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11 Chapter XI and Last: On the Alkahest, or Alka Est

Caput XI. & ultimum. Vom Alkahest oder Alka est.

Damit aber der Leser eine Erkäntniß des beschrienen Alka est circulati [Aceti] acerrimi habe, so will ich ihn circumscriptive davon berichten, und damit dieses Buch geendiget haben. Damit ich nicht gar zu grosse Weitläufftigkeit begehe, so haben die Philosophi, nachdem sie gesehen, daß sie durch die corrosiva nichts oder wenig ausrichten nach obigem Verstand: denn wenn ein corrosiv das acidische Metall solviret, so solvirets das alcalische nicht, und welches corrosiv die alcalische subjecta solviret, das solviret die acidische nicht, denn das acidum und alcali, wenn sie zusammen kommen, fressen einander todt, und gebären ein tertium. Derohalben sie sich umgesehen in der Natur, ob nicht ein subjectum zu finden wäre, welches beyde die acidische und alcalische subjecta ohne Unterscheid, eines wie das andere solvire, und einerley Wirckung in der solution thäte. Nachdem sie nun alles durchsuchet, da sagen sie alle, es müsse ein hermaphroditisches subject seyn, das da allen beyden Naturen sich zugeselle. Solche haben sie unter andern auch gefunden in allen mercurialischen subjectis, als da sind alle arsenicalia, marcasitae, realgaria nach abgeschiedenem sulphure combustibili, in allen Mercuriis currentibus & coagulatis. Solche Mercurii haben sie genommen und wiederum eine election unter solchen gemacht, nachdem jedes caprice gewesen; die meisten aber nehmen einen Mercurium, der sich der metallischen Substantz am nächsten specificiret, und diesen in conjunctione bis ins Marck anhanget, auch solche nach seiner Abscheidung unzerstöret bleibe, und einen solchen Mercurium, der sich in seiner coagulation und fixation in ein anders Metall als in Gold und Silber transmutirte.

Weiln sie aber sahen, daß solcher Mercurius zu dick, und zu wenig scharff, die metalla in primum ens zu reduciren und in ein liquidum zu bringen, und sahen wohl, daß die metalla, wenn sie sollen allen Creaturen homogen werden, sie entweder Saltz- oder Oehl- oder Wasser-Natur annehmen müsten; solche Saltz-Natur aber der Mercurius in seiner simplen Natur denen Metallen nicht geben könte: sie sahen auch, daß kein simpel Wasser noch Erden den Mercurium, noch die metalla solviren wolte, noch zu einer saltzigen Natur reduciren, weil sie wohl merckten, daß so sie die metalla in Saltz oder Oehl, Wasser &c. reduciren wolten, so müsse zuvor der Mercurius in ein Saltz oder saltzig Wasser gebracht werden, damit gleich durch sein gleiches gezeuget werde. Derowegen nahmen sie solchen Mercurium und brachten ihn theils auf unterschiedliche Manier zu Saltz und zu Wasser, wie ihnen der Weg nach ihrer Experienz gelungen. Je schärffer nun einer seinen Mercurium animirte, je besser er solvire; je weniger, je schlechter und langsamer, weil sie sahen, daß der Mercurius ohne solche Natur wenig oder gar nichts durchdringen wolte. Derowegen so waren sie nun gezwungen, den Mercurium in ein Saltz, nachgehends zu Wasser zu bringen, alle acida und alcali um Hülffe anzuruffen u. nolentes volentes die corrosiva zu amplectiren (imploriren,) ohne die der Mercurius nicht wolte fechten. Wie nun einer einen bessern und schlimmern Weg hatte, als der andere, also schärfften sie ihren Mercurium durch die Salia, aufs beste sie mochten.

Theils nahmen animalia, vegetabilia und mineralia Salia in eines zusammen gemischet, den Mercurium zu schärffen, theils vegetabilia und animalia; theils universalia und mineralia, nachdem ihnen ein Weg gelungen. So denn recommendirten sie diesen Weg so eifrig, als wenn sonst keiner in der Natur wäre, und sie allein diejenige, die da die gantze Natur umgekehret hätten. Wenn sie denn den Mercurium zu Saltz gemacht, so dachten sie wohl, daß die Natur in aller generation und corruption, und in aller Mixtur ein Wasser gebrauchte, und fast keine trockene composition machte, zu welcher sie nicht Wasser nothwendig brauchte. Derowegen so machten sie diesen saltzigen Mercurium zu einem Wasser mit Wasser, damit er vermittelst solcher extension die metalla und mineralia besser penetriren und ihnen bis aufs centrum animae greiffen wolte; Da nahmen sie denn solchen Mercurium und machten ihn durch eine Retorte mit Wasser zu Wasser. Je penetranter das Wasser war, je besser griff der Mercurius die Metallen an, und gar geschwinde; je schwächer aber das Wasser, je langsamer bequemte sich ihr Mercurius zu solviren: Darum haben ihn theils mit animalischen Wasser, theils mit vegetabilischen oder mineralischen Wassern, oder universalischen, oder aus diesen ein compositum geschmiedet, und damit den Mercurium also hin und wieder getrieben, bis er sich in ein Wasser mit ihnen begeben.

Haben sie nun diß Wasser scharff und geistlich gemacht, desto schnellern effect haben sie erlanget; Entgegen haben sie das Wasser grob und crud und gar corporalisch gelassen, also daß der Mercurius nicht mit zum Geist worden, desto unvollkommenere operation haben sie erlanget. Wenn sie nun also den Mercurium in ein solch geistlich Wasser gebracht, so haben sie ihn geheissen acetum acerrimum, acidum metallicum Philosophorum, acheronticum, infernalem, alias etiam circulatum majus. Nun sind auch etliche gewesen, welche den Mercurium ohne alles Saltz allein mediante igne zu Wasser gemacht, und weil solches nicht penetriren wolte, sind sie wieder genöthiget worden, saltzhafftige, durchdringende und scharffe Wasser um Hülffe anzuruffen, haben ihn mit animalischen oder vegetabilischen oder mineralischen, universalischen Wassern geschärffet; Etliche aber deren waren so furchtsam und scrupulös, wenn sie mineral-scharffe Wasser dazu gebrauchten, es möchte der Mercurius ein corrosiv werden, haben ihn allein mit animalischen und vegetabilischen Wassern geschärffet und damit ihre operationes ausgebrütet, nachdem es ihnen gelungen: Denn sie furchten, der Spiritus mit corrosiven geschärffet möchte lauter Basilisken ausbrüten. So nun einer verlanget ein solches menstruum zu verfertigen, der studire hieraus eines zusammen, welches ihm gefallen wird, wie dann hin und wieder in unterschiedlichen Autoribus öffentlich gedruckt solche Processe mit allen Handgriffen zu mehrerer Beyhülffe können nachgeschlagen werden, die denn nur unter einem andern Nahmen verdecket worden, der kan sich darüber befleißigen seinem Gehirn die Spitze zu bieten. FINIS.

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