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Ich muß hier den Leser erinnern und zuvorkommen. Weil ich ein Ding öffters anziehe und repetire, so soll er nicht dencken, daß es überflüßig sey, sondern weiter zu argumentiren hat, und der Leser aus jedem Worte insonderheit immer tieffer in die Natur zu sehen Gelegenheit habe. Deßwegen wird mancher sagen: Der immer der Natur folgen will, und doch der Natur zuwider viel violente Irrwege, als welche kein Ding so äusserst zerstöret und zu Kohlen verbrennet, gehen sollen. Es muß aber ein Künstler den Endzweck der Natur und Kunst betrachten. Die Natur intendiret nicht ein corpus vegetabile vel animale also äusserst zu zerstören, weil es ihr genug ist, wenn sie solche corpora resolviret zu einem mucilaginischen, essentialischen, spermatischen, gesaltzigen, wässerigen oder gurischen Safft, als zum nutrimento und Saamen, ein anders solchen gleichen zu generiren; Sie hat aber nicht die Gewalt, daß sie ein quint-essentificiret, und ein ewig beständig glorificirtes Corpus mache, wie die Kunst vermag, das da nimmer in sich selbst verweßlich ist: wie denn alle glaßirte corpora am allerdauerhafftesten sind, über ☉ und ☽: denn man nimmer oder selten höret, daß Glaß und Edelsteine sind verweset, wenn es nicht der Künstler mit Fleiß in primam materiam destruiret; aber natürlicher Weise nicht leichtlich. Entgegen siehet man in Bergwercken, daß das ☉ und ☽ durch die arsenicalische Dämpffe wieder erwecket und destruiret werden, daß es einen leeren Fluß und electralischen Stein hinterlässet. Bey dem ersten operiret die Natur also: Die Natur erweichet die todten animalia und die weiche Kräuter durch Thau und Regen, oder andere Wasser und Feuchtigkeit, bringet solches in die putrefaction, denn so distillirts durch die Sonne oder Central-Hitze ein subtiles und flüchtiges nach dem andern in die Lufft hinweg, aber das [Acetum] und Oehl &c. das kans durch die schwache Hitze nicht heben. Dieses verlassene residuum ist in den gemeinen Officinen heutiges Tages das Sal essentiale vel vegetabile, welches ich eine Vitriolum animale & vegetabile heisse, weil sie eben also creiret, und mit einer praecipitirten Erde behafftet ist, und solches [Sal] oder [Vitriol] giebt im distilliren einen Spiritum acidulum, dessen Saurigkeit einen mineralischen Geschmack beweiset, nemlich die vitriolinische acidität, dem ein Oleum crassum folget, und hernach die Kohlen. Diese 3. separiret die Natur in dem vegetabilischen und animalischen Reich nicht; in dem mineralischen Reich aber figiret sie solche noch mehr, und concentrirets, daß es immer schärffer und corrosivischer wird, wie an dem Spiritu & Oleo Vitrioli zu sehen.
So nun die animalia und vegetabilia also zu einem Sal essentiale oder Vitriol gemacht, so imbibiret die Natur solches immer und stets mit den volatilischen Theilen, als Regen und Thau &c. Also kan der Artist auch eine gleiche operation anstellen, daß er aus denen animalien eine Sal-essentialische substantz oder Gallerte mache, und alsdenn mit einem Sp. volatili aus desselben Thiers partibus distilliret und damit imbibiret, coaguliret und repetendo figiret in Quint-Essenz. So er aber kein volatile von solchen Thieren hätte, so nehme er den Sp. volatilem urinae hominis & aquae pluviae, roris: Denn so die Natur öffters imbibiret, so wächst das Sal essentiale in die Lufft auf, wird daraus ein Kraut oder Baum, weil sie nicht quint-essentificiret; Der Künstler aber statt dessen macht daraus die Quint-Essenz, dahin die Natur noch nicht intendiret. Damit ers aber klarer habe, will ich den Process klar setzen. Rec. ein animale (also ists auch von vegetabilien zu verstehen,) brings zur Sultze oder Gallerte per propriam vel hominis urinam, vel aquam pluviam putrefactam, laß es denn putreficiren und fermentiren, gieß denn das klare ab, filtra, dieses filtrirte ziehe ab per B. M. alles volatile über ad tertiam partem vel oleum usque, das oleum ad liquorem residentem, nimm es aus, und setze es in Keller zu crystallisiren, oder daß es gestehe, wie eine Sultze. Solches ist das Sal essentiale animale oder Gum animale. Denn so nimm die Crystallen oder Sultze, setz in Aschen sehr gelinde zu coaguliren, daß es trocken werde, aber nicht zu Kohlen verbrenne. Nun höret hier die Natur auf, die Kunst aber fängt an. Laß dieses erkalten, gieß darauf ein volatile so viel, daß es nur 2. 3. bis 4. Finger hoch drüber stehe, und digerire es wieder in B. M. und laß steigen oder distilliren, was da will, denn im B. M. brennt sichs nicht zu Kohlen oder Aschen. Hernach so in B. M. nichts mehr steiget, so setze es wieder in Aschen, und coagulirs zur Trockene, und reverberire es ein wenig stärcker, denn nimm es aus, reibs zu Pulver und imbibire es wieder mit seinem volatili, setze ins B. M. ziehe es wieder ab, coagulire es in Aschen und repetire es imbibendo, coagulando, reverberando, figendo, so kommt die Quint-Essenz heraus. Auf solche Manier wird das volatile darauf figiret, wie es denn seyn muß, und wird letztlich ein abgeschmacktes phlegma herüber steigen, welches alle partes essentiales nach sich concentriret gelassen, welches nichts anders ist, als eine mineralische fixe Natur, weil es allem Feuer resistiret. Diß ist nun der beste Weg, wie die Natur selbst arbeitet.
Der andere folgende ist von lauter purität, der keine faeces (wie die Chymisten scrupulanter sich einbilden) leidet, sondern eine höchst-purificirte Quint-Essenz ist, also: Wenn du eines animalis oder vegetabilis partes volatiles, acidas, oleosas geschieden hast, so rectificire das volatile & acidum aufs beste von aller phlegma, als du kannst, und insgemein fast in allen Autoribus zum Theil hin und wieder in Büchern beschrieben ist. Denn so Rec. das Oehl, reibs unter 2. Theil Kohlen, und ziehe es auch per retortam in Aschen oder Sand über. So du aber die Olität nicht haben wilt, so reibe das Oehl unter seine Kohlen, thue es auf einen Treib-Scherben, und setze es in einen Becker- oder Pasteten-Ofen, wenn er den Ofen heitzet, so reverberiret die Flamme desuper die Kohlen und das Oehl zu Aschen und Saltz. Du must aber den Treib-Scherben an einen Ort stellen, wo kein Holtz oder Kohlen kan drein fallen, und nur die Flamme herüber spielet. Denn so es zu Aschen worden, so lauge es in proprio phlegma aus, filtra, coagula, so hast du das alcali, solches setze wieder in Treib-Scherben, und laß wieder in solchem Ofen reverberiren und ausglüen, solvirs wieder in seinem phlegma oder distillirten Regen-Wasser, filtra, coagula. Dieses reverberiren, ausglüen, solviren, filtriren, coaguliren thue so lange, bis das Saltz schön klar und weiß wird, so sind die 3. partes, das volatile, acidum und alcali aufs beste purificiret.
Jetzt geschiehet conjunctio. Nur muß ich zuvor die reverberation per flammam recommendiren, weil die Laboranten insgemein pflegen unter der Muffel mit Kohlen zu reverberiren, welches lange so edel und subtil nicht practiciret wird, als durch die Flamme des Holtzes, welche viel schneller und schärffer durchdringet, als die Kohlen, weil die Flamme ein pur-reines und lauteres sehr starckes acidum corrosivum ist. Doch stehet es jedem frey. Ich halte es per flammam besser, wie michs die Experienz gelehret. Conjunctio. Nun Rec. von dem rectificirten alcali 2. Theil, thue es in Kolben, gieß darauf ein volatile 4. Theil, denn so gieß hernach seines acidi 3. Theil, so werden sie in puncto zusammen vereiniget und figiret, also daß sie zusammen in ein Feuer-beständiges fliessen, als ein oleum incombustibile, in der Lufft aber gestehen sie wie ein Eiß, und ist nun nichts mehr vonnöthen, als daß du es mit Helm und Vorlage ins B. M. setzest, und entziehest ihm sein phlegma ad oleum usque. Denn setze zu crystallisiren in die Kälte, so schiesset sich die Quint-Essenz als ein Crystall, diesem ziehe wieder das Feuchte ab ad oleum oder evaporirs ad crustam, und laß wieder schiessen. Solches thue, bis alles geschossen, so hast du die Quint-Essenz, solche trockene gelinde, thue es in einen Kolben, setze es in Sand, gieb per quatuor gradus Feuer, so fliessets zusammen in einen Stein, welches du mit einem Wachslicht von oben einsehen kannst, daß es stehet, wie ein Oehl, und so das Feuer ausgehet und erkaltet, so ists ein Stein. Denn zerschlage das Kölbgen, und nimm aus die Quint-Essenz, auch thue es in eine buchsbaumerne Büchse und trags also trocken mit dir durch alle Welt. Wenn du es gebrauchen wilt, so nimm davon etliche gran, und nimm aus der Apotheck ein appropriirtes Wasser oder aber Wein, wirffs drein, so vergehets wie Zucker oder Eiß, denn giebs ein, und mercke seine Kräffte.
Nun siehest du aber, ob du schon alle deine partes aufs höchste von aller phlegma oder recolaceo geschieden in seiner coagulation, findest du darnach doch noch viel und mehr phlegma, als Quint-Essenz. Du siehest auch darneben, wie geschwind die homogenea partes sich vereinigen, coaguliren, einander umfassen, und so fest zusammen halten, daß sie eher unterwerts den Tiegel oder Glaß durchdringen, ehe sie sich wieder von einander begeben, also schnell figiren sie sich; und so sie auch durch Zusatz per Retortam getrieben werden, so participiren sie doch alle von einander, und ist keines von dem andern mehr zu erkennen. Hie hat der Liebhaber allerhand praxis und Handgriffe, also daß er die gantze substantz jedes Dinges, das einzige aqua recolacea oder phlegma ausgenommen, zu concentriren und ad formam siccam, fixam, fusibilem bringen kan, und mit sich ohne Gefahr durch alle Lande tragen, dessen 1. gran mächtiger wircket, als viel Maaß gemein distillirtes Wasser. Es wird aber einer sagen: Warum verbrennt er denn das Oehl, da doch solches ein essential part ist? Ich habe es gerne gethan, um schleuniger zu arbeiten, daß der Artist mercke, daß die Kunst das Oehl, welches man aus seiner Tinctur siehet, wenn das acidum und volatile drüber gegossen wird, da es entweder eine höchst Rubin-Röthe, oder Gold-gelbe oder andere Farbe repraesentiret. Wer aber das Oehl behalten will, u. das fixum aus der incinerirten Kohle allein nehmen, der kan es thun; und so die Quint-Essenz in einen Stein geflossen, denn so kan er das Oehl beysetzen, mit dem Stein misciren, seine abgezogene phlegma addiren, in B. M. zusammen kochen und abziehen ad siccum per gradus lentos, hernach in Aschen und Sand coaguliren, figiren, und zum Stein schmeltzen, wie ich den modum bey dem Regen-Wasser vorne habe deutlich beschrieben.
Es möchte hier einer klagen und sagen: Ja, dieser modus wäre wohl gut, wenn man ihn in quantität einrichten könnte, und noch besser alle Arme und Reiche geniessen könnten, daß es auch die Apothecker um wohlfeiles Geld geben könnten. Solches ist ja leicht, und so einer ein wenig nachdenckt, so giebts der Verstand selbst also: Es nehme ein Apothecker 3. Körbe voll eines Krauts, gesetzt von Melissen, oder aber er nehme von einem Thiere das Blut, Urin oder Fleisch, solches setze er in einen grossen Kolben zu putreficiren, denn so nehme er des Thiers seine Beine, Hörner, Klauen, Haar &c. Unterdessen, weil die liquide partes putreficiren, so thue er die sicciores partes praeparirt u. klein gemacht in eine Retorte die Helffte, und distillire davon das Acidum und Oleum, so bekommt er das Acidum und Oleum, auch die Kohlen in quantität. Die andere Helffte der trockenen Theile gebe er einem Töpffer in offenen Hafen zu calciniren, aus solcher Aschen lauge er das Sal fixum, wie viel es ist. Das obige liquide Theil, so in der putrefaction gestanden, davon distillire er ein volatile in quantitate, das residuum kan er auch calciniren, und das Saltz auslaugen, welches auch mehr Saltz giebt. Und so er dieses gethan hat, so hat er die principia in quantitate, denn darff er nichts als die conjunction und coagulation machen, so hat er die quint-Essenz in copia und um wohlfeiles Geld zu verkauffen.