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Wenn du nun das corrosiv also dulcificiret hast, und ad oleum abstrahiret, so thue es in eine Retorte und distillire in ein süß lieblich angenehm Oehl über, welches alle animalia und vegetabilia ohne die geringste Gefahr geniessen können, und heist Quint-Essenz, Magisterium, Arcanum minerale, von wem du es genommen hast. Wilst du aber solch Oehl coaguliren in einen saltzigen Stein, fix und flüchtig wie Butter, so thue es in einen hohen Kolben, mit Helm und Vorlage, setze es ins B. M. ziehe ihm das humidum superfluum per gradus ab, denn die Essenz steigt im B. M. nicht leicht über, hernach setz in Aschen, und treibe die humidität, welche im B. M. nicht steigen wollen, per lentos gradus ab, so wirds immer dicker und dicker, daß es im Feuer fliesset als Oehl, und in der Lufft gestehet als Eiß: so hast du es nun in liquido & sicco. Darum dancke GOtt. Nun mercke, je schärffer dein acidum und Spir. vini ist, je geschwinder dulcificiren sie; je schwächer, je langsamer. Die Schärffe aber bestehet in dem, daß das Aqua recolacea, oder das phlegma, so viel möglich, geschieden werde, auf daß der Spir. vini und acidum möglichstens concentriret sey. Wiederum so mercke der Liebhaber, so er das Minerale oder corrosivische oder mineralische Essenz will zum vegetabilischen Werck nur appliciren, und nicht zu denen animalien, so ist nicht vonnöthen, wiewol es auch nicht schadet, den Spiritum & acidum urinae, so dann Spiritum vini & acidum vegetabile beyzusetzen, sondern nur den Sp. vini und acidum vegetabile. So ers aber nur zu der mineralischen Natur verlanget, so hat er das dulcificiren gar nicht vonnöthen, so er nicht will. Weil aber die Herrn Medici je und allezeit beflissen sind, das Heyl ihres krancken Nächsten zu suchen, und auf andere transmutationes wenig acht haben, so müssen sie das corrosiv auf vorbeschriebene Weise dulcificiren.
Nun aber so kommen objectiones. Denn es werden einige sagen: Dieser process ist vero contra omnes Philosophos, die da befehlen, aus jedem minerali seinen [Mercurius], [Sulphur] und [Sal] zu scheiden, als die eigentliche angeformirte principia; Hier aber macht er aus jedem minerali ein [Sal] oder Vitriol, aus diesem ein corrosivisches Oehl, und solches figiret er wieder in ein [Sal]. Wo bleibt denn der [Mercurius] in forma sicca & currente? Mein Lieber, wer du bist, und du diesen Weg erlangest, den du in allen Büchern beschrieben findest, ich bekenne dir frey, daß du nicht weit kommen bist, vielweniger die Natur der mineralien recht untersuchet, noch viel weniger die Philosophos verstanden. Du wirst auch bey denen Philosophis gelesen haben: wiewol es hier nicht also zu verstehen ist, denn illa est altior via: Sal metallorum est Lapis Philosophorum & Magisterium artis, und dieses Saltz hat den [Mercurius] und Schwefel in sich verborgen, wirds zum Oehl gemacht, heists Schwefel, und sein innerlich wirckender Geist ist [Mercurius], so ist Saltz, Schwefel und [Mercurius] beysammen. Wenn dieses Oehl denn wieder zu Saltz coaguliret wird und fix gemacht: wie es denn per lentem humidi abstractionem gleich coaguliret, und in der Wärme als ein Oehl fliesset gantz beständig, aber in der Kälte gestehet als ein Eiß, und in allen liquoribus zergehet, wie Zucker im Wasser, ohne einige praecipitation: Solches ist denn eine reale Medicin ad morbos quoscunque curandos. Es wird einer wiederum einwenden: Diese operation wird nicht allein mit corrosiven gemacht, sondern das corrosiv wird auch dabey gelassen und nicht mehr separiret. Nun muß ich, diesem aus dem Traum zu helffen, wieder eine Weitläufftigkeit begehen, und zurück gar auf den Ursprung lauffen.
Nun so betrachte, GOtt hat ein sichtbares erschaffen, wie wirs täglich vor Augen sehen, nemlich 2 Dinge, aus welchen alles entsprungen, das Universal-Chaotische Wasser als ein corpus, Gehäus und Instrument des Geistes oder Samens, solches ist sicht- und greiffbar; der Geist aber oder der Same als Inwohner ist unsichtbar, so lange, bis er durch die nach einander folgende gradus putrefactionis & fixationis sichtbar, greifflich und corporalisch wird, wie wir oben sufficient expliciret. Nun siehe das Wasser ist recolaceum und wird mit dem Samen und samt ihm kein corpus, ausser wenn ihm ein corpus zu machen höchst vonnöthen ist, das andere jagt er durch Feuer und Hitze mit Gewalt aus. Nun mercke wohl: Die Aqua recolacea NB. ist ein Instrument und Wohnung des Universal-Geistes oder Samen, vermittelst welchen der Geist seine Operation, sich selbst zu figiren oder volatilisiren, flüchtig oder fix zu machen, himmlisch oder irdisch, verrichten muß, und ohne welches Wasser der Geist trocken wäre, und also ohne Wirckung gleichsam eingeschlaffert oder verstorben da liegen müste: Denn so lange das Aqua recolacea beym Geist ist, oder Geist beym Wasser, so hat er nimmer keine Ruhe, denn er wird immer allezeit aufgewecket zu agiren. Solches siehet man klar an denen mineralibus und vegetabilibus, voraus an denen, die da überflüßig feucht sind, in welchen das aqua recolacea nicht separiret ist. Darum so lange das animale und vegetabile grünet und lebet, so wandert dieser Geist oder Samen in den feuchten Gliedern und Adern herum mit dem Wasser und digeriret, putrificiret, separiret und coaguliret, und theilet also die Nahrung zum Wachsthum und Erhaltung des subjecti aus. Gehet aber das subjectum zu seinem Untergang und Verderben, dorret ab oder stirbet, so kehret der Geist um, und an statt, daß er dem vegetabili & animali zuvor aufgeholffen und Nahrung geleistet, so hebt er (in puncto kaum das Thier oder Kraut seinen balsamischen Lebens-Geist verlohren) wieder an, bringet es in seine putrefaction & solutionem, bis ferner in die generation in aliud und solches alles thut er durch und vermittelst des Wassers, ohne welches er nicht agiren kan, wie beweißlich.
Wenn man ein subjectum allem sicciret, und gantz trocken coaguliret, so ist der Geist, als wenn er todt wäre oder schlieffe, denn sein Mittel, Gehäus, Instrument oder aqua recolacea ist ihm benommen; Wenn er aber wieder eins bekommt, entweder ab universalibus, Lufft, Thau, Regen, Wasser, oder specificiret, das ist, wenn er den vegetabilischen oder mineralischen subjecten beygebracht oder eingegeben wird als eine Medicin, da erlanget er wieder ein humidum superfluum, oder seines gleichen specificirtes Instrumentum aquae, welches ihn wieder auferwecket zu agiren, da er denn entweder das vegetabile oder Minerale rariret oder destruiret, nachdem er appliciret und praepariret wird. Nun sage ich, je mehr der Universal-Geist von seinem aqua recolacea geschieden wird, je fixer und concentrirter er wird, und so dieser fixe und concentrirte Geist oder Samen per calorem excessivum wieder spiritualisch gemacht wird, so ist er ein lauteres Feuer und geflügelter Drache, der alles in seinen Rachen verzehret: Daher der Spiritus Nitri, Aquafort, Sp. Salis ein lauteres verzehrendes Feuer ist, und so lange er ein solches Feuer ist, so ist er allen individuis, meistens denen animalibus und vegetabilibus zuwider. Weil aber Mittel vorgezeiget sind, solche seine tobende Grausamkeit zu besänftigen und in eine angenehme Sanfftmuth zu bringen, darff er deßwegen nicht viel Scrupel machen.
Der Artist soll wissen, so der Geist oder Samen nicht solche Scharffe hätte, wie solte er denn so verhärtete corpora und Erde solviren? Wenn einem nun dieser Weg nicht recht ist, so solvire er die Steine und Metall mit einem Sp. vini oder urinae, mit einem acido vegetabili & animali, und sehe denn zu und lerne selbst den Unterscheid, die praxis wirds ihm endlich wol weiß machen. Jetzt folget, daß ich den Universal-Samen oder Geist, den Sp. Nitri oder Aquafort &c. als das solvens beym soluto lassen solle und gebe die ration: Wenn der Universal-Samen oder Geist dem specificirten Samen adjungiret wird, und also der Universal-Geist durch den specificirten auch ein gleiches specificum wird, so kommt ja die Mutter zum Kinde, und das Kind zur Mutter, und die Mutter nehret und mehret das Kind mit seinen eigenen Speisen; Ziehet das Kind auch seine Nahrung von der Mutter, durch dessen Substanz und Geblüte es anfänglich entsprossen: Also weiß ich nicht, was es solle schaden, wenn das Kind von seiner rechten Mutter gespeiset wird, und solche Speise in seine Qualität und Natur verändert, dadurch es von der Natur different ist; auch wird es nicht so schädlich seyn, wenn das Kind seinen Wachsthum dadurch genommen und befördert hat. Alle Universalia machen sich denen specificis homogen, nehmen ihre Natur und Qualität an, und verrichten des specifici seine praedestinirte Krafft, und daß nicht allein die Tugend und Krafft den concentrirten und also geschärfften Universal-Samen vermehret, sondern auch in quantitate & qualitate exaltiret und erhöhet. Je schärffer und feuriger der Geist ist, je mehr und krafftiger wircket er, je mehr concentrirter er ist, je stärcker er ist, und je kleiner seine Dosis. So habe ich auch nicht gelehret, solchen scharffen Geist vor seiner dulcification denen animalien und vegetabilien beyzubringen; Nach der Dulcification aber beweise einen Fehler. Wer es theoretice nicht glauben will, den wird die Praxis schon lehren, und es ihm ad faciem darstellen.
Ich will nur ein sehr simpel Exempel hier beysetzen, aus dem jeder Artist in puncto soll abnehmen die schnelle Veränderung des scharffen oder corrosivischen Geistes oder Samen in eine Süsse. Also Rec. einen wohl dephlegmirten Sp. Vitrioli oder Oleum Vitrioli ein part, gieß darauf acetum distillatum vini simplex, ziehe ihn in cinere ad oleum ab, so wird ein lauter phlegma oder aqua recolacea übergehen per primum vel secundum gradum ignis in einem nicht gar zu niedrigen Kolben. Denn so giesse wieder also lind frischen acetum distillatum vini auf, ziehe es wieder so linde bis auf das Oehl ab; und dieses thue zu dreymalen. Denn so koste das Oleum Vitrioli auf der Zunge, ob es die Scharffe nicht meist schon in einen Zucker verwandelt hat. Dieses nun noch mehr zu dulcificiren, so giesse darauf Spir. vini und abstrahire in B. M. Diß thue auch zum dritten mal, so wird das Oleum Vitrioli, zuförderst so das acidum und Spiritus vini starck ist, süß, daß alles, was man darauf trincket und isset, auch süsse vorkommen wird, also starck tingiret es die poros linguae und nimmt den gustum ein. Je schärffer nun das [Acetum] und Spir. vini sind, je mehr und geschwinder dulcificiren sie, geschweige denn, so ihnen das animalische Reich addiret würde.