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Nun sagen auch die Philosophi: Unser solvens & solutum muß beysamen bleiben, entweder beyde flüchtig oder beyde fix; Secundo, so muß das solvens mit dem soluto homogen seyn, ja es muß ein mineral-menstruum ubiquoticum seyn, welches sich allen und jeden vergleichet, welches an dem Aquafort und Sp. Vitrioli gezweiffelt wird. Resp. Daß das solvens und solutum beysammen bleibet, habe ich vorhin gelehret; daß das Nitrum und Sal und deren Spiritus allen subjectis homogen seyn, ist oben probiret: denn alle universalia sind denen specificis, und die specifica denen universalibus homogen, wie bewiesen und auch jederman bekant. Daß es ein mercurial-ubiquoticum ist, ist aus seiner Universalität zu erkennen. Nun wird wieder einer sagen: posito, wir lassen seyn, daß das Nitrum und Sal ubiquotica & universal seyn zu allen specificis; Entgegen aber der Vitriol ist ein pures acidum und mixtum, welches dem universal-mercurial-menstruo zuwider scheinet, weil der Vitriol mehr Sulphur als Mercurium hat. Daß der Vitriol ein primum Ens mineralium ist, ist oben erwiesen; daß er Mercurium, Sulphur & Sal hat, ist allen Artisten bekant; Daß er aber mehr sulphurisch ist als mercurialisch, kans nicht hindern, denn alle subjecta aus dem Schwefel werden; und ist an allen diesen Scrupuliren nichts gelegen, wenn es nur seinen effect thut. Zu dem wie viel sind Autores, die statuiren den Vitriol primam materiam metallorum so wol als den Mercurium, sie haben ihn so gar pro materia lapidis recommendiret, ut sonat illud: visitando interiora terrae &c. Wenn nun der Vitriol ist materia metallorum prima, so muß er ja die Metallen nach seiner resolution in primum zu reduciren Macht haben, und muß allen mineralien homogen seyn. Ist er materia lapidis, so ist er ja extractum seu esse quintum totius mineralitatis. Nun ist auch bekant, daß der Salpeter und Saltz ein universal-subjectum, welchen sehr viel auch pro subjecto physico in allen recommendiren, und heissen es alles in allen, weil es allenthalben zu finden ist, und weil es universal ist, so ist es subjectum indifferens ad recipiendum omnem formam, seu specificationem. An dem Vitriol specificiren sie sich, werden mit ihme eins, bleiben bey ihm flüchtig und fix, und was sie solviren, das machen sie wieder flüchtig und fix, und bleibet mit ihnen inseparabiliter, und wers gedenckt davon zu scheiden der scheidet den flüchtigen Theil, und der fixe bleibet dennoch: Denn ein Same bleibet gerne bey dem andern, zuförderst specificum & universale, und lassen das aqua recolacea von sich fahren.
Darum ist das eine Dummheit mancher irrenden Laboranten, die da dencken, sie scheiden die menstrua per abstractionem vel aquae com-ablationem, & per Spr. vini decombustionem vel digestionem gar wohl; da sie doch nur das abgezogene menstruum kosten sollen, ob sie es nicht fast um die Helffte schwächer finden werden, und solches desto schleuniger, wenn sie damit frische subjecta solviren wollen, so ists ihnen zu schwach. Besehe man nur die corpora soluta und wiege sie nach und vor der solution, was vor ein Unterscheid in pondere ist. Denn alles, was da fix soll werden, das hänget sich an eine Erden, als alle acida; und alles, was flüchtig soll werden, das steiget in die Höhe, und läst sich mit allen disputiren nicht verleugnen noch verbergen, es mag theoria oder praxis sich reimen, wie sie will.
Ich sage euch gäntzlich, wenn einer sagt oder schreibet, er habe ein menstruum aus Thau oder Regen-Wasser: Diß sind eigenruhmsüchtige speculationes inanes, süsse Worte, die einen armen Suchenden in lauter Irrwege, Verzehrung der Zeit, Verschwendung seines noch übrigen wenigen Geldes verführen, fegen dessen Beutel sehr unchristlich und ungewissenhafft, dadurch er sehr traurig offt gar dahin crepiret. Denn examinire man die menstrua, und theile sie ab in vier partes, als in volatilia, acida, alcalia, oder aus jenen mixta oder composita. Nun so ist gewiß, daß alle volatilia, als der Thau und Regen, Spir. vini, oder so es noch ein acidum bey sich hat, so wenig sich davon tingiren und sättigen, daß einer einen gantzen Eimer nur ein lb. zu solviren vonnöthen hätte; und so es den solviret hat, so ist dieses denn keine solution, sondern nur atomos dissipirt und extendirt, und ist weiter nichts besser, als zuvor, nur daß es subtiler und praepariret ist. Nimmt man aber den [Acetum] oder acidum vegetabile vel animale, so werden diese zwar stärcker angreiffen, als der Spir. vini & urinae, oder ein summum volatile; aber was vor subjecta? keinen Stein nicht, kein alcalisirtes Mineral; solche aber, die ohne dem voller acidum oder mit acido starck angefüllet sind, ist ihme leichtlich zu solviren. Aber sie solviren darnach, daß GOtt erbarm, Mit 10. lb. acido distillato vini solvire ich nicht ein lb. [Kupffer] vel [Eisen], die da gantz offen sind; da ich doch mit zwey bis drey lb. Spir. Salis vel Nitri, Spir. Vitrioli, Olei Sulphuris 1. lb. [Eisen] und noch mehr [Kupffer] solviren will, und solches solutum hernach gleich nach der abstraction in primam materiam werffen, das ist, in einen Vitriol machen. Entgegen, so ich das acidum abziehe, habe ich im residuo einen Grünspan, oder crocum [Martis], und diesen wenig genug. Mit einem alcali in spiritum reducto solviret man zwar mehr; aber sine acido NB. ist alle solution ein fast leerer Strich ins Wasser.
Nun wollen wir obgesagte menstrua companiren, verstärcken und vermischen unter einander, vielleicht möchten sie mehr solviren als sonst, und besser seyn, als die blosse scharffe corrosiva. Gieß einen Spir. vini zum acido, oder ein volatile zum acido, oder den spir. urinae zu seinem acido, oder aber diese viere alle zusammen: Denn so gieß es über einen Stein, der calciniret ist, ut moris est, oder ander hart verknüpfftes Mineral, aber in genügsamer Quantität, schau, wie viel sie thun werden. Sie lassen es wohl bleiben. Giesse sie aber über ein subject, das offen ist, oder nicht so hart verknüpffet ist, als der Vitriol, [Alaun], [Kupffer], [Eisen] &c. so werden sie solche gleich angreiffen, und einen Zucker-süssen Vitriol heraus bringen. Aber wie viel dessen von 1. lb.? Wenn du 6. lb. menstruum aufgegossen, so solvirest du von 1. lb. [Kupffer] vel [Eisen] kaum 1. oder 2. Loth; vom Vitriol und Alaun aber sage ich nicht, denn die sehr leichtlich solvirende salia sind. Hier hast du dein potentes und corrosivisch menstruum. Giessest du aber ein mineralisch acidum, als Aquafort, Spir. Salis &c. zum corrosiv, so tödtest du das corrosiv gar, und machest ein tertium sal draus, welches gar wenig oder gar nichts solviret. Was ist aber die Ursache, daß diese und dergleichen menstrua nicht solviren wollen? Diese: je weiter und mehr die corrosiv extendiret werden, je schwächer sie werden, und je weniger solviren sie; a contra je concentrirter sie sind, je schärffer, je hefftiger greiffen sie an. Der Spir. vini und acidum sind extendirte, dilute, dilatirte und mit dem Aqua recolacea gantz angefüllete corrosiv, und wenn sie auch feurig per se gemacht werden durch die rectification; so thut doch dessen 1. lb. nicht so viel, als ein phlegmatisches Aquafort ein oder zwey Loth: das wird sich in praxi weisen.
Denn Rec. einen höchst-feurigen Spir. vini und höchst-feurigen rectificatum acidum, denn nimm des Spir. vini drey, des acidi ein lb. und Salis Tartari ein und ein halb lb. Gieß den Sp. vini über das Sal Tartari, denn so gieß das acidum drauf, setze ins B. M. oder Aschen, distillire gelinde, so wird das höchst klare ungeschmackte phlegma übergehen, und diese fast in voriger quantität, als der Spir. vini und acidum schwer gewesen, und wiege das phlegma und das residirende Sal Tartari, welches des Sp. vini und acidi Schärffe oder Sal volatile bey sich behalten; so wirst du dir selbst concepte genug machen, daß nur etliche Loth Schärffe oder Sal volatile in so viel lb. Spir. vini und acidi Gewalt gestecket. Entgegen gieß über ein halb lb. Salis Tartari 1. lb. Aquafort vel Spir. Nitri dephlegmati: du wirst das Sal Tartari nach abgezogenem Phlegma um ein halb lb. oder ein Viertel wenigstens vermehret oder zugewachsen finden. Jetzt betrachte den Unterscheid der solventium. Wenn einer affirmiret, er habe ein solvens insipidum, so ists ein Spir. Salis resolutus per proprium vel alienum acidum & volatile mortificatus. Und dieses kommt mir vor, als wenn ich Saltz und Salpeter zusammen giesse und schiessen lasse, und solvire es denn in Thau oder distillirten Regen-Wasser, und filtrirs, so ists eben ein solches menstruum. Er ziehe es nur ab per B. M. oder cineres, er wird ein schön clarificirtes Sal medium oder acidum mortificatum als ein Nitrum finden; und wenn er dieses 100mahl übertreibet und concentrirets nicht in die Enge, daß das acidum dominire, so ist es untüchtig zu solviren die metalla &c. und ziehet von den Sulphuribus so wenig aus, wenn man das menstruum abziehet, daß einen Mühe und Arbeit verdriesset.
Das extrahirte heissen sie Sulphur Solis & Lunae, ja es ist ein Sulphur, und dieser soll gleich der grossen Herren Stärcke seyn, und die alten Weiber als verum aurum potabile renoviren. An dem so sagen etliche Philosophi: wiewohl vielleicht andere zu blenden: es sey der Sulphur; aber das [Sal] und der [Mercurius] soll ex residuo extrahiret werden. Aber ich bitte einen ehrlichen treugelehrten und barmhertzigen Chymisten, wie lange Zeit, was Unkosten, was Versäumniß, was Verdrießlichkeit, was Verschwendung, Mangel und Abgang allerhand dazu gebrauchter kostbaren Materien und Wasser, und wie viel Kohlen verbrennen sie darüber, ehe sie nur den [Sulphur] und [Sal] (vom [Mercurio] currente mag ich gar nicht hören) scheiden und in ein liquidum bringen? Es ist eine eingebildete Thorheit, und denen Laboranten zum höchsten Betrug vorgebildete Sache, von nähern Arbeiten abzuhalten. Nicht sage ich, daß der [Mercurius] currens nicht möglich sey aus einem Metall zu machen, sondern eine leere und gar vergebene, kostbare und langwierige Mühe und Arbeit; und weiß ich nicht, warum die Autores auf den [Mercurium] metalli currentem gefallen, oder solchen ex mineris & metallis also eifrig verlangen, da doch in allen mineris, excepta propria minera [Mercurii], kein [Mercurius] currens gefunden wird, aber wohl acida salina, [Alaun], [Sulphur], [Arsenicum], marcasit &c. aus denen auch die metalla gradatim wachsen und bestehen, und nicht aus [Mercurio] currente, wie oben auch erwehnet ist.