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← ExitThe Golden Chain of Homer
4 How This Universal Seed Was Generated and Born

Das IV. Capitel. Auf was Weise dieser Universal-Same gezeuget und geboren worden.

Nachdem GOtt das Chaos simplum zertheilete in quadruplum, alsbald hat er ihnen das Gebot: Crescite & multiplicamini, auferleget. Der Himmel und Lufft ist der Vater der Mann und das Agens oder wirckende Theil; das Wasser und Erde ist die Mutter, das Weib, das Patiens oder leidende Theil. Diese 4. und doch nur zwey, diese müssen zusammen stehen und einen Samen in primam materiam, ein regenerirtes Chaotisches Wasser oder Primordial-Chaos wieder aus ihrem Innern oder Centro erwecken, zur Gebährung, Erhaltung, Zerstörung und Wiedergebährung aller Dinge, so lange bis GOtt den Klumpen der gantzen Welt in einen Stein zusammen schmeltzet. Die Zahl derer, so diesen Samen oder regenerirtes Chaos, Spiritum mundi sollen schmieden, bestehet in 4. ut dictum, Himmel oder Feuer, Lufft, Wasser und Erde. Wiewol aber diese 4. wenn ein extremum gegen dem andern betrachtet wird, einander gar zuwider scheinen, und auf widerwärtige Manier nimmermehr was gutes ausrichten: so richten sie doch, wenn sie ordentlich zusammen treten, alles und jedes aus, was ihnen von dem Schöpffer anfohlen ist. Das Philosophische Axioma muß doch wahr seyn und bleiben, nemlich: Non transiri posse ab uno extremo ad alterum absque medio. Dieses soll ein jeder Artist optime mercken. Denn 1000. und 1000. irren und fehlen, allein, weil sie diesen Punct nicht recht betrachten noch observiren.

Denn der Himmel kan nimmermehr zur Erden werden ohne Mittel des Wassers und Lufft, und die Erde kan nimmermehr zum Himmel werden ohne Wasser und Lufft, als Mitteldingen zwischen Himmel und Erden. Also kan der Himmel auch schwerlich zu Wasser werden ohne Lufft, auch die Erde kan nicht zu Lufft werden ohne Mittel des Wassers. Der Himmel ist subtil, rein klar und flüchtig; die Erde contra ist grob, finster und höchst fix. Diese beyde seyn ex tota sua proprietate contrair. Denn so einer wolte den Himmel als höchst flüchtig mit der Erden als höchst fixen verbinden und zusammen figiren, der würde es nimmermehr thun können: denn das höchst flüchtige fliehet durch eine kleine kommende Wärme wieder fort in sein Chaos und läst das fixe liegen; und dieses geschiehet in allen Dingen der gantzen Natur, daß sich das höchst flüchtige und höchst fixe nimmermehr ohne ihr Mittelding verbinden oder vereinigen lassen. Diß soll ein Artist ohne Unterlaß vor Augen haben, damit er nicht Materie, Zeit und Unkosten verliehre. Derowegen wer da will den Himmel oder Feuer zur Erde verkehren, der vereinige sie zuvor mit ihrem Mittel, so vereinigen sie sich gleich ohne Streit, weilen sie beyde subtiler Art. Wenn die vereiniget, so gib ihnen das Wasser, als ein Mittel zwischen Lufft und Erde, so vereinigen sie sich aber in puncto; denn so gib ihm Erde, und denn so wird descendendo a gradu subtilissimo ad subtilem, ab hoc ad crassum, inde ad crassiorem, und nicht à subtilissimo ad crassissimum, sed per gradus intermedios convenientes die Vereinigung. Also e contra: mache die Erde zu Wasser mit Wasser, dieses mache zu Lufft, diese verkehre in Himmel mit und durch den Himmel: denn sie sind in ihrer Materie und Ursprung eins, also muß auch eins des andern sein Helffer seyn, und muß eins durch das andere bereitet werden.

Also muß es seyn, und kan diese Regel der Natur nicht überschritten werden; sondern vereinige den Himmel mit der Lufft, die Lufft mit dem Wasser, das Wasser mit der Erde. Oder umgekehrt: Vereinige die Erde mit dem Wasser, das Wasser mit der Lufft, die Lufft mit dem Himmel oder Feuer. Also dann wird der Himmel zu Erde und die Erde zu Himmel verkehret. Denn der Himmel ist sehr subtil, die Lufft ist auch subtil, doch um einen Grad gröber als der Himmel, also ist das Wasser um einen Grad dicker und gröber als die Lufft, die Erde ist um einen Grad dicker und gröber als das Wasser. Also muß man Staffel-weise in der schönsten Ordnung der Natur selbst procediren: dann entstehet eine rechte concentrirte Harmonie und eine wahre quint-essentificirte Operation, und so muß es in allen Chymischen Operationen zugehen, sonsten wird wenig ausgerichtet werden. Es wird aber einer einwerffen: Deine Proposition schicket sich nicht gar eigentlich hierzu. Denn solte die Lufft nur um einen Grad subtiler als das Wasser seyn, und dieses um einen Grad subtiler als die Erde, da man doch siehet, daß das Wasser um etliche Grad gröber als die Lufft, und also die Erde viel Grad gröber als das Wasser. Diesem genug zu thun, muß der Artist verstehen, daß gleichwie der Himmel so wol als die Lufft und Wasser und Erde in seine gradus subtilitatis & crassitudinis eingetheilet ist, also diese Elementa unter sich ausgetheilet seyn: dann es vermischet sich nicht gleich die gröbste Erde mit dem dünnen Wasser, denn eine Erde gröber und dicker ist, als die andere; also ists auch mit den andern.

Derowegen nimmt die Natur hier ihren sonderlichen Grad wieder und versetzt den subtilesten Himmel mit dem subtilern, dieses mit dem subtilen. Wenn dieses vereiniget, so influiren sie in die subtileste Lufft, dann nach Vereinigung in die immer dickere, hernach fallen diese in das subtile Wasser, dieses in das dickere, bis in das dickeste Wasser, dieses vermischt sich dann erst mit der subtilen Erde, bis es nachgehends immer dicker und gröber wird und in einen Stein zusammen gehet. Es muß aber einer hier nicht verstehen, daß dieser gradus einer über dem andern stehet, als in einer besondern Sphaera. Nein, sondern die Natur hat die dicke und dünne unter einander vermischet, wie auch Wasser und Lufft, und dann das Feuer hinein gezwungen. Also hat sie auch das grobe und subtile Wasser zusammen gebracht, und eben also Lufft und Himmel, daß unser Augenschein fast einen geringen Unterscheid vermercken kan; Aber in der Anatomie da siehet man erst, was das subtile von dem groben sich in die Höhe begiebet, und davon scheiden lasse, da der Natur ihre Operation sehr schön reguliret ist, also daß sie nicht eins mit dem andern permiscire und zusammen werffe, sondern ein subtiles nach dem andern. Z. E. Nimm eine Erde von Feld oder Wiesen, was für eine du wilt, giesse Wasser drauf, und rühre es wohl durch einander, also daß das Wasser und die Erde zusammen gantz vermischt seyn, laß denn eine Weile stehen, daß das Wasser die grobe Erde fallen lässet und nur die subtile heraus löset, nemlich das Saltz, dieses vereiniget sich gleich mit dem Wasser als eine jungfräuliche Erde.

Wann aber dieses Erdreich heraus, so will das Wasser die andere grobe Erde nicht mehr angreiffen, weilen es zu schwach ist: Derowegen so mußt du die jungfräuliche Erde zuvor mit und durch das Wasser auch zu Wasser machen, das ist, zu einem Wasser distilliren, denn so hat dieses Wasser die Krafft abermal die Hinterbliebene subtilere Erden von der gröbern zu scheiden und sich gleich zu machen, daß es auch zu Wasser werde, und dieses greifft wieder die hinterstellige an; und auf diese Manier arbeitet die Natur so wol resolvendo als coagulando in allen Dingen der gantzen Welt, semper per gradus intermedios convenientes. Aus diesen soll nun ein Artist abnehmen, daß die Natur selbst in allen ihrem gantzen Thun und Lassen die Regel, Maaß und Gewicht observiret, und nicht von ohngefehr alles zusammen mischet, ob es wol unsern Augen und Gesicht so vorkommt. So muß ein Artist das äusserliche in das verborgene himmlische setzen und bringen, und die Natur mit der Hand-Arbeit ausgründen: Denn wird er von einem Griff zum andern kommen, und die Weisheit immer mehr ergreiffen.

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