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Auf was Weise die Natur die Vegetabilia zerstöre.
Die Vegetabilia können mit etwas geschmäckerer Lufft als die Animalia observiret werden. Denn diese nach ihrer Verwelckung fallen ab, werden durch Regen und Thau benetzet, durch welche das acidum innatum erwecket wird, das ist, volatilisch gemacht, dieses erlauet, erwärmet u. erhitzet sich, zum Theil durch den eingepflantzten Geist, theils durch beykommende Sonnen- und central-Hitze, welche von unten heraus, wie die Sonne von oben herab ohn Unterlaß ausothemet und strahlet, wie man des Winters in den Kellern dergleichen Erdwärme gar fein spüret. Dieses auferweckte Acidum durchgehet die poros des Krauts, und erwecket oder erhitzet das volatilische zu dämpffen in die Lufft, um alldort chaotisiret zu werden, das fixere und härtere Theil aber erweichet es, machts zu Schleim und Safft, welches sich in die Erde verkriechet und vermischet, um allda eine regeneration zu erwarten und durch die in das fixere chaotische sperma transmutiret zu werden, in Salpeter und Saltz. Es werden auch, so die Hitze zu starck austrocknet, aus dem flüchtigen Theil des Krauts Würme, Maden, und aus diesen Mücken und Fliegen, welches eine Anzeigung ist, daß das vegetabilische Reich intendiret animalisch oder flüchtig zu werden, wie solches bey den noch grünenden Bäumen und Kräutern zu ersehen, da der überflüssige und trieffende Safft anfängt zu faulen, aus welchem denn gantze Wurm-Nester und aus diesen fliegende Raupen und allerhand andere insecta volatilia werden. Und dieses ist die destruction der kleinen Vegetabilien.
Mit denen grössern Vegetabilien aber, als Bäumen, hat die Natur einen härtern Kampff, bis sie einen abgedorreten Baum wieder ad primam materiam oder Aquam chaoticam bringt. Denn ein Baum vor dem andern dauret viel und lange Jahr, ehe daß er zu Moder und Staub fällt. Wie thut aber die Natur mit solchen? Auf die Manier: Erstlich wenn des Baums sein Spiritus vegetationis ist abgestorben, so verdorret er, die Wurtzel ziehet keinen Safft zu sich, dem Baume das Nutriment zu geben, sondern verliehret seine virtutem attractivam, giebt dem Stamm keine Nahrung mehr, kan keine Scheidung des subtilen von groben mehr thun, daher die Blätter abfallen: Denn der Baum wird innerlich durch seine poros mit faulen Dünsten angefüllet, die da anfangen zu faulen, und die Partes allgemach erweichen, wie zuvor gesagt, zünden das humidum radicale an ins contrarium. Denn so bald die balsamische Spiritus gewichen vom Baum, so gehen die principia in contrariam resolutionem per praedestinationem invertibilem, und weilen der Baum sein Nutriment verlohren, das schädliche heterogeneum auszutreiben, so greiffen sie den Baum insgesamt an, machen ihn mürb und modricht, daß er inwendig von dem Kern bis auf die äusserste Rinde gantz schwammicht, weich und modricht, auch mürbe wird.
Von aussen aber greifft ihn an die Hitze und Kälte, die Sonne und Regen, die Sonne erhitzet den Baum durch und durch, daß er vor Hitze offt aufspringet, weil ihm sein humidum conservans verlassen und in ein contrarium gegangen, denn so kommt der Regen und benetzt ihn, und weil der Baum erhitzet und durch die Sonne ausgetrocknet ist, so ziehet er die Feuchte begierig in sich und dieses zu seinem eigenen Schaden, denn die Feuchte schläget sich durch die poros hinein, faulet darinnen, weil ihnen kein Widerstand geschiehet von der nunmehr gewichenen conservanz, also faulet solche Feuchte und macht den Baum voller Moder, hernach kommt die Sonne wiederum, welche den Baum wieder durch und durch erhitzet und die poros des Baums eröffnet und fein Platz machet, daß die Fäulniß durch die eröffnete poros den Baum durch und durch penetriren könne und gantz und gar in die Fäulung bringen. Hernach, so der Regen kommt, so ist schon das erste mahl Platz zu penetriren gemacht worden, daß er das andere mahl einen weitern Sprung hinein thue, und den gantzen Baum mit der Putrefaction anstecken kan. Dieses thut die Hitze und Feuchte. Die Kälte hilfft ihm noch stärcker darzu ins Verderben, denn diese greifft ihn so starck durch und durch an, weil der Calor nativus gewichen ist. Denn wenn die Sonne kommt und den Baum erwärmet, so zergehet die Kälte in denen durchgedrungenen poris des Baums zu ▽, und dieses ▽ sitzt dem Baum in seinem Hertz und Kern, fänget an zu faulen, macht den Baum inwendig und auswendig schwülstig, mürbe, faul und moderich, und diß continuiret die Natur, bis endlich der Baum durchaus faul und endlich zusammen fällt zu einem lautern Moder und Staub, und diß ist denn die vegetabilische calcination.
Solches betrachte einer in dem animalischen Reich an den Knochen und Beinen, welches eben so zugehet. Solches aber geschiehet nicht auf einmal, also daß wirs mit Augen in kurtzer Zeit observiren könten, nein, sondern langsam, also daß offt eine solche calcination dreyer Männer Leben ausdauret, und was hart Holtz ist, noch länger, denn es gehet immer ein wenig und aber ein wenig von dem Baum hinweg; Ein geschwinder Exempel aber sehen wir an den Wasser-Weiden und Ulmen-Bäumen, welche ihres humidi superflui wegen täglich solche Moder haben, wenn aber der Baum calciniret und zu Moder worden ist, so verfaulet er schon desto geschwinder und gehet in primum ens, nempe nitrum & sal als in einem Jahr, offt in wenig Monaten und Wochen, wie denn die Gärtner solchen zu ihrem Dünger brauchen, da es denn schnell zusammen faulet und in primam materiam verkehret wird. So fern aber der Baum durch Menschen-Kunst und Hände zu Säge-Spänen und Säge-Mehl oder sonst klein gemacht und mit faulen Regen-Wasser befeuchtet wird, so faulet er aber schnell hinweg, ja in wenig Wochen und Tagen, wie man aus der Experienz hat. Ist man eines Baums Säge-Mehls bedürfftig, kan solches mit faulen Regen-Wasser angefeuchtet werden und etwas stehen lassen, so entzündet es sich in der Lufft schnell, faulet, wird stinckend faul, und gehet endlich in ein dickes Wasser, und so es nicht verhütet wird, wird es voller Würmer und Maden, endlich zu Mücken, und so diese verfaulen, so bleibet eine kleine irdische Fäule zurücke, wie ich solches mit etlichen Kräutern und Höltzern erfahren.
Wenn aber solches verhütet wird, so kan man mit denen verfaulten Vegetabilien die Gärten düngen, aber chymice die principia distillando separiren. Und das ist die natürliche separation, oder calcination und destruction derer Vegetabilium in primum. Es möchte einer fragen, warum ich das verfaulte Regen-Wasser dazu gebrauchte, und was dann in dem Regen-Wasser solle seyn, das zur Fäulung behülfflich wäre, oder welches Principium im Regen-Wasser putrificiren mache? Diß will ich beantworten: Erstlich, gleichwie ich habe probiret, daß alles mit und durch solches wieder zerstöret wird, denn es ist ihr homogenes fermentum fermentans, wiewohl etliche Chymici nicht unrecht einen Sauerteig, Bier oder Weinhefen darunter mischen; daß ich aber das Regen-Wasser hiernehme, habe ich wollen anzeigen, weil ich nur zeigen wil, daß alles nur aus dem chaotischen Wasser geboren und durch solches alles wieder zerstöret wird. Was aber das putrefaciens principium sey, das kan der Leser erachten: Denn das Alcali ist balsamisch; Ergo ist das Volatile und Acidum zerstörend, denn das Regen-Wasser ist ja augenscheinlich mehr flüchtig als fix, so ist ja auch das Acidum mehr darinnen, als das Alcali, so folgt, daß das Volatile und Acidum das putrefaciens ist.
Gleichwie die safftige Theile derer Animalien theils schnell, die harte und trockene aber langsamer, also verfaulen die Safftvolle Vegetabilien auch schneller und die harte langsamer; ingleichen die Mineralia noch langsamer und am langsamsten putresciren, und seynd dauerhaffter als alle vorgehende. Denn alles, was safftiger und feuchter Natur ist, faulet nach Absterben seines balsamischen Lebens-Geistes geschwinder; was aber einer festen, dick-hart- und trockenen Natur ist, da hat die Natur härter und länger zu arbeiten und solches aus dem immediaten Befehl des Schöpffers, denn das Wasser und Feuchtigkeit ist ein instrument des allwirckenden Geistes zur Fäulung, und die Fäulung ist der Haupt-Schlüssel auf und zuzuschließen alles und jedes, das in der Natur ist.