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I.5 · Chaotic Water and the Universal Seed

Das V. Capitel. Wie das zertheilte und zertrennte chaotische Wasser regeneriret und zu einem Universal-General-Samen wird, welcher insgeheim Anima seu Spiritus mundi heisset.

Aus besagtem siehet und verstehet ein Liebhaber, wie das erste und uralte Chaos in 4. Theile nach aller Weisen Lehre ist abgetheilet worden, und solches aus unwiederrufflicher Ordnung GOttes, als in den Himmel oder eigentlich das Element Feuer, Lufft, Wasser und Erde. Dieweil nun GOtt diesen ein Gebot gesetzet, daß sie bis zu weiterer Verordnung nicht wieder solten zusammen fliessen, so hat er ihnen zugleich geboten das verbum multiplicationis, als daß sie sollen insgesamt das zertheilte Chaotische Wasser oder Universal-Samen, Welt-Geist, Animam mundi, Spiritum mundi ohn Unterlaß regeneriren und wiedergebähren, zur Gebährung, Erhaltung und Zerstörung aller und jeder Dinge. Dieses wird nun manchen wunderlich düncken und gedencken: Wenn wird dieser das erste Chaos wieder heraus schmieden, das schon so viel 1000. Jahr zertrennet ist? Ja es ist seltsam, zuförderst wenns ein Bauer höret, so solte er sich noch samt seiner dreyen verwundern, obwol ers täglich mit seinen Augen siehet und mit seinen Händen greiffet. Weil es aber mit einem andern Namen genennet wird, so verstehet er nicht, was es ist, und was darunter verborgen, und ist ihme genung, daß davon seine Felder und Wiesen wachsen, dadurch er und sein Vieh gespeiset wird, weiter macht er keine Speculation nicht. Ein Gelehrter aber und anfangender Discipul soll es besser in acht nehmen, weilen es klar ist, daß so einer den Haupt-Zweck, den Haupt-Grund und das Fundament nicht verstehet, wie will er denn in der Kunst weiter kommen? Es ist zu bedauren, daß sich so viele vergeblich mehr zum Affront als Ehre auf die Kunst legen, lauffen hinein unbesonnen gleich auf die Processe, und dencken nicht einmal dem Ursprung eines jeden Dinges nach.

Nun ist wissentlich, daß die 4. Elementa Feuer, Lufft, Wasser, Erde aus dem Chaos worden, und alle aus einer Materie und Grund. Derowegen so können diese unter einander nicht unterschieden seyn, als eins zu dem andern sagen solte: Ich bin von einer andern und edlern Materie geboren. Nein, die Materie ist eins; Aber der Unterscheid bestehet in dem, daß durch die Putrefaction der Himmel subtil und flüchtig worden, und sich samt der Lufft zum höchsten geschwungen, die Erde aber und das Wasser ist fix worden, und hat sich mit seinem pondere in die Tieffe niedergesencket. Wenn aber der Himmel fix gemacht wird, so ist er auch Erden, und so die Erden flüchtig und subtil gemacht wird, so ist sie auch Himmel. Also die Lufft und Wasser auch. Denn es muß eins ins andere verwandelt werden können, sonst wären sie nicht von einer Materie, und könte keine Veränderung des Wachsen und Abnehmen geschehen, wenn nicht eins ins andere verwandelt werden könte. Nun seynd diese 4. aus dem Chaos worden, das Chaos aber ist nichts anders gewesen als Wasser und Geist, 2. Dinge in einem begriffen. Diese 2. Dinge haben sich nun getheilet in 4. Dinge. Diese 4. Dinge sind nichts anders als Wasser und Geist. Ist also zu verstehen, daß das Wasser und Geist diese 4. Dinge Himmel, Lufft, Wasser und Erde durch alle ihre Glieder ausgetheilet, und ist in allen 4. kein Stücklein nicht zu finden, wo nicht dieses Wasser und dieser Geist durchaus anzutreffen, es sey nun in liquido oder sicco, soluto vel coagulato, so ist alles und jedes Ding in der gantzen Welt Wasser und Geist, und ein resolvirtes oder coagulirtes Wort des ewigen Schöpffers. Denn das Wort ist zu Wasser worden, also ist das alles Wort, was da stehet und lebet.

Nun ist auch bekant, je subtiler ein Ding ist, je reiner lebhaffter und beweglicher es ist; je beweglicher nun ein Ding ist, je geistreicher es ist, und durch solche Bewegung wird es immer beweglicher. Die Bewegung aber verursachet eine Wärme, und je mehr es beweget wird, je hitziger es wird, daß es auch dasjenige, was ihm am nechsten, auch erwärmet und erhitzet. Wir müssen bekennen, daß der Himmel sehr subtil und durch seine Subtilität bewegt er sich immer, und durch solche stete Bewegung erhitzet er sich. Diese Erhitzung macht, weil der Himmel ein Wasser und aus Wasser gemacht ist, daß der Himmel dämpffet, dünstet und schwitzet. Solcher Dampff oder Schweiß aber, weil er weiter nicht über sich kan, weil ihm GOtt ein Ziel geboten, so muß er unter sich dringen, und kommt also von oben herunter in die Lufft und wird allda von der Lufft gehalten und gefangen, was das gröbste ist. Das subtile steigt wieder durch seine Anziehung zurück hinauf und fähret weiter so lange hin und wieder, bis es durch eine Circulation auch verdicket und grob wird, daß es die Lufft auch behalten kan. Diß ist nun die Influenz, so wir vermittelst der Lufft vom Himmel geniessen, und der astralische Saame. Wie nun der Himmel beweglich ist, also macht er auch die Lufft als seine nechste Nachbarn beweglich, diese bewegt das Wasser und dieses die Erde, und gehet also in der schönsten Ordnung als ein Uhrwerck, da ein Rad das andere treibt. Gleichwie nun der Himmel seinen Ausfluß giebt, also geben es auch die Lufft, Wasser und Erde, und schmieden also insgesamt in ihrer gebührenden Universal-Materie den allgemeinen Samen oder Welt-Geist.

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