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Das III. Capitel. Wie alles geboren worden.
Aus obangeregtem ist erwiesen, daß der uranfängliche Wasser-Dampff, oder das Wasser und Geist sey nach GOtt die erste Materie aller und jeder Dinge dieser grossen und weiten Welt. Dieser zweyfache Dampff ist nun durch seine Verdickung zu Wasser worden, und dieses Wasser ist durch den ihm unsichtbaren eingepflantzten Geist erlauet, erwärmet, erhitzet und heiß worden, daß es also angefangen in sich selbst zu arbeiten, und zu steigen, wie auch zu leimen und Blattern zu machen, zu geren, faul und stinckend zu werden. Anfänglich war dieses Wasser hell und klar, durchsichtig, rein, ohne sonderbaren Geschmack und Geruch, wie ein Brunnen-Wasser; Vermittelst aber seines agirenden Geistes ist es trübe worden, und hat aus sich selbst eine Erde geboren, dazu einen faulen todten Geruch von sich gegeben. Es hat sich in unterschiedliche Theile getheilet, in ein geistlich subtiles, in ein halb-geistlich u. halb-leibliches und ein gantz-leibliches. Anfänglich war es 1. und 2. Nun ist es 1. 2. und 3. auch 4. 5. Eins war es in Ansehen als ein simples Wasser. In 2. das ist, ein Wasser, das in sich seinen Geist verborgen hatte. In 3. da es sich in ein flüchtiges, halb flüchtig und halb fixes, wie auch fixes begeben, das ist secundum Chymicos, Volatile, Acidum & Alcali; Spiritus, Anima, Corpus. 4. da es sich in die 4. Elementa getheilet in Feuer oder Himmel, Lufft, Wasser u. Erde. 5. da es sich in ein unzerstörliches ausser dem zerstörlichen elementischen Wesen zu perficiren dargestellet. Nachdem nun dieses Wasser seinen terminum putrefactionis erlanget hat, wird ein subtiles nach dem andern geschieden, bis aufs gröbste nach seiner selbst-Ordnung und Regel, ohne Zwang: denn nothwendig steigt das subtile vor dem groben, und das grobe vor dem gröbsten, das dünne vor dem dicken, und dieses vor dem dickesten. Es gehet ja alles, wie die Kinder lernen, secundum gradus comparationis per positivum, comparativum & superlativum.
Aus dem subtilesten Theil hat GOtt den Himmel und seine Einwohner gemacht, weil er das subtileste, klareste, reineste, geistreicheste, voller Leben und Seel war, der lebhafft-feurigste und fruchtbareste und beweglichste Theil. Aus dem nechstfolgenden um einen grad mindern Theil machte GOtt das Firmament, nachgehends folget die Lufft, hernach das Wasser, und denn die Erde. Also schiede GOtt eines nach dem andern, und gab ihnen Namen und Krafft zu wircken, und jedes hiesse er seines gleichen hervor bringen, und dieses alles per potentiam impositam verbo divino & impressam immortalis quasi seminis virtutem multiplicabilem, nach welcher er ihnen das verbum multiplicationis zu seinem Gebote befahl rc. Der Himmel solte seine Einwohner und Sternen, die Lufft ihre Meteora, das Wasser seine Fische, die Erde ihre Kräuter, Thiere und Ertz hervor bringen. Aber nicht allein hat GOtt jedem dieser geschiedenen Theile eine specificirte Krafft sich zu vermehren gegeben, sondern auch eine individuirte Tugend, also daß ein jedes Ding, insonderheit das, so in diesen geschiedenen Theilen sein Wesen, zu seyn, empfanget, solche vermehrende Krafft habe. Es hat GOtt auch absonderlich gewolt, daß auch von diesen zusammen ein Universal-General-Saame und Sperma gezeuget werde. Und zwar dieses der Ursachen, weil GOtt sahe, daß das Primordial-Chaotische Wasser nunmehro zertheilet war, und solches nimmermehr ohne Zerstörung aller erschaffenen Dinge zusammen in eins kommen könte, wie es im Anfang war.
Also gebot er allen diesen 4. dem Himmel oder Feuer, der Lufft, dem Wasser u. Erde aus ihrem Centro einen Samen hervor zu bringen, welcher solte aus seiner 4ten Zahl in eines zusammen treten und einen Einigen allgemeinen Samen zur Gebährung, Erhaltung und Zerstörung und Wiedergebährung aller Dinge von sich ausgiessen. Damit nun solches geschehe, so hat er jedem Theile und Dinge sein Agens und Patiens eingepflantzt, vermittelst welchen jedes Ding in steter Bewegung zur Erlauung, die Erlauung zur Erhitzung gebracht werde. Diese Erhitzung macht, daß jedes Ding von sich ausdämpffet, ausschweisset, was es übrig von seinem corpore entrathen kan. Solcher Schweiß wird insgemein influentia von oben und effluvium von unten genennet. Solcher Dampff aber wird in seiner gebärenden Materia zu Wasser, und solches Wasser ist ebenfalls ein 2faches Wasser, daß es die Stelle des ersten Primordial-Wassers vertreten kan, weil es eben von dieser Primordialität herkommt, und eben auch in solcher Gestalt, Form, von solchem effect und Tugend ist, wie folgends specialiter wird erkläret werden. Aus diesem ist nun zu sehen und zu schliessen, daß GOtt nicht allein gebäret einen Universal-Samen und Sperma totius Universi, sondern auch insonderheit dem Himmel, Lufft, Wasser und Erde ihren eigenen, und wiederum allen und jeden Geschöpffen insonderheit in der schönsten Ordnung, so wol des Himmels als auch der Lufft, des Wassers und der Erde seinen eigenen Samen, sein gleiches hervor zu bringen, anbefohlen, damit virtus multiplicationis per totum Universum divulgiret würde.
Daß der Himmel neuen Samen erwecke, ist klar, weil wir ohne Unterlaß neue influentien und Wirckungen erfahren. Und damit ich es kurtz mache, so folget, daß so der Vater einen neuen Samen giebet, so muß nothwendig die Mutter eine neue Frucht gebähren. Also der Himmel als Vater causiret in Lufft, Wasser und Erde eine Neuigkeit aller descendendo specificirten Samen: Derowegen folget auch, daß neue Geburten von unten und oben folgen müssen. Es folget wiederum, daß jeder Particular-Same dependirt ab universali Spermate, und der Universal-Same causirt particularia semper descendendo a majori ad minus, & vice versa. Damit wir nun begreiffen, wie und auf was weise dieser Universal-Same und aus diesem die Particular-Samen oder Spiritus mundi universalis & particularis entspringen, so mercke folgendes Capitel.