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← ExitThe Golden Chain of Homer
10 the Tree of Dulcification and the Mineral Arcanum

Hier wird noch eine objection kommen, und einer sagen: Er statuiret nur zwey principia, als aquam recolaceam und den in selben verborgenen Geist oder Samen. Wenn nun das aqua recolacea allein zu scheiden ist, so ist der gantze Erdkreiß, als Berg, Stein, Felsen, Wiesen, Aecker und Erden ein lauter coagulierter Geist, Samen und Sperma. Antwort: Wer solches nicht glauben will, daß das punctum terrae ein lauter Sperma sey, der nehme Erde, wo und welche er will, die nächste die beste, und lauge nur das Saltz heraus, damit sich der geistliche corrosivische Samen dran nicht zu todte fresse, trockene denn dieselbe, und glüe sie ein wenig aus. Nimm sein Gewichte in acht, gieß darauf Sp. Nitri oder Aquafort, so es nicht angriffe, so giesse hinzu Spir. Salis, bis es gar solviret ist, denn ziehe den Geist ab, so wirst du auf dem Grunde einige saltzige weisse corrosivische Erde finden, welche Erde wieder durch das primum, oder primordialischen Geist in priorem, nempe Sal zurück gegangen. Solche Erde betrachte nun, obs eine terra damnata sey oder fex. Hier muß ich aber einen punctum oder Knoten zu verstehen geben, an welchen sich alle Chymici stossen. Als: So sie mit Aquafort, Aqua Regis, Spiritu Salis &c. umgehen und damit die mineralia solviren wollen, so ihnen nun diese solventia, meistens aber das Aqua Regis, entweder nicht oder gar zu wenig angreiffen will, da sagen sie, es sey verderbt oder nichts nutz, da sie es doch selbst verderben. Also posito, sie wollen [Gold] solviren, da nehmen sie unter 1. lb. Aquafort 8. Loth [Salarmoniac] oder Spiritus Salis: Wenn das Aquafort starck ist und nicht viel Wasser hat, so solvirts das Gold wol auf; wenn aber wenig Aquafort und zu viel Wasser, so läst es das Gold liegen, oder solviret gar wenig, da ist dann der Schade.

Nun aber so einer eine sulphurische Solarische mineram, als die Solarische marcasit, Gold-Kieß, Gold-Schwefel &c. solviren will, wenn denn das Aqua Regis auch ziemlich starck ist, so solvirts hier kaum die Helffte, oder den dritten oder kaum den achten Theil, wo es zuvor das Gold gar solviret hat. Was ist die Ursache? Diese, das Aquafort ist ein acidum, der Sp. Salis aber oder [Salarmoniac] ist ein alcali: So ists ja bekant, daß wo acidum und alcali zusammen kommen, sie einander tödten, praecipitiren, dulcificiren und figiren, und also ein tertium Sal vel corrosivum heraus bringen, welches denn in liquido die Macht nicht hat, ein hartes corpus anzugreiffen. So es in coagulato ist, so figirets mehr als solviret. Ist nun 1. lb. Aquafort schwach, und viel Wasser dabey, so frists, praecipitirets und figirets sich an denen 8. Lothen [Salarmoniac] oder Spir. Salis gar todt, und greiffet fast gar nichts an; Ist es aber starck, so greiffts wohl an, allein das alcali ist doch zu viel. Das siehet man, so man steinige marcasit damit solviren will: Denn das Gold greiffet es freylich lieber an, weil es ein finirtes corpus von aller Steinigkeit und Sulphurität ist, und von allem Berg geschieden; Aber die marcasit und Kieß, ob man es auf der Saren noch so rein wüschet vom Berg, behält in sich durchaus per minima ihre steinigte Mutter, an welcher sich das acidum so wol als an dem Sulphure der marcasit figiret oder todt frisset, mithin gar nicht angreifft, also daß es ferner keine satisfaction im extrahiren oder solviren giebt. Denn je mehr ein corpus exsicciret und von aller humidität geschieden ist, je weniger kan ein humidum darinnen agiren, es sey denn, daß es doch in demselben grad noch gleiches humidum tanquam medium wieder aufgewecket wird, wie die Praxis lehret.

Man nehme ein lb. Aquafort und 8. Loth Spir. Salis, giesse die zusammen, ziehets in einer Retorte in Aschen gelinde herüber auf eine ziemliche Olität, diese setze ins kalte Wasser und laß schiessen, so werden Crystallen daraus, und diese sind ein regenerirtes Nitrum: Denn das Aquafort ist acidum nitrosum, der Sp. Salis ist ein geistlich alcali. Also siehet man, daß sich das acidum an dem alcali coaguliret und figiret, und also die Scharffe des acidi gebrochen wird, daß es nicht mehr so starck angreiffen kan. Also auch mit dem [Salarmoniac] oder Sale communi. Ziehe von 8. Loth [Salarmoniac] oder Sale communi 1. lb. Aquafort ab in cinere per Retortam, denn so recipire das Caput mortuum aus, versuch es gegen einander auf der Zungen, so wirst du befinden, daß der [Salarmoniac] eine grosse Scharffe von dem Aquafort bey sich behalten hat; und so viel Schärffe, als das Aquafort auf dem [Salarmoniac] verlohren, so viel schwächer oder gebrochener ist das Aquafort worden, daß es so starck nicht mehr angreiffen kan.

Wiederum ist zu wissen, daß sich das Aquafort an den marcasiten zu todte frist: So solvire den Marcasit in Aqua Regis, und wenn es nicht mehr solviret, so gieß es ab gantz trocken, aufs residuum gieß Brunnen-Wasser, setze es in die Wärme, laß ein wenig aufkochen, denn gieß das Wasser ab, filtrir, coagulire fein trocken, so wirst du eine saltzige Erde bekommen, oder ein Saltz, welches aus dem Aqua Regis und marcasit worden, und sich zu todte gefressen, und hingegen nicht genug solviret hat. Damit aber das Aqua Regis und dergleichen menstrua mehr solviren, und auf gewöhnliche Manier, so muß mans zwar zu alcalisirten subjectis thun, und mit einem alcali acuiren, aber nicht so viel, daß sich das acidum davon gar zu todte frist. Als gesetzt, ich nehme zu einem starcken lb. Aquafort 4. Loth oder nur zwey [Salarmoniac], laß im Sande oder Aschen Tag und Nacht gelinde digeriren, und denn entweder gelinde herüber distilliren, oder gleich zum solviren appliciren: Auf solche Manier solvire ich fast zwey, dreymal so viel, als ein anderer mit einem geschwächten. Es wird einer fragen, was denn die Ursache ist, daß man muß Salarmoniac oder Spir. Salis ins Aquafort thun, indem doch das Aquafort sehr starck? Dieses aber ist die Ursache. Ich habe gesagt, daß alle mineralia aus dem acido universali gemacht werden, solches aber macht die geringen Metallen viel eher, als die vollkommenen. Denn das acidum ist noch nicht so starck figiret, oder alcalisiret, oder irdisch gemacht, wie bey dem Gold und Solarischen subjectis, daß also das acidum noch ex parte oder gar das dominium hat: wiewol doch ein immer stärcker und mehr figiret ist, als das andere. Weil nun solche unvollkommene metalla und mineralia noch acida sind, dahero greiffet ein acidum das andere leicht an; hingegen aber an denen alcalisirten und starck figirten Mineralien frist sichs entweder gar todt, oder greifft es gar nicht an. Weil aber solche auch müssen angegriffen und solviret werden, so addiret man dem Aquafort ein alcali, damit durch solches ein gleiches aufgewecket werde, und so einmal das fixe alcali aufgewecket ist, so trennet es denn mit Hülffe des acidi seine Bande selbst von einander, und bequemet sich leicht durch solches Aufwecken, wiederum zurück in ein acidum zu treten: Denn alles, was flüchtig ist, begehret ein acidum zu werden, und was acidum, will alcalisch oder fix werden; und so e contra, was alcalisch ist, wieder acidum werden, und dieses intendiret wieder volatile zu werden, damit das Oberste zum Untersten, und das Unterste zum Obersten in perpetua catena werde. Gleichwie nun das alcali gleich alcalische subjecta solviret, also solviret es die acida nicht, die macht es nur geschwellen und solviret sie nicht gar auf, dessen Ursache diese ist, daß das alcali nicht so penetrant subtil ist, sondern hat eine fette Jrdigkeit in sich, welches verhindert, daß es das acidum in seine poros nicht durchlassen kan, sondern wenn es auch angreifft, so frists es sich zu todte, und corrodirets nur, daß es zu Staub fallet, oder als ein Schwamm aufschwellet.

Hier wird nun einer sagen: Wenn denn durch das alcali, als den Spir. Sal. armoniaci &c. das alcali wird aufgewecket, so ist hier ein contradictorium, denn so würde das alcali verstärcket, und das acidum einmal wie das andere todtfressen. Resp. Unter dem alcali termino verstehe ich nicht allein die volatilisirte und fixe Salia alcalia, als da sind alle alcalia volatilia animalium, der Salmiac, die fixe alcalische Erde, und wie ich gesagt habe, wenn das Aquafort viel flüchtig oder fixes alcali in sich hat, so frist es sich desto mehr und eher zu todte, ehe es zu solviren kommt; Wenn aber das Aquafort nur wenig und minder alcali hat eingenommen, so solvirets desto mehr, und wircket in alle poros um so viel desto mehr, als zuvor, da das Sal alcali das Aquafort zu viel gesättiget hat. Denn das Solviren liegt nur an der Sättigung des menstrui, also daß desselben pori durch das extendirte und solvirte subject angefüllet werden. Je leerer nun die pori sind, je mehr kan das menstruum in sich fassen und solviren; je angefüllter hingegen sie sind, je weniger nimmt es an. Weil denn der zu viele Salmiac oder Sal, oder Spiritus Salis mit ihrer subtil-alcalischen Erde das Aquafort oder dessen poros gar zu viel anfüllen, ehe es kömmt eine marcasit zu resolviren, so können ja nicht viele pori mehr leer seyn, und so viel pori noch leer sind, so viel nimmt es noch in sich. Hieraus siehet einer ja klar den Fehler und Unterschied vieler Practicanten. Denn die Natur machet im Unter-Reiche wol aus dem volatile ein acidum, und aus dem acido ein alcali, und wenn ein Stück auch gantz volatilisch scheinet, so hats doch seinen part acidi und alcali in sich, ob schon das volatile die Oberhand hat, weil eher nicht das acidum und alcali dominiren kan. Hat aber das acidum die Oberhand, so gesellet es sich wieder zu seines gleichen, und nimmt das andere acidum auch gerne zu sich. Also wenn das alcali die Oberhand hat, ob es schon mit dem alcali & acido vermischet ist; doch weil das alcali das dominium hat, so liebet es seines gleichen, und will auch durch gleiches tractiret werden. Solches muß der Artist mercken, so er vieler Fehler will ledig seyn. Hieraus kan nun ein jeder seine argumente wieder machen, und so ich etwa aus Gebrechlichkeit gefehlet, so corrigire er mich mit Sanfftmuth, wenn er einen bessern Grund theoretice & magis practice hat. Es ist allen frey und ungehindert, diese kleine Physic weiter zu extendiren, corrigiren, addiren, augmentiren, dilatiren.

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