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Was aus dem vorhergehenden langen Capitel endlich zu schliessen.
Das vorige Capitel saget nur compendiose universaliter von Zerstörung und Zerbrechung, auch Wiedergebärung aller natürlichen Dinge, principaliter aber von dem regenerirten Chaotischen Wasser, nach welcher Regul alle vegetabilia, animalia & mineralia sich verhalten müssen, und diesen Pfad nothwendig nachgehen, weil sie alle aus einem natürlichen primordio ihrer anfänglichen Mutter entsprossen. Und gleichwie der Artist in voriger separation des Universal-Wassers procediret, daß er ein flüchtiges nach dem andern von dem fixern Theil geschieden, also muß er auch in seinen specificis und individuis, als allen animalien, vegetabilien und mineralien verfahren, solche in solcher Ordnung scheiden, u. wieder zusammen setzen, wie sie von einander gegangen, eine Quint-Essenz heraus schmieden. Weil aber keine separation ohne die putrefaction, es sey nun natürlich oder künstlich, das ist, es sey auf natürliche langsame, oder auf künstliche geschwinde Hand-Griffe practiciret, wie einer selbst will und kan: Denn je geschwinder einer die putrefaction promoviret, desto geschwinder fertiget er sein Werck aus, wie ich denn Anleitung genug am ersten Theil gegeben, wie die Natur selbst vorgehet, weil kein corpus vor der separation und regeneration perfect kommen kan, also kan keine separation perfect die flüchtige Theile von denen fixen zu scheiden ohne distillation vorgenommen werden, wiewohl vielerhand separationes sind; solche aber werden hier nicht verlangt, sondern die einige, welche die Natur je und allezeit weiset und vorhält: Erstlich praeparatio, denn putrefactio seu solutio, fixatio, hernach imbibitio, inceratio, augmentatio, fermentatio, applicatio. Solche gradus hat die Natur, wie sie in diesem und vorigen Tractat vielfältig gelehret ist.
Derowegen so der Künstler separiret, so soll er allezeit die flüchtige Theile vor die oberste als Himmel und Lufft rechnen, die fixere aber vor Wasser und Erde, in [Mercurius], [Sulphur] und [Sal], in animam, corpus & spiritus abtheilen oder in die 4. Elementa secundum Aristotelicos, in △, [Lufft], ▽, [Erde], wie einer nur selber will, zum Unterscheid, daß er seine principia nicht confundire, und solche in der coagulation verändere und verwirre, und dadurch ein contrarium heraus bringe. Denn was ist an den terminis gelegen, sondern so er seine separirende Dinge in 4. oder 3. gebracht, kan er aus jeden diesen 4. oder 3. per rectificationem wieder eine subtilere praeparation vornehmen und in ihre partes abtheilen, wie ich de aqua pluvia gelehret im vorhergehenden Capite, als in subtile, subtilius, subtilissimum; item crassissimum, crassius & crassum; item in volatilissimum, volatilius & volatile; in fixissimum, fixius & fixum, und so jedem seinen Namen gegeben. Wenn er denn separiret hat, so kan er die coagulation, conjunction und fixation gleich vornehmen, welche nimmer so lange Zeit hat und wegnimmt, als die putrefaction und solution oder separation. Denn so einer einmal den Vortheil ersiehet, so kan er das Werck durch eigene speculation geschwinder abkürtzen, als ich ihm hätte schreiben können.
Was nun die flüchtige Theile anlanget, das soll er vor einen flüchtigen Saamen halten; was aber das Acetum oder Acidum betrifft, soll er vor das medium oder halb fix und halb flüchtigen Saamen, als das Saltz oder nitrosum in universalibus, in specificatis vor das Sal resolutum essentiale oleosum oder [acet]osum halten. Das Oleum auch also, denn es ist das Oehl ein coagulirtes und condensirtes, concentrirtes Acidum, das Acidum ein resolvirtes Oleum. Die Kohle soll er vor das fixere Theil aestimiren, als ein irdisches oder coagulirtes Oehl, so sie aber in Asche oder Sal alcali verändert wird, soll er vor die fixeste partes, als ein Sal praecipitatum, alcalisatum, fixatum halten, weil die Kohle durch das violente schnelle Calcinir-Feuer kan gar fix und Feuer-beständig gemacht werden, als in einer Asche. Denn so man das Oehl und die Kohle reibet, und in ala cucurbitam in cinere selbem seine humidität benimmt, so wird auch eine Kohle daraus; So man aber starck treibet, so wird aus dem Oehl ein liquor [acet]osus oder Acetum herüber distilliret; So man aber die Kohle ins offene Feuer bringet, so wird mit Abgange eine Asche und Saltz draus. Solche principia muß ein Artist wissen, und vornehmlich in diesem Tractat. Denn so ein Laborant nicht weiß, was ein Volatile, was ein Acidum, oder Kohle, oder Asche und Alcali ist, wie weiß er sich in seinen vorfallenden Irrthümern zu helffen und zu recolligiren?
Also ist aus vorgehendem Capite der general-Zweck aller separation, coagulation und fixation zu mercken, nach welchem alles andere als eine Regula certissima nachfolgen muß und soll, wie das Volck seinem König, als dem universal-Saamen, oder chaos pluviale aquosum; und wie im vorigen rationiret worden, so soll sich der Leser im nachfolgenden auch richten, argumentiren, speculiren, rationiren und ad praxin bringen, wil er anders profit machen und zum scopo kommen. Denn man lässet die Bücher darum ausgehen, daß man es zuvor wohl in Kopf fasst und verstehe, was mens Autoris in hoc vel altero puncto will, und solches wohl 100mahl ruminire, ehe daß man Hand anleget, damit es einem hernach nicht gereue, wenn er fehlet, und über den Autorem schmähe, der es ihm doch zum besten meynet. Denn weil der Autor nicht jederman kan die Hand-Griffe weisen, darum giebt er die Schrifften aus, also daß seine praxis auch andern seinen Neben-Christen zu gut komme, und ihren Nutzen daraus schöpffen. Derowegen habe ich das Regen-Wasser, das generirte Chaotische Wasser, und dessen separation und coagulation zuförderst angesetzet, weil alles aus diesem wächst und wird, damit der Liebhaber ab universali scopo an diesem ein Exempel und Regel habe, nach welcher er alle andere specifica & individua richten müsse, und er so judiciren könne, und solche in gleiche Art einrichten. Denn einmal ist gewiß, daß die gantze Natur im Anfang ein Wasser wäre, und durchs Wasser ist alles geboren worden, und eben durchs Wasser und dieses chaotische regenerirte Wasser muß alles wieder zerstöret werden. Denn wo kein Wasser ist, da ist auch keine Scheidung in dieser unserer Kunst, daß man das subtile von dem groben könne unterscheiden.
Deswegen denn gleichwie die Natur alles durchs chaotische Wasser regeneriret, erhält und zerstöret, und aus dem Zerstörten alles wieder von neuen mit sich und durch sich allein generiret und corrumpiret; Also müssen wir diesem auch auf dem Fuß und seinem Exempel folgen, und mit ihme als allen und jeden Dingen der gantzen Welt homogeneischen und sympathetischen Wasser müssen wir alle coagulirte und generirte Dinge wieder zerstören und wieder gebären in ein edles Wesen und ewig-beständige Quint-Essenz. Weil aber solches Wasser eben in seine Theile getheilet ist, als eine flüchtige Sache und fixe, also müssen wir die flüchtigen Sachen, als animalia & vegetabilia mit dem flüchtigen chaotischen Wasser oder seines gleichen resolviren, praepariren, putrificiren, corrumpiren, die nicht also hart verschlossen, compact, verhärtet seyn, wie die mineralia. Mit denen fixern Theilen aber dieses Wassers, als dem nitrosischen und Sal alcalischen, müssen wir die mineralia und andere härtere coagulirte corpora solviren und corrumpiren, weil sie auch aus diesen fixeren componiret und generiret worden. Denn es muß nothwendig eine durchdringende Schärffe seyn, welche die stein-harten Cörper soll von ihren Banden lösen. Gleichwie aber alles und jedes Ding sein solvens & coagulans mit und bey sich träget, solches aber allein nicht so mächtig ist sein corpus zu destruiren, so helffen wir ihm mit seiner ersten Mutter als dem universal-chaotischen Wasser dem Regen-Schnee- oder Thau-Wasser &c. zu seinem Untergang, Verwesung oder putrefaction, und erwecken damit den coagulirten eigenen scharffen Geist, als mit seinem homogeneo vehiculo seinen eigenen angebornen destructorem auf, damit es nach ausgestandener Pein, oder purgatorium putrefactionis & separationis, verherrlichet und per coagulationem & fixationem die unsterbliche glorification Quintae Essentiae erlange.
Und obschon einige Subjecta seyn, welche von Natur in Überfluß ihr eigenes humidum destruens bey sich haben, und ihren eigenen destructorem sufficientem oder Todt auf eigenem Rücken tragen, und also deßwegen aquae chaoticae oder Regen-Wasser-Hülffe unvonnöthen haben: Als die Animalia und Vegetabilia sind sehr safftiger, feuchter, liquorischer Natur, welche nach ihrer Kleinmachung oder Zerquetschung durch eigenen Safft gleich in die putrefaction, corruption und fermentation gehen, und so ihnen ja an ihrem humido was mangelte, so kan man ihnen das flüchtige Regen-Wasser zu Hülffe geben, dadurch sie Fruchtbarkeit (Feuchtigkeit) genug bekommen, desto eher in die putrefaction zu gehen; entgegen aber die Steine, Metalle und Mineralia, als welchen ihr humidum so sehr vertrucknet und starck coaguliret, wollen diesem flüchtigen Wasser nicht pariren. Wenn aber das fixe und halb fixe chaotische Wasser, das ist, das Sal und Nitrum in eine solche Natur gebracht wird, aus welchem die mineralia selbst geboren worden, alsdenn werden die Pforten der Höllen zerbrochen u. die Jnwohner derselben losgemacht. Nun aber im ersten Tractat de generatione mineralium habe ich gesagt, daß die mineralia aus einem resolvirten saltzig-spiritualischen Acido gezeuget worden, welches da ist ein Nitrum und Sal, so in der grossen Erden ventriculo per fortem fermentationem versauert, und spiritualisch durch die central-Hitze ad viscera montium in forma vaporis spiritualis aufgetrieben wird, und alldorten allerhand Sorten Mineralien gebäret. Solche vapores sind ein Universal-Saamen, und Sal & Nitrum resolutum & Sp. Salino-Nitrosi, welche die Universal-Homogeneität zu allen Mineralien haben.
Mit u. durch alle geistlich gemachte [Sal] oder Ω [Nitrum] & [Sal] müssen die mineralia coagulata & siccata zurück gehen, und in ihr eigenes mineralisches coagulirtes exsiccirtes humidum acidum aufgewecket werden zu agiren, und zu destruiren sein eigenes Corpus, und durch solche dasjenige werden, was sie im Anfang ihrer coagulation gewesen, nemlich ein Sal specificatum minerale spirituosum, oder ein Sp. salinus, minera-metallicus, ein Vitriol und dieser denn per retrogressum ein Geist, und dieser Spiritus per regenerationem ein glorificirter durchdringender medicinalisch-balsamischer Leib, jedes nach seiner Art, und so sie denn einmal so weit gebracht werden, so können sie erst alsdenn mit dem flüchtigen Universal-Wasser oder Saamen, und Chaos-▽, oder aber durch die vegetabilia & animalia in eine weitere spiritualität und Angenehmheit gebracht und erhöhet werden, flüchtig und fix, wie mans haben will, vegetabilisch und animalisch oder universalisch: denn es muß sich jede Creatur verwandeln lassen in alle andere, weil sie aus einer materia geboren sind. Denn die animalia sind extendirte vegetabilia, die vegetabilia concentrirte animalia. Wiederum sind die vegetabilia extendirte mineralia, und diese alle ein Universal-Saame oder Chaos. Denn das animale ist volatile, je mehr das volatile concentriret wird, je mehr acidum vegetabile, je mehr aber acidum vegetabile concentriret, je mehr wirds mineralisch, und also e contra, je mehr das Minerale extendiret wird, je volatilischer es wird, also daß es per gradus ascendendo in ein vegetabile & animale mutiret wird. Dieses nun voran geschicket, wollen wir das Reich der animalien zu destruiren vor uns nehmen, und davon Quint-Essenz heraus suchen.