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Das VI. Capitel. Von dem Himmel und seinem Einfluss.
Der Himmel ist nach der Scheidung des Chaos das allererste, subtileste und unbegreifflichste höchste Wesen, ein sehr subtiler Wasser-Dampff, leicht, rein und flüchtig, daher er sich zu oberst begeben, und die höchste Stelle eingenommen, der da ist der subtileste Theil, voller Leben und das allerwirckhaffteste Wesen. Aus diesen Ursachen ist der Himmel das Primum Agens, der erste Wircker und der Vater aller Sachen, der männliche Saame, die Anima und Liquor vitæ vivificans, Nectar & Ambrosia, eine subtile Lufft und Wasser, eine flüchtige Erde. Der Himmel und Lufft, wie zuvor gesagt, haben ihren Ausfluß nicht über sich, sondern unter sich zur Erd- und Wasser-Spher, nach dem wohlverordneten und absoluten Befehl des Schöpffers. Wie dieses nun abwärts einfliesset, also fliesset das Wasser und Erde aufwärts zu, dem Himmel und Lufft entgegen. Dann der Himmel, so der allerbeweglichste ist, durch seinen unaufhörlichen Lauff erhitzet und entzündet, fänget an zu brodmen, zu dämpffen und zu schweissen, was er zu seiner Consistenz vonnöthen hat, gantz unempfindlich und unsichtbarer Weise, und weil er seinen Dampff und Influenz nicht über sich, sondern unter sich gewidmet auszulassen, so gehet dann solcher Dampff in die nechste Sphær als in die Lufft, und weil diese nicht höchst subtil, noch zu dick, so fänget er sich in dieser, und mischet, vereiniget, coaguliret sich mit der Lufft subtilen Dämpffen, digeriret und circuliret sich durch stete Bewegung hin und wieder, bis sie beyde wohl vereiniget, und dann die untern Ausflüsse des Wassers und der Erde bequem seyn anzunehmen, hieraus den Universal-Samen oder Spiritum mundi seu Aquam Chaoticam regeneratam zu schmieden, und so dann, wenn der Himmel einmal der Lufft insinuiret, nachgehends die Lufft sich auch bequemet, seinem Nechsten, als dem Wasser und Erde, vereiniget zu werden.
Ein Liebhaber soll hier nicht gedencken, daß der Himmel der Lufft sich zu vereinigen viel Zeit habe, oder viele Weile gebrauche, und so auch die Lufft zum Wasser und so dann zur Erde. Nein! sondern so bald sie einander antreffen, in continenti geschiehet die Vereinigung, indem sie sich auf dem Wege darzu je länger je mehr durch die extension und circulation oder Bewegung bereiten, da sie hernach wieder zusammen kommen, sich gleich durch und durch vereinigen, wie Rauch und Rauch, Wasser und Wasser. Denn weilen diese gevierdte Conjunction des Himmels, Lufft, Wasser und Erde in einem lautern subtilen Dampff oder Nebel oder Rauch-weise geschicht; so ist ja leicht zu erachten, daß sich ein Dampff und Rauch dem andern, ein Wasser dem andern sehr leichtlich insinuiret und vermischet, zuförderst da eine durchaus natürliche Neigung und einerley Materie und Ursprung sie haben. Nun möchte einer fragen, wenn denn der Himmel stets von sich einflösset, ob er denn nicht abnehme in Quantität und Krafft, weil es unmöglich scheinet natürlicher Weise, daß etwas stets solte von sich geben, und nichts wieder zu sich nehmen, daß es nicht solte an aller seiner Substanz und Krafft abnehmen. Gleich als ein Mensch, welcher stets und starck aneinander schwitzet, schwach und matt, auch krafftloß wird, also argumentire man a minori ad majus.
Dieses ist leicht zu beantworten, und wird dieser modus auch nachgehends also solviret und zu betrachten seyn. Einmal ist es gewiß und unsern Augen greiffbar, so weit uns erlaubet, daß der so grosse Raum zwischen Himmel und Erden ohne Unterlaß und ohne aufhören voller Dampff, Nebel, Rauch, Wolcken und Dünste ist. Und diese Dämpffe kaum daß sie sich verdicken, und in Regen und Thau, Schnee, Reiff, Hagel rc. resolviren, in continenti darauf fängt die Ausdämpffung von unten und oben wiederum an, also daß keine Aufhörung der Gebährung solcher Dämpffe ist: solche Dämpffe aber heissen wir mit dem gemeinen Namen Lufft. Gleichwie nun alles, was da ausdämpffet oder ausathmet von sich, begierig ist, und von dem Schöpffer also befohlen und geordnet, daß es wieder seines gleichen an sich ziehe, und wenn er das angezogene in sich fasset, und durch alle seine Glieder geführet, so dann ist es aus natürlichem Zwang und Gebot wieder benöthiget, seinen Überfluß oder excrement von sich zu lassen durch seine darzu prædestinirte Ausgänge. Gleich als der Mensch, welcher starck schwitzet und ausathmet, natürlich, bey Verlust sonst seines Lebens Erstickung, verbunden und gezwungen ist, wieder Lufft, Speiß und Tranck in sich zu nehmen und zu ziehen als seines gleichen, aus natürlicher Begierde oder Zwang, dadurch er den Abgang wieder erstattet, sein Leben erquicket und erfrischet. Weilen aber solches zu sich nehmen der Lufft, Speise und Tranck nicht alles zu des Menschen substanz gereichet; also jaget ers als überflüßig durch seine darzu bestimmte Ausgänge wieder fort, als: das subtileste durch den Schweiß, das gröbere durch den Urin, Nasen, Rotz, Speichel, das gröbste per sedes oder vomitum, und so dieses heraus, ziehet er wieder natürlicher weise eine frische Lufft, Speise und Tranck in sich, und macht wieder einen Überfluß oder excrement von sich zu lassen.
Gleichwie nun die Lufft, Speiß und Tranck in dem Menschen völlig aus ihrer Art und Natur gebracht worden, und werden volatil per Archeum humanum in des Menschen substanz transmutiret und verändert, also daß auch die excrementa nicht das geringste Anzeigen der vorigen Natur, der Lufft, Speiß und Trancks geben, sondern es ist durchaus eine andere Gestalt und von menschlicher substanz und Lebens-Geistern imprægniret als mit dem sale volatili, wie die Anatomie weiset. Gleicher weise der Himmel, Lufft, Wasser und Erde erstatten ihren Abgang in continenti mit ihres gleichen. Der Himmel empfängt die von unten hinauf gestiegene Dämpffe, als die auf dem Wege je länger je mehr subtilisiret und præpariret worden, und durch alle Luffte bis an das Firmament, und von dannen zu höchst aufgezogen werden, den Abgang und Ausfluß des Himmels zu erstatten. Hiervon nun nimmt der Himmel, so viel er bedarff, verkehrts in seine Natur, und so er sich ersättiget, so treibt er aus natürlichem Antrieb das überflüßig oder die excrementa wieder von sich in das Firmament und Lufft. Die Lufft sättiget sich auch und verdicket sich durch die von oben und unten ohn Unterlaß folgende Dämpffe, und resolviret den Überfluß zu Thau und Regen, treibet solchen als ein excrement der untern Sphær zu als dem Wasser, das Wasser leget aber seinen dicken Überfluß ab, und giebt ihn der Erde, die Erde aber wird durch solches Einfliessen überhäufft, oder auch gesättiget, und jaget den Überfluß dieses Wassers durch seine central Hitze wieder von sich aus, resolviret es zu Dampff und Broden, zu Nebel und Rauch, treibets also in der Lufft aus, und solche Abwechselung des Auf- und Abnehmens, des zu sich nehmen und von sich treiben hat der Schöpffer aus weisester Ordnung der Natur eingepflantzet, solches zu continuiren, bis er der Welt nach seinem Willen ein Ende machet.
Aus diesem siehet der Liebhaber klar, daß alles sich von eben dem, so das Wasser wegwirfft, wieder davon erhalten muß, doch mit vorgegangener alteration, das wir excrementa oder Ausfluß nennen, das wird wieder unsere Nahrung. Als der Mensch isset Brod, Wein, Bier, Frucht, davon macht er excrementa, solche werden wieder aufs Feld geführet, der Same in solche gesäet, daraus wächset aus seinem eigenen excrement wieder seine Nahrung. Also ein Baum, wenn der Winter seine Blätter abklopffet, so fallen sie zur Wurtzel, verfaulen und werden zum Safft, der in die Wurtzel kriechet und seinen Baum wieder speiset und dünget. Dieses observire einer wohl, so erkennet er leichtlich hieraus das Superius Hermetis, die Catenam Homeri, den Annulum Platonicum. Daß sich eins ins andere verwandele, und per vicissitudines rerum eben wieder dasselbige oder ein gleich solches wird, was es zuvor gewesen, solches ist auch leicht zu schliessen. Denn es ist ja nur eine eintzige Materie gewesen, und aus dieser ist alles entsprungen, und aus dem ein Ding entspringet, in dasselbe muß es durch zurückgehen sich wieder verkehren. Alles ist Wasser gewesen und muß auch alles wieder zu Wasser werden, weil das Wasser sein erster Anfang war. Nun applicire einer dieses durch folgendes gantzes Werck, welches nicht eine geringe Beförderung zu unserer Kunst ist. Jetzt wollen wir in der Ordnung die Lufft betrachten.