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II.5 · The Anatomy and Regeneration of Chaotic Water

Denn GOtt hat aus sich selbst sein heilig Wort Fiat erwecket, welches zu einem sehr reinen und klaren Dampff worden, und dieser Dampff hat sich zu einem reinen crystallinen Wasser resolviret, in welchem keine Unreinigkeit zu spüren, lauter reine und gute Creaturen, welche GOtt aus diesem reinen und klaren Wasser geschaffen: Denn so sie unrein wären gewesen, so hätte er nicht selbst gesagt: Und es war gut. So es gut war nach der Schöpffung und vor dem Fall Eva, so muß jederman bekennen, wie auch die Praxis klar zeiget, daß keine Terra damnata noch Faeces zugegen, und waren doch eben dieselbe Creaturen aus der Materia prima vor dem Fall, wie eben jetzt nach dem Fall sind. Und wo sollen die Faeces nach dem Fall herkommen seyn? In der Welt waren sie nicht, denn es war alles gut von GOtt. Von dem reinen GOtt können sie auch nicht herkommen: Wo sollen denn die Faeces in der Natur herrühren? Da sagen etliche, daß GOtt auf die Sünde Adam nach seinem Fall die Welt wegen Adam verflucht, und dieser Fluch hätte die Faeces in die Welt gebracht. Die es also verstehen, verstehen es nicht recht. Der Fluch ist ja dem Segen oder dem Guten und Gedeyen entgegen, und nachdem GOtt viel segnet, nachdem gedeyet die Welt desto mehr; so er sie aber verfluchet, so nehmen sie ab von Segen und Krafft, des Menschen Sünde zu straffen, nicht daß sie unrein werde, und daß er Faeces in die Natur werffe.

Als zum Exempel, ein Kraut, Thier, Mineral hat vor dem Fall 1000fältige Krafft gehabt, diese Krafft und Tugend hat GOtt dem Kraute etc. bis auf etliche wenige genommen, und diese genommene hat er in den Schrancken seiner Schätze in das grosse Mysterium geschlossen und verborgen, damit sich der Mensch nicht wieder per hanc Scientiam boni & mali & ejus malam Applicationem zu einem GOtt machte, wenn er wüste solche zum Guten, und mehr zum Bösen zu appliciren, wie Adam sich närrisch verleiten ließ in Ubertretung des Baums Gutes und Böses. Und ihr solt wissen, daß GOtt gar keine Krafft der Natur benommen, sondern NB. er hat dem Menschen, als welcher in die Welt zum Herrn und Herrscher gemacht und solchem vor dem Fall die Wissenschafft alles Guten a primo Intuitu cujusque rei gegeben, dem Menschen, sag ich, hat er seinen Verstand von diesen natürlichen und übernatürlichen Sachen gantz und gar benommen und verrücket, daß er so wenig von Natur, so wenig ein Unvernünfftiger weiß und kennet, sondern er muß solches per longam Experientiam, per bonam vel malam Educationem, per subalternos Instructores lernen, sonsten a Natura & sua Nativitate an kennet und weiß er gar nichts. Nicht also, daß unter das Thier, Kraut oder Mineral Faeces sind gemischet worden, nein, weil es der Mensch nach seiner ersten Unschuld englischer Natur nimmermehr erkennen kan, er kan nicht ins Centrum der Creaturen mehr, wie zuvor, hinein sehen, sein Verstand und alle Sinne sind taub gemacht ex Praedestinatione Casus primi, daher weiß er auch die Creaturen nach keiner Gewißheit zu appliciren, sondern er macht nur lauter Conjecturen und keine Certitudinem per omnia, wenn ihn nicht der Schöpffer selbst per singularem Gratiam privilegiret.

Aus dieser Finsterniß seines Verstandes schliesset er, es seyn Faeces in die Natur geworffen; und posito, ich lasse zu, daß ein Künstler alle imaginirte Faeces von einem Dinge scheidet, vermeynt er denn sogleich alle Kräffte und Tugenden ergründet zu haben? Minime. Frage dich selbsten, zu was du eine reine Creatur gebrauchen wilt, und wie du es appliciren wollest? Was wirst du antworten? Ich habe speculiret und habe es gelesen, oder habe es gehöret, es sey zu diesem oder jenem gut: Und so ist es zu appliciren. Aus diesem kennest du ja nicht seine rechte Krafft, und zwar von dir selber nicht, denn du hasts von andern communiciret, sonsten hättest du es nicht gewust, also ists nur deine und anderer Conjectur, oder aber lange Experienz. Aus diesem siehest du, daß du kaum eine Krafft im Grunde erfahren hast. Sage mir auch die andere. Diese kennest du nicht. Warum? Der Fluch ists, so deinen Verstand verfinstert, der nur deinem Verstand die Faeces oder Unwissenheit hat angehänget, um Adams Sünde willen, aber keiner andern Creatur. Der Verstand ist dir benommen und die Weisheit, solches zu erkennen und zu deinem Besten anzuwenden. Wenn du es nicht von deinen Vor-Eltern hättest gehöret oder gelesen, so würdest du eben weniger denn nichts, wie alles andere unvernünfftige Vieh, davon wissen. Das ist der Fluch, das sind die Faeces, die wir nimmermehr ohne GOttes selbsteigenen Willen separiren können.

Und dieses ist, warum GOtt zu Adam gesagt: Du bist gantz unverständig und unvernünfftig geboren, lerne durch saure Arbeit, Schweiß und Mühe, durch lange Experienz suche, probire alles, und das du findest gut und böse, das judicire, das unterscheide, durch solches wirst du aus langer Arbeit schon erkennen, ob es dir tauglich oder nicht. Und was nutzbar und tauglich ist, das wende zum Besten dir und allen deinen Adams-Brüdern; das Böse aber notire auch, aber nicht zum Schaden deines Nächsten, sondern damit andere durch Erkänntniß dessen auch meiden können. Denn wenn du zuvor, ehe Adam gefallen, so es GOttes Wille gewesen wäre, alles gleich primo Intuitu ohne einige Bemühung mit vollständiger Krafft hättest erkennen können, und ohne alle Conjectur und Irrwege gebrauchen aus eingeschossener Weisheit, das must du jetzt per Sudorem, Moerorem, durch deine saure Mühe und Schweiß experimentiren und suchen. Dieses ist die Faex, welche allen Adams-Kindern einen Pfahl in die Augen des Verstandes gestecket, dieses ist, was Adam durch den Apffel-Biß verschertzet, das ist die Freyheit und Aurea libertas, Privilegium humanae Naturae gewesen.

Theoretice habe ich probiret, daß ich keine Faeces in der Natur finden kan; nun aber will ichs practice darthun und weisen, v. g. per Vegetabilia: Distillire man ein vorher putrificirtes Vegetabile per Vesicam lente ab, bis auf einen noch ziemlich feuchten Liquorem oder Massam, einen Spiritus, Phlegma recolaceum, hernach treibe man den residirten Liquorem per Retortam und distillire per Gradus alles, was da gehen will, seine gröbere Phlegma, sein Acidum & Oleum crassum, so wird man in der Retorte finden ein kohlen-gestaltes Caput mortuum. Dieses nehmen die Künstler und brennens zu Aschen, die Asche laugen sie aus, die übrige Asche als Faeces werffen sie weg, und dieses ist ihnen Faex; und wie es in Regno vegetabili ist, so ists im Regno animali auch. Im Regno minerali bringen sie nach der Distillation das Sal ex Capite mortuo, das übrige werffen sie weg als Faeces. O ihr Chymisten! Was thut ihr? Ihr verbrennet Hopffen und Maltz. Was thut ihr? Ihr verbrennet die Kohlen, worinne der beste und embryonirte Sulphur, der fixere Sulphur vegetabile, die beste und fixeste Tinctur des vegetabil- und animalischen Reichs ist; also auch in Mineralien. Es sind keine Faeces, sondern eine sehr starcke Medicin, die fixe Morbos zu heben; und ihr werfft dieses hinweg. Das ist eben die Ursache und der gantze Haupt-Zweck all eures Irrthums, warum ihr die fixere Morbos nicht curiren könnt. Ihr sagt ja selbst, fixe Morbi müssen mit fixer Medicin curiret werden; und ihr werfft hinweg die beste Tinctur, den feuerbeständigen Sulphur.

Ihr werdet aber antworten: Was sollen die Kohlen und Caput mortuum nutzen? Dazu ist kein Menstruum, das die Kohlen angreifft und solviret: Was soll man dann daraus machen? Wenn ihr nun keinen Weg wisset, solche zu Gute zu bringen, so will ich euch einen weisen, und zwar also, und der Natur selbsten nach: Wenn ihr nun von einem Animali oder Vegetabili oder Minerali alle seine Partes distilliret habt, so werdet ihr nach dem Volatili und mit ihm übergestiegenen Phlegma per Vesicam alsdenn aus dem Residuo per Retortam erlangen einen scharffen sauren Liquorem, wie ein Acetum destillatum, welchen ich auch hierinnen das Acetum oder Acidum vegetabile intitulire, also in Animalibus das Acetum animale, in Mineralibus das Acidum minerale, diesem Aceto folget in Distillatione eines Animalis oder Vegetabilis ein Oleum crassum foetidum. Denn so bleiben die Kohlen als ein Caput mortuum zurück. In Mineralibus aber, weil sie starck fermentirte und coagulirte Corpora sind, so haben sie auch nicht einen so höchst flüchtigen Geist, wie beyde vorstehende Regna. Daher haben sie ein subtiler Phlegma, denn da folget ein starcker corrosivischer Spiritus acidus, diesem folget ein noch mehr corrosivischer Liquor, welchen die Chymici Oleum corrosivum benennen, zurück bleibet das Caput mortuum.

Damit aber ein Artist verstehe, was die Kohlen seyn, und sich nicht verirre, so mercke er Folgendes, so wird er leicht zum Verstande und Distinction aller Dinge kommen. Nemlich die Kohle ist ein lauterer Sulphur oder coagulirtes Oleum, das Oleum hingegen ist eine resolvirte Kohle in Liquido, welches auch gleich zu einer Kohle zu machen, so man ihm per altam Cucurbitam sein Humidum ex Cinere benimmt lento Igne, so bleibet in Fundo per Gradus eine kohlschwartze Materie, welche zuvor ein Oehl gewesen, das Humidum aber, so ihm benommen worden, ist ein saurer Eßig. Also siehet der Liebhaber, daß das Acidum eben auch ist ein resolvirtes, subtilisirtes oder dünne gemachtes Oehl. Und was ist denn der Spiritus volatilis anders als ein subtilisirtes Acidum? Also siehet ein Artist, daß die Principia nur differiren ratione Solutionis & Coagulationis, ratione Volatilitatis & Fixitatis, ratione Subtilitatis & Crassitudinis. Also ist die Kohle ein coagulirtes Oleum, das Oleum ein coagulirtes Acidum, das Acidum ein coagulirter oder concentrirter Spiritus volatilis: Hingegen so ist der Spiritus volatilis ein rarificirter und subtil gemachter Eßig, der Eßig ein rarificirtes Oleum, dieses eine solvirte Kohle. So aber die Kohle zum Saltz und Asche gebracht wird, so erlanget es Gradum summum Fixitatis, aber von der Kohle unterschieden; so nun die Asche und Saltz zu einem Glaß geschmoltzen worden, so ist das Subject in summo Gradu Fixitatis perennis, incorruptibilis.

Damit wir nun die Kohlen-Anatomie vor uns nehmen, so muß der Künstler wieder acht haben, daß ein jedes Ding wieder dahin muß gebracht werden, was es zuvor gewesen, und solches muß geschehen durch eben dasselbe, aus dem es worden ist. Also zum Exempel, die Kohle ist zuvor ein Oehl gewesen, das Oehl ein Eßig, also muß die Kohle wiederum durch das Oehl zu einem Oehl werden, und das muß durch den Eßig auch wieder zu einem Eßig werden, weil es zuvor ein Eßig gewesen. Daß dieses also, ist zu erweisen. Denn die Partes tenues per Digestionem immer mehr und mehr coaguliret und figiret werden, & e contra, alle incrassirte Dinge werden per Conjunctionem deren in Quantitate excedirenden extenuirten Theile auch extenuiret. Denn so die subtile mediat-Theile mit mediat-groben Theilen in gleichem Gewicht, Maaß und Zahl zusammengesetzt werden, so überwindet keines das andere, sondern machen ein Tertium draus, welches weder eines noch keines ist. Es muß je und allezeit eine excedirende Quantität und Qualität vorhanden seyn und beygesetzt werden, so ich eins ins andere verwandeln will. Also so ich fixe Dinge will flüchtig machen, so muß ich ihnen mehr Flüchtiges zusetzen, sonst kan ich den fixen Hund nicht haben; also so ich flüchtige Dinge will fix machen, muß ich mehr Fixes nehmen, so ich den flüchtigen Vogel binden will.

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