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← ExitThe Golden Chain of Homer
23 What the Generation of Minerals Is and Which Principles Constitute Them

Was ist der Arsenic anders als ein Corrosiv? Zerfrißt er nicht und corrodiert alle Metallen und verschonet selbst das Gold und Silber nicht? Siehet man nicht klar, daß die unterirdische Dämpffe an manchem Ort so corrosivisch sind, daß sie Bergleute aus den Gruben treiben, wollen sie nicht ersticken? Wenn denn kein Corrosiv in der Erde, warum werden manchem Bergmann seine Kleider also zerfressen, als wann er sie durch Aquafort gebeitzet hätte, wenn er sich an manchen Ort nur anlehnet? Wenn man die Natur der unterirdischen Wasser betrachtet, und solche examiniret, und concentrirt deren eine gute Quantität per Distillationem, als da sind die warmen Bäder von Schwefel, Alaun, Vitriol; wiederum die Sauer-Brunnen, sind sie nicht extendirte Corrosiva, und so einer solche concentrirt und ein wenig heiß werden läßt, stosse eine abgestochene Henne hinein, wird es nicht nur die Federn, sondern auch Haut und Fleisch zerlösen und abschälen; welches ein süsses, oder auch Saltz-Wasser, wie hier oben sind auf und über der Erden, nimmermehr thut. Siehet mans doch also crude, wenn ein Mensch zu viel badet in solchen Wassern, wie es die Natur und Haut mit Gewalt angreifft, daß es einen offt gantz scheußlich macht und die Haut abschälet; also auch die Sauer-Brunnen, wenn man zu viel trincket, solches verursachen: Sintemal nach des Patienten Tod, welcher sich des Sauer-Brunnens gebraucht, man befunden hat, daß seine Musculi gantz los, ledig und mürbe gewesen, als wenn man ihn wie ein Feder-Vieh gebeitzet, und hätte man solche ohne Anatomie-Messer vom Leibe separiren können.

Wenn man solche Wasser etliche Maaß concentrirt, wie wenig solche potente Substantz in ihnen ist und eine grosse Quantität Wasser, doch einen so potenten Effect thut. Daß aber die Chymisten nicht begreiffen können, viel weniger der quatrirte schwatzende Aristoteles Peripatheticus, wie solches Corrosiv sich verbergen kan: denn kein Bergmann davon redet, auch kein Historiographus bis dato nicht oder gar nicht geschrieben: ist die Ursach, wie ich gesagt, 1.) die Vielheit des Wassers, 2.) die Erde, welche solch Corrosiv in sich nimmt und coagulirt, 3.) weil kein Corrosiv jemahls als ein Dampff kan gespüret werden, aber wohl als ein Wasser. Solches bezeuget gleich-gesetzte Probe. Rec. Oleum Vitrioli oder Oleum Sulphuris oder Spiritum vel Oleum Salis, Nitri etc. geuß dessen lb. j. in ein Schaff oder Eimer Wasser, rühre es wohl unter einander, davon kan man einem Menschen ohne Schaden zu trincken geben, und siehet aus solchem, daß das Corrosiv nicht gemercket wird. Also ist es in der Erden. Wiederum schütte in solch Wasser lb. j. oder ij. Kreiden, laß wohl mit erkochen, denn so geuß das Wasser ab von der Kreiden, und versuch die Kreide, so wirst du befinden, daß sie saltzig ist worden. Solch Saltz kommt her vom Corrosiv, welches die Kreide in sich gezogen und figirt hat. Zum Theil aber ists im Wasser geblieben, solches evaporire und crystallisire, so findest du einen Vitriol, welcher sich von der solvirten Kreiden gemacht und figirt hat. Also ist es in der Erden.

4.) Wann das Corrosiv mit Wasser umgeben und Dampff-weise aufgetrieben wird, kan solches nicht gespüret werden, ausser dem eintzigen Schwefel, welches ein lauteres concentrirtes Corrosiv ist. Rec. Aqua fortis oder Aqua Regis, Spir. Vitrioli oder dessen Oehl etc. thue es in ein Schälgen, setze es übers Feuer, laß es in einem Zimmer evaporiren, so wird es einen gewaltigen Dampff und Nebel machen, also daß ein Quintlein ein gantzes Zimmer wird mit lauter Dampff und Nebel anfüllen, solcher Dampff kan von allen Menschen eingezogen werden, ohne Vermerckung der geringsten Schärffe. Giebt man einem aber nur gut. i. oder ij. in liquido auf die Zunge, so wird man sehen, wie jener hüpffen werde, ob ihn nicht das Feuer wird durchdringen? Je höher nun ein solch Corrosiv Dampff-weise in die Lufft aufgetrieben wird, je mehr wird es mit der Lufft misciret, und durch deren Sal volatile dulcificirt und chaotisirt. Aus diesem sehe der Liebhaber abermal und soll wohl mercken, daß durch die Circulation nicht allein die Lufft, sondern auch alle und jede resolvirte Dinge in primam Materiam oder chaotisches Wasser zurück gehen, denn die animalische Exhalationes nicht allein, als auch die vegetabilische und mineralische, sondern auch so solche per quemcunque Modum in Wasser oder Dampff resolviret, als die Animalia durchs Feuer, Wasser und Erde, die Vegetabilia durch Feuer, Wasser und Erde.

Denn wie viel Animalia und Vegetabilia werden täglich durch das Wasser resolvirt, theils durch Kochen zu menschlicher Speise, als zu welcher Zeit auch Dämpffe von ihnen ausgehen, theils werden durchs Feuer verzehret und zum Kochen angewendet, da der grosse Rauch Wolcken-weise durch den Camin ausfährt, in welchem Feuer die Köche nicht wenig animalische Beiner verbrennen etc. und durch das Rauch-Loch jagen. Wie ihnen denn auch die Butter und Schmaltz nicht zu gut ist, wenn das Feuer nicht brennen will. Aus Gesagtem nun siehet man klar, daß die Natur ohne Corrosiv kein Metall machen kan. Denn so die Natur mit einem rohen und corporalischen Saltz-Wasser und Salpeter-Wasser Metallen machte: welches zwar könte angehen, dieweil alle leicht solvirte Erden durch Saltz-Wasser alterirt werden: aber da sie die Natur zuvor 100. Jahr arbeiten sollen, würde es hier gewiß 1000. Jahr zu thun haben. Denn wenn das Saltz geistlich und resolvirt ist, so greifft es 20mahl mehr an, als wenn es nur so schlechter Dings in Wasser resolvirt ist.

Man nehme nur ein Corrosiv oder spiritual gemachtes Saltz und resolvire damit in einer Sand-Capelle in einem Kölblein digerendo eine Erde. Denn so man das corporalische hat, aus dem das vorgesetzte Corrosiv gemacht worden, thue es in ein Wasser, ut solvatur, giesse es auch über dergleichen Quantität Erden ab, setze zugleich ein zu solviren, inspice, vide Differentiam. Wenn es nun beyderseits solviret worden, so wird man mit dem Corrosiv einen bitterlichen stopffenden Vitriol bekommen: Mit dem corporalischen Saltz aber, minime hujus Qualitatis. Quid? solvire ein Metall so wohl mit trockenen oder nassen corporalischen Saltz in einen solchen recht mineralischen Vitriol entweder in Fluß oder durch Wasser in liquido, es wird einen grossen Unterscheid praestiren, das Corrosiv wird in puncto anfangen solches anzugreiffen und zu einem Vitriol machen, da das Saltz sich lange genug besinnen wird, und wird nimmermehr einen solchen Vitriol an Tugend, Krafft und Geschmack geben, als das Corrosiv. Wenn aber einer noch dubitirte und sagte, es sey nicht wahr, daß die Natur per corrosivum die Mineralia machte: So sage ich ihm: 1.) er solle es unterdessen so lange nicht glauben, bis er durch viel Fehler und Irrgehen sich dahin zwingen läßt.

2.) Weise ich ihn zu dem flüchtigern und viel schwächern Geschlecht deren Animalien, als in welchen eine genügsame Schärffe zu finden, dem mineralischen Reich dadurch zu atcelliren, als a minori ad majus. Wenn der Mensch im Magen keine Schärffe hätte, welche die Speisen angriffe, wie solte er eine solche höchst-verwunderliche, geschwinde, schnelle Putrefaction anstellen? Giebt man einem Menschen ein leicht solvirtes Metall, als da sind Kupffer und Antimonium, ein, ob das Menstruum solche im Magen nicht gleich anfällt, solches zu solviren? Weil es ihm aber heterogen, macht es eine Convulsion, und wirffts per Vomitum wieder von sich. Hieraus siehet jeder klar, daß zu jeder Solution eine Schärffe vonnöthen. Ist die Schärffe im Menschen groß, so ist sie in Vegetabilien noch grösser, und am grössesten bey den Mineralien, als welche die stärckeste Digestion haben müssen, denn sie müssen die rohe fixe Erde kochen. Dahingegen die Vegetabilia eine subtile und schon lang und täglich zuvor putrificirte Erde zu ihrem Esse nöthig haben; die Menschen aber und Animalia die allerweichsten und safftigsten Vegetabilia mit ihrem Magen und Acido zu verdauen und zu verkochen haben. Solche Schärffe aber intitulirt man Acidum corrosivum solvens, Menstruum corrosivum a corrodendo, weil es das Subject angreifft, zermalmet, zerreibet, zerlöset und subtil und klein machet.

Heissen doch die Chymici den schärffsten rectificirten Sp. vini und Urinae ein Corrosiv, der doch in seiner Dilatation eine treffliche Lebens-Ampel-Artzney und Erquickung aller natürlichen Kräffte ist. Also siehet man ja, daß obschon die animalischen und vegetabilischen Geister von jederman genossen werden dilutim vel dilatim, sind sie doch in ihrer Concentration und Rectification von dem Humido superfluo äusserst scharff, da mans in der kleinesten Dosi muß einnehmen. Ist nun in uns und andern Animalien und Vegetabilien eine so grosse Schärffe, wer soll denn zweiffeln von den Mineralien, welche nothwendig müssen 3mal mehr Schärffe, die rohe Erde zu solviren, haben? Ich habe gesagt, daß das Acidum oder mineral-Menstruum corrosivum, das ist, die unterirdische saure und saltzige Dämpffe die Erde solviren und sich dadurch mit samt der Erden zu einer schmierigen Gur machen, welche Gur nun vitriolisch oder alaunisch acidisch ist. Je mehr nun diese Gur durch das allezeit nachsteigende Acidum corrosivum oder chymical-saltzige Dämpffe, oder dampffiges volatilisiertes Sal, denn das simple Wasser oder Phlegma kan dahin nicht kommen, das ist, solche Erde solviren und zu einem Metall machen, ohne das geistliche Saltz, resolviret, digeriret, fermentiret, coagulirt und figiret wird, je mehr und mehr wird es sulphurisch und arsenicalisch.

Denn so sich das Acidum in die Gur und die Gur in das Acidum verhauffet und je mehr es Acidum bekommt, je schweffelhafftiger und flüßiger es wird. Dieser Sulphur wird immer mehr und mehr digerirt und figirt a Gradu ad Gradum und wird zum Arsenic, dieser zum Marcasit, der da ist proxima Materia Metalli, gleichwie der Sulphur und flüchtige Arsenic proximae Materiae ad Marcasitam, die Gur aber oder Esse Vitriolinum proxima Materia ad Sulphur & Arsenicum seynd. Denn so der Vitriol oder Gur mit dem Acido überhäuffet wird und exsicciret, so wird ein Sulphur draus, wie zu sehen, wenn man über dem gemeinen Vitriol per Alembicum öffters ein Aquafort oder Aqua Regis abdistilliret per tertium Gradum im Sande, also daß er jederzeit immer trockener werde, solchen dann auf eine Glut geworffen, wird man den Sulphur in continenti schmecken. Wenn nun der Sulphur und Arsenic entweder zugleich oder allein, der Sulphur wird doch eher geboren per Coacervationem Acidi Vitriolini oder aber per Coacervationem Acidi salini Salis, in Marcasit gebracht ist, so wird der Marcasit durch Länge der Digestion und Maturation oder Evaporation, Coagulation und Fixation in Metall, nach Stärcke der Digestion und zufallenden Eigenschafften. Dieses ist nun der Anfang und das Ende der mineralischen metallischen Geburt in Theoria gegeben.

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