmermehr, so lange GOtt die Welt in ihrem esse beständig seyn läst, aufhöret sich zu bewegen, und mit solcher seiner Bewegung verursachet er, daß sich die ihme nächste Lufft auch bewegen muß, wiewol viel langsamer als der Himmel: die Lufft aber durch ihren Motum beweget das Wasser und dieses die Erde, wiewol deren Motus successive immer schwächer und langsamer ist. Daß die Lufft von dem Himmel beweget wird, siehet man, daß eine continuirliche witternde und bebende Lufft und Wind ist. Daß die Lufft das Wasser beweget, ist keiner Probe nöthig. Die Schiffleute auf kleinen und grossen Wassern, meistentheils zur See und Meer werden offt verhindert, Wind zu feyern oder Windstill zu liegen, da das Wasser mit seiner Fluth und Wellen hoch auftobet. Daß aber das Wasser die Erde beweget, siehet man, daß es continuirlich Sand, Koth und Steine führet, welches eine zermalmete Erde ist, da sie solche an einem Ort abreisset und abwäschet, und träget es an einen andern. Hier leeret es aus und dort häuffet es wieder zusammen Berg und Thal, wie es sich denn nach Gelegenheit des Orts schicket. Nun ist eine jede Bewegung eine Ursache einer Wärme, sie sey nun empfindlich oder nicht: Denn an den lebendigen Thieren, und zwar an den irdischen, empfindet man nicht allein Wärme, sondern auch Hitze. An den Wasser-Thieren empfindet man die Wärme nicht, oder gar wenig, ja so zu sagen, Kälte. Nun muß aber alles Leben nothwendig von der Bewegung und der causirten Wärme entspringen, denn die Kälte löschet das Leben aus. Aus diesem schliesse nun der Leser, daß eine empfindliche und eine unempfindliche Wärme ist.
Denn dieses ist darum hieher gesetzet, weil in denen Elementen die Wärme eingepflantzet ist, welche man zu Zeiten spüret, zu Zeiten nicht, und gebähret doch eines weges als des andern zu allen Zeiten in allen Elementen, es mag die Sonne darzu kommen, als auch die unterirdische Central-Hitze, oder nicht: denn jedes Ding, es sey nun so klein als es immer wolle, ja das man vor Kleinheit nicht sehen noch greiffen mag mit natürlichen Augen, so hat es doch den Himmel eingepflantzet mit allen übrigen Elementen. Hat dieses Ding nun den Himmel eingepflantzet, so hat es nothwendig eine Bewegung in sich, es sey sichtig oder nicht, empfindlich oder nicht. Der Himmel ruhet nicht, er muß einen Motum haben, er nehme ihn wo er wolle; Und ob er schon scheinet zu ruhen, so hat er doch seine unsichtbare Ausflüsse, Wirckungen und Kräffte. Als zum Exempel, ein Erdgewächse, Wurtzeln oder Kraut, das von seiner Mutter oder Geburts-Ort abgerissen und ausgedörret ist, scheinet, ob es todt sey, weilen es von seinem Wachsthum verhindert ist; Nun ist aber der Himmel darinnen, der ruhet nicht, sondern per insensibilem transpirationem wircket er grosse Thaten, also daß ein solcher Geist ihm nicht allein eingegeben, sondern auch angehängt ohne Verlierung seiner Krafft und Macht, auch ohne Verhinderung seiner Grösse und Gewichts denen Menschen in Gesundheit und Kranckheit nach seiner eingepflantzten Art und Tugend beyspringet.
Nun siehet der Liebhaber, was dieses ist, und aus was für Krafft ein jedes Ding seine Wirckung hernimmt, nemlich von dem Himmel und seiner immerwährenden Bewegung, Erlauung, Erwärmung, Erhitzung. Derowegen suche nur kein Ding auf Erden, groß oder klein, wo nicht sowol der Himmel als alle übrige Elementa darinnen concentriret seyn. Es giebts auch die Vernunfft, daß ein jedes Ding die Art und Eigenschafft desjenigen nothwendig muß in sich haben, von wem es entsprungen. Nun ist ja alles und jedes aus dem Chaos als Prima materia kommen, so hat es ja dessen Eigenschafft; Die Eigenschafft aber dessen ist Geist und Wasser, der Geist ist der Beweger, der Erwärmer. So ist nun dieser Geist allenthalben durch die gantze Welt ausgegossen, daß auch das geringste Tröpfflein Wasser und das geringste Stäublein Erde mit solchem und dem Wasser in liquido & sicco durchaus erfüllet ist, und gleichwie das Tröpfflein Wasser an allen seinen Theilen Wasser ist und Geist, also auch die Stäublein Erden an allen seinen Theilen Erde und Geist, wiewol coaguliret, das Wasser aber flüssig und solviret ist. Daß aber die Erde und das Wasser nicht so beweglich wie der Himmel, das macht ihre Dicke und Grobheit, oder Coagulation und Concentration. Machet die Erde flüchtig wie den Himmel, so ist sie so schnell in ihrer Bewegung wie der Himmel. Hieraus ist aber zu sehen, daß der gantze Unterscheid und die Distinction aller Sachen nur an der Volatilität und Fixität ist: Das ist, fix und flüchtig verschafft die Veränderung und veränderte Gestalten aller und jeder Dinge, und ist der gantze Scopus und terminus naturæ, daß der Himmel soll fix werden, soll er anders denen sublunarischen Creaturen nutzbar und heilsam seyn.
Denn es ist ja augenscheinlich, daß alle und jede sublunaria gegen den Himmel grob und dick, also auch nicht so beweglich seyn. Derowegen muß der Himmel zu dieser ihrer Nutzbarkeit nothwendig irdisch werden, sie könten sonst einen so subtilen Dampff, der da höchst flüchtig ist, nicht greiffen, wenn er sich nicht durch die Lufft und Wasser auf die Erde communicirte. Deswegen und dieser Ursach halber hat es GOtt also geordnet, daß der Himmel durch alle Elemente gehen und sich in alle Elemente verwandeln soll, wie hingegen sich die andern Elementa in den Himmel durch ihre höchste Subtilirung ändern zum Heil und Nutzen, zur Gebährung und Erhaltung, auch Zerstörung und Wiedergebährung aller unter-mondischen Subjecten. Damit wir nun beweisen, wodurch Wasser und Erde samt der Lufft zum Dampff, Rauch und Nebel und solche zu Himmel werden; so halte der Liebhaber fest in seinem Gedächtniß, daß nicht allein der Himmel und die übrigen Elementen allenthalben vermischet und zugegen in allen grossen und kleinen Dingen, sondern auch der Himmel und Lufft in allen und jeden Steinen und Beinen seine Bewegungs-Krafft und Macht sich præsentiret und gegenwärtig stellet. Denn ein subtiles und dünnes Ding wird ehe, als die Animalia, seine Krafft und Bewegung sehen lassen, als ein grosser u. unbeweglicher Erden-fester Baum, oder ein gar lebloß scheinender Stein.
Nun ist die Erde und Wasser je und allezeit beysammen. Denn in dem Wasser ist Erde, und das Wasser laufft auf dem Grund der Erde, in der Erde ist Wasser, denn die Quellen, Brunnen und Ströme fliessen daraus. Auch sind gantze grosse Seen in der Erden zu finden. Nachdem nun dieses bekant, so ist auch bekant, daß Lufft im Himmel und Himmel in der Lufft, so fort Himmel, Lufft, Wasser und Erde je und allezeit bey und in einander, und ist keines ohne das andere durch alle partes, auch so wenig der Mensch ohne Seel und Geist leben kan, also wenig kan ein Element das andere entrathen. So ist denn das Wasser und Erde mit dem Himmel und Lufft erfüllet. Das Wasser muß die Erde befeuchten, soll sie anders Frucht tragen. Das befeuchten und beschwängern verursachet durch den eingepflantzten Himmel, Lufft oder beweglichen Geist in ihrer beyder Vermischung, samt auch darzu kommenden äusserlichen Saamen sowol als der innerlichen Central-Hitze, eine Bewegung, die Bewegung eine Erlauung, die Erlauung eine Erwärmung, die Erwärmung eine Erhitzung, diese erzeuget und erwecket das Wasser zu Dampff, zu Dünsten, und je stärcker die Hitze und je mehr des Wassers, je hefftiger es dämpffet, brodmet und dünstet. Dieser Dampff, so er in die Lufft ausbricht, wird er durch die umgebende Wärme der Lufft und Sonnen und durch den Wind noch mehr beweget, und je mehr er beweget wird, je subtiler er wird, daß er je länger je höher steiget, und je höher er steiget, je näher er dem Himmel kommt, je näher er zum Ursprung der Bewegung kommt. Dieses macht dann, daß dieser Dampff je länger je mehr bis aufs höchste subtilisirt und flüchtig gemacht wird. Je flüchtiger er aber gemacht wird, je mehr neiget er sich zu der Himmels-Natur, bis er auch zu des Himmels Natur verändert wird, wie oben gesaget: Gleichwie der Himmel je näher er zu der Erden kommt, je irdischer wird er, bis er durch die Erden in Erden und Stein verkehret wird.
Nun ist erkläret, wie Dampff und Lufft in Himmel verändert wird. Jetzt wollen wir examiniren, was dieses für ein Dampff sey, und was er in sich begreiffe. Es ist uns zur Gnüge bekant, daß Erde und Wasser, wenn sie erhitzet, dämpffen und brodmen, wie auch dünsten. Wer es nicht glaubt, der frage die Bauren, die werden ihm schon den Grund sagen. Nun ist auch kein Gelehrter, der nicht gestehet, daß in der Erde eine eingepflantzte Wärme sey. Ist eine eingepflantzte Wärme in der Erde, so ist aller Scrupel aufgehoben, daß die Erde und Wasser nicht dämpffen solten. Solcher Dampff ist aber zweyfach, ja vierfach. Zweyfach ist er, weil er aus Wasser und Erde bestehet, vierfach ist er, weil er aus allen 4. Elementen bestehet, primæ originis & primæ materiæ, aus welchen diese viere, Himmel, Lufft, Wasser und Erde entstanden seynd, und, wie gesaget, daß keines ohne das andere seyn kan. Daß ich aber diese Dämpffe nur in zwey theile, als in Erde und Wasser, est ratio hæc, weil sie respectu cœli & terræ fix und figirte Dämpffe seynd; so sie aber subtil werden durch die Bewegung, so wird aus Wasser und Erde Lufft und Himmel. Daß solcher Dampff ein Wasser gewesen, werden alle leichtlich glauben; daß aber Erde in solchem Dampff stecke, wird vielen einen Zweiffel machen, aber solutis nodis werden sie nicht viel mehr darum zancken. Derowegen so gib acht, daß, wie ich zuvor gesagt habe, ein Element des andern Führer ist, und ein Element solviret und subtilisiret das andere. Der Himmel solviret und subtilisiret die Lufft, die Lufft das Wasser, das Wasser solviret auch und subtilisiret und erweichet die Erde; hingegen so condensiret und erdicket die Erde das Wasser, das Wasser die Lufft, die Lufft den Himmel. Also ist eins des andern Magnet u. attrahens, solvens, coagulans, volatilisans & figens.