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← ExitThe Golden Chain of Homer
10 the Tree of Dulcification and the Mineral Arcanum

Arbor de Dulcificatione, & Arcanum Minerale.

Arbor Dulcificationis. Volatile. Animale: Spir. [Urinae]. Vegetabile: Spir. vini. Acidum. Animale: [Acetum] urinae. Vegetabile: [Acetum] vini. Alcali. Minerale corrosivum. Spiritus seu Oleum seu [Sal] eorum corrosivum.

Tree of dulcification. Original printed page 366; its labels are translated in the preceding passage.

Tree of dulcification. Original printed page 366; its labels are translated in the preceding passage.

Source: Aurea Catena Homeri (1723), Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich; digitised by e-rara. Public-domain original. https://doi.org/10.3931/e-rara-3819

Damit nun ein Liebhaber sehe in allen meinem Vorhaben, daß ich je und allezeit beym Grunde der Natur zu bleiben trachte, mit solcher gehe, und solcher auf dem Fusse folge, so betrachte er mit mir selbst, wie selbe die Mineralia dulcificiret, und der menschlichen und vegetabilischen Natur homogen machet. Es siehet ja ein jeder genauer Nachforscher, daß die Natur e centro terrae mineralische corrosivische Spiritus und Dämpffe schicket, solche weilen sie a primo fonte sehr corrosivisch, so legen sie ihr starckes corrosiv in terrae visceribus ab, weil sie die Steine unter dem Anfallen corrodiren und sich selbst coaguliren. Denn es weiß ein jeder Destillante, daß kein mineralisch corrosivischer Spiritus so hoch steige, wie die andern vegetabilischen und animalischen Dämpffe, sonsten brauchte er nicht niedriges Geschirr hierzu, als die Retorte, auch nicht so einen höchsten gradum △. Wenn nun so das stärckeste corrosiv in der Erde abgeleget ist, so steigen die vapores durch die Central-Hitze angetrieben höher auf, bis sie zu denen Wurtzeln derer Vegetabilien. Wenn sie nun in das Regnum vegetabile kommen, so wird, was noch scharff ist, durch deren Wurtzeln aufgefangen, angezogen oder attrahiret und in derselben Natur transmutiret, und was das Regnum vegetabile nicht behalten hat, das steiget noch höher in die Region der untern Lufft des animalischen Reichs auf, hier denn so nehmen die animalia durch den Athem solche nunmehr so mild gemachte Dämpffe an sich, verkehren es in ihre Speise, und endlich in ihre specificirte animalische Natur. Aus solchem kan jeder soviel schliessen, wie es in der schönsten Ordnung der Natur selbst bearbeitet wird, und müssen bekennen, daß die corrosivische Mineral ehe und zwar in eine vegetabilische Natur verändert wird, ehe es das animale zur Speise geniessen soll und kan; und will die Natur selber sagen: Wilst du ein Mineral geniessen, oder nur davon, so mache ein Vegetabile draus, sonst wird es dir ein Grauß. Also wird das minerale durch die natürliche Ordnung selbst ein vegetabile, und dann durch Geniessung erst ein animale oder naturae animali homogeneum,

Als auch hinwiederum wird das animale in terra putrefactum erstlich ein vegetativum oder Sal essentiale nitrosum, und so dieses ad centrum per aquas dissolutionem rinnet, so gehet es in ein Minerale. Solchergestalt siehet ja ein jeder Artist, wie die Natur als Vorläuffer und Praeceptrix je u. allezeit den Mittel-Weg gehet. Denn sie springet nicht gleich von der mineralischen Natur zu der animalischen, sondern zuvor ad vegetabilem, und so sie in diese verändert (denn erstlich nimmt sie die animalität als eine homogene Speise gar gerne begierig und sine tergiversatione an) also procediret sie auch mit den animalien, welche sie zuvor in superficie terrae in Regno vegetabili putreficiret und in naturam salinam solubilem bringet, und adoptiret solche ad vegetationem. Wenn es nun stehet in limite hujus qualitatis, und so es durchs Feuer solviret wird, und wird solches per rimas & fissuras durch die Runsen und Klunfften der Erden ad centrum terrae hinab geführet: Denn ists in limite naturae minerali, um allda mineralisirt zu werden; und weil hier die mineralische Natur quantitate excediret, also wird es per potius in Minerale transmutiret, denn in ventriculo terrae wird es fermentiret, und per calorem ad viscera montium wieder aufgetrieben, gleichwie auch das mineralische kleinere quantum durch die grössere quantität derer Vegetabilien vegetabilisch und diese durch die excedirende quantität der animalien animalisch wird. Denn es wird ein Mensch nimmer auf einmal so viel Kräuter fressen, als er groß und schwer ist: Also excediret er quantitate der Vegetabilien, solche excedirende quantität bringet eine Veränderung des wenigern, also daß das vegetabile per excessum alterius succi animalis auch animalisch worden, wie es täglich vor Augen ist. Denn so gleich starcke Feinde zusammen kommen, so kommt kein Sieg heraus; Wenn aber eins dem andern in der Krafft oder Menge überlegen, da muß das Schwächere unten liegen, und dem Stärckern gehorsamen. Also thuts die Natur, also müssen wirs auch in der Kunst thun, wenn wir anders was rechtes auswürcken wollen.

So aber einer vorwerffen thät, wenn ich einen Eimer animalisch oder vegetabilisches liquidum über eine halbe Untze minerale abgiesse, so wirds freylich animalisch oder vegetabilisch, denn die Menge dissipiret das corrosivum Minerale so weit, daß man von dem corrosiv nichts mehr mercken kan. Dieses kommt mir just vor, als ich sagte, ich will einen Tropffen Oleum Vitrioli ins gantze Meer giessen, ich glaube ja nicht, daß die Fische davon sterben werden, oder daß solcher Tropffe alle Schiffe und Fische corrodiren werde; und wird dieses von einem Unverständigen inserirt und von keinem Philosopho. Die Natur und alle natürliche Dinge haben in aller ihrer composition, destruction und allen ihren circumstantien ihr Gewicht, Maaß und Ordnung, und läst sich gar nicht übertreiben, es käme sonst eine contrarietät heraus. Es siehets auch jeder Künstler, und kans ohne Beschwerde erkennen, er kans mit Augen sehen, mit Händen greiffen, mit der Zunge spüren, samt allen seinen Sinnen, ob die Natur genug habe oder nicht, obs zu wenig oder zu viel bekommen. Denn hats zu viel vom dulcificante bekommen, so lästes den Überfluß per distillationem wieder fahren; Hat es zu wenig bekommen, so giebts ja der gustus, ob noch so viel scharff oder nicht: Also kan ein jeder selbst helffen und rathen. Setzen hiermit den modum dulcificandi in ordine also: Derowegen sage ich, wer die mineralia dem animalischen und vegetabilischen Reiche will homogen machen, und ihr corrosiv besänfftigen, der muß übermal das philosophische Axioma sich maxime zu Gemüthe führen und wohl in acht nehmen: non transiri posse ab uno extremo ad alterum sine medio. Denn die mineralia springen nicht immediate hinüber ad animalitatem sine laesione, also auch die animalia nicht ad mineralitatem, denn sie beyde als contraria verderben einander eher, als daß sie eine wohlgeschmackte Frucht sollen heraus bringen. Also muß man das Mittel ergreiffen und die mineralia NB. per vegetabilia zur animalität befördern, und hingegen die animalia per vegetabilia deportiren und figiren, denn also gehets per gradus naturae gar gerne zusammen.

Zum Exempel, wenn ich wolte die 3. volatilia oder die 3. acida dieser Reiche zusammen setzen, und nehme das animale und minerale zuerst, giesse sie zusammen, so werden sie wie zwey Feuer zusammen streiten, und eines dem andern entgegen seyn; Entgegen so ich nach der Natur-Ordnung gehe, und giesse zuvor das animale volatile zu dem volatili vegetabili, so geschiehet sine adversitate eine homogene conjunction: Alsdenn erst addire ich ihnen das volatile Minerale, und so ich distillire, so steigen sie ohnfehlbar mit einander über, oder bleiben alle drey mit einander zurück. Als Rec. Spir. volat. urinae & Spir. vini ana ein part, gieß zusammen, denn gieß die saurigte [Vitriol]-phlegma als volatile ein Theil darzu, so vereinigen sie sich alle zusammen, sine repugnantia. Also nehmet das acidum animale, vegetabile ana ein part, gieß zusammen, denn gieß ein part von Spir. vitrioli hinzu, so gehen sie auch gar gerne zusammen: Denn das vegetabile ist der copulator, der sich dem animalischen so wohl singulariter als dem mineralischen Reich associiret und vergleichet. Das regnum minerale läst sich gar gerne und leicht dulcificiren, wenn man nur secundum naturae gradus damit procediret, sonsten aber nicht. Und damit einem recht gedienet werde, so Rec. einen putrificirten Urin, und distillire ex B. M. seinen volatilischen Spir. Urinae & Sal volatilem ab, diesen rectificire durch eine Phiole von seinem gröbern phlegma, daß er gantz rein und crystallisch klar werde, und behalte ihn auf, so ist das volatile urinae praepariret. Das residuum, so im B. M. geblieben, das distillire ab auf einen Honig-dicken liquorem, so ist die gröbere phlegma geschieden. Diese thue hinweg, die Honig-dicke vermische mit ausgelaugter Aschen, daß es fast trocken werde, und sich ballen lasse, thue es in eine Retorte und distillire alles, was gehen will, ex arena, so erlangst du das acidum animale mit einem dick stinckenden Oehl, das Oehl scheide per Tritorium, oder einen gläsernen Trichter davon, das acidum und das Sal volatile, so viel mit ihm übergestiegen, das filtrire, und ziehe es noch einmal gelinde per Retortam über, so ist es auch praepariret.

Jetzt Rec. einen guten alten Wein, und mache daraus einen Spir. vini, der das Pulver anzündet, so ist dieser praepariret, wie es gemein in allen Büchern gelehret ist. Wenn du von Wein aus der Vesic herüber distilliret hast, so Rec. das residuum, und laß in einem küpffernen Kessel auf eine Honigdicke evaporiren; Doch gieb acht, wenn ein saurer Dampff in die Nasen steigt, so höre auf. Denn das evaporirte mit ausgelaugter Aschen per Retortam distilliret, so gehet erstlich ein grobes phlegma, denn acidum vini, hernach ein dick stinckend Oehl. Das Oehl scheide per tritorium oder durch einen Trichter von dem acido ab, und distillire und dephlegmire das acidum rectificando zwey oder drey mal, so ist dieser auch fertig, und so hast du alles praepariret, und wirst erfahren, daß dieses dulcificiren von dem gemeinen wie Himmel und Erde komme, welches ferner nicht zu melden, die Praxis wird alles wohl weisen. Wenn du nun dulcificiren wilt, so gehe per gradus naturae, sonst verwirrest du alle deine Sachen. Derowegen Rec. Spir. vini und Spir. volatilis urinae ana, gieß zusammen, thue es in einen hohen Kolben, zieh es ex B. M. & cinere herüber, bis eine gröbere und leere Phlegma zurück bleibet, so ist dieser fertig. Jetzt Rec. auch das acidum urinae und das acidum vini ana, gieß zusammen, und ziehe es miteinander über, so ist dieses auch fertig. Nun Rec. ein corrosiv, was vor eins du wilt, es sey in liquido vel sicco corrosivum. Rec. ein part, gieß darauf drey Part des praeparirten acidi, setze es ins B. M. und ziehe in einem niedrigen Kolben ein phlegma über bis auf die Olität, und so du aufhörest zu distilliren, so versuche das resolvirte Oehl, ob dirs süß genug ist oder nicht. Wenns nicht süß genug ist, so gieß wieder drey part acidi drauf, und machs wie zuvor, so wird es immer süsser, und kannst es so viel dulcificiren, bis dirs gefällt. Ists nun süß genug, so gieß darauf drey part Spiritus vini praeparati, setze es ins B. M. ziehe es wieder distillando ab, so wirds noch süsser und der menschlichen Natur immer mehr homogen. Gieß zum andern oder drittenmal drey part jederzeit Spiritus vini drauf, so wirds allezeit süsser und angenehmer, und so offt du frischen Spiritus vini aufgiessest, so ziehe ihn allezeit in B. M. ad Oleum wieder ab, so wird der Spir. vini wie auch das acidum fast allezeit gantz schwach und phlegmatisch übergehen: Denn das Sal volatile seu Sal dulcificans bleibt beym corrosiv, welches also seyn muß, sonst könnte es das corrosiv nicht transmutiren.

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