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II.5 · The Anatomy and Regeneration of Chaotic Water

Und gleichwie die Natur im Volatilisiren das Fixissimum ad Fixius & Fixum zu bringen, von dannen das Fixum ad Volatile, das Volatile ad Volatilius und dieses in Volatilissimum zu transmutiren; also steiget es, etwas Flüchtiges zu figiren, in solcher Ordnung wieder ab und macht aus dem Volatilissimo ein Volatilius, aus diesem ein Volatile, aus diesem Fixissimum, und nicht immediate intendiret sie das Volatilissimum ins Fixissimum zu vertiren, sondern per Gradus medios. So einer Curiositatis gratia diesen Proceß arbeiten will, stehet es in seinem Gefallen, jedoch ist er nicht dazu genöthiget. Daß aber der Leser möchte meynen, daß ich contra Regulas Philosophicas gehe, so sage ich ihm dieses, wie oben: Ich intendire das Secretum Philosophorum nicht, sondern ich bin Physicus oder Pyrophilus, so arbeitet auch die Natur und ich, und ich weiche keinen Fuß davon, weder zur Rechten noch zur Lincken, es mögen die Philosophi geschrieben haben, wie sie wollen, vielleicht weiß ich ihre Modos gar wohl. Weil ich aber die ihrige nicht achte, sondern die meinige, weil ich versichert bin, daß sie der Regel der Natur gemäß sind, so will ich keinen von der Philosophorum Weg abgeleitet haben, sondern leite sie nur diesen meinen Pfad in etwas zu betrachten. Ist er einem nicht gefällig, so kan er sich in primo Limite wieder retiriren, daß er sich nicht verirre durch diesen meinen Weg.

Daß nun ich secundum Philosophen das Humidum und Siccum nicht einschliesse in eine Phiole und so continua Digestione & Circulatione solches coagulire und figire, bis es austrockne und endlich zur Erden werde in einem steten Feuer etc. solches hat mich die Natur gelehret, welches kein Philosophus nicht verachtet, auch nicht achtet, sondern wer den rechten natürlichen Zweck erhält, der hat gewonnen und sein Werck gekürtzet. Denn die Natur, damit die Elementa Wasser und Erde ihre Frucht bringen, so giebt sie den Samen in Wassers-Gestalt von oben herab, von welchem die Erde so viel nimmt und behält, als ihr zum Wachsthum vonnöthen ist, das übrige überflüßige Wasser treibet sie durch untere und obere Hitze, das ist, unterirdische Central- und oberirdische Hitze der Sonnen wieder zu Dampff und Rauch in die Lufft auf, allda es wieder zu Wasser wird und fällt und distilliret wieder auf die Erden, davon die Erde abermals an sich nimmt, was sie zum Wachsthum vonnöthen, das übrige wird wieder davon distilliret in Gestalt des Dampffs, Rauchs, Nebel etc. in die Lufft auf, und diese Circulation treibet sie, bis des Schöpffers Wille alles zusammen coaguliret und figiret in einen fixen Stein. Unter solcher Imbibition oder Distillation Macrocosmi wachsen nun alle Früchte der Erden, jedes nach seiner Qualität.

Denn wenn durch die Sonne die Erde ausgetrocknet ist, und reverberiret, so giebt der Himmel wieder Feuchte und imbibiret es mit Regen, Thau, dann kommt wieder die Sonne, exsicciret, coaguliret und reverberiret die Erde abermals, daß sie durstig werde, wieder Feuchtigkeit an sich zu ziehen. Aus dieser Natur-Operation soll ja ein jeder Künstler den schönsten Vortheil mit seiner Coagulation und Fixation abnehmen, gleich er im ersten Theil Cap. 9. den schönsten Vortheil zu solviren und volatilisiren gelehrt wird von der Natur selbst: Denn jedes Ding nimmt so viel Feuer und Wasser zu sich, als es selbst vonnöthen, und mehr nicht, das übrige läßt es von sich gehen und fahren, dieweil es ihr vor dißmal zu viel und nicht vonnöthen. Solches Laboriren hat manchem seinen Beutel gefegt, der sich unterstanden alle Feuchtigkeiten seines vorgehabten Subjects zu coaguliren und figiren und hat viel Kohlen drüber verbrennet, auch durch starcke Hitze das Subject wallend gemacht, daß das Glaß zersprungen, und sein Schatz in die Asche gelauffen, daß er denn in Kummer und Noth gerathen und vor Melancholey seinen Geist aufgegeben. O elendes Leben und Geist, auch Zeit! Wenn die Armen nur den Lauff ihrer Natur betrachteten, welche ihnen ja täglich vor die Nasen arbeitet, und so unaufhörlich laboriret und allen Natur-Kündigern zum Exempel und Vorläuffer darstellet.

Ich kans zwar keinem vor übel halten, denn ich anfänglich eben auch meynte, ich träffe alles gar wohl nach meinem Gehirn; aber der Ausgang hat mir das Contrarium gelehret, bis auf unnachläßiges Speculiren ich auf meinen Weg gekommen und den Modum bloß nach der Natur zu arbeiten ergriffen: Alsdenn habe ich meine Augen in etwas mehr erleuchtet, und wie ich es angefangen, also theile ich es auch wieder mit. Wer nun solchen Weg observiren will, der folge diesem Tractat, der wird doch einige Satisfactio erlangen und so viel, als er in andern gedencket, auch finden. Und so ihm ein und anderer Punct zu schwer fiele, so lauffe er zu der Natur und speculire nach, allda hat er weites Feld, seine Gedancken zu weiden. Es ruffen wohl und freylich viel: Der Natur nach! Ja zeige mir einen, der die Natur jemals im Grunde recht untersuchet. Es sind viele 100. ja 1000. Natur-Schreiber, die das Ding genau wollen beschreiben. Ja es ist wahr, sie haben das Ihre gethan, aber es haben gar viel und die meisten nur die Schalen und Hülsen und nicht den Kern, nur das Aeussere, nicht das Innere beschrieben, und durch solches Schreiben haben sie wohl unschuldig und unwissend viele 1000. Menschen ruiniret und verführet, die ihren Dogmatibus gefolget, bald Mentem Autoris bald so, bald anders expliciret, und nach ihrem Gehirn eingerichtet und geglaubet.

Wenn einer alles solte mit allen Umständen beschreiben, so wäre es nicht möglich in ein Compendium zu bringen, denn es würden grosse Folianten draus werden, denn ich bekenne es, daß ich hierzu nicht capabel. Denn wer solte sich nicht verwundern, ein so unbeschreiblich Werck aller Dinge auf sich zu nehmen? Aber in diesem Werck zeigen wir einem Philosopho, so viel die Natur zuläßt, und richte alle meine Wercke nach dem Wercke der Natur ein, damit der Irrgehende sich stracks zurücke, nicht hier auf mich allein, sondern auch auf die Natur und ihre Wercke leiten könne, und so er einen Griff gefasset hat, er alsdenn seine Speculationes weiter richte und argumentire, solche mit der Praxi confirmire, so dann wird er in den Pfad und zum gewünschten Zweck kommen. Man siehet ja wohl, wie lange man im Werck ist, ein Subjectum in die Solution zu bringen, wie viel Zeit und Unkosten und Kohlen man verzehret und verbrennet, geschweige, wie lange er zu thun hat, bis er sein conjungirtes Liquidum zu einem Pulver coagulire und figire, da manche gantze Monat und Jahr einem einigen Subjecto auf den Dienst warten, und wann die Zeit herum kommt, so ist es Lari und Fari auch nichts. Damit nun einem geholffen werde und sein Subjectum geschwinder coagulire, so soll er sein Subjectum selbst wohl bedencken, was es vor Substantzen und Partes in sich habe, nemlich Wasser und Geist.

Es sey nun der Geist ins Wasser geboren, in Gestalt eines Saltzes, oder Oehls, oder subtilen Pulvers, oder waserley Gestalt es ist, so nimmt er nicht mehr Wasser zu sich, als er in ein Corpus zu coaguliren und fix zu werden vonnöthen, das übrige läßt er durch Gewalt des Feuers von sich fahren, solches muß man ihm auch distillando gelinde benehmen, wie die Natur anzeiget, da sie der durstigen ausgedörreten Erden Wasser giebet, aber nicht überschwemmet, zu coaguliren, so viel sie vonnöthen, das übrige wird wieder davon durch die Hitze und Sonne distilliret. Solches soll ein Artist wohl mercken; jedoch soll er die Feuchtigkeit nicht mit starckem Feuer abziehen, sondern in lindem in B. M. und dieses so lange cohobiren, bis die Erde eine grössere Hitze erleiden könne, alsdenn braucht sie keine Feuchtigkeit mehr, denn sie muß die Trockenheit immer mehr und mehr annehmen und zur Coagulation schreiten, da steigt das Recolactum davon, und der Same oder Geist coaguliret sich hernach immer mehr und mehr und geschwinder, welches ihm das Aqua recolacea gehindert, als welches sehr langsam in Erden zu verkehren ist. Es wird aber einer sagen: Wie es denn seyn könne, daß sich der Geist im Wasser an das fixe Corpus hänge, coagulire und figire, da doch eben so viel herüber steigt, als ich habe aufgegossen? Ich gestehe, daß mir selbst schwer gefallen, solche Erkänntniß zu erlangen.

Aber mercke Folgendes: Das Wasser als ein sichtbares Corpus, in welchem der Same oder Geist als unsichtbar verborgen lieget, ist das einige Mittel alle Dinge miscendo zu vereinigen, weil sich alle feuchte liquide Dinge leichter per Minima mischen lassen, als die trockene. Solches Wasser hat den Geist und Samen und dessen Krafft verborgener und unsichtbarer Weise in sich behalten und ist das Wasser ein Vehiculum des Geistes. Solche Wasser nun sind entweder subtil oder grob, nachdem sie entweder extendiret, subtilisiret, oder ingrossiret sind, nachdem der Same oder Geist flüchtig oder fix ist, nachdem artet sich das Wasser mit dem Samen und der Samen mit dem Wasser. Zum Exempel, der Spir. vini ist ein Wasser, der Eßig ist auch ein Wasser, Oehl ist auch ein Wasser, alles, was in Liquido ist, ist ein Wasser, doch nach Eigenschafft des coagulirten oder solvirten Geistes: Denn anders operiret der Geist im Spir. vini, anders im Eßig, anders im Oehl, anders im Saltz, also anders in denen Acidis und Corrosivis; und ist ja in solchem Wasser augenscheinlich, daß sie solviret und in Liquido stehen, und noch ziemliche Feuchtigkeit haben: Denn so sie coaguliret wären, so wären sie trocken, denn die Chymici heissen die Coagulata trockene Sachen.

Derowegen so muß man ihnen das Humidum recolaceum distillando benehmen, und also, auf daß der Geist oder Schärffe, die in solchem Humido recolaceo stecket, nicht mit ihm herüber steige, sondern zurück bleibe und coagulire; das Humidum aber soll gantz leer, und abgeschmackt, wie ein leer Phlegma insipidum ohne einige Schärffe übersteigen: Denn so coaguliret sich der Same in Puncto und schnell, daß der Artist 1000. Freude daran hat, und auch 1000mahl eifferiger wird, die chymische Kunst zu amplectiren und practiciren, denn er siehet die Wahrheit und reguliret sich selbst ulterius speculando darnach. Darum so vernehme man hier, und commentire diesen Punct sehr wohl und liebe ihn vor allen andern, so er anders Profit machen will in Arte isthac; denn das Wasser oder Pars recolacea mit Nichten sey der Principal-Theil zu coaguliren, sondern der Geist oder im Wasser enthaltene Samen, dieser ist allein, der sich coaguliret, concentriret und figiret per sua propria Media mediata, das ist, das Flüchtige coaguliret und figiret sich durch seinen eigenen fixen oder fixesten Theil, oder, melius intelligendo, das Volatile durch sein proprium Acidum & alcalicam Partem, die übrige Humidität oder Aquam recolaceam lassen sie selbst von sich gehen, und behalten zu ihrer Consistenz von selbst nicht mehr innen, als ein Corpus in einem unverweslichen Humido permanenti sich zu formiren und zu erhalten nöthig, solches attrahirtes Humidum halten sie so fest bey sich zusammen, daß sie mit jenem in allem Feuer beständig ohne Rauch wie Wachs fliessen.

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