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← ExitThe Golden Chain of Homer
7 Air and Its Influence

Das VII. Capitel. Von der Lufft und ihrem Einfluss.

Die Lufft ist das andere Principium nach der Scheidung des grossen Chaos und mit dem Himmel der Schmid und Vater, der Mann und Primum Agens, männlicher Saame, erster Wircker aller Dinge. Der Himmel ist Anima und Vita, die Seel und das Leben, die Lufft ist der Spiritus und receptaculum Animæ & Vitæ, und also der Spiritus vitalis macrocosmi. Die Lufft ist ein subtiler Wasser-Dampff und ein umgekehrtes Wasser, und ist ein dicker und etwas gröberer Dampff als der Himmel. Dessentwegen durch seine Dicke fänget er den subtilen Einfluß des Himmels, und figiret ihn in sich in eine lufftige Natur und substanz zu verkehren, von dannen er auch die untere noch dickere wässerige und irdische Dämpffe als seines gleichen ratione originis auch aufnimmt, und solche mit sich selbst und dem Himmel coaguliret, durch stete Bewegung und Circulirung in eine Unitæt bringet, sich endlich durch ohne Unterlaß nachfolgende Dämpffe von oben und unten verdicket, resolviret zu Thau, Regen, Schnee, Reiff, welche meteora dann durch eigene Schwere herunter zu uns auf Wasser und Land gestürtzet werden, um allda wieder ausgearbeitet zu werden. Hieraus ist zu sehen, daß die Lufft das erste Mittelding, den Himmel mit dem Wasser und Erde zu vereinigen, ohne welches der Himmel sich mit Wasser und Erde nicht vergleichen könte. Sie ist der erste, die den gantzen himmlischen Einfluß, die untere wässerige und irdische Ausflüsse vergesellschaftet, verknüpffet und vereiniget, um in seiner sphæra den Anfang des allgemeinen Samens aller Dinge zu schmieden.

Denn ein Dampff, wie oben gesaget, mischet sich gerne mit dem andern, ein Wasser in das andere, eine Erde in die andere; aber eine Erde fänget nicht leichtlich einen Dampff oder mischet sich mit einem subtilen Dampffe. Und ob es auch wäre, daß sie einen kleinen Theil, und zwar den fixesten, solte an sich halten, so flieget doch das meiste wieder davon. Dagegen aber, so der Dampff zu Wasser wird, und je dicker das Wasser, je besser vermischet es sich mit der Erde und wird auch durch seine immer mehrere Dickung zur Erde, wie e contra die Erde durch mehr und mehrere Subtilung vermittelst Wasser und Lufft zu Wasser und Lufft verändert wird. Derowegen operiret die Natur per media oder durch Mittel-Wege und nicht immediate ab extremo ad extremum, sonsten käme quid pro quo heraus. Denn die Erde und Wasser müssen zu Rauch und Dampff werden, wie wir täglich sehen, gleichwie der Himmel und Lufft auch ist. Denn so treten sie zusammen als gleich zu seines gleichen, formiren durch ihre Wirckung einen Saamen, welcher sich zu Thau und Regen solviret, auf das Wasser und Erd als das Centrum und Receptaculum omnium cœlestium virtutum fället, als davon alle Animalia, Vegetabilia und Mineralia generiret werden, wie auch corrumpiret und regeneriret, wie Maria Prophetissa saget: Ein Rauch oder Dampff fänget und figiret den andern, die Lufft den Himmel, der Himmel mit samt der Lufft figiret das Wasser noch mehr, das Wasser empfänget oder figiret die Erde mit samt der Lufft und Himmel noch mehr, ja aufs äusserste zu Stein und zu Metall.

Also wird der Himmel irdisch und zu Erde, corporalisch, sichtbar, greifflich und tractirlich; Dahingegen hinwiederum solviret das Wasser die Erde, die Lufft solviret Wasser oder subtiliret das Wasser und Erde zu Dampff und Rauch, die Lufft mit samt dem Wasser und Erde solviret und subtilisiret den Himmel und verkehrets in seine Natur, also daß das eine ins andere verwandelt wird, bald fix bald flüchtig, mit unabläßiger Abwechselung. Der Himmel wird zur Erde, die Lufft zu Wasser, die Erde zu Himmel, und das Wasser zu Lufft, so dann heist es abermahl Aurea Catena Homeri, Annulus Platonicus, Superius & Inferius Hermetis, das obere ist wie das untere und das untere wie das obere, und ist, wie oben gesagt, kein Unterschied der Materie halber, sondern alles zufällig, accidentaliter. Die Erde ist ein fixer Himmel, der Himmel eine flüchtige Erde, die Lufft ein rarificirtes oder dünn gemachtes Wasser, und das Wasser eine condensirte oder dick gemachte Lufft. Hieraus siehet man, daß eines von dem andern nicht anders unterschieden ist, als daß das eine flüchtig, das andere fix, das eine flüssig oder solviret, das andere dicke oder coaguliret, und so das flüchtige fix, das fixe flüchtig gemacht wird, das coagulirte solvirt, und das solvirte coaguliret, so ist eins ins andere verwandelt, und ist doch das, was es zuvor gewesen, nempe Materia prima.

Letztlich kan die Lufft billig die Nieren oder Testes Macrocosmi intituliret werden, weil in ihr principaliter der Zusammenfluß aller humorum radicalium substantialium Macrocosmi geschiehet und die Extractio totius Universi allda zusammen kommt, allwo das so viel Jahr und Zeit zertrennete uralte Chaos täglich und stündlich von neuen gezeuget und regeneriret wird, zur Gebährung, Erhaltung, Zerstörung und Wiedergebährung aller natürlichen Dinge. Denn was ist der Thau und Regen anders, wie noch mehr expliciret wird, als ein pur regenerirtes Chaos, aus welchem alle Animalia ihr Leben und Erhaltung haben? Alle Vegetabilia und Mineralia entspringen und wachsen davon, und dieses alles wird in der Lufft gezeuget und ausgebrütet. Nun hiervon so viel gesagt, unten wird es sich immer mehr erklären.

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