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← ExitThe Golden Chain of Homer
2 From Whom or What Everything Was Born

Das II. Capitel. Aus wem oder woraus alles geboren worden.

Der unbegreiffliche GOtt hat alles aus beliebigem Willen aus dem grossen Nichts erschaffen. Denn er beschlösse und wolte, und ließ aus seinem Göttlichen Munde ausgehen sein heiliges kräfftiges Wort: Fiat! welches zu einem unermeßlichen Dampff, Nebel und Rauch ward. Dieser Dampff rc. resolvirte oder concentrirte, verdickte sich durch seine immerwährende Vermehrung in das allgemeine bekante Chaotische Wasser. Dieses Wasser nun ist dasjenige, aus welchem diese grosse Welt mit allen ihren Inwohnern gemacht worden, und dieses Wasser ist jenes, aus welchem GOtt alle übernatürliche und natürliche Dinge gemacht, u. dieses Wasser ist der uranhebliche oder uranfängliche Ursprung aller Dinge, die vor und nach uns sollen kommen. Der Ursprung aber solches Wassers ist, wie gelehret, der ewige GOtt u. dessen ausgelassenes Wort, das Wort ist ein Geist voller Krafft, und dieser Geist ist sichtbar worden zu einem Dampff und Nebel. Dieser ist greiflich worden zu einem Wasser. Hier haben wir 2. Dinge in einem beschlossen, ein sichtbares, das ist Wasser, und ein unsichtbares, das ist der Geist, so in dem Wasser verborgen lieget.

Das Wasser ohne den Geist ist recolaceum, das ist, ohne Krafft, u. der Geist ohne Wasser ist nichts oder ohne Bestand, weilen der Geist ein corpus haben muß, so er corporalische oder wesentliche Dinge würcken soll. Denn GOtt wolte es so haben, daß der Geist vermittelst des Wassers solte alles in allen würcken, weilen das Wasser sich leichtlich mit allen Dingen vermischet und vermittelst solchen der Geist alles erweichen, durchdringen und gebähren, auch wieder zerstören kan. Das Wasser ist das Subjectum oder Corpus, das Gehäuß, das Instrument: Der Geist ist der Würcker, der beschriene Welt-Geist, Anima & Spiritus mundi, der allwürckende Geist und Krafft GOttes. Der Universal-Saame, Sperma Universi, das wahre Agens, der Schmid aller natürlichen Dinge. Anfänglich von seinem Ursprung an war dieses Wasser und Geist gantz flüchtig, unbeständig, wie leicht zu erachten, als ein Dampff, Nebel und Rauch-Wasser. Hieraus kan nun jeder schliessen, was die Natur und was dessen Ursprung, und von was Anfang solche herrühret, denn solches klärlich kan und wird nachgehends dargestellet und gewiesen werden.

Daß die Welt aus dem Dampff worden, und daß der Dampff zu Wasser und das Wasser zu Dampff wird, ist ja augenscheinlich. Wir sehen ja zwischen Himmel und Erden nichts als Dampff, Rauch und Nebel und Wasser, so davon der Erd-Wasser-Sphaer durch die Central-Hitze angetrieben in die region der Lufft sich aufsublimiret; und so uns zugelassen wäre, die subtilen Ausflüsse oder Dämpffe der Himmel zu sehen, so würden wir deren influenz, so sich von oben herunter in diese von (uns) unten heraufsublimirte Dämpffe einlassen und conjungiren, auch sehen können. Weilen wir solches aber mit unsern dunckeln Augen nicht sehen können, müssen wir solches mit Sinnen begreiffen, und denn per praxin Chymicam mit Händen tasten, als quod in macrocosmo, id quoque in microcosmo, & quod est superius, id quoque inferius. Daß nun solche Dämpffe aus dem Wasser kommen, sehen wir ja zuförderst zur Sommers-Zeit, da die Sonne die Wasser erhitzet, und solche in Dampff verkehret u. in die Lufft aufziehet; auch wenn es zuvor geregnet, und denn die Sonne darauf scheinet, sehen wir, wie die Dächer mit Regen benetzet hierauf rauchen, dämpffen, und solcher wieder in die Lufft flieget. Es siehets der Bauer auf seinem Herde, wenn er Wasser in seinem Topff, Kessel und Hafen kochet, daß das Wasser dämpffet, rauchet, und so er will, kan er solches in lautern Dampff verkehren. Daß der Dampff aber zu Wasser wird, das sehen wir, nachdem sich der Nebel und Rauch in Wolcken verdicket hat. Solche Wolcken resolviren sich dann zu Regen, Schnee und Wasser, und fallen wieder zu ihrem Ursprung. Es spürets und fühlets der Bauer auf dem Felde mit seiner grossen Beschwerniß, wenn er muß in der Hitze arbeiten, daß sein gantzer Leib aushauchet und ausdämpffet, solcher Dampff schläget sich in sein Gewand, resolviret sich darinne zu Wasser, daß es ihm über seinen Rücken Strömlein-weis abrinnet, so wir in communi Schweiß heissen. Solches sehen auch alle Distillanten, daß sich die Liquores Dampff-weise in die Helme erheben, und alldorten verdicken, durch die Schnabel Strömlein-weise und Tropffen-weise herunter rinnen, und also die Dämpffe zu Wasser werden.

Aus gesagtem können wir nun schliessen und uns vergewissern, daß diese grosse Welt, nach GOtt, Prima Materia sey, das Chaotische Wasser oder der zu Wasser resolvirte Dampff, und dieser ist unsern Augen noch eins und einfach, aber in seiner Zahl zweyfach, nemlich Wasser und Geist, sichtbar und unsichtbar, das Wasser ist Patiens, der Geist ist Agens. Aus diesen beyden wird ohn Unterlaß alles und jedes bis zu dem Ende der Welt gebohren, erhalten und wieder zerstöret, auch wieder geboren. Der nun zu dem Brunnen der geheimen Weisheit zu gelangen dringet, der behalte dieses wohl, und gehe mit diesem puncto Centrali in nachgehenden Capiteln ad Circumferentiam, so wird er befinden, daß alles in allen ist, nemlich in subjectis totius orbis dieser Geist mit seiner Krafft ausgetheilet; und wie alle Dinge aus diesem einigen bestehen, also gehen sie rursus in ihre äusserliche resolution wieder zu diesem: Das ist, die Circumferentia gehet per vicissitudines wieder ad Centrum. Wer nun dieses capiret, der macht kein dubium oder scrupel in Analysi naturæ. Denn er macht aus dem flüchtigen ein fixes, & e contra; aus dem süssen ein sauers, & vice versa; aus dem stinckenden ein wohlriechendes, aus dem Gifft einen Theriac, und aus dem Theriac einen Gifft: weil er weiß, daß sie alle aus einer einigen Wurtzel entsprungen, und wieder zu solcher werden können, wornach man so äusserst Verlangen erweist: denn sie nur distinct seyn secundum accidens & non secundum materiam, secundum digestionem majorem & minorem.

Darum und deswegen ruffen alle besser gesinnete Philosophi: Unsere Materie ist in allen Dingen dieser Welt um und um uns, wo man nur hinschaut. Man greifft es alle Augenblick mit Händen, man tritt mit Füssen drauf, es flieget vor der Nasen herum, und flösset offt auf dieselbe. Allein dieses per parerga geredet. Die Philosophi haben doch in subjectis eligendis ein Mittel getroffen, und haben uns gewiesen dorthin, wo dieser Geist am meisten, ehesten, geschwindesten concentrirt angetroffen wird; wiewol er in allen und jeden subjectis ist, so ist er doch in einem mehr, kräfftiger und reiner, sonst aber ist er alles in allen.

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