Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.
Nun so nimm solch praeparirt Ertz, thue es in einen Kolben ein Theil, gieß vom obigen menstruo drauf aus dem Vitriol zu dem rothen, aus dem Alaun zu dem weissen 3. Theil, setz in Sand zu digeriren und solviren, was solviret ist, das gieß klar und gemach ab, was nicht solviret ist, darauf gieß wieder 3. mal so schwer, als es wiegt, menstruum drauf, setz wieder zu solviren, bis alles solviret und ein klarer liquor ist, das must du bis auf den 3ten Theil in eine Retorte oder Kolben abziehen, und erkalten, alsdann in Keller zum Crystall schiessen lassen, so ists ein Vitriol und materia prima illius minerae remotae. So du aber solchen Vitriol wieder in 3. Theil frischen menstrui solvirest, per Retortam distillirest und cohobirest, bis es alles übergangen, so ist alsdenn ein liquor vaporosus primordialis, welcher weiter unverletzt nicht mehr gehen kan. Denn so bald er weiter wieder zurück tractiret wird, so geschiehet eine transmutation und specification in aliud, entweder in ein vegetabile, oder animale, oder universale, denn so lange es also ein corrosivischer Dampff ist, und bleibet mit der Wurtzel mit und an dem mineralischen Reich, mit dem Kopffe aber reichet es an das vegetabilische, und ist jetzt gar leicht per vegetabile in ein animale zu transmutiren. Nun weiter hast du hier das Minerale mit allen seinen principiis gantz, denn es ist ihm weder [Sulphur] noch [Arsenic], noch marcasit, oder Metall benommen, sondern alle seine Lebens-Mittel und Geister und genitalia sind zusammen in einen liquorem gebracht. Denn so du e. g. das finirte geschmeidige ☉ oder ☽, ♃, ♂, ♀ &c. nimmst, so hast du nur einen Theil, denn im Schmeltzen und Finiren ist ihm sein Sp. vitae u. nutriment entgangen, als da ist das acidum Vitrioli, der [Sulphur], der [Arsenic], marcasit, solches alles hat das Metall durch das violente Feuer verlohren und alles zu gute gebracht, und gehet ihm an seinen Geburts-Theilen nichts ab. Nun hast du nur einen einzigen modum, auf welche Manier alle und jede minera können tractiret werden, wie dich die Experienz lehren wird.
Wilst du aber solchen liquorem oder Oehl distilliren, coaguliren und figiren, so ist mehr nichts zu thun, als daß du in einen nicht gar zu niedrigen Kolben solchen liquorem per gradus in B. M. 30. Tag und Nacht sub Alembico cum recipiente coquendo digerirest, und das humidum superfluum abstrahirest, und so im B. M. nichts mehr steigen will, so setze in Aschen, und ziehe per 1. 2. 3. gradus alle phlegma oder schwachen Geist subtil ab, das residuum nimm aus, thue es in eine Phiole, setz in Aschen zu coaguliren, so wird daraus ein saltziger Stein, flüssig im Feuer als Oehl, und gestehet in der Lufft als ein Eiß, und darffst die Phiole nicht verstopffen, denn es steigt nicht leicht auf. Also hast du Q. E. der mineren auch, allein gantz corrosivisch und der menschlichen Natur noch schädlich, denn es ist jetzt noch mineralisch. Soll es dem Menschen nutzbar seyn, so muß es per vegetabilia & animalia transmutiret werden in vegetabile & animale, denn die vegetabilia und animalia sind des Menschen Speise, und nicht das Minerale, welches nachgehends soll erkläret werden. Was aber die durchs Feuer gebrachte mineralia anbelanget, als da ist der [Sulphur] com., [Antimonium], das feine ☉, ☽, ♂, ♀, ♄, ♃, solche müssen wir wieder per homogenea principia zurücke bringen, und dasjenige addiren, was ihnen durchs Feuer genommen worden ist. Nun ist dem [Antimonium] crudo sein acidus Spiritus sulphureus & Arsenicalis samt seiner steinigten Mutter genommen worden, vermittelst welchem acido der [Antimonium] leichter cum adjuvante universali vel minerali acido Vitriolino hätte können in esse primum reduciret werden. Dem Sulphur com. welcher aus dem Schwefel-Kieß gemacht wird, ist sein Spiritus sulphureus & oleum, item das kupfferhaffte Wesen benommen worden, aus welchem der Vitriol heraus gelanget wird; dem ☉, ☽ und andern Metallen sind auch dergleichen partes genommen worden.
Damit aber ein Liebhaber mit kurtzem Verstand sehe, was jedem Metall und Minerale ist genommen worden, und durch dessen Zusatz ad primam materiam zu reduciren u. praepariret wird, wollen wir eine kleine tabulam setzen, als Schwefel, Arsenic, Antimonium, solcher calx wird hernach leicht mit obigem menstruo solviret. ☽, ♀, ♂ läst sich, wie auch ♃-Ertz leichtlich mit Schwefel calciniren und hernach leichtlich mit obigem menstruo solviren; also auch wenn das [Antimonium] mit dem Schwefel im Feuer zusammen gerühret, bis der Schwefel verbrennet, läst sichs mit obigem menstruo leicht solviren; der ☿ mit [Sulphur] und Sal comm. [Zeichen: unterstrichener Bogen] oder [Vitriol] solviret sich auch gleich. Der Schwefel aber weil er ein trockenes Oehl, und kein Oehl sich leicht mit einem Sal oder salinischen menstruo vergleichet, also hat die Natur selbsten ein bequemes und homogenes menstruum gezeiget, nemlich das petroleum, als welches ein resolvirter Sulphur fluens. Der Schwefel ist ein coagulirtes petroleum, ist mit solcher zu einer wohlriechenden Leber zu kochen, als welches nicht so einen hefftigen Gestanck machet, als mit dem Lein- und Baumöhl, solche Leber solviret sich hernach in obigem menstruo zu einem vitriolinischen liquore. Wenn nun der Leser nach obgesetzter Manier alles Metall und minerale in einen Vitriol und diesen zu einem liquore gemacht, den liquorem wieder zu einem Saltz oder saltzigen Stein coaguliret, so ist jedes praepariret und aptiret, die vegetabilische und animalische transmutation (Natur) anzunehmen, wie folgen wird.
Ich habe zwar gesagt, daß die corrosiv dem mineralischen Reich angeboren ist, welches von Natur dem vegetabilischen, welches aber dem animalischen Reich mehr heterogen und contrair. Nun habe ich gesagt, kein corrosiv ist einigem Menschen nutz, sondern ein Gifft, solches Gifft muß der Artist zu corrigiren wissen in ein Wider-Gifft und Alexipharmacum. Solches kan aber nicht anders geschehen, als durch die dulcification, und die dulcification kan nicht geschehen als mit dem vegetabilischen und animalischen. Solche dulcification aber ist eine transmutation oder specification in aliud, also daß aus einem mineralischen ein vegetabile & animale wird, oder eine homogene medicin vor das vegetabilische und animalische Reich. Solches ist die ration, warum die mineralia gemeiniglich mit den vegetabilien als dem Spir. vini & [Aceto] corrigiret und dulcificiret werden. Weil nun alle und jede Chymici dulce, dulce schreyen, und doch der Wenigste verstehet, was dulce in sich begreifft; so will ich frey-Christlich solchen höchst-heimlichen Handgriff offenbaren, davon bis heutige Stund sehr wenige gewust, sondern der so flüchtige Spiritus vini hat alles ausrichten sollen. Was sie aber vor einen effect davon gehabt, erfahren sie täglich: Denn so das corrosiv nimmer auf der Zungen verspüret wird, so heist es dulce. Ihr Chymisten, verstehet ihr auch Lateinisch? Heist denn das Wort dulce alles süß, wenns auch gleich nicht süß ist? Nein, sondern das verbum dulce muß in Chymicis verändert werden, nomine, re, & actu dulce heissen und bleiben. Süß ist süß und muß süß seyn, wie Honig und Zucker, soll es anders süß heissen. Also solt ihr nun Medicin machen, daß sie wahrhafftig süß seyn, und nicht comparatione.
Allein soll ich denn allen Stöhrern und Theriacs-Krämern wie den Kindern das spitzige Messer in die Hand geben? Soll ich denn an den Tag geben das, was nur die Väter denen Kindern aufgehoben? Was werden denn die Hrn. Medici Doctores, die so viel Geld und Zeit aufgewendet haben, über mich klagen, geschweige die secretiores artis filii? Allein ich wolte gern, wenn ich einem jeden in die Ohren reden könnte, solches insgeheim und nicht pro publico vertrauen: zumahlen sind auch solche Leute insgemein nur Quacksalber und Plauderer, die sich um die philosophischen Bücher und Autores nachzuschlagen wenig bekümmern, also daß sie nicht einmal die terminos verstehen, geschweige praxin. Derowegen und weil zum meisten die Erleuchtung von oben herab kommen muß, so wird es nicht in eines jeden volentis, sondern miserentis illius solius, cujus pleni sunt coeli & terrae majestate, und so dieser den Verstand eines Menschen nicht begnadet, so bleibet er mit aller Mühe und Fleiß wie alle Peripatetici im leeren Geschwätz und Finsterniß sitzen. Die Liebe des armen Nächsten ist, qui vincit. Der Reiche hat seinen Trost in Anschauung seiner Ducaten. Damit nun einer recht verstehe, was das dulcificiren der mineralien bedeutet: Denn sie in ihrer angebornen Natur nicht süß sind, sondern meistens bitter, u. also allen vegetabilischen und animalischen Geschöpffen heterogen. Damit aber solche Heterogeneität denen vorigen Reichen auch homogen werde, so dulcificiren die Chymisten durch die und mit denen vegetabilien und animalien die mineralia, und wenn sie dulcia sind, so sind sie nicht mehr mineralisch, sondern transmutiret in vegetabilia, und so dieses vegetabile denn ein animale gemacht oder ein vegetabile crescens, so wird diß in dem ventriculo oder digestorio übersetzet, per proprium Archeum transplantiret, transmutiret in vegetabile & animale, und also dulcificiret, so sind sie denn homogen. Derowegen wollen wir hier um bessern Verstand setzen einen arborem dulcificationis und harmoniae, wodurch das animale dem vegetabili, und dieses oder beydes zusammen dem Minerali adjungiret, dadurch auch die dulcification zu Handen kommt, und das Minerale gantz ohne Schaden kan genossen werden.