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10 the Tree of Dulcification and the Mineral Arcanum

O ihr Alchymisten! ich sage euch, befleissiget euch ja nicht den Sulphur zu extrahiren, ihr betrieget euch sehr, denn es ist nur pars metalli subtilisati, und nichts mehr. Es muß alles, ja das gantze corpus metalli solviret seyn und in ein liquidum kommen, übersteigen und ein spiritualisch Oleum dulce oder ein geistlich Saltz seyn, das da quoad Medicinam humanam nicht fix, sondern flüchtig NB. sey, damit es per Archeum stomachi gleich zu Rauch und Dampff könne gemacht werden, und in solcher Gestalt in das Geblüt, und mit solchem in alle Adern bis aufs Marck und Bein durchdringen könne; auch muß eine rechte Medicin seyn: Denn so die Medicin fix ist, so muß es der Archeus erst flüchtig machen und da vorarbeiten. Mache du es zuvor flüchtig und homogen, wilst du Todte in ihren letzten Zügen erquicken. Ob wohl ich fast im gantzen Buche gesagt habe von der fixation deren Medicinen, so ist es darum geschehen, weil alle und jede schreyen: fix, fix, und sie wissen oder mercken nicht, daß das animale selbst zu seinem nutriment alle Dinge flüchtig mache. Ihr sollet aber nicht verstehen, daß ich eine Medicin so höchst flüchtig verlange, als der Spir. vini, sondern also flüchtig, daß es nicht zu flüchtig, auch nicht zu fix ist, sondern halb und halb, und im Mittelstand, wie alle acida, und soll ein acidum seyn nominetenus qualitate, aber süß wie Zucker, weil die Natur sehr begierig allo dulci, cupide zu sich reisset. Also soll es seyn, wie auch hierinne vielfältig gelehret habe. Denn so die Medicina höchst flüchtig ist, wie ein Spir. vini, so gehet es per calorem angetrieben zu schnell durch alle Adern per poros cutis wieder aus, ohne schlechten effect; ists aber fix, und der Archeus kans nicht solviren, so ist es wieder nichts, denn so gehets per sedes aus; ists aber in medio statu, so hänget sichs an das Geblüte und vereiniget sich damit, gehet mit solchem alle Adern durch, und treibet meistens per urinam & sudorem alle morbos aus.

Macht ihr eure Medicin nicht also, sondern bleibet bey eurem Sulphure extracto, so habt ihr den Schaden vor den Leib. Wenns auch die besten Philosophi vermeynen, so bleibe ich bey der Natur, die keine heterogenea oder feces zusammen setzet, wie etliche meynen und sagen: animam extrahe & relinque corpus, nam fex est: scilicet in deinem Kopffe steckt fex und nicht in corpore. Ich sage dieses: animam unâ cum corpore accipe, si vis corpus & spiritum humanum curare. Sie reden sich ja selbst zuwider. Wenn die Kranckheit im Geblüte ist, oder liquidis partibus curirets die anima: also soll das corpus wieder das corpus curiren, ein Geist den andern. Solche und dergleichen Thorheit sind in die edle Kunst eingeschlichen, dadurch so viel, will nicht sagen 1000. sondern unzehlbare um das Ihrige gekommen, gestorben und verdorben; wer weiß, wo ihre Seele hin ist. Wenn einer durch zehenjährige Arbeit einen Handgriff bekommen, den er vielleicht in einer Viertel-Stunde hätte machen können, nisi fata obstitissent, da macht er so viel draus, als wenn er Himmel und Erden concentriret hätte, proclamiret, es sey kein ander Weg als dieser, und wenn ein Engel vom Himmel käme und lehrete es anders, so wäre es erlogen: als wenn GOtt nicht mille vias juvandi hätte. Jedoch sie wollen allein Meister seyn, und alle andere Parabeln auf ihre Arbeit ziehen, und muß gleich Pappier, Feder und Tinte her, und von einem eintzigen Dinge, dem er da eine gantze Philosophie anhanget, gantze Folianten geschmieret werden. Hierinne werden lauter Hieroglyphica, perplexa, transposita und höchste Secreta seyn, dessen die Welt nicht werth ist: und ist doch der Welt geschrieben: denen denn ein paar alte Recepte, und darzu gantz dunckel, de Tinctura Universali & Lapide Philosophorum angehänget, welchen nachzugrübeln mancher Habe und Gut und Geld, ja Leib und Seele in die Schantze schläget, und darauf wendet; Und wenn mans beym Lichte besiehet, so findet man offt dessen Arcanum in einem alten Manuscript offenbar aufm Trödel-Marckte, da ist denn der Schatz offen, und wird wenig oder gar nicht geachtet.

Damit ich aber dem Liebhaber noch diß zu Gefallen thue, und wie ich bey dem animalischen und vegetabilischen Reich unterschiedliche modos procedendi vorgeschrieben, so will ich ihm auch hier zu Gefallen seyn. Beliebet es nun einem oder andern davon zu practiciren, so gebe ich ihm ohne Umschweiff und kurtz, ohne dunckele Rede, damit jeder sehen und sich einen Christlichen stimulum machen könne, seine experimenta auch dem gemeinen Besten dazu geben. Denn was hilfft das parabolisiren und aenigmatisiren? Ich wills lieber gerade bleiben lassen, damit ich den ohnedem vom Ertz-Feind dem Satan verfolgten armen Menschen weder Zeit, Mühe und Unkosten und ihren ohnedem sauren Lebens-Aufenthalt nicht benehme: welches jeder, der da Bücher schreibet, soll in acht nehmen, und entweder, was er schreiben will, thue, oder gar nicht der Welt zur Verführung heraus gebe. Denn ich kan meine aenigmata wol verstehen; aber ein ander kan mir nicht in Kopf sehen, wie ichs gemeynet habe. Dahero legt und expliciret sie ein jeder nach seinem Gutdüncken, und durch vielerhand explicationes geschiehet eine confusion und Verwirrung, dahero entstehet aller Laboranten Unheil und Verderben. Derowegen so attendire der Leser nur dieses, daß er die metalla und mineralia in primam materiam reducire, es sey durch ein menstruum, durch was vor eines er will, corrosivisch oder nicht, mercurialisch, sulphurisch, alaunisch, was ihm vor eins zum besten deucht, und am geschwindesten operiret, damit bringe er das Mineral und Metall zurück in primam materiam salinam: Das ist, er mache das Metall zu einer saltzigen Natur, das ist, vitriolisch, oder ein mineralisch Saltz, welches sich nachgehends in Alcohol vini vel aqua pluvia solviren lasse, und keine terram insolutam setze: und wenn es auch eine setzet, so ists ein Zeichen, daß es nicht genug menstruum gehabt. Solches solvire mit frischem menstruo, und mache es auch zu Saltz oder Vitriol, Alaun &c. solchen Vitriol, Saltz, Alaun solvire denn im vorgelehrten acido dulcificante, und in gleichen Spir. vini, und procedire in allen, wie vor gelehret. Je öffter du mit frischem [Aceto] und Spir. vini solvirest und wieder ad oleum coagulirest, je süsser und flüchtiger sie werden, und lassen sich gar leicht überdistilliren gantz öhligt mit Aederlein, wie ein Spiritus vini oder Spiritus, welches hernach dephlegmiret in kinderischer Wärme sich coaguliret und figiret, flüssig in der Wärme wie Wachs, in der Kälte wie Eiß, zergehet wie Zucker in allen liquoribus, und läst sich nicht praecipitiren, lieblich, süß und angenehm, penetriret wie ein Rauch überall durch. Es sind hin und wieder unzehlbare simple- und componirte menstrua beschrieben, welche ich nicht achte, sondern bleibe und gehe mit der Natur, und sage dem Leser, er fange an, was er wolle, ohne corrosiv wird er schwerlich eine gute mineralische Solution zuwege bringen; und wenn er auch ein alcalisiret und andere radical-menstrua mercurialia solte haben, so müssen und sind doch alle aus der Wurtzel des corrosivi gemacht. In Summa: Das Corrosiv ist Meister von der Sache, und bleibets, so lange die Welt wird stehen. Cape, si capere potes.

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