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Auf was Weise die Natur die Mineralia zerstöre, corrumpire und alterire.
Alles vom Himmel und Erden ist aus Wasser und Geist gemacht, und solches Wasser hat zweyerley [Nitrum] & [Sal], und diese beyden sind, die da schmieden ohne Hammer und Zange in seiner gebührenden Materie in der gantzen Welt alles und alles, was da natürlich, sichtbar und unsichtbar ist, alle Animalia, Vegetabilia und Mineralia. Denn sind diese in der Lufft spiritualisch, so werden sie durch den Athem des Menschen angezogen und in dessen substantz und Saamen verkehret und werden also animalisch; fallen sie aber in der Gestalt des Thaues und Regens ad superficiem terrae, so werden daraus vegetabilia; kommen sie in profunditatem durch die Wasser per fissuras, rimas, porosquae terrae, so gebären sie mineralia, und ist der Unterscheid, wie offt gesagt, je flüchtiger und flüssiger diese beyde Salpeter und Saltz seyn, je mehr machen sie Animalia, sind sie aber zwischen fix und flüchtig, so machen sie Vegetabilia, je fixer sie aber werden, je mehr machen sie Mineralia. Alle Mineralia sind endweder steinigter Art und diese durch Wirckung beyder Spermatum Nitri und Salis vermittelst Wasser und der Erde. Wie will nun die Natur einen Stein zerbrechen, per se zermalmen und zu Staub, Aschen und Wasser machen, ohne Hammer und Eisen?
Auf folgende Manier: Die Natur hat Principal-Instrumenta, durch welche sie alles machet und zerstöret. Eins ist Feuer und Lufft, das andere Wasser und Erde, eins ist die ☉, das andere der ☽. Eines, das innerliche central-△, feurig-hitzig, ist das Nitrum, denn es ist der pure concentrirte Sonnen-Strahl und dessen Essentz, dessen Kind und Geburt oder coagulirte Saamen, denn er durchaus feurig ist, so er in seine Wirckung gebracht wird, ob er schon eißkalt aussiehet; Kalt und wässerig hingegen ist das Saltz und die rechte Mutter attractionis, eine Geburt und Kind des ☽, welches zu generiren hefftig in den Mann als Salpeter verlanget, ohne welchen sie sich nicht getrauet ein vollkommenes corpus zu gebären ihrer irdischen fix-kalt-wässerigen Eigenschafft halber. Durch diese beyde nun ist die generation und destruction, nach Unterscheid aller Sachen spiritualiter & corporaliter zu erwarten und zu hoffen.
Nun wollen wir praemissis his sehen, was denn die Natur für Steinbrecher habe. Die Natur hat aus obigem Verstand ein △, es sey hernach die ☉ oder innerliche central-Hitze, dieses Feuer erwärmet und erhitzet die Steine und Erde durchaus, daß sie offt glüen: Denn man greiffe nur einen Stein oder Eisen an, den die ☉ in Hunds-Tagen bescheinen kan, er wird die Hand bald zurück nehmen. Auf solche Hitze kommt das Wasser oder Kälte und befeuchtet die erhitzte Steine, allwo denn Hitze und Kälte zusammen kommt und ein contrarium verursachet, denn die Hitze hat die Steine durchaus erhitzet, wenn nun das kalte Wasser über die erhitzte Steine kommt, so will die Hitze in puncto weichen, weil aber die Hitze durch den Stein nicht so geschwind ausweichen kan, so wird es der Kälte entgegen getrieben und die Kälte wider die Hitze, denn die Kälte resistiret und treibet die Hitze in den Stein hinein, wodurch der Stein in Stücken springet und dadurch Wasser und Feuer einig werden, denn der feurige Stein fält ins Wasser und das Wasser wird durch solchen hitzigen Stein warm, daß denn Feuer und Wasser in einander stecken, denn durch die Eröffnung des Steins zwey eröffnet werden, dem Feuer und Wasser ins künfftige noch besser und mehr den Zugang zu bereiten und zulassen.
Z. E. im Sommer bescheinet die Sonne einen Felsen und erhitzet ihn starck, denn kommt ein Regen, der ihn befeuchtet, der zersprenget den Stein und zerspaltet sich in der Mitte von einander, wird zerschieffert, fället zu Stücken; wiewol nicht auf einmal zugleich, sondern nach und nach, wie bey der destruction der Bäume auch. Darum verstehe, die Natur gehet gar langsam. Nun solche Stücklein werden wieder erhitzet und durch die Feuchte und Regen wieder befeuchtet, daß also die Schieffer in noch kleinere Stücklein zersprenget werden, ja endlich durch solche continuation in Sand oder Staub zersprenget, zerschieffert, zermahlet und zerstäubet. Dieser Staub und gemahlene Stein-Erden wird wieder erhitzet, mit Regen befeuchtet, fänget endlich durch viel eingesoffenes Regen-Wasser an zu faulen und saltzig oder nitrosisch und salinisch zu werden, vermittelst des einigen angebohrnen. Denn sein eigener Spiritus salinus coagulans wird durch das Regen-Wasser und Feuchte erwecket, wider sein eigen Subjectum zu agiren: Denn der Stein gehet zu seinem eigenen Verderben, wie die Vegetabilia und Animalia zu ihrem Todte. Hernach so kommt das Saltz der Erde auch dazu und das Sperma volatile duplicatum aus dem Regen-Wasser und Thau, und wenn es denn so weit kommen, daß der Stein zu Staub ist worden und saltzig, so stehet er schon in einer andern Natur, nemlich vegetabilisch zu werden,
denn jetzt wachsen aus ihme Kräuter und Bäume, die Kräuter und Bäume verfaulen wieder, daraus auch Würmer und Maden, und aus diesen Fliegen, Mücken und Raupen werden; oder die Animalia geniessen solche Vegetabilia zu ihrer Speise, und auf solche Weise ist der Stein zum andernmal transmutiret, nemlich in ein vegetabile und von dannen in ein animale, dieses animale verfaulet u. resolviret sich in naturam chaotico-universalem salino-nitrosam, aquam vaporosam hylicosam. Jetzt ist der Stein wieder materia prima chaotica. Nun siehest du, wie die Natur selbste lento quidem, doch gar schön per gradus zurücke gehet, also auch gehet sie vor sich, ohne grosse Gewalt, sondern lieblich, ohne grosses Geräusche, nicht mit Hämmern und Aexten, oder schlagen, stossen, sondern mit und durch Wasser und Feuer macht sie alles, und so die Natur könte die salia so häuffig bey sich haben, wie wir hier oben in arte nostra, sie solte so geschwind operiren, als wir. Solches siehet man auf den höchsten Bergen, da die Natur continuirlich kleine Steine aus grossen Stücken macht, auch Sand und Staub abreisset, welches der Bauer besser in Obacht nimmt, als ein Doctor, und dann auch den Ofen, so man bey solcher operation und generation der Natur und keinem andern zuschreiben muß: denn kein Mensch, kein vierfüßiges schweres Thier kommt nimmer so hoch hinauf, und die schwache Vögel werden auch zu 10. 20. 30. pfundige Steine ohne Unterlaß nicht abreissen und mit ihren schwachen Füssen zu Mehl zermalmen;
so sie aber in copia Saltz und Salpeter auf solche erhitzte Steine giesseten, sie solten die grösten Berge bald zu kleinen Hügeln machen. Denn so wir in unserer Kunst einen Stein glüen lassen, und löschen solchen in Saltz-Wasser ab, so zerfällt der Stein in Stücken, wenn er auch so groß als ein Hauß wäre und möglich, einen solchen zu glüen und abzulöschen, und je öffter wir solches thun, je kleiner der Stein wird, ja endlich wird er gar zu Schleim und Wasser, welches die unfehlbare Praxis gar zu gewiß zeiget. So wir nun solche Salia in Spiritus distilliren und damit die Steine solviren, so werden sie auf einmal zu lauter Wasser. Da siehet der Leser, daß der calcinirte Stein in kurtzen Stunden durch die Kunst sich zu ▽ machen lasse, da die Natur lange zu thun hat, bis sie den Stein dahin bringet, und auf solche Weise kommt der Stein weit eher zur prima materia, nempe in naturam salino-nitrosam aquosam, welches Wasser dann auch distillando in einen vaporem und solcher wieder zu einem Wasser werden kan. Hieraus lerne der Leser den Unterscheid naturae & artis, und aus diesen gradibus naturae & artis kan jeder lernen die destructionem, auch generationem aller Dinge. So dann solche salificirte Steine mit Erde misciret werden, und dem Himmel oder Lufft anbefohlen werden, so wachsen seiner Art Kräuter heraus, wie oben gesaget.
Also machet es die Natur mit den mineralischen subjectis oder Metallen auch, diese erhitzet und zersprenget sie mit Wasser, in welchem, wie auch in allen Wassern ein saltziges sperma verborgen lieget, es sey nun wenig oder viel, dieses greiffet das mineral oder Metall an als seine Geburt, machts zu Schieffer und Rost, dann also nach und nach es zu Rost und crocum wird, diesen resolviret sie durch Länge der Zeit in naturam salis, und endlich zu ▽. Es wird einer aber sagen: Mit denen Steinen läst es sich hören; aber die Metalla, die compacta und refinirte corpora sind, da wird die Natur nicht viel ausrichten, zu dem das ☉ und ☽ durch die Kunst hart destruiret werden, geschweige durch die Natur. Ich sage, rede und lehre cum distinctione. Wenn ich rede von natürlichen Dingen, so rede ich nicht von den künstlichen. Was die in der Natur-Statt, oder ihrer Mutter in Bergen oder Felsen eingeschrenckte und noch nie ins Feuer gekommene noch ausgeschiedene mineralia und metalla seyn, da Berg, Stein und metalla noch beysammen seyn, hat die Natur einen Weg mit den Steinen, denn sie arbeitet nur zurück, wie sie zuvor vor sich gearbeitet hat und destruiret solche mineralische corpora viel ehe, als die Sonne, wenn sie nur darzu kan, weil sie ein offenbares Saltz haben, welches die Natur nur durch Wasser und dessen Saltz aufwecken darff in contrarium zu agiren.
Was aber die künstlich ausgearbeitete durchs Feuer geschiedene und refinirte Metalle anlanget, sage ich selbst, daß die Natur mehr Arbeit dazu gebrauchet. Denn das humidum superfluum, so viel sie auch gehabt, ist auch das gewaltige △ fortgegangen und ausgewichen, jedoch von einem mehr als von dem andern, dahero sie eine sehr lange operation hat, solche in materiam primam zu werffen, denn dem ☉ und ☽ ist ihr gantzes humidum fast benommen worden, auch Schwefel, Arsenic und Marcasit, und zum Theil eingeschlossen concentrirt. Entgegen das ♂, ♀ ist schon eher von der Natur zu destruiren, zu Rost und Crocum zu machen, weil sie ein humidum superfluum in ihnen haben, so gar offen stehen und von der feuchten Lufft und Wasser gar leicht in Grünspan und Rost zu bringen: Also ist auch der ♄ und ♃, welche zu Brey werden. Hat man doch in Erfahrenheit, daß das Gold und Silber unter der Erden vergraben ist aufgewecket worden, da die salinische Erdfeuchte dessen Spir. Acidum ☉is & ☽ae erwecket zu agiren, dahero man an statt des ☉ und ☽ ihre Electra oder gar einen Staub gefunden. Wenn nun ein Gold und Silber in solche Oerter gelegt wird, wo viel arsenicalische Dämpffe oder marcasitische vapores aushauchen, wird es von der Natur ehe zerstöret. Solches siehet man in der Kunst, als welche da der Natur in eben selben gradibus necessariis folgen muß, wenn man Schwefel, Arsenic u. einen Marcasit zusammen schmeltzet u. solches fliessen lässet, dann ein glüendes ☉ darein träget, daß das Gold darinn zu lautern Pulver wird, welches denn durch die salien oder salinische Dämpffe vel Spiritus gleich solviret und in primum reduciret wird.