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Weil aber solches ex inscitia longa nicht recht appliciret worden, und sonst andere nicht gebrauchen können, obschon die metalla per longam digestionem je und allezeit immer flüchtiger werden, und endlich in ihrer Farbe einen guten Theil mit überdistilliren, solches haben sie nicht in acht genommen, sondern weil es durch ein corrosiv zugehet, tanquam inutile verworffen, zumal ihnen dieses auch einen sehr grossen scrupel gemacht, daß sich das Metall allezeit wieder aus dem corrosiv resolviret, und zur Flüchtigkeit adoptiret wird, so intendirets doch je und allezeit lieber wieder irdisch zu werden, weil sein corpus ist irdisch zu seyn, daher sie leicht durch die praecipitation wieder in ihre vorige Art gerathen. Wüsten sie aber, was dasjenige Ding ist, welches das Metall allezeit flüchtig und mild und in liquido erhalte, ohngeacht alle praecipitantia darein gegossen würden, so wird das Metall keine metallische Art annehmen, sondern ehe sich mit den praecipitantibus vereinigen und ein tertium draus werden, solches sollen sie mercken, daß es im mineralischen Reich eigentlich nicht zu finden, sondern anderwärts in der Natur zu suchen, und eben alldorten diesen Haupt-Punct mercken, daß das Minerale eben durch dasselbe eine edlere alteration erlanget, also daß es nicht allein die mineralische Natur, sondern alle andere auch ohne die geringste Gefahr geniessen können. Ihr Herren Laboranten sehet ja, wie die vegetabilischen Spiritus, Wasser, Oehle und [Aceta] in ihrer Flüchtigkeit länger beständiger bleiben, als die mineralia, u. noch lieber die Flüchtigkeit der animalien: wiewol alles von angeborner und angeschaffener Art trachtet irdisch zu werden, als die Statt ihrer Ruhe zu suchen, ohne welche sie nimmer beweglich sind. Wie man denn siehet, daß sich alle [Aceta] vertrockenen und zur Mutter werden, alle Oehle gehen in eine dickgemachte Art, alle Wasser setzen eine Erde, und so der Sp. vini rectificatissimus nur ein subject findet, an welchem es sich hangen kan, so wird er auch gleich irdisch. Der gantze scopus totius artis Chymiae medicinalis im mineralischen Regno ist dieser, daß das Minerale per propria humida reduciret werde, und weil solche reduction pur mineralisch corrosivisch ist, also ists der vegetabilischen und animalischen Natur heterogen, so ist der scopus dieser, daß solche corrosivische Art corrigiret und dulcificiret werde, und von der mineralischen Art in eine vegetabilische, und von dieser in die animalische Art, in eine vegetabilische, und von dieser in die animalische Natur transplantiret werde. Diß ist der scopus, und sonst ist das Mineral ein heterogeneum, und bleibet eins so lange, bis solche correction drüber kommt.
Nun haben viel hundert ja tausend Laboranten so viel vielerley menstrua und radicalia solventia beschrieben, und hat jeder das seine vor das beste erkennet, ungeacht sie einen schlechten effect erlanget haben: Da sie doch, wenn sie den Grund und Regel der Natur betrachtet hätten, viel einen nähern Weg gehabt hätten, und haben sie solche radical-menstrua nicht allein selbst offt gemacht, sondern man bekommt es überall zu kauffen, und liegt nur an dem, daß sie es zu appliciren wissen. Man beschreibet insgemein ein menstruum, welches sie communi nomine ein Aquafort oder Aqua Regis heissen, und machen es aus 2. Theil Vitriol und 1. Theil Salpeter; oder also auch, nachdem sie den Vitriol ein wenig calciniret haben, mischen sie mit rohen Salpeter, und distilliren daraus ein Aquafort, welches ihnen nun auch den Effect thut, wie sie es anstellen: welches aber nicht der rechte Weg ist. Die Ursache ist diese, denn so der Salpeter zum Vitriol kommt in der Hitze, so hat der Vitriol einen brennenden Schwefel, der dem Salpeter contrair ist, und ihme seinen Geist zu geschwinde ausjaget, ehe daß er den Vitriol recht angreiffen und solviren könne, also gehet der Spiritus Nitri in die Vorlage über, und nimmt ein klein wenig von dem flüchtigen Schwefel-Vitriol mit sich über, nach welchem auch das Aquafort stincket, wie es auch der Unterscheid zeiget zwischen Aquafort und Spiritus Nitri, so durch den Leimen gemachet wird. Was aber zurücke bleibet, ist das figirte Vitriol, so viel der Salpeter und das Feuer thun kan, weil es durch das im Feuer beängstigte und fliessende und schweissende [Nitrum] mehr figiret als solviret worden.
Der rechte modus aber ist: Als man macht ein Aquafort auf gemeine Weise, oder mit Leimen einen Sp. Nitri, dessen 1. lb. gieß über 1. lb. reinen und ad albedinem calcinirten Vitriol, thue es in eine Retorte, und distillire das Aquafort per lentos gradus davon, also daß der Vitriol nicht calciniret werde, sondern nur lente ad tertium usque gradum in Sand: denn so du das Aquafort zu starck abziehest vom Vitriol, so wirst du den Vitriol mehr figiren als solviren. Wenn nun das Aquafort herüber distilliret ist, so gieß dazu 1. lb. frisches Aquafort, und gieß miteinander auf den Vitriol zurücke in die Retorte, laß miteinander solviren und digeriren 1. Tag und Nacht, denn distillirs wieder lente und nur auf den 3ten Theil ab; so wird der Vitriol wie ein Butter gantz schmierig, wie ein ander Oehl, das ist denn eine regenerirte geistliche Universal-Gur. Diese nun muß wieder zu einem liquorischen Dampff reduciret und solviret werden, soll sie eines gleichen auch in gleiche Natur bringen. Derowegen recipire das überstiegene Aquafort, und thue wieder 1. lb. frisches Aquafort dazu, daß also 3. lb. zu einem lb. Vitriol komme, gieß wieder zurücke auf den Vitriol, laß Tag und Nacht solviren und digeriren, hernach distillire lente wieder per gradus, so wird der meiste Vitriol gantz spirituos mit dem Aquafort herüber steigen; und wenn er ja nicht alle stiege, so muß mans cohobiren, bis er alle ohne Hinterlassung einiges residui übergestiegen ist, und so nun alles herüber gestiegen ist, so treibt mans 1. 2. bis 3. mal per se über, so ist das rechte radical-menstruum fertig, alle rothen astra in primam materiam zu werffen und zu reduciren und sich selbst gleich zu machen. Also mache mans mit Spir. Salis auch, so es einem beliebet: wiewol es nicht vonnöthen, das vorige resolviret alle acida und alcalia subjecta, wie die Experienz geben wird. Wenn man einen Unterschied will machen, wiewol eben nicht noth ist, zwischen den rothen und weissen astris, so nimmt man zu denen rothen das menstruum von Vitriol, zu denen weissen das menstruum von Alaun, und macht mit dem Aquafort oder Sp. Nitri u. Aluminis eben auf obige Manier ein menstruum daraus, wie mit dem Vitriol.
Nun so habe ich wieder einen Handgriff entdecket, den sehr viel unterlassen und nicht gewust, noch darauf attendiret. In diesem Streich habe ich minorem gesetzet; Du aber, fleißiger und fundirter Artist, wirst a minori ad majus zu argumentiren wissen, und die consequentz heraus schmieden, sonst kan ich dir weiter nicht helffen, wenigst hast du allhier einen Grund, fixe Sachen flüchtig zu machen, so du mich verstehest, gantz klar. Derowegen, so du es verstehest, so halte es geheim, und sey verschwiegen, und wiewol es so offen ist, daß jeder zur Thür eingehen kan, wenn ihm GOtt oder seine eigene Blindheit nicht einen Stock vorlegte, darüber er stolpert. Aperta jam porta, intra jam in conclave, Amice. Bald hätte ich gefehlet. Mercke, ich habe dir nun den Schlüssel gegeben, alle Schlösser aufzumachen; Allein es ist nicht ein Schloß wie das andere, wiewol sie mit einerley Vortheil zu eröffnen sind, so wird es doch vielerhand Anlegens und Probirens brauchen, und mancher gedencken, der Schlüssel ist nicht zu allen Schlössern recht gemacht. Da hast du nun den Schlüssel, und hast Hand die Pforten aufzusperren, und Fuß, daß du hinein gehen kannst; Oder soll ich dich tragen, wie die Hunde auf die Jagt? Nun wohlan! setze dich auf meinen Rücken, ich will dich bis zum nackenden König per omnes portas ins Bette tragen. Hüte dich aber, wenn der Rex Naturae komme, die Gefahr ist über deinem Halse: Denn er wird zürnen, dein Gemüth ist Laster-voll, denn ists um dich geschehen. Darum tritt einher mit reinen züchtigen Geberden, auf daß du malae conscientiae & oppositi mali reus nicht arguiret werdest. Hüte dich, ich sage dirs, denn der König ist ein solcher Herr, qui scrutatur corda & renes tuos.
Jetzt wollen wir voran schicken eine kleine distinction, damit die Kunst leichter verstanden werde, nemlich unter den alcalisirten Stücken verstehe ich alle aufs höchste figirte, mineralische, embryonirte und metallische Sulphura, als da sind die minera ☉, ♂, ♃, Talck, Schmirgel, Blutstein u. dergleichen unzehlig viele andere, so nicht also bekant sind, als in welchen das acidum starck reverberiret, coaguliret und figiret hat u. solche in eine alcalische fixe Natur gebracht, als welche auch ohne ein alcalisches Wesen hart in ein primum zurücke gehen. Unter denen acidis subjectis verstehe ich alle solche, welche da alle noch von dem acido dominiret werden, u. auch leichtlich von dem acido solviret werden, welche nicht starck alcalisiret und figiret sind, als da ist ♄, Wißmuth und andere weisse Sulphura und arsenicalia, die da in praxi solvendo selbst zeigen, cujus qualitatis sie sind, wie ich in generatione mineralium angezeiget. Denn was das acidum angreifft, das halte vor acidum, und was das alcali angreifft, das halte vor alcalisch, und was beyde samt und sonders angreifft, das halte ich vor beyderseits Natur. Unter die hermaphroditische Natur zehle ich alle solche mineras und metalla, da das acidum hat angefangen sich zu figiren, ist aber aus schwacher digestion halb und halb geblieben, als da ist ♀, ♂, ☿, denn solche subjecta lassen sich in acido Spiritu & alcalico singulariter & singulatim solviren und tractiren. Dieser Vorsatz ist aber nicht also genau dahin zu verstehen auf das vorgesetzte menstruum, sondern so man solche subjecta per sola menstrua universalia tractiret, als per Aquafort seu Sp. Nitri & Salis, da sie wegen ihrer subtilen liquidität an ein und andern subject einige retardation erleiden; so sie aber mit dem proprio acido minerali vitriol ino vel aluminoso specificiret werden, alsdenn hat es solche Achtsamkeit zu entrathen.
Derowegen so theilen wir Nachgesetztes auf das vorgesetzte rubeum vel album menstruum den [Vitriol] & [Alaun], als in die rothe und weisse mineras metallicas ♄, ♃, ♂, ☿, ♀, ☽, und dann in die mineras marcasiticas, als da ist [Antimonium], Wißmuth, Spiauter und alle andere marcasitae, ☉, ☽, ♂, ♀, ♄, ♃, ☿. Denn in die fixe Sulphura embryonata, als da ist Blutstein, Schmirgel, Bolus, Adelstein, Talck, Magnet, Blenden, Federweiß, Galmey, Tutia &c. Hernach in Sulphura embryonata volatilia, als da sind [Antimonium], [Bismuthum], [Arsenic], Vitriol-Schwefel-Kieß, und alle flüchtige marcasiten, und Kieß-Wercke. Diese 4. species wollen wir in genere solviren, und Quint-Essenz perficiren lehren. Allein mercke dieses, so du wilt solviren die rothen astra in Vitriol-menstruo, u. die weissen in dem alaunischen menstruo: Derohalben nimm ein Ertz, welches du wilt, laß es glüen, und so es glüet, bestreue es mit [Sulphur] comm. ana, rühre es mit einem eisern Draht wohl durcheinander, bis der Schwefel ausgebrannt, denn so ist die minera praepariret, mit dem menstruo zu solviren. Besser aber thut der, so die mineram aus oder von dem Berge nimmt, es sey welche es wolle, poche es zart und klein, und wasche es auf der Saren den Berg oder Stein von dem Ertze, wie man pflegt die Ertze zu Schlich zu ziehen, alsdenn solches, es sey leicht oder hart-flüssig, detoniret, hernach glüen lassen, und mit Schwefel verzündet, so ists auch praepariret.