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Solches siehet man an dem Kiesel und Glaß, da das Humidum superfluum von ihnen zum höchsten ausgetrieben worden, daß sie nicht mehr behalten, als wie viel ihnen nöthig, daß sie mit demselben im allerhöchsten und stärckesten Feuer-Grad fliessen wie Oehl, ohne Abgang einiger Beständigkeit und Fixität, so lange sie nicht ex Natura vel Arte wieder zurück getrieben werden. Denn es betrachte nur ein Liebhaber dieses, daß es einem Artisten so wohl als der Natur selbsten eine unüberwindliche Arbeit seyn würde, wenn sie solten das Wasser oder Humidum superfluum in Erden, trocken Pulver oder Stein coaguliren, so viel jedes Individuum in sich concentriret hat: Wiewohl es sich thun lässet, aber zu langsam und einem Philosopho gantz unvonnöthen, daß einem das gröste Alter drüber zu kurtz wäre. Ja es probire einer nur, und verschliesse er ein Regen- oder Brunnen-Wasser in eine Phiole, setze solches zu coaguliren, so wird er zwar eine Erde finden, aber in einem halben oder gantzen Jahr nichts oder wenig spüren, daß das Wasser in seiner Quantität abgenommen oder sich coaguliret hat.
Derowegen so folgen wir billig der Natur, welche in dem animalischen nicht alle Feuchtigkeit zu Thier oder einem thierischen Theil machet, sonsten gäben die Animalia keine Urinosa, Sudorosa, Mucilaginosa und Stercorosa von sich. Darnach kommt nicht alles Humidum zu den Vegetabilien, als man an denen Bäumen zuförderst im Frühling sehen kan, da deren Rinde vor Uberfluß geöffnet werden und das Humidum superfluum in unterschiedener Gestalt heraus trieffelt. Also kommt nicht alles Humidum zu denen Mineralien und Steinen in ihrem Wachsthum, sonst flössen nicht so grosse Ströme, und Brunnen, und Quellen von allerhand Qualitäten aus den Bergen: Denn so sie alle zu dem Wachsthum der Mineralien kämen, so würde alles Wasser in den Bergen zu Stein und Mineren, und käme keines zu uns an den Tag. Also kommt auch nicht aller Regen, Thau, Schnee etc. zum Wachsthum der Geschöpffe, sonsten könte die centralische Erdwärme, wie auch die Sonne keine Vapores, Dunst und Dämpffe aufsublimiren und attrahiren: Denn sie täglich so viel häuffige Dämpffe machen, daß sie als häuffige Thaue, Regen und Schnee scheiden, und solche wieder auf die Erde praecipitiret werden, und mit diesem die Natur uns anzeigen will das macrocosmische Imbibiren und Cohobiren, also daß sie nicht auf einmal so viel Feuchte giebet, daß die Geschöpffe solten bis zu ihrer Perfection davon genug haben, nein, sondern sie cohobiren semper parum & parum imbibendo & rursus exsiccando.
Und solche Regel hält die Natur, solche solten wir auch halten und nicht unsere coagulirende Erde mit Wasser überschwemmet zu coaguliren vornehmen, sondern imbibendo das Ubrige davon distilliren gelinde, ut Natura ipsa, und diß so lange cohobiren, bis die Erde eine grössere Hitze erleiden könne, alsdenn braucht sie keine Feuchtigkeit mehr, denn sie muß die Trockenheit immer mehr und mehr annehmen, und zur Coagulation und höchsten Fixation schreiten. Aus solchem siehet jeder klar, daß das Wasser nur eine Decke oder Haus des Universal-Samens ist, wie schon gesagt, und ist das Wasser nicht der Same oder Geist selbst: Derowegen so kan solches Wasser nicht alles coaguliret werden, sondern so viel, als viel dem Samen eigentlich vonnöthen und er selbst verlanget. Die Natur begehret selbst nicht mehr, als sie vonnöthen, und so man 100. Eimer Wasser über ein Loth Erde giessen solte, so würde zwar alles flüchtige Wasser und Humidum destillando hinweg gehen, und die Erde allein verbleiben, und wird die Erde mehr nicht, als ihr vonnöthen, behalten, in sich coaguliren und das übrige alles von sich lassen; so aber das Wasser auch Erde oder fixe Theile in sich gehabt, so wird solche bey der Erde als seines gleichen zurück bleiben.
Also ist es mit dem Samen, oder Universal-Geist, so wohl in Universalibus als Specificis & Individuis, so dieser Geist fix gemacht ist, so nimmt er seines gleichen flüchtigen Geist und reisset ihn auch zu sich, um solchen sich gleich zu machen und auch zu figiren, das Wasser aber, so überflüßig, in welchem solcher flüchtiger Geist gestecket, läßt er wieder fast in eadem Quantitate von sich gehen. Also gesellet sich gleich zu seines gleichen, und ziehet ein Gleiches das andere zu sich, wie der Spruch ist: Natura Naturam ambit & amplectitur, Natura Naturae gaudet, und also e contra stösset ein Contrarium das andere von sich, wenn auch eine beständige Unität solte draus gemacht werden. Denn so lange das Aqua recolacea und der Samen und der Geist beysammen in einem Corpore nicht recht beständig und vereiniget stehen, so lange wird keine unsterbliche Unität und Beständigkeit oder Fixität. Das siehet man in den leicht verweslichen und resolvirlichen Animalibus und Vegetabilibus, die vor dem Aqua recolacea starck abundiren, wie auch viele Mineralia nicht aufs höchste davon entäussert sind: Denn so lange das Aqua recolacea oder Humidum superfluum insipidum davon nicht separiret ist, sind sie immer der Sterblichkeit oder Verwesung, Resolution und Alteration unterworffen.
Als die Animalia und Vegetabilia durch das beygewachsene Recolaceum faulen und verwesen leichtlich, zuförderst so ihnen ab Extrinseco noch mehr zukommt, als der Regen, Schnee etc. Ebenmäßig verwesen die Mineralia, weil solches Humidum allenthalben secundum magis & minus beygemischet und anderwärts dazu kommt. Es erkenne der Leser, daß das Aqua recolacea des eingepflantzten Geistes oder Samens Hammer und Ambos ist, vermittelst er aufgewecket wird zu agiren, weil er in denen Wassern nimmermehr ruhen kan, sondern bringet allerhand Alterationes eine um die andere zu Tag; so aber der Geist coaguliret wird und figiret, durch welche Operation ihm das Humidum superfluum benommen und ausgetrocknet wird, wie bey den Mineralibus, Metallen, Steinen und Gläsern zu sehen, so wird der Geist eingeschläffert, concentriret und in seine höchste Krafft gebracht, allwo er so lange beständig und unverzehrlich bleibt, bis er wieder durch sein gleiches Humidum erwecket wird, und so dann solches coagulirtes Corpus wieder ad Primum zu resolviren trachtet, alsdenn kommt er wieder in seine Werckstatt zu seinem Werckzeug, durch welche er aus dem Regenerato eine Corruption machet, bis er wieder was anders daraus regeneriret.
Es möchte hier einer vorwerffen, daß die Excrementa von den Animalien, Vegetabilien und Mineralien, welche die Natur selbst durch ihre gebührende Emunctoria austreibet und auswirfft, nicht Aqua recolacea, oder ein Wesen ohne Krafft oder Substantz sey, sondern solche Wasser sind auch voll des Geistes und Samens und participiren gantz kräfftig von dem austreibenden Corpore, als der Urin von Menschen, die Gummata und Resina von denen Bäumen, und die mineralischen Wasser nach denen Mineren. So antworte ich: Erstlich, weilen die Natur solche eben überflüßig das erzeugte oder generirte Corpus zu conserviren befunden, als hat sie solches wollen austreiben; 2.) ist die Natur hier aus des Schöpffers Willen noch nicht gesinnet die Quintessentification vorzunehmen, wie der Mensch durch Kunst vornehmen kan; & tertio so weiset die Natur den Menschen gar fleißig auf die selbst ohne Schaden des Cörpers auslauffende Excrementa, hieraus zu seiner Leibes-Nothdurfft seinen Unterhalt zu suchen, daß er also nicht vonnöthen hat, das Corpus selbst anzugreiffen, sondern dessen Excrementa, welches eben jedes nach seiner Eigenschafft voll Krafft und Tugend seyn.
Denn in dem thierischen Reiche hat ihm die Natur die Excrementa gegeben, als da ist der Urin, der Koth principaliter, denn der Schweiß und Rotz, den Magen- und Lungen-Speichel, die Thränen der Augen, das Ohren-Schmaltz, den Samen. Im vegetabilischen Reiche hat er die selbst austrieffende Gummata und Liquores, die Blumen und die Samen, die Blätter und Stengel, und ist nicht vonnöthen, des Thieres gantzen Cörper, und des Krauts Wurtzel aus der Erde zu graben, denn die oben gemeldeten die Kräffte in sich begreiffen, welche die Wurtzel hat. Also hat die Natur denen Menschen die Metallen zu allerhand andern Gebrauch destiniret, daß es nicht vonnöthen ist, solche zu verstören und denen armen Leuten eine Theurung in die Waaren zu bringen. Denn an statt des Goldes haben die Laboranten die güldischen Marcasiten, die solarische Vitriol, denn die solarische Schwefel-Kiese, die Sulphura fixa & volatilia embryonata, als da sind Antimonium, Blut-Stein, Schmirgel, Magnet, welche alle participiren von der Hertz- und Muth-stärckenden solarischen Art. Also ist es mit allen rothen Astris Eisen, Kupffer, daß man an statt ihrer metallischen Cörper Generata und Dejecta nehme. Also ist es mit der Silber und allen weissen Astris auch: Denn gleichwie der Eisen das Sulphur embryonatum volatile Solis in sich hält, so hat der Wißmuth den Sulphur embryonatum Lunae volatile in sich; also der Galmey, die Tutia, die fixen lunarischen Vitriola.
Also siehet der Liebhaber, daß die Natur nicht ein Subjectum die menschliche Natur zu erhalten uns vorgeleget, sondern vielerhand und mehr, als wie vonnöthen, daß wir also nicht Noth haben, wo wir nicht wollen, die Subjecta und deren Corpora, oder Wurtzel und alles darzu zu nehmen, sondern deren Excrementa strecken uns überflüßige Hülffe dar, wenn wir sie nur recht zu gebrauchen wüsten. Allwo aber die Natur aufhöret, da soll der Künstler anfangen, und aus diesem das Humidum superfluum hinweg scheiden, wie uns die Natur in denen Bergen vorgehet und die Exempel vorstellet, auf was Weise wir sollen zur Quint. Essent. und unverweslichen Beständigkeit kommen. Denn also schmiedet sie selbst die allerdauerhafftesten Cörper, welche nicht allein von Wasser und Lufft, sondern so gar von dem Feuer nicht, oder doch sehr langsam können verzehret werden. Solches soll sich der Artist zu Hertzen fassen, und von seiner Groß-Mutter selbst, welche bisher die meisten umgangen und negiret, ein langes und gesundes Leben schmieden lehren.
Nun möchte einer fragen, so man dann die Aquas recolaceas davon distilliret, ob denn die Natur solche vergebens hat, oder aber solche von dem Geist, Krafft und Tugend völlig entäussert seyn, daß sie zu nichts solten gebraucht werden? Weiter, ob der Geist oder Samen nicht auch zu einem Recolaceo, oder das Recolaceum zu Samen werde? Diesem kurtz abzuhelffen, weil es zu der Haupt-Substantz nicht so gar nothwendig und mehr eine Speculations-Belustigung als nutzbringender Discours ist, so sage ich, daß das Aqua recolacea nimmermehr kan totaliter & absolute von dem Geist oder Samen geschieden werden, daß sie nicht einige verborgene Kräffte oder Strahlen des Geistes oder Samens in sich enthalten solte; und hinwieder ist unmöglich, daß der Geist oder Same totaliter & absolute kan geschieden werden von dem Aqua recolacea, daß er nicht allezeit, er sey so stein-fix und trocken coagulirt, als er immer wolle, etwas von dem Aqua solte participiren. Denn Wasser und Geist ist eins, wie ich oben gesagt, daß das allerkleinste Tröpfflein Wasser und das allerkleinste Stäubgen Erde durchaus gefüllet sey mit dem Geist, und der Geist ist durchaus gefüllet mit dem Wasser.