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Es wird jetzt einer sagen: Das ist ja contradictorium, so das Wasser durchaus ein Geist ist, oder der Geist durchaus Wasser ist, so ist das Wasser ja nichts als lauter Samen. Das ist recht und muß so seyn. Nun siehe, wie ich oben genug gesagt, du solt den Unterscheid und Terminum distinctionem wohl verstehen. Das Wasser und Geist ist eine einige Materie zusammen von GOtt ausgegangen und ist der Geist seinem Wesen nach von dem Wasser gar nicht unterschieden, also ist das Wasser von dem Geist nicht entzweyet, sondern sie sind eins und bleiben eins immer und ewig, sie seyn nun in Liquido vel Sicco, so sind sie durchaus eins. Dieses ist nun der Unterscheid und die Confusio rerum, welche ihm der Mensch selbst causiret, daß wir dieses Subject oder Materiam primam nominetenus und nicht virtute in zwey getheilet und diese zwey in 4. und diese 4. in innumera Individua; welches doch alles nichts ist, als ein einiges Ding, und aller Unterscheid ist, wie offt gesagt, nur ratione Fixitatis & Volatilitatis: Denn je fixer und coagulirter der Geist wird, oder das Wasser, je potentere Krafft erlanget er zu wircken. Denn so er in seiner äussersten Solution, als in Forma roris & pluviae solche Krafft hätte, als er hat in extrema Coagulatione auri vel Carbunculi philosophici, so wäre das Regen-Wasser eine Universal-Medicin also crude, und dörfften die Menschen sich nicht weiter plagen, die Individua oder coagulirten Samen zu resolviren und in Quint. Essent. seu Magister. zu bringen.
Weil er aber solche Krafft in Forma roris & pluviae nicht hat, sondern alsdenn erst, wie Hermes sagt, Vis ejus integra est, si versa fuerit in Terram: Deßwegen muß man den dilatirten Geist und Wasser concentriren, coaguliren und figiren, alsdenn hat er Vim integram & Fortitudinem fortissimam. Daß ich aber solches Wasser ein Recolaceum heisse, ist nicht nach seinem Inwendigen zu verstehen, sondern nach seinem Auswendigen, das ist, secundum Termini positionem & non secundum Virtutem ubi insitam. Denn wenn die Termini als Wörter gelten, so sagt ja mancher Mensch: Dieses Ding ist mir nichts nutz; soll es darum negative & totaliter in Universum nichts nutze seyn? Nein, sondern ist es dir nichts nutz, so ist es einem andern nutz, taugt es zu diesen nicht, so taugt es zu einem andern. Gleichwie der verworffene Eckstein endlich zum nützlichsten Stein und Feste des Gebäudes wurde: Also ist das Aqua recolacea, welches ob es wohl inutile Phlegma intitulirt wird, so hat es doch solche Virtutem operandi in sich, und ist des concentrirten Geistes sein proprium Vehiculum vermittelst welchen der Geist oder Quint. Essent. so es in den krancken Leib eingegeben wird, der concentrirte Geist wieder aufgewecket, und mit dem morbosen Archeo vermischt, womit der Archeus gestärcket wird, seinen Morbum oder Feind auszuweiden. Es soll aber der Leser Mentem meam recht verstehen, und nicht also gleich mich contradicentem heissen etc.
Dieses ist aber die Ursache, warum wir solches Aquam recolaceam davon separiren, dieweil es ein Same oder Geist ist, der noch zu weit in Hyle oder prima Materia steht, als welcher noch nicht so weit disponiret ist, oder saltzig worden durch die Putrefaction und Fermentation, welche Saltzigkeit der Anfang und Grund ist aller Coagulation, und das nächste in der Erde zu Edelsteinen verkehrt zu werden: Dahero weil solches Wasser der Saltzigkeit entäussert ist, läßt es sich nicht oder sehr langsam coaguliren und irdisch machen. Der Geist aber ist einer saltzigen und spermatischen und coagulirenden Art, er sey so flüchtig als er wolle, so kan er weit eher coaguliret werden, als das Aqua recolacea; so aber solches durch die Fermentation auch saltzhafft wird, so läßt es sich dann auch wie der Same und Geist coaguliren. Dahero weil es sich nicht, oder unglaublich langsam coaguliren läßt, so scheiden wir solches, unser Werck zu beschleunigen und zu verkürtzen, distillando davon, nicht daß wir es verwerffen als unnütz, sondern weil es uns in dem Werck hindert und aufhält: Denn es hat der Schöpffer auch das geringste Stäublein Erde und kleinste Tröpfflein Wasser zu seiner Ehre und Glori und allen seinen Geschöpffen zu Nutz erschaffen; daß wir Menschen aber solche unnütz heissen, ist zu verstehen, daß es uns zu solchem Wercke überflüßig und untauglich ist.
Solchen Discours soll der Leser wohl capiren, denn er kein Wort umsonst mitführet. So er ihn auf einmal nicht verstehet, so speculire er so lange, bis er ihn verstehet. Es möchte nun einer auch wohl fragen, ob das Aqua recolacea zu Samen oder der Same zu Aqua recolacea wird? Solches ist im Vorhergehenden solviret, denn der Same und Recolaceum ist eins, nur daß wir Menschen solchen scheiden cum Termini compositione multiplicativa. Damit aber ein Liebhaber mit Augen sehe, daß diesem also sey, und daß sich nur der scharffe und saltzige Samen geschwind coagulire und das Recolaceum nicht, so nehme er folgendes Exempel zu Gute, welches ihn mit Händen greiffen macht. Das Wasser in den hyleosischen oder chaotischen Subjecten können wir mit Augen nicht sehen, denn dessen flüchtige separirte wasserichte Theile sind alle fast in Sapore & Odore durchaus gleich; im Wein aber hat er einen empfindlichen Unterscheid, an welchem er wohl mercken kan, wie sich das Aqua recolacea insipida von dem Sapido oder scharff-empfindlichen Geist separiret.
Deßwegen nimm wohlzeitige Wein-Trauben, mache sie zu Safft, laß verwesen, vergähren oder fermentiren, welches seine Putrefaction ist, daraus denn der Wein wird; oder nimm einen schon gemachten Wein, je älter je besser, thue solchen, quantum vis, in eine Blase, und ziehe den Sp. vini ardentem herüber, diesen rectificire, daß er das Schieß-Pulver anzündet, so hast du das Volatile. Nach diesem distillire weiter, bis auf eine Honig-Dicke, solchen vermische mit Ziegel-Pulver, das wohl gewaschen sey von dem leichten Staub, damit, wenn das Ziegel-Pulver in ein Wasser komme, es gleich zu Boden falle und nicht schwimme; sonst kanst du das Caput mortuum nicht recht scheiden, die Mixtur muß trocken seyn, daß es sich zwischen den Händen ballen lasse: Denn thue es in eine Retorte in Sand, lege die Vorlage vor, distilla per Gradus, so erlangest du erstlich ein grobes Phlegma, denn einen sauren Spiritum, wie ein Wein-Eßig, und das ist das Acidum oder Acetum, diesem folget ein dick stinckend Oehl per apertum Gradum ignis, in der Retorte bleibet ein Caput mortuum zu Kohlen gebrannt, und das ist der alcalische Theil, den reibe zu Pulver, thue es in eine tieffe Schüssel mit Wasser und wirff das Pulver drein, so fällt das Ziegel-Pulver zu Boden, die Kohlen aber schwimmen oben auf dem Wasser, solche nimm mit einer Feder ab und hebe sie auf.
Das Wasser filtrire und coagulire, so findest du das alcalische Wein-Saltz. Solches Saltz und Kohlen-Pulver nimm beydes wohl getrocknet, und reibe das stinckende Oehl darunter, denn thue es in einen Kolben und gieß das Acidum oder Acetum darauf, setze ins B. M. Tag und Nacht nach aufgesetztem Helm und Vorlage, ziehe die Feuchtigkeit oder Recolaceum in B. M. über, was gehen will, per Gradus, dieses thue hinweg, denn brich den Helm auf und gieß den Sp. vini drauf oder Volatile, setze Helm und Vorlage wieder an, und distillire in B. M. lente, so wird ein lauter Phlegma übersteigen, oder Aqua recolacea und die Schärffe des Sp. vini bleibet bey dem Samen, oder Acido & Alcali, oder so ja noch eine Schärffe mit dem Wasser überstiege, so wird doch der Spiritus vini so schwach seyn, gegen zuvor, daß er nimmermehr das Pulver anzünden wird, und ist die Ursache dessen, daß die Erde von dem Sp. vini so viel an sich genommen, als es vonnöthen hatte, und das andere hat es von sich gehen lassen. Aus dieser Operation kan der Artist besser spüren, wie sich der Same oder saltzhaffte Spiritus coaguliret und figiret, und wie er das Recolaceum von sich gehen lässet.
Denn das Universal-Wasser oder Regen und dessen volatilische Principia sind fast in Odore, Sapore & Colore gleich, und haben keine empfindliche specificirte Qualität oder Schärffe, wie die specificirten Regna animalia, vegetabilia & mineralia: Denn der Sp. Urinae, der Sp. vini und der Sp. salis haben eine empfindliche Schärffe, welches so es sich an sein Alcali mediante Acido coaguliret, so ist das Recolaceum leer, süß ohne Gestanck und Geruch, wie ein gemeines Brunnen-Wasser. Solches siehet man, daß es etwas Besonderes mit seiner Schärffe seyn müsse, als ein unschmackbares Wasser, solche Schärffe ist der Samen und Geist, welcher durch die Putrefaction eine saltzige coagulirende Natur angenommen. Wenn nun der Artist Acidum und Sp. vini auf den Kohlen und Saltz coaguliret hat und das Recolaceum abgezogen, so bedencke er nur, wie viel Recolaceum und wie viel Schärffe oder Samen er aus seinem distillirten Wein erhalten hat, so wird er befinden, daß das Recolaceum den Samen in Quantitate weit übertrifft. Denn er wäge zuvor den Sp. vini, den er rectificiret, daß er das Pulver anzündet, und so er ihn auf seine fixe Partes gegossen und das Recolaceum abgezogen hat, so wäge er denn das Recolaceum wieder, und sehe denn, wie viel Schärffe oder Samen in diesem Recolaceo gestecket hat.
Ob der Artist schon vermeynet, der Sp. vini sey nun von allem Phlegma entäussert, weil er das Pulver anzündet; hieraus aber wird er befinden, daß der Spiritus vini fast so schwer Phlegma hat, als er wiegt, und daß seine Schärffe gar eine kleine Quantität ist, die sich coaguliren und figiren läßt. Damit aber auch das Recolaceum mit einem Lob ausreiche, so sage ich, daß es trefflich purificirtes Humidum radicale ist, welches die Schwindsüchtigen zu ihrem Getranck brauchen solten, und jene, so die Darrsucht haben: Solches restauriret das verflogene Humidum, aber nur dieses Recolaceum, aus welchem der Sp. vini, so das Pulver anzündet, coagulirt und figiret ist worden. Denn dieses ist ein sehr reiner Mercurius vegetabilis hyleosus seu insipidus volatilis incoagulabilis etc. Hieraus hat nun der Leser die Probe, daß sich nur der Samen, der Geist, die Schärffe, oder das saltzhaffte spermatische Wesen und Substantz in allen Dingen coaguliren lasse und nicht das Recolaceum. Wenn nun ein Artist das Recolaceum von dem Samen scheidet, so ist die Coagulation in einem Augenblick vorhanden, welcher dann auf dem Fuß folget die Fixation.
Ich habe gesagt, wenn die Erde sich von dem Sp. vini sättigte und liesse noch eine Schärffe mit dem Recolaceo übergehen, wird mancher sorgen, wie er solche und alle Schärffe, die mit übergehet, auch coaguliren und figiren könne. Solches ist leicht zu thun, wie ich zuvor gesagt habe, daß man das Coagulum, oder die Erde durch die gelinde Reverberation in der Asche solle dürre und durstig machen, das ist, wohl gelinde exsicciren, so ist das Alcali oder Coagulum seu Terra wieder begierig, den übrigen übergegangenen Samen wieder zu attrahiren, coaguliren und figiren, und läßt nur das Recolaceum insipide übergehen. Und so auch noch ein wenig Schärffe übergienge, so mache die Erde per Reverberationem wieder dürre und durstig, und dieses so offt, bis sie allen Samen aus dem Recolaceo angezogen und das Aqua recolacea so abgeschmackt und ohne Geruch sey, wie ein klar unschmackbares Brunnen-Wasser, so hast du denn das Magisterium vini seu Quint. Essent. und Arcanum vegetabile; und also ists mit allen Vegetabilien und Animalien auch, wie nachgehends gelehret werden wird. Wenn denn die Coagulation geschehen ist, so folget die Fixation, das ist, daß mans immer stärcker in der Aschen reverberire, bis es den 4ten Grad erleiden kan, denn setzt mans in Sand, bis es solchen Grad ausgestanden, und so ferner, wie zuvor gesagt ist.