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8 the Anatomy of Plants

Anatomia Vegetabilium.

Dieses Reich quoad separationem & coagulationem ist dem Animalischen gleich, nur daß es an der quantität seiner principiorum destruiret ist. Denn das Regnum animale behält sein stinckend Sal volatile urinosum; das vegetabilische aber hat seinen stinckenden Spiritum ardentem: wiewol er manchem Brandewein-Sauffer angenehm ist, als Bisam und Ambra. Dieses Reich ist in seinen subjectis auch unterschieden, wie das animale, denn es hat zum Theil safftige Kräuter, Blätter, Stengel, Frucht, Safft, Gummi, Resina, Oehl, Saamen, Holtz und Wurtzel, zum Theil harte trockene partes, Stengel, Wurtzel, Holtz und Saamen: Derowegen so müssen wir auch hier einen kleinen Unterscheid dem Liebhaber zu gut ansehen. Als Rec. alles, was safftig und grün ist, zerstoß, zerschneide, zerquetsche es, wie du kanst, und so es aus eigener Natur nicht Safft genug hat, so gieß verfaultes Regen-Wasser oder Wein oder Saltz-Wasser so viel zu, daß es werde wie ein dünner Brey; oder wilt du, so presse den Safft heraus, und lasse ihn vergehren, wie einen Wein, oder wie die Bauren aus Birnen oder Aepffeln Most pflegen zu machen, denn jedes weiches vegetabile kan also tractiret werden, wie auch so wol die harte, so sie klein gemacht sind, und ihnen eine gnugsame quantität humidi beygebracht wird. Oder laß also das zu Brey gemachte Kraut alles beysammen, thue es in ein höltzern Gefäß, stelle es an einen lauen Ort, und laß also maceriren, bis es einen säuerlichen oder faulen Geruch von sich giebet, ohngefähr 14. Tag und Nacht, oder 3. Wochen, denn so thue es in eine Vesic, und distillire lente das subtile volatile mit seiner subtilen phlegma ab. Das Residuum nimm aus, laß gantz trocken werden, und thue es in eine Retorte in Sand, distillire per gradus, so erlangest du erst ein gröber Wasser, denn ein [Acetum], denn das Oleum crassum, in fundo bleibt die zu Kohlen verbrannte massa. Nun ist das vegetabile geschieden.

Du solst aber mercken, daß gleichwie die vegetabilia einander nicht gleich sind, also haben sie auch in quantitate ungleiche Partes, denn eines hat viel volatile, das andere mehr [Acetum], oder Oehl, nachdem es viel Universal-Saamen bey sich specificiret, coaguliret und figiret hat, nach dieses Princips sind auch ihre Tugenden und Kräffte ausgetheilet, und zu curiren oder zu appliciren. Denn ein wohlriechend Kraut, so es viel volatile hat, so hats die Krafft, nicht allein Spiritum naturalem, vitalem vel animalem, sondern auch mentalem zu stärcken und gesund zu machen. Hat es keinen guten Geruch, so stärcket es animalem, vitalem & naturalem spiritum: wiewol es nicht als allezeit an dem äusserlichen edlen Geruch, sondern vielmehr an dem innern liegt, als welcher durch den Archeum distilliret das lädirte Glied schnell erquicket und curiret. Hat das Kraut viel acidum, so ists specificirt, die solidiora membra zu curiren, als da sind die musculi, tendines, ossa, cartilagines crassula, crassiora, viscosa &c. Also das Oehl auch, je dicker die partes essentiales sind, je dickere u. coagulirtere partes corporis sie confortiren, oder destruiren, nachdem sie appliciret werden. Denn ein jedweder Medicus weiß, daß ein höchst-flüchtiges Ding nimmermehr zum nutriment der fixen Beinen kommen kan. Denn so ein flüchtiges Wesen in Leib kommt, immediate wircket es per calorem in alle Glieder und wird endlich per poros in forma vaporis vel sudoris ausgetrieben; da entgegen ein acidum dahin nicht gelanget, sondern entweder urinam oder sedes moviret. Dann man siehet, wenn man einem höchst-melancholischen ein wohlriechend Ding vor die Nase hält, in eo momento, als er es riechet, so fühlet er eine Erleichterung und Erquickung seines betrübten Hertzens: obwol ihme solcher schnell vergänglicher Geruch keine Beständigkeit machet, sonderlich wenn er eine halßbrüchige und dergleichen Sünde gethan, oder so ihm der Überlast seiner Schulden oder sein böses Weib kräncket. Dennoch siehet man, daß er es bekennet, daß es seinem Gemüthe ein anmuthig u. ein erquickender Geruch u. Geist ist. Entgegen so man ihm aus Boßheit einen Gestanck vor die Nase machet, so wird er in eo ipso momento noch betrübter, trauriger, kräncker und zorniger. Und also auch hinwieder eines warmen Thiers oder Krauts Geist erwärmet einen kalten Melancholicum, ein kalter narcotischer Geist erkühlet einen Cholericum. Nun dieses per parerga. Ein Mechanicus weiß ohne dem schon die qualitates specificas auszutheilen.

Wenn nun das vegetabile also separiret, so geschiehet die conjunction eo modo & ordine, wie bey dem Regen-Wasser und animali gesagt, und kan auch in allen so tractirt werden, nach allen obigen unterschiedlich offenbarten Wegen und Manieren oder Processen, wie in dem Regen-▽ und animalien gelehret ist, welches zu repetiren nicht nöthig ist, um Weitläufftigkeit zu vermeiden. Ich muß dem Liebhaber eine Kunst spendiren. Nemlich es haben sich viele Chymici bemühet, das Sal volatile vegetabile zu erlangen, habens doch nicht treffen können, welches doch ein sehr leichtes Ding ist. Als wenn du das Kraut zu maceriren und putreficiren einsetzest, so laß es so lange stehen, bis Maden und Würmer darinne wachsen, welches bald geschiehet, und so du dieses hast, so distillire aus einem hohen Kolben in B. M. so steigt ein animalisch-urinosischer Spiritus über, und hänget sich das Sal volatile im Helm an &c. Dieses ist die ratio & causa evidens, daß das vegetabile zu einem animale worden, als welches animalische Reich mehr und voller Sal volatile stecket. Dieses notire der Leser wohl, er wird speculando viel andere Sachen erlangen, die er lange zu suchen sich bekümmert hat.

Was nun die härtern vegetabilia anlanget, als da sind holtzige Kräuter u. Wurtzeln, Holtz &c. diese macht man und verfahret damit, wie mit den harten animalischen beinichten Theilen, quetschet es klein, wie man kan, und giesset verfaultes Regen-Wasser oder Wein oder Saltz-Wasser oder Salpeter-Wasser drauf, und laß maceriren, oder sied es, bis kochweich wird, und denn putrificirt; oder man kocht es zu kleinen Stückgen geschnitten in einer Retorte trocken, ut in animalibus doctum est, und so sie separiret sind, so ist die Conjunction allhier wie dorten eins. Damit in diesem Punct einem Liebhaber nicht wieder ein scrupel vorfalle, daß weil das Holtz (weils nicht putreficirt, so trocken distillirt) kein volatile hat, als auch in animalibus &c. so will ich ihm ad nauseam usque inculciren und solches verschaffen, weil in omnibus mundi individuis homogenea. Er nehme nur ein verfault Regen-Wasser oder Schnee-Wasser, so hat er ein volatile zu allen Sachen, die da keines haben; Oder auch, wenn er kein acidum oder alcali hat, so nehme er den Salpeter oder dessen Spiritum, das alcali ist das Saltz. So dann distillire er das Regen-Wasser alle seine volatile und phlegma ab, das Residuum treibe per Retortam, so bekommt er ein [Acetum] und im residuo steckt per reverberationem das alcali, so hat er alles, was er wünschen mag, und mangelt ihm nichts. Ein Künstler soll dieses mercken, daß ein Universal-subject sich zu allen individuis specificiret. Also gesetzt, ich hätte kein volatile, aber ein [Acetum], [Oleum] und alcali, so addire ich ihm das volatile aquae pluviae ut universale, solches specificirt sich mit andern principiis, und nimmt die qualität und specification desselben acidi an, deme es addiret wird. Denn es heist: a potiori fit denominatio, das acidum, oleum und alcali ist in quantitate mehr, also können sie das wenige volatile leicht meistern und in ihre Natur transmutiren:

also ists auch mit dem [Acetum] und alcali. Wenn also ein subject in rerum natura wäre, das da kein [Acetum] oder alcali hätte, sondern pur volatile wäre, wo solte ich nun ein [Acetum] oder alcali nehmen, dieses volatile zu figiren, und in einen Stein zu concentriren? Da schaue dich in der Natur um, um ein homogeneum, finde ich keines in seinem Regno specificato, wie denn genugsam giebet, so gehe ich denn ad universalitatem, als zum Regen- und Schnee-Wasser, Salpeter und Saltz, hier habe ich schon ein homogeneum, wie ichs verlange. Wenn ich nun einen partem specificatam habe, die universalia nehmen gleich durch dessen adjunction die specification an, und operiren nach dessen qualität und praedestination. Denn es siehets jeder mit Augen, wie die universal-subjecta, als Thau, Regen, Schnee &c. kaum geboren sind, so nehmen sie augenblicklich wieder das specificum an, und verwandeln sich wieder darein, daß sie sich im herunter fallen auf das animalische, vegetabilische und mineralische Geschöpffe anhängen, und mit ihnen zu solchen werden. Man koche nur ein animale, vegetabile oder minerale mit Salpeter und Saltz in liquido vel sicco, sie werden gleich von deren qualität participiren. Es ist jedoch nicht zu weit zu denen universalen zu rumeiren und gehen, da doch GOtt ein Reich principal subject gegeben, das da seines gleichen subjecta alle generaliter in sich begreifft und welches sich nach jeden seines Reichs individuis nach aller Philosophorum Sentenz vergleichet, nach u. mit seinen principiis volatili, acido, alcali, als in dem animalischen oder Thierischen Geschlecht den Menschen, Mann und Weib, mit allen seinen Theilen, Urin, Koth, Fleisch und Bein &c. in dem vegetabilischen Reich den Wein, und das Korn oder Weitzen; in dem mineralischen das Sal commune und Nitrum, welche da allen hitzigen und kalten subjectis succurriren können, und ihre manquirende Stelle, oder principia, volatile, acidum, alcali erfüllen.

Es möchte noch letztens ein kleiner scrupel in separatione Regni animalis & vegetabilis vorfallen, und mag einer sagen: Er hat die meisten principia gemeldet, und doch fehlet er an einem oder dem andern: Denn in der distillation der animalium und vegetabilium ratione volatilis gehet in B. M. oder in der Vesic mit dem volatilischen Spiritu auch ein zartes Oehl über, dieses hat er aussen gelassen und davon nicht gemeldet. Antwort: Droben habe ich gesagt, je mehr ein Ding aufgeschlossen wird und subtilisiret, je subtiler und flüchtiger es wird. Was ist eben ein jeder Spiritus ardens, als ein höchst-extendirtes oleum, oder ein höchst-volatilisirter, resolvirter Salpeter, oder semen Nitri ardentis? Ich habe ja ad nauseam geprediget, daß das volatile & fixum, das acidum u. alcali, mit samt dem volatili essentiae ratione gantz indistinct sind, sondern nur accidentaliter, nachdem eines flüchtig oder fix gemacht worden ist, nach diesem so nehmen sie terminum distinctionis oder distinctionem termini an, sonsten aber materialiter sind sie idem, omnia & universa. Über solche Dinge mache sich keiner einen scrupel, wenn ihm auch ein Geiß-Bock zum allerersten solte übersteigen, so wirff ihn in conjunctione wieder auf seinen fixen Theil um, durch denselben zu rectificiren und coaguliren. Eben solche scrupel haben manchen nicht ad centrum kommen lassen, daß sie gedacht haben: Holla! das ist gewiß ein heterogeneum, oder pars ab ipsa natura rejecta, dieser gehöret nicht dazu &c. Auf solche Manier haben sie das beste verworffen, und den Quarck in Händen behalten, und den retirirten bessern Theil geben sie den Schweinen.

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