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Nun wollen wir Anatomica, so viel sich thun läßt, setzen, unsere Theoriam zu confirmiren; obwohlen es zuvor und an andern unterschiedenen Oertern genugsam angezeiget ist, daß es einem wohl informirten Subjecto nicht offenbarer könte gemacht werden. Weilen aber viel auch treugesinnte Einfältige in unsere Kunst sich wagen, will ich folgendes beytragen. Also Rec. eine Mineram, wie sie aus dem Berge kommt, ehe sie in eine Feuer-Arbeit kommt, als Bley, Zinn, Eisen, Kupffer, Gold vel Silber etc. dieser eine wasche auf der Sarten von ihrem Berge rein, oder aber lasse den Berg dabey, es gilt gleich, solche pulverisire klein wie Hirse-Körner und nicht zu Staub, denn er läge zu klein und dick auf einander und figirte sich mehr, als es sich resolvirte, denn die aufsteigende Dämpffe ersticken. Solch Pulver thue in eine starcke Retorte ins offene Feuer, lege den Recipienten an, und gieb per Gradus Feuer, so wirst du herüber steigen sehen 1.) ein klein wenig Wasser, welches das Humidum superfluum ist, nach diesem kommen starcke Nebel, welche das Mineral-Corrosiv seyn, und solche legen sich in den Recipienten und resolviren sich zum corrosivischen Wasser. Nach diesem steigen abermal Dämpffe, aber nicht so flüchtig, wie die ersten, denn das Flüchtigere kommt allezeit voran, und diesem folgen die fixern Partes. Solcher Dämpffe steigen wenig in den Recipienten, sondern legen sich, zuförderst so der Hals der Retorte lang ist, an den Hals voran, und die nachfolgende immer weiter hinter sich gegen den Bauch der Retorte, dieweil die folgende das Feuer immer besser erleiden können.
Nach solchem bleiben die Feuer-beständigere Theile in Fundo der Retorte liegen, viel oder wenig, nachdem das Subject viel fix oder flüchtig gewesen. Jetzt examinire alles, was übergegangen und aufgestiegen, auch was unten geblieben, so wirst du befinden 1.) im Recipienten (a) das Humidum superfluum mit dem Corrosiv vermischt, der ein schwefelichter oder salpeterichter oder saltziger Liquor ist, und viel oder wenig ausgetrocknet, coagulirt und figirt ist, unico Verbo, ein Spiritus Vitrioli. (b) Findest du im Eingange oder Anfang des Halses Flores, die ersten sind gantz flüchtig, solche probire auf einer Kohle, brennen sie wie Schwefel, und stincken nach Schwefel, so heissen sie Schwefel, brennen sie aber nicht, sondern fliessen und geben arsenicalischen Geruch, so heisse sie einen flüchtigen Arsenic. (c) Uber die Helffte des Halses wirst du aber Flores finden, die etwas fixer sind als die ersten, solche sind ein fixer Arsenic. (d) Im Anfange des Bauchs der Retorte oder dessen Himmel haben sich andere Flores ansublimiret, welche noch fixerer sind als vorige, solche heissen flüchtiger Marcasit, oder aber ein marcasitisch fixer Arsenic; denn je fixer der Schwefel und Arsenic wird, je mehr verlieret er seinen ersten und erlanget einen andern Namen. Der Vitriol heisst Schwefel, der Schwefel heisst Arsenic, der Arsenic Marcasit, der Marcasit heisst Metall, und diesen Unterscheid erlangen sie, wenn sie immer fixer werden.
(e) Im Grunde der Retorte liegt ein dreyfaches Corpus, (f) als erstlich der fixere Marcasit, welcher der metallischen Natur am nächsten ist, und aus welchem immediate das Metall wird; (g) zweytens das Granum metalli, welches aus dem Marcasit worden; (h) drittens die steinigte Mutter, in welcher das Metall gewachsen und figirt ist worden, als in dem grossen philosophischen Geschirr oder Glaß: Denn solche Mutter durchs grosse Schmeltz-Feuer zu Glaß oder Schlacken wird. (i) So steckt auch noch in diesem letzten Theil ein fixes Saltz, welches mit Wasser ausgelauget wird und kan für das Mineral-Alcali bestehen, welches durchs Feuer aus dem übergegangenen Spir. Vitriolino concentrirt oder figirt worden, wiewohl wenig, jedoch nachdem das vorgenommene Subject viel oder wenig feucht gewesen. Nun so Rec. diesen letzten Theil aus dem Grunde der Retorte heraus, lauge zuvor das Saltz mit Wasser davon und trockene das Pulver, solch Pulver schmeltze mit starckem Feuer, so wird sich ein Regulus setzen, und die Schlacken werden oben seyn. Den Regulum nun siede mit Bley an und verblase ihn, wie man insgemein die Metallen finirt, so wirst du das Granum metalli finden, der Regulus aber, wiewohl er das Fluß-Feuer mehr, als seine vorhergegangene Partes bestehet, so muß er doch durch endliche Gewalt des Feuers wegfliegen. Solcher Regulus ist der fixere Marcasit und mercurialische alcalisirte Theil oder figirte und alcalisirte Acidum Vitriolinum, und dieser ist prima immediata Materia metalli, aus dem immediate per longam Fixionem die Metalla werden.
Es ist aber diese Praxis nicht alle durchaus auf alle Metalla zu verstehen, sondern meist auf Gold, Silber und Kupffer-Ertz, welche sich durchs allerhöchste Feuer finiren lassen, nach dem Grad ihrer Fixität und starcken Alcalisirung, d. i. wann das Acidum Vitriolinum je länger je mehr figirt wird, je mehr wird es alcalisirt und so starck mit der Erde unter einander misciret, daß das geringste Acidum dabey nicht zu mercken ist, wie in dem höchst finiten Gold, das heisse ich alcalisirt, weil es mit keinem Acido kan überwunden werden, es sey denn, daß das alcalisirte Gold mit seines gleichen Alcali marcasitico vel arsenicali vel salino aufgewecket werde, welches alsdenn durch das Acidum Sulphuris, vel sulphureum, vel vitriolinum, vel nitrosum wieder zu einem Acido werden kan, und sonsten nicht. Aus Gesagtem siehet der Leser die Constructionem & Anatomiam metalli sive Minerae, und also soll er seine Examina anstellen und nicht gleich mit dem blossen Feuer drüber her, da er die vitriolisch-, sulphurisch- und arsenicalische Partes hinweg treibet, als welche des Ertzes Lebens- und Nahrungs-Geister sind. Es siehet auch der Leser oder Liebhaber, wie die Natur hier eben schön per Gradus medios gehet, so wohl als in dem animalischen und vegetabilischen Reich, von den feurigen flüchtigen Theilen immer mehr und mehr zu denen fixern, bis zu denen fixesten und denen härtesten trockenen Theilen.
Jetzt betrachte er das durch so viele Wege heraus gezwungene und doch wenig beständige Metall, wie wenig es gegen seinen hintan geschiedenen Theilen ist, so wird er erfahren, daß das Metall erst das 9te Theil ist, und dieses in so kleiner Quantität, daß ihn seine vorhergegangene Adhaerenten hundertfältig überwiegen. Denn man siehet ja, wie wenig ein Centner Gold- und Silber-Ertz feines Gold und Silber giebt, kaum etliche Loth; da hingegen der Uberfluß viel in Rauch und Schlacken gehet. Jetzt bedencke er, wenn die Natur ein schlechtes Metall aus besagten Speciebus secundum magis & minus kochen muß, wie lange Zeit sie mit ihrer Digestion zubringen muß, geschweige wenn sie die vollkommene in ihrem Werck und Arbeit hat. Aus diesem siehet jeder Künstler, wie viel Staffeln von den flüchtigen Dämpffen oder von der vitriolischen Gur anfangs nur zu der fixern marcasitischen Natur seyn und denn erst zur metallischen, geschweige zu der besten Geburt vonnöthen ist, welches alles und jedes doch nur aus Saltz oder doppelten Saltz, Nitro & Sale, i. e. d. i. aus denen Spiritibus und Erden und Steinen geboren wird. Durch solche Gradus gehet nun die Natur ab Extremo per Gradus ad alterum Extremum in der schönsten Ordnung in allen so wohl als in diesen Creaturen und Individuis: Erstlich macht sie das Weichste, dieses indurirt sie immer mehr und mehr bis zu seiner Vollkommenheit in Bein, Holtz, Metall und Stein wie solches gnugsam erkläret ist. Ich solte wohl hier der Metallen jegliches insonderheit Bestand und Wesen erzehlen, allein aus Besagtem kan sich jeder selbst prüffen und seinen Hirn aufbieten. Wenn er das General-Bestand-Wesen weiß, so wird er das Particular auch finden.
Doch will ich ihme eine Lehre hieher setzen, damit er jedes Metall und Mineral gleich kan erkennen, welches ein Superfluum humidum hat oder nicht, d. i. welches höchst fix oder nicht, in mittler Natur oder noch acidischer Natur ist, oder welches Metall acidisch, welches alcalisch, und welches beyderseits Natur ist. Also man nehme eine Mineram, oder Universal- oder Metall-Stern, was er will, und nehme dazu ein Acidum corrosivum und ein Corrosivum alcalinum, welche wir am meisten und zwar universaliter recommendiren, den Spir. Nitri, oder das Aquafort und den Sp. Salis, was nun der Sp. Nitri und Aquafort solviret, da judicire hieraus, daß sein Acidum noch offen und nicht figirt ist und alcalisirt, als zu sehen an dem Silber und Bley. Denn gleich solviret seines gleichen. Welches Metall aber und Mineral sich nicht mit solchem Acido solviren läßt, sondern mit dem Alcalino mit dem Acido vermischt, das halte für alcalisch fix. Hieraus judicire, daß das Acidum in solchem Metall und Mineral völlig alcalisirt und figirt ist, also daß es mit seines gleichen geistlichem Alcali muß erwecket werden, und zu der acidischen Natur adoptiret, damit das Acidum hernach solches Geöffnete in seine Natur auch übersetzt & tanquam ad primam Vitrioli Naturam & Materiam zurück bringen könne, als da ist der Gold und Zinn.
Welche Minera oder Metall aber sich so wohl von dem Acido als Alcali solviren läßt, diese nenne Hermaphroditum. Denn solches hat angefangen alcalisirt oder fix zu werden, ist aber stecken geblieben, also daß es fix und nicht fix, alcalisch und nicht alcalisch oder acid ist, daher sie von beyden Menstruis können conjunctim & separatim angegriffen und solviret werden, als da seynd Eisen, Kupffer, Mercurius. Der Zinn wolte sich auch gerne ergeben, aber lieber solviret ihn das Alcali, wie auch das Bley in Sp. Salis oder Aqua Regis sich auseinander begiebt, aber in Aquafort löset er sich gar zu Wasser auf. Nun so wird einer sagen, soll ich den Silber und Bley für sulphurisch erkennen, weil das Acidum dem Sulphur verglichen wird, da sie doch mercurialisch seynd, und das Gold und Zinn soll ich für mercurialisch erkennen, da sie doch meistens sulphurisch seyn? Zu diesem antworte ich: Er vergnüge sich mit dem, was ihm die Augen zu sehen geben, als welches das Hirn leichter glauben wird; dasjenige aber, was nur an der Speculation hänget, über das lasse es sich andere kützeln, und ihren Verstand so lange daran ermüden, bis sie eines andern Sinnes werden.
Und gedencke diß nur allezeit, NB. daß alle Minerae ihren Ursprung von dem Acido universali corrosivo nehmen, welches immer mehr und mehr durch die Fixation und Exsiccation alcalisch wird; und nach solchem Acido und Alcali richte deinen Verstand ein, du wirst in kurtzem mehr lernen, als alle Mercurialisten, Sulphuristen, Vitriolinisten etc. Folge der Natur auf dem Fusse nach, und betrachte ihre Wege, darnach nenne sie ingeheim, und lasse die andern Namen, welche da Verwirrung machen, bleiben. Gefällt dir aber meine Meynung nicht, will ich dich andern nicht abwendig machen. Dicunt: Wenn die Metalle nicht ex Mercurio, Sulphure & Sale bestünden und gewachsen wären, warum kan mans wiederum daraus machen, und in solche Principia bringen, wie denn auch alle alte Philosophi bekennen, daß sie daraus bestünden? Resp. Daß die Metalle können in solche Principia reduciret werden, gestehe ich gern; daß sie aber secundum Regulam & Legem Naturae immediate daraus bestehen, finde ich nicht. Denn ich finde in keinen Berg-Gruben den Mercurium currentem, als in seiner eigenen Minera, und welche er mit seinem Astro durchsetzet und durchstreichet. Saltz und Schwefel finde ich in denen meisten Mineris, aber kein gemein Saltz und keinen gemeinen Schwefel, wie ihre Characteres bezeugen, sondern ein vitriolisch, alaunisch Saltz, einen Schwefel-Kieß, welcher mit dem Arsenic oder Marcasit misciret ist.