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← ExitThe Golden Chain of Homer
4 How Nature Destroys, Corrupts, and Alters Minerals

Also ists in allen Dingen, so ihnen natürlich oder künstlich ihr conveniens begegnet, so erlangen sie ihr conservans oder destruens, ohne solches bleiben sie lange in ihrem esse, bis eins dergleichen kommt, wie es denn nicht aussen bleibt, es sey über kurtz oder über lang: denn die Natur bleibet nicht lange stille stehen, eines macht sie, das andere zerbricht sie, und solches bis auf seinen von GOtt aufgelegten Termin. Wenn dieses Feld nicht so weit würde, wolte ich einem jeden klar vor Augen stellen, wie die Natur selbst transmutationes rerum verrichtet, und also kein Zweiffel in transmutatione unius in alterum zu machen, auch solches hin und wieder in diesem und ersten Tractat inseriret ist, und auch aus diesem kan argumentiret werden. Denn lassen sich die Elementa in einander verwandeln, der Himmel oder Feuer in Lufft, die Lufft in Wasser, das Wasser in Erde, & vice versa, so müssen ja ihre Geburten sich in einander verwandeln lassen, weil sie aus eben solchen herkommen, und ist solcher Unterscheid nur in ratione fixandi & volatilisandi. Allein es soll keiner glauben, daß ich hier docire, daß man auch einen Teuffel in einen Engel oder vice versa verändern könne, oder daß wir wollen aus nichts etwas machen. Nein, wir nehmen nur die von der Natur producirte Sachen, zerlegen solche in gewisse Theile und solche Theile setzen wir zusammen, wie es uns die Natur selber angiebet, vorweiset und Exempel zeiget. Solche transmutationes könte ich hier wol setzen, aber nicht metallische, aus dem ♀ oder ♄ Gold zu machen, sondern solche, wie die Natur machet, da sie aus denen Mineralien Vegetabilia und aus diesen Animalia macht; Verspare aber solches, so es die Welt wird werth seyn, inskünfftige durch einen andern Tractat heraus zu geben, daß es jeder sehen soll und mit Händen greiffen.

Hier wird ein Peripatheticus gerne sehen wollen, wie ich ihm beweisen wolle, daß eine Kühe zu einem Esel, und ein Ochse zu einem Menschen, oder ein Mensch zu einem Ochsen und ein Esel zu einer Kühe werden solle. Diesem zu helffen, der gelehrten Welt und unserer Kunst zu Ehren, muß ich diesen Knoten solviren. Wenn nun der Esel zu einer Kühe soll werden, wäre es leicht gethan, wenn die Kuhe einen Esel zur Speise nähme, oder einen Esel die Kuh. Weil aber der Kuh und des Esels Speise Vegetabilia sind, so müssen wir zuvor den Esel oder die Kuhe in ein Vegetabile verwandeln, und denn eins dem andern zu fressen geben. Laß den Esel oder die Kuh wieder unter einer frischen Erden verfaulen, also daß die Erde durch sie gedünget werde, daraus wachsen die Vegetabilia, diese gib einem oder dem andern zu fressen: so wird der in vegetabile factus entweder in der Kuhe ihrem archeo verändert werden zur Kuhe, oder die Kuhe zum Esel. Wie aber ein Ochse zu einem Menschen werde, so essen wir ja täglich Rindfleisch und verändern es in unsere menschliche substantz, also daß der gantze Ochse seine specificationem bovinam in uns ableget und völlig in substantiam humanam transmutiret wird, ohne die geringste Spur des bovini participirend. Denn so der Ochse in uns ein Ochse bliebe und seine Gestalt in uns nicht ablegte, so müssen wir Menschen durch das stetige Rindfleisch-essen zu lauter Ochsen werden: und also gehet es mit andern transmutationibus auch. Soll der Mensch zum Ochsen werden, so muß der Mensch in der Erden verfaulen und zu einem Kraut werden, solches soll der Ochse fressen, so wird der Mensch transmutirt.

Es wird aber der Peripatheticus sagen: Die Chymici sagen und verstehen die mutation nicht also per medium, sondern vermittelst ihrer Tinctur machen sie aus allen ungleichen Metallen immediate Gold und Silber. Dieser verstehet nicht die Natur der minerarum, sonst judicirte er anders: Denn die Tinctur ist ein medium, welche nicht das gantze Metall, wie es in der minera wächst, curiret, sondern nur dessen reinesten mercurialischen Theil, welcher da durch viel und starck Feuer von allen Schlacken gereiniget ist. Denn es wissen alle Gelehrte, daß die Philosophi nicht nehmen das Ertz aus denen Bergen, und werffen ihre Tinctur drauf, sondern sie scheiden erstlich von dem Ertz durch das Feuer das überflüßige humidum corrosivum, dann den Schwefel und Arsenic, Hernach den Marcasit, Hernach nehmen sie erst das geschmeidige Metall, welches aus so vielen Theilen geschieden werden müssen. Denn im grossen Schmeltz-Ofen da gehet das humidum superfluum, [Schwefel], der Arsenic und flüchtige Marcasit im Rauch in der Lufft auf, in das Universal-Chaos; das übrige aber als fixere Marcasit mit der Berg-Mutter oder Stein gehet zum Theil zu Schlacken, zum Theil zu einem König. Den König saigern sie wieder von denen fixeren Realgarien, welchen sie auch Schlacken heissen, bis sie das reine Metall-Korn heraus bekommen, solches nehmen denn die Philosophi und transmutiren mit ihrer überreiffen Tinctur solches in ein besseres, als in Gold und Silber,

und diese transmutation kan billig eine curation der metallischen Kranckheit genennet werden: als ♄ hat melancholiam, der ♃ contracturam, der ♂ bilem & amaritudinem, die ♀ eine hitzige Leber, der ☿ Epilepsiam, die ☽ hydropim. Solche morbos curiret ihre medicin in temperirter Sonnen-Natur. Denn die Metalle kommen mir nicht anders vor, als wie das Marck in Beinen, als ein Mensch hat melancholiam, so ist auch dessen Marck inficiret, als ein ander hat bilem, also ist das Marck auch damit inficiret, und ein Medicus appliciret seine medicin auf das Marck und nicht auf die Beine und das Fleisch, denn so er das Marck kan curiren, so curiret er gewiß andere morbos auch, weil das Marck das entlegenste des gantzen Leibes ist. So muß eine penetrante medicin seyn, die durch so viele digestiones und ventriculos bis in das Marck circuliret wird, da die meisten, zuförderst die Vegetabilia meistens in der 3ten oder 4ten Digestion stecken lassen und ihre Krafft in denen Adern dissipiret wiederum durch die emunctoria ausweichet und also nichts ins Marck penetriret.

Und gleichwie alle Menschen aus eines vollkommenen reinen Menschen reinen Saamen herkommen, welche doch unterschiedliche Gestalt, complexiones, qualitates und morbos accidentales erlanget: also obschon alle Menschen aus einem einigen Saamen entsprungen; so siehet man doch, daß ein Mensch dem andern in seiner complexion nimmer gleichet. Also auch die Metalla werden alle aus einem einigen Saamen als dem Universal-Acido geboren, diese aber werden durch die unterschiedliche matrices in unterschiedliche complexiones und Gestalten oder Formen ausgehecket, und erlangen also nicht materialiter sondern accidentaliter ihren Unterscheid. Sie sind alle Metalla und aus metallischen Saamen geboren, aber das accidens scheidet eines von dem andern, wie die Menschen ratione accidentiae, nicht aber naturae unterschieden sind. Denn einer ist ein melancholicus, der andere ein sanguineus, der 3te ein phlegmaticus, der 4te ein cholericus, der 5te hat von diesen einem zu viel oder zu wenig. Also ist Saturnus melancholisch, die ☽ phlegmatisch, der ♂ cholerisch, die ♀ sanguinisch, solche bedürffen denn eine temperirte Medicin, damit sie durch solche auch in ein Temperament oder ☉ische Materie gebracht werden, und ad statum naturae perfectiorem artificialiter erhoben werden. Solches thun die Philosophi durch ihre Medicin und curiren die refinirte metalla und nicht die mineras in ☉ und ☽.

Als gleichwie in den Beinen unterschiedlich Marck ist, an dem Ende der Knochen oder osse spongioso, solches aber ist auf dem Weg zu eben der perfection des besten Marcks zu werden: denn solches spongiosum bedecket eine dura cartilago, solche duram cartilaginem bedecket das Knie-Euterlein, in welchem das Glied-Wasser ausgekochet wird, welches Glied-Wasser respective eine prima materia derer cartilaginum und des Marcks ist. Nun so intendiret der Medicus nicht das Glied-Wasser, oder das Knie-Euterlein, oder die duram cartilaginem, oder os spongiosum & ejus medullam zu curiren, sondern das beste Marck, denn er weiß, so ihm seine beste Medicin bis aufs beste Marck hinein dringet, daß es die schwächere Theile, so viel es ihrer Natur vonnöthen, auch heilet; aber er verkehrets doch nicht in ein Marck, die böse Neben-Qualität ändert es in eine gute. Also ists mit denen Metallen oder mineren: Die Medicin oder Tinctur intendiret nicht den Schwefel, Arsenic oder Marcasit zu curiren, sondern das Metall, und so es auf einen Schwefel, Arsenic oder Marcasit geworffen wird, so machet es solche nicht zu lauter Gold und Silber, aber doch reiner ☉ischer oder ☉ischer Natur, wie das Mutter-Marck von seinem defect oder morbo in ein bessers und gesundere Natur, welches durch die digestion und maturation endlich ins beste Marck mutiret wird, also kan hernach ein solch ☉isch gemachter [Schwefel], [Arsenic] und Marcasit durch digestion und maturation auch zu ☉ und ☽ gemacht werden, aber nicht wie das Metall in Guß und Fluß zu puren Gold und Silber. Wir wollen von der corruption oder putrefaction zur separation, conjunction und regeneration des universal-chaotischen Wassers in primis, und nachgehends aller Dingen universaliter & generaliter descendiren.

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