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II.5 · The Anatomy and Regeneration of Chaotic Water

Derowegen wer die Kohlen secundum ipsam Naturae Ordinis Regulam will wieder zu einem Oehl machen, der muß seines eigenen Oehls 2. 3. 4. ja bis 6. Partes nehmen zu einem Part Kohlen etc. Rec. ein Part Kohlen, pulverisire subtil, denn so reib darunter sein eigen dick stinckendes Oehl 3. oder 4. Part. gieß darauf sein eigenes Acidum 6. Partes, setze ins B. M. zu kochen alta Cucurbita mit Helm und Vorlage, so schliesset das Oehl die Kohlen auf, das Acidum aber solviret und extenuiret das Oehl, daß sie also zu einem flüchtigen Liquore werden, und zusammen per Retortam übersteigen. Wilt du nun solches noch flüchtiger haben, so gieß seinen eigenen Spiritum volatilem auf, digerire in B. M. denn so thue es wieder in die Retorte, so wird es schon geschwinder steigen, daß es mehr und mehr per Alembicum steiget, nachdem du ihm viel vom Spiritu volatili addiret hast. Also siehet man, wie ein Principium das andere coaguliret, solviret, incrassiret und subtilisiret, figiret und volatilisiret, wie vor gewiesen, und auf solche Manier werden die rechten Quint-Essentien gemacht, und nicht die schwachen extrahirten Tincturae per Spiritum vini. Das ist nun eine Probe, daß die Kohlen keine Faeces sind, sondern die fixere Tinctur cujusvis Rei; und so ein Part Kohlen solviret seyn, so solviren diese wieder mehr und mehr, bis sie das kohlichte Corpus in einen völligen Liquorem gebracht haben, denn die vorgegangene volatilische Partes müssen die nachgelassene fixere wieder solviren und volatilisiren.

Eine andere Probe, daß die Kohlen keine Faeces sind, welches jeder sehen kan, so laß ein Sal Tartari fliessen und trage Kohlen-Staub ein, was er vor eins will, so viel Sal Tartari annimmt, so wird das Sal Tartari recht schwartz-blau und grün werden, vor lauter Tinctur, gieß denn aus, stoß geschwind und gieß Spir. vini rectificatissimum auf, dieser wird sich in wenig Stunden färben und die Tinctur in sich ziehen. Aus diesem siehet man, was die Chymici insgemein verwerffen. Denn Rec. das blau-geflossene Sal Tartari, kochs wohl mit Brunnen-Wasser auf, filtrire es und praecipitire mit einem [unreadable: drei Säurezeichen] und andern Acidis den Sulphur nieder, so findest du am Grunde einen Sulphur, der dem Gold, Eisen, Kupffer, Antimonio und Sulphur an der Farbe mit Nichten weichet und der sich in Aqua Regis so hochgelbe als das Gold immer zeiget. Hieraus siehet man, was in den Kohlen stecket.

Nun muß ich allhier einen Haupt-Punct anmercken, was insgemein fast alle Chymisten vor Superstitiones und obstinat glauben und so kräfftig, sie komme ex Sale Tartari her, als den jüngsten Tag. Daß es aber ein großmächtiger Irrthum ist, ist also zu erweisen: Doch dieses vorangemercket, daß sie solcher Tincturae Salis Tartari eine grosse Wirckung zuschreiben, aus dem sie abmercken solten, was vor durchdringende Krafft in denen Kohlen und ihrem Sulphure stecket, so er resolvirt ist. Denn die Probe ist diese: Wenn das Sal Tartari fliesst mit und durch das Kohl-Feuer, so siehet jeder Laborant, daß die Kohlen allerhand farbige Flammen spielen, als roth, grün etc. Solche Flammen sind ja nichts anders, als der Kohlen-Schwefel, welches als ein Acidum sich gern an ein Alcali hält, das Alcali hingegen reisset begierig in sich ein Acidum, und ziehet eins das andere an sich, wie ein Magnet. Nun ist die brennende Kohle ein Acidum, das Sal Tartari ist ein Alcali, jetzt ists ja solviret, denn das alcalische Sal das Acidum Sulphuris carbonum zu sich reisset und sich davon eine Form oder Farbe machet. Weil aber solche Flammen in sehr subtile Atomos dissipiret sind, also muß mancher lange schmeltzen, bis ein Sal Tartari färben will; wenn er aber Kohlen anleget welche ein wenig springen und sich splittern, so von diesen dann ein kleiner Particul aus Unachtsamkeit des Laboranten im Feuer zum Sal Tartari fällt, so wird es in continenti blau, wenn es nur ein wenig von Kohl-Pulver oder Staub bekommt, und solches begegnete auch jenem, so das Lufft-Gold oder Schwefel der Sonnen bey heissem hellen Tag aus der Lufft fangen wollen. Hier sehen sie, was sie fangen.

Wenn nun das Sal Tartari zu lange fliesst, so verlieret es die blaue Farbe wieder, und wird, wie vor, weiß, die Ursache dessen: Gleich macht seines gleichen, das Sal Tartari verzehret die Kohlen, und machts mit sich per Calcinationem violentissimam zu Saltz. Hier will ich dem geneigten Leser einen Modum weisen, wie er nicht allein Salis Tartari Tincturam in grosser Quantität und wohlfeiler machen könne, sondern auch aus einem jeden Sale fixo cujusvis Animalis, Vegetabilis & Mineralis solche Tincturas virtuosas, licet putatitias zu verfertigen mit ihren eigenen und keinen fremden. Als nemlich ex cujusvis Individui ausgezogenem Alcali, v. g. vom Wein. Rec. Weinstein 6. lb. oder aber Wein-Reben, thue davon 4. lb. in einen unglasurten Topff unvermacht und nicht zugedeckt, in einen andern Hafen die andern 2. lb. und diesen vermache und schmiere ihn zu, und schicke ihn zu dem Töpffer, laß zusammen wohl calciniren und ausglühen so wird der offene Hafen weiß, der zugedeckte schwartz aussehen, die weisse Massam siede aus zu einer Lauge, filtra, coagula, denn laß es in einem Schmeltz-Tiegel fliessen, hernach so nimm die schwartze Materie, pulverisire und trage nach und nach davon in das Sal Tartari, bis es gantz dick und schwartz-blau fliesst, denn so giesse es geschwinde aus in einen messingen Mörsel, stoß geschwind zu Pulver, thue es in einen Kolben, gieß Spir. vini, der da Pulver anzündet, darauf, laß es an gelinder Wärme Tag und Nacht stehen, so ziehets die Tinctur aus, solche gieß vom Residuo gemach ab, so hast du Tincturam veram Salis Tartari.

Also Rec. ein Alcali oder Vegetabile, so viel du wilt, theile es wie zuvor, und verbrenne es mit einander eins offen das andere zugedeckt, so werden sie auf einmal gebrennt, dann lauge das eine aus, laß schmeltzen, und trage die kohlschwartze Massam ein, bis es sich satt davon gefärbet, hernach extrahire mit Spir. vini oder proprio Volatili die Tinctur aus, so hast du veram cujusvis Individui Tincturam. Die Mineralia aber, bringe das Mineral zu einem Vitriol zurück, laß calciniren, wie in einem Töpffer-Ofen, doch daß es nicht zu einem metallischen Corpore wieder fliesse, sondern ein spongioses Corpus bleibe, wie Caput mortuum Vitrioli. Denn so extrahire das Sal alcali, laß fliessen, und trage das Mineral oder Metall darein, so viel es annimmt, doch daß das Saltz fliessend bleibe, so wird sich das Saltz färben, gieß aus, stoß, gieß Spir. vini auf, so erlangest du einen Extract gleich dem obigen. Nun hast du aus allen Dingen eine Tincturam Sulphuris im Spir. vini gemacht, welche unveracht 1000mahl kräfftiger ist als die Apothecker-Wasser. So du aber begierig bist zu wissen, wie viel dein gefärbter Spir. vini Tinctur in sich halte, so ziehe ihn in B. M. ab, so bleibet dir eine sehr kleine Quantität Pulver, welches ist der so mächtig wirckende Sulphur und Kohle. Nun sehet ihr Herrn Chymisten, was ihr wegwerffet: Eine Tinctura, die in so geringer Quantität so einen grossen Effect thut, daß auch ein gewisser Autor solche vor ein potabile Aurum verkaufft hat und unglaubliche Macht zugemessen, auch indem er meynet den Schwefel der Sonnen bey heissem Tag gefangen zu haben, aus der Lufft, welches doch nichts anders war, als eine eingesprungene Kohle oder Kohl-Pulver in das fliessende Saltz.

Thut dieses solcher Schwefel in so kleiner Quantität, und da er noch nicht flüchtig in einen Liquorem gebracht ist, sondern ist nur in seiner fixern Form durch den Sp. vini subtilisirt und extrahirt, was wird er denn thun, so er cum propriis Principiis, wie ich zuvor gelehret, in einen Liquorem distillabilem gebracht wird? Obiger Autor hat seinen Extract Aurum potabile geheissen, was soll ich diesem vor einen Titul geben, wenn das Solvens & Solutum beysammen bleibt, und ist das Fix und Flüchtig unscheidbar vereiniget? Nun ist erwiesen die grosse Krafft der verworffenen Kohlen. So sie aber die Kohlen zu Aschen brennen, und aus dieser das Saltz auslaugen, so vermeynen sie recht gethan zu haben, und das Fixe geschieden. Daß nun das Saltz fix ist, das wissen und kennen sie selbst, die Asche aber möchte ihnen Scrupel machen; allein gehe nur in die Glaß-Hütte, so wirst du gleich sehen, was die Asche ist und zu was Ende die Asche dort gebraucht wird, und was aus der Asche wird, nemlich ein unverweslich ewig beständiges Corpus, ein Glaß. So nun ein Glaß daraus wird, so ist es ja fix. Es siehet ja jeder, daß es ein Corpus solidum, ab Igne invincibilissimum, ein Corpus regeneratum gloriosum, wie ein Edelstein.

Aus diesem kan ein jeder schliessen und die Verständigen judiciren, was er weggeworffen, weil er nemlich den allerfixesten Theil weggeworffen, das Subjectum fixius, figens, fixissimum. Ihr Chymici, euer Scopus ist ja, daß eure Tincturen sollen eine glasige edelsteinigte Art, oder Rubinität an sich nehmen, sonst haltet ihr nichts drauf: Wenn ihr nun das glaßmachende Wesen wegwerffet, wie wollet ihr denn eine so fixe in allen Feuern beständige Tinctur machen? Ihr sehet ja, daß die Salien im Feuer zwar zerfliessen, aber immer auch evaporiren und weniger werden, das Oehl hat gar keinen Bestand, das ist per se volatilisch. Also sehet ihr, was ihr stets vergesset und nicht achtet. Darum sagen gar viel, ihr nehmt die Schalen und den Kern werfft ihr weg. Wollet ihr figiren, so suchet euch zuvor das fixe Corpus als den Grund der Fixität, wie ein Baumeister, der zuvor die beständigsten Steine auf den Grund leget, hernach so bauet er auf den Grund allerhand: Also nehmet ihr auch das Fixe, und figiret denn hernach sein eigen Flüchtiges per Ordinem & Legem ipsiusmet Naturae drauf, alsdenn werdet ihr erhalten eine rechtschaffene Medicin aus allen Dingen. Nun sagen alle und jede Philosophi und Chymici, daß die Animalia und Vegetabilia nichts Fixes in sich haben, und hat doch keiner auf die Aschen, als auf so feuerbeständiges Wesen gesehen, die Fix und Faex oder Terra damnata hat ihnen den Verstand verrücket, daß sie die beste, reineste, durchsichtigste und allerfixeste Theile von allen Vegetabilien und Animalien in Mist geworffen, auch sehr offt von Mineralien: Darum haben sie nichts figiren können, sie haben es denn ex Regno minerali entlehnet.

Hätten sie aber betrachtet den hermaphroditischen Kohlen-Schwefel, der da fix und nicht fix ist, und wie er nun auch fix ist, auch könne flüchtig gemacht werden, so hätten sie anders judiciret. Denn was ist die Asche anders als der fix figirte vegetabilische und animalische Schwefel, allein mit Staub, Sand und andern Unreinigkeiten auf denen Herden und Oefen vermischet, da er denn seine elffenbeinerne Weisse nicht beweisen kan? Nähme man aber Kohlen und liesse sie in einem unglasurten Topff in offenem Flammen-Feuer aufs stärckeste ausglühen und zu Aschen fallen, so würde man sehen seine lunarische Weisse und höchste Beständigkeit; dennoch ist solche Asche oder Schwefel, aus Kohlen gemacht, nicht so gut, als wenn er in seiner Cinamet-Farbe, wie oben gewiesen, erscheinet, die er durch sein eigen Alcali erlanget; und dieser ist auch weit nicht so herrlich als jener, der mit seinem Oehl in einen rubinischen Liquorem gehet. Aus Gesagtem siehet jeder, wie das Acidum zu Oehl, und das Oehl wieder zu Kohlen wird, die Kohlen aber zu Saltz und Aschen verwandelt werden, und je länger ein Saltz oder Alcali geschmoltzen wird, je irdischer es wird, je mehr läßt es von sich eine jungfräuliche sulphurische Erde in seiner Cohibition, Solution und Filtration nach sich. Solche Erde ist sehr bequem seine vorgeschiedene Principia zu figiren, und mit sich in einen glasigten und doch solvirlichen Stein zu bringen, so da perfect und Magisterium ist.

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