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Das V. Capitel. De anatomia seu separatione & coniunctione & regeneratione chaoticae aquae in quintam essentiam.
Im ersten Theil haben wir erkläret den Anfang und Ursprung der Natur, wie alles aus Geist und Wasser oder aus dem Universal-Dampff oder chaotischen Wasser geboren worden, und in die vier Universal-Principia oder Elementa getheilet worden, und wie diese 4. wiederum auf Befehl des Höchsten wieder solch zertheiltes Chaos ohne Unterlaß stündlich regeneriren und zu einem Universal-Samen aller weltlichen Dinge ausarbeiten, zu aller Geburt der Animalien, Vegetabilien und Mineralien etc. Nun wollen wir hier setzen die Anatomiam generaliter, und wollen in der Ordnung von dem regenerirten universal-chaotischen Wasser oder Regen anfangen, zum Exempel, Spiegel und Beyspiel der nachfolgenden solches in seine Theile zertheilen und separiren, solche per Artem Vulcani examiniren und ihre Wirckung in etwas, weilen es nicht möglich gantz zu ergründen, anatomiren, solviren, zerlösen, separiren in seine Partes volatiles, medias & fixas, solche separirte Theile dann wieder zusammen conjungiren, coaguliren, und figiren, damit jeder sehe, wie das Allerflüchtigste kan fix gemacht werden, das Fixe aber flüchtig, der Himmel zur Erde, die Erde zum Himmel, das Volatile zum Acido & Alcali, & vice versa, dadurch eine Harmonia concentrata, Quinta Essentia, oder Magisterium Universi heraus komme. Nach diesem Exempel nun werden sich alle nachfolgende reguliren müssen, als die Kinder nach ihrer Mutter, Animalia, Vegetabilia & Mineralia.
Anatomia Chaos regenerati seu Aquae pluviae. Nimm derowegen Regen- oder Schnee-Wasser, welches du wilt, das ist nun das Semen oder Sperma Universi, und ist nichts als Wasser und Geist, dieses fange auf in ein neu höltzern Faß, filtrirs in solches, daß keine Unreinigkeit mit hineinkomme, setze es an einen Ort, wo es weder zu warm noch zu kalt ist, sondern lau, decke es mit einer Decke zu, daß keine Unreinigkeit darein falle, laß es stehen 1. Monat zu faulen und stinckend zu werden, so ists zeitig zur Separation. So dann rühre solches Wasser mit einem Stecken wohl auf, thue es in eine kupfferne Blase, setze Helm und Vorlage an, und distillire gemach ein Subtiles nach dem andern herüber, bis auf die Helffte, so hast du den Himmel und Lufft mit ihren subtilen Wassern aus ihrem Gehäus oder Hülsen geschieden. Das ist nun das Volatile; das Acidum und Alcali, oder das Wasser und Erde bleiben in Residuo. Nimm denn das, so noch in der kupffernen Blase ist, und distillire es weiter in eine andere Vorlage bis auf eine Honig-Dicke, das, was herüber ist, das ist das Element Wasser und ein grobes häuffiges Phlegma, so vor dem Acido gehet und dem Alcali.
Ferner nimm die Honig-Dicke aus der Blase, thue es in eine Retorte, gieb per Gradus im Sande Feuer, so kommt erstlich ein Phlegma, denn ein scharffer Geist wie ein Eßig, das ist das Acidum, diesem folget ein Oleum crassum, und diß gehöret zu dem Acido: Denn das Acidum ist ein extendirtes Oehl, das Oehl ist ein concentrirtes Acidum, und diese können zum Theil die essentialischen theils elementischen Aquae geheissen werden, zum Theil auch die flüchtige Partes Terrae, und dieses Wasser und Erde ist allezeit beysammen und sind nur differentia ratione Volatilitatis & Fixitatis seu Consistentiae liquidioris & siccioris, also können diese Partes auch genennet werden der fixere Himmel und Lufft: Wie ich oben im ersten Theil gnugsam distinguiret, dorthin gehe der Leser zurück, und erhole sich auf diesen Theil durchaus. Wenn nun alle liquide Theile abdistilliret sind per Gradus, so bleibet in der Retorte ein Caput mortuum schwartz und eine rechte Kohle, welche sich anglimmen läßt, wie alle andere Kohlen, und solches ist eine jungfräuliche macrocosmische Terra oder Alcali.
Nun ist das Chaos zertheilet in 4. Theile, als in den Himmel, Lufft, Wasser und Erde, oder in das Volatile, Acidum, Alcali, oder in ein sehr flüchtig Wasser, in ein gröbers Wasser, in einen sauren Geist oder Eßig, in ein dick stinckend Oehl, und in die Kohlen, in welchen das Alcali verborgen stecket: Solche Theile fange, und behalte jedes Theil besonders, als ein sonderbares Element. So siehet denn jederman, was das Semen Universi sey, und in was vor Principia es getheilet wird, und was vor Anfang alle natürliche Dinge haben. Gleichwie das Chaos unicum & simplex in 4. Theile getheilet ist und geschieden, also können solche Theile in noch mehrere Theile getheilet werden, nemlich jeder Theil kan wieder in 3. Theile getheilet werden per subtilem & subtiliorem & subtilissimam Rectificationem, wie nachgehends soll gesagt werden.
Derowegen nimm das erste Distillatum No. 1. thue es in einen langen unabgeschnittenen Kolben, setze einen bequemen Helm auf, setze in B. M. lege eine Vorlage an, distilla per primum & secundum Gradum usque ad tertium, so steiget ein klares, helles, flüchtiges Wasser über, solches ist der Himmel mit der subtilesten Lufft misciret; das im Kolben zurück bleibt, ist die gröbere Lufft. Diese beyde behalte besonders, so ist die erste Rectification vollbracht. Solchen Himmel nimm und rectificire ihn zum zweyten mal in B. M. wie vor, und ziehe es bis auf die Helffte ab, so ist das Wasser noch subtiler als zuvor, und hast nun den Himmel noch subtiler und flüchtiger gemacht. Solchen subtilen Himmel nimm und distillire es wieder ab bis auf die Helffte, so hast du den Himmel aufs subtileste gemacht und hat einen diamantischen Glantz; die Helffte aber, so in der Distillation zurück geblieben, distillire auch einmal herüber und thue jedes Distillatum besonders, mit seinem Zettel oder Namen. Als den höchst-rectificirten Himmel schreibe Coelum seu Volatile subtilissimum, den nächsten dran, wovon die Helffte zurück geblieben, den nenne Coelum seu Volatile subtilius, den 3ten, so nach diesem geblieben, den heisse Coelum seu Volatile subtile, so hast du den Himmel in drey Partes geschieden.
Jetzt nimm die gröbere Lufft, so von dem Himmel zurück geblieben in Rectificatione und thue es zu dem distillirten Element des Wassers, so in prima Separatione Chaos No. 2. überdistilliret ist, diese beyde thue in einen Kolben, setze in B. M. und distillire per quartum Gradum, so steigt die Lufft herüber, das grobe Wasser aber steigt per B. M. nicht leicht auf, zuförderst in einem solchen hohen Kolben, sondern in Aschen und niedrigen Kolben. Nun hast du die Lufft aus dem Wasser distilliret, solche solst du auch in 3. Theile rectificiren, wie den Himmel, das ist, auf dreymal allezeit in B. M. auf die Helffte abgezogen, so signire sie auch mit Zetteln, wie den Himmel. Die höchst-rectificirte Lufft nenne Aerem seu Volatile subtilissimum, den nächsten dran Aerem subtiliorem, den dritten nach dem ersten Aerem subtilem, und stelle sie an gehörigen Ort fein nach der Ordnung. Nun nimm das Wasser, so von der Lufft zurück geblieben, thue es in einen niedrigen, doch nicht zu niedrigen Kolben, mit Helm und Vorlage, setze in Aschen, distillire per primum usque ad secundum Gradum, so steigt das Subtileste, das fange als den ersten Theil besonders, denn a secundo Gradu ad tertium distillire wiederum den andern Theil Wasser und thue es auch besonders, a tertio ad quartum Gradum distillire den dritten Theil des gröbsten Wassers, so hast du das Wasser auch rectificirt und heisse das Subtileste Aquam subtilissimam, das andere subtiliorem, das dritte Aquam subtilem, und stelle es nach der Ordnung nächst der geschiedenen und rectificirten Lufft.
Wiewohl ich nachgehende liquide Theile solte dem Wasser-Element zueignen, weil sie feucht und wäßrig sind; jedoch wird mirs keiner für übel halten, daß ich solche ad Terram extendire, weil sie sich leicht terrestrisch machen oder coaguliren lassen. Derowegen nachdem die 3. Elementa, der Himmel, die Lufft und Wasser separiret und rectificiret, so nimm jehund auch die Erde und theile sie auch in seine Theile rectificando also: Nimm in prima Separatione No. 3. nemlich Acetum oder Acidum mit seinem Phlegma, das Oehl, und die zu Kohlen gebrannte Massam, die Kohlen pulverisire und reibe das Oehl darunter, thue es in eine Retorte, gieß das Acidum drauf, setze die Vorlage an und distillire im Sand ad primum Gradum den Acetum oder Acidum ab, bis du siehest röthliche Tropffen gehen, denn so thue den Acetum hinweg in ein ander Glaß, letztlich gieb 4tum Gradum per duas Horas, denn laß das Feuer ausgehen und den Ofen erkühlen, nimm die Retorte heraus und thue die Kohlen oder Terram heraus, so hast du die Terram auch in ihre Theile rectificiret. Nenne das Acidum Terram subtilissimam, das Oehl heisse Terram subtiliorem, und die Kohlen heisse Terram subtilem, und stelle es nach der Ordnung nächst dem Wasser.
Nun ist das Chaos geschieden und rectificiret und gantz per Putrefactionem, Separationem & Rectificationem seu Solutionem passiret. Jetzt muß es gehen zur Coagulation, Fixation und Regeneration in Quintam Essentiam, seu Magisterium & Arcanum. Hier möchte mich einer vielleicht fragen, was ich mit den Kohlen wolle anfangen, welche man insgemein calciniret, reverberiret oder zu Aschen brennet und Saltz auslauget, sonst die Kohle ja zu nichts nutze? Diesem respondire ich: Er gedulde sich so lange auf das Nachfolgende, allwo ich ihm sagen werde, warum ich bewogen worden solches zu thun. Coagulatio, Fixatio & Regeneratio in Quintam Essentiam & Magisterium, seu Arcanum. Nun hast du aus dem chaotischen Wasser per Separationem erstlich promiscue 4. Theile geschieden, und aus solchen 4. Theilen hast du 12. Theile per Rectificationem heraus gebracht, nemlich von jedem 3. Theile nach der Ordnung. Jetzt so nimm die Kohlen oder Terram subtilem, miscirs mit seiner Terra subtiliori in einem Kolben, thue hinzu seine Terram subtilissimam, so hast du die irdische Partes conjungirt, solches stelle ins B. M. per tres Gradus, allezeit einen Grad um den andern stärcker Feuer gegeben, ad tertium usque quartum Gradum, setze Helm und Vorlage an, damit wenn was aufsteiget, so gehet es in die Vorlage.
In währendem diesen wird sich das terrestrische Corpus oder Massa vermischen, uniren und eine Vereinigung zusammen machen: Das Zeichen ist, so man das Glaß aus dem B. M. hebt und in einen Keller setzt, daß sich Crystallen schiessen; oder aber, wenn kein saurer Geruch mehr verspüret wird, so ists ein Zeichen, daß sich die Massa coaguliret und figiret. So dieses geschehen, so setze den Kolben in Aschen, der Kolben soll abgeschnitten seyn, und ziehe gelinde die Humidität ab, daß es gar trocken werde, jedoch daß seine saure Dämpffe nicht gar aufsteigen, oder das Oehl. Derohalben so halte den Gradum ignis fein gelinde. Es irren viele Chymisten in denen Gradibus des Feuers zu regieren, und thun bald zu viel bald zu wenig. Damit aber ein Liebhaber gar keine Gefahr oder Scrupel habe, will ich ihm als ein πάρεργον solches auch entdecken. Derohalben ordne deine Oefen mit 4. bis 6. Registern, und wenn du was einsetzest zu distilliren, so ziehe erstlich 2. oder 3. Ventil auf, damit das Distillandum in Gang komme, und so es gehet, so mache 2. zu, und erstes als Primus Gradus lasse offen. Laß in diesem Grad gehen, so lange es gehen will, und so es nicht mehr gehet, so ziehe das andere Ventil auf, damit es wieder in Gang komme, und laß es auch gehen, bis es in solchem Grad auch selbsten aufhöret; denn so ziehe das dritte auf, und laß es gehen, bis es selbst aufhöret.