Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.
Das fixere Theil aber gehet zum Theil in Schlacken, in welchen die Stein-Mutter vermischt ist, welche verursacht, daß ein guter Theil vom Regulo mit zu Schlacken und Glaß wird. Der Regulus aber, so sich unter die Schlacke setzet, ist zum Theil marcasitisch, zum Theil metallisch. Den Marcasit treibet man in der Feinmachung vom Metall hinweg, so bleibet das Metall liegen. Daß aber viel Autores das Antimonium haben Radicem oder Materiam primam metalli genannt, haben sie zum Theil nicht gar unrecht gemeynet, zuförderst, so sie unter dem Antimonio die Marcasiten oder marcasitische Art verstanden haben. Sonsten aber ist Antimonium ein Marcasit, welcher ex defectu majoris Maturationis ist stecken geblieben. Auf solche Manier kan ein Philosophus Chymicus eher zum Zweck kommen. Denn es gehet immer das Flüchtige im Feuer voran, und das fixere Theil folget immer nach. Oben haben wir nun gesagt, daß die Metalle aus Dampff, aus einem salinischen geistlichen Dampff oder spiritualischen Sal geboren werden, und haben addiret, daß solches ein Corrosiv sey. Nun will ich voran setzen, wie ich oben gethan, und den Leser noch ein wenig erinnern, daß alles und jedes aus Saltz geboren ist, und wird alles und jedes in ultima Resolutione wieder in Nitrum & Sal reduciret.
Weil nun dieses bekant, so sprech ich, daß in Centro terrae auch diese Salia vermischt gefunden werden, welche per ignem centralem fermentirt und zu einem flüchtigen Dampff aufgetrieben werden, welchen Dampff, weil er aus Salpeter und Saltz bestehet, ich schier das Aqua Regis Macrocosmi heissen solte, das königliche mineral-ursprüngliche Wasser. Ich will aber die Tauffe einem jeden Chymisten anheim stellen, er nenne es, wie er will. Denn etliche heissen es den mercurialischen und sulphurischen Dampff, das Nitrum ist Mercurius, das Sal ist Schwefel. Hier aber ist ein Knoten, nemlich daß ich gesagt habe, die Natur fermentiret und macht Salia resoluta corrosiva. Dieses ist ein Punct, wider welchen alle Welt schreyt. Denn die Chymici wollen insgemein von keinem Corrosiv wissen, sondern sie wollen alles dulce und suave haben, und sind doch sehr wenig, die diesen Schatz Dulcificationis & Modum dulcificandi besitzen. Dieses ist es, was alle Welt refutirt. Wie werde ich es aber wider alle Resistenz erweisen, da doch die gantze Welt dawider ist, und man immer kein Corrosiv in und auf der Erden natürlicher Weise nach ihrer und der gemeinen Laboranten Vernunfft findet?
Resp. Ich habe oben probiret, daß die saltzige Wasser Dampff-weise wieder ex Centro terrae ad Viscera montium aufsteigen und sich anhängen und an der Erde todt fressen, coaguliren und figiren, dadurch sie mit samt der Erden zu einer schmierigen, schmutzigen Gur werden, das Acidum solviret die Erde und die Erde coagulirt das Acidum. Wenn nun ein Artist nur gestehet, daß saltzige Dämpffe aufsteigen, so muß er ja bekennen, daß solches Sal ein Sal resolutum ist. Ein solches Sal resolutum heissen alle Chymici einen Spir. Salis sive Nitri. Ist es nun ein Sp. Salis & Nitri, wie es denn ist, so sagen und bekennen sie ja selbst, daß der Spir. Salis & Nitri ein Corrosiv sey, besonders wenn diese Spiritus von allem Phlegma und Terra separirt und rectificirt sind, und je mehr solche Spiritus von solcher Wäßrigkeit geschieden sind, je corrosivischer sie sind: je mehr Wäßrigkeit dabey ist, je weniger das Corrosiv gemercket wird. Denn gieße einer ein lb. Spir. Salis & Nitri in einen Eimer Wasser, und sehe dann, wie viel Corrosiv er spüren wird. Nimmt man doch etliche Tropffen von Spir. Salis & Nitri in einem Löffel voll Wasser oder andern Vehiculo ein in Leib, welches schon sein Corrosiv mildert, warum solte denn die überhäuffte Quantität des Wassers in der Erde die Schärffe solcher Corrosiven nicht dämpffen noch verbergen, daß mans nicht mercket?
Entgegen aber concentrire man den Eimer Wasser, darinne das Corrosiv ist, evaporando aquam, so wird man das Corrosiv immer mehr und mehr schärffer spüren und empfinden. Macht also die Quantität des Wassers das Corrosiv unempfindlich: Welches die Herrn ungläubigen Thomas-Brüder fein blendet, und von dem wahren Grund und Haupt-Fundament ableitet, daß sie nimmer hinter die wahren Principia Naturae kommen. Derowegen so bald solche corrosivische Dämpffe zur Erde oder Stein kommen, hängen sie sich an selbe an, und greiffen solvendo die Erden an, und machen sich hierdurch corporalisch zu einem vitriolischen oder alaunischen Saltz, welches beweißlich per Mechanismum. Man nehme ein Corrosiv, was man für eins wolle, Spir. Nitri, Salis aut Aqua Regis, wirff eine Erde hinein, welche das Corrosiv ergreiffen kan, so wird sich die Schärffe in die Erde begeben und anhängen. Die Erde wird solviret, das Corrosiv wird coagulirt. Solches wird man gewahr, so die Feuchtigkeit ad tertiam Partem evaporirt wird, und das übrige in einen Keller gesetzt, so wird es sich zu einem vitriolischen Saltz oder Crystall schiessen nach Art und Gestalt der Erde. Aus welchem Vitriol man siehet, daß das Corrosiv sich an der Erde todt gefressen, indem es selbe solviret hat.
Es wird auch der Künstler sehen, wenn das Corrosiv aufs beste dephlegmirt, daß es dennoch noch eine überflüßige Wäßrigkeit bey sich hat. Denn wenn das Corrosiv die Erde solviret hat, so distillire die Feuchte per Alembicum in den Recipienten ab, so wirst du ein süsses abgeschmacktes Wasser empfangen: oder so der Erde zu wenig gewesen, und das Corrosiv noch mehr hätte können solviren, so wird zwar ein Corrosiv mit übergehen, aber so geschwächt gegen dem ersten, daß es fast ein pur lauteres Wasser ist. Daß solcher Vitriol und Gur durch das Universal-Corrosiv gemacht wird des Nitri und Salis, und nicht durch die corporalische Saltze, sondern geistlich und aufgelöst, zeiget der Vitriol selbst an. Denn tractire mir ein Künstler eine Erde mit einem Saltz, das nicht Spiritus ist, sondern ein Corpus, wie er will, er macht mir in Ewigkeit keine solche Vitriolinität hieraus; aber wohl durch jedwedes Acidum vel Sal resolutum, vel Spiritum salinum Nitri, Salis, Vitrioli, Sulphuris, Aluminis, ja durch einen jedweden scharffen rectificirten vegetabilischen Eßig. Daß solches wahr ist, und daß die mineralische Gur aus Corrosiven ist gemacht, muß seine Reduction in primum beweisen. Denn distillire man solche Gur oder daraus gelaugten Vitriol, ob er nicht ein corrosivisch Wasser geben wird. Denn aus wem etwas entspringet, in dasselbe muß es wieder resolvirt und reducirt werden. Ex quo aliquid fit, in illud rursus resolvitur, und werden die Mineralia aus Corrosivis generirt, und werden auch wieder in Corrosiva reducirt.
Denn distillire einen Vitriol-Kieß, Schwefel-Kieß, Alaun-Ertz oder anderes Ertz, er wird allezeit einen corrosivischen Liquorem erhalten, es sey nun viel oder wenig. Es muß ein Artist die Metalle nicht also betrachten, wie sie uns schon geschmeltzt unter die Augen kommen, wenn er will deren Principien erkennen: Denn von solchen ist die meiste Primordial-Substantz hinweg geschieden durchs Feuer. Nehme er aber derer Mineras oder Ertze, wie sie aus den Bergen kommen und noch in kein Feuer kommen, so wird er schon lernen den Unterscheid. Nehme er nur solche Gur oder Vitriol-Kieß, Schwefel-Kieß, Arsenic-Ertz, Auripigment-Ertz, Alaun-Ertz, Antimonium-Ertz etc. etc. und distillire es igne fortissimo, er wird überall wenig oder viel corrosivisch Wasser finden. Je offener aber und näher ein Metall zurück stehet bey der Gur, je mehr giebt es solches Wasser, denn die Fixation treibet fast alles Humidum superfluum von ihnen aus, daher sie Feuer-beständig und beynahe unverweslich werden. Je weniger ein Metall Humidum hat, je beständiger ist es. Denn das überflüßige Humidum recolaceum ist ein Instrument des Welt-Geistes, welches so lang es in und bey ihm ist, so wecket es den Geist allezeit wieder auf zu agiren, weil er in trockenen Sachen nicht also agiren kan, als in die Feuchte. Dahero die Animalia und Vegetabilia wegen ihres Humidi superflui recolacei stets in der Alteration und Unbeständigkeit sind. Denn sie kaum wachsen, so gehen sie in ihr Verderben: Also auch solche Mineralia, welche noch ein solches Humidum mit sich führen; jedoch sind sie weit dauerhaffter, als die Vegetabilia und Animalia, wie da sind Eisen, Kupffer, Bley, Antimonium, Wißmuth.
Daher die uralten Philosophi veranlasset worden, weil sie gesehen, daß die Animalia und Vegetabilia eines vor das andere so schnell verwesen und verkehren, haben sie solchen balsamischen Lebens- und Welt-Geist gesucht und gefunden in denen Mineralien, allwo er hauffen-weise concentriret ist, und ist alles und jedes Stein, Haut und Bein, was nur in jedem Minerali ist, ist coagulirt und fix, der Welt-Geist oder Lebens-Geist. Weilen sie aber gesehen, daß auch unter denen Mineralien etliche unbeständige und nicht dauerhafft sind, so haben sie solche erwählet, welche sie befunden die dauerhafftesten zu seyn, als da sind Gold und Silber und fast alle Edelsteine, solchen haben sie den Preiß gegeben, ihr kurtzes Leben fristen zu können. Und weilen die Edelstein in so kleiner Quantität bekommen werden, also sind sie zurück geblieben bey Gold und Silber, haben daraus ihre Medicamenta lange vivendi bereitet. Es soll aber jeder Künstler mercken, daß gleichwie die Mineralia das Humidum superfluum von sich ausjagen können natürlicher Weise, also ist dem Künstler auch vorbehalten, sie noch mehr durch die Kunst zu scheiden, nicht allein in Mineralibus, sondern auch in Animalibus und Vegetabilibus, imo Universalibus. Denn so der Künstler solche Subjecta anatomirt, separirt und rectificirt, so siehet er selbst, wie sich alles überflüßige Phlegma recolaceum selbst und leicht rectificando separirt, der Spiritus aber sich concentrirt und scharff wird, auch so potent und in die Enge zusammen kan getrieben werden, daß er ohne Schaden in den Leib nicht darff genommen werden, ausser in der geringsten Dosi, wie ich in der Anatomia & Corruptione rerum im andern Buch beschreiben werde.
Hat also hieraus der Leser ein Medium zu bereiten, sein Leben zu mediciniren, zu conserviren und praeserviren, auch prolongiren, nicht Ursach, wenn er nicht will, zu denen Mineren zu lauffen, auch nicht zu denen Vegetabilibus und Animalibus, sondern zu sich selbst. Sein eigener Urin und Dreck sind potent genug die herrlichste Medicin für sich und seinen Nächsten zu praepariren, und haben eben so guten Welt-Spiritum in sich, als das Gold und Silber und der Carfunckel selbst. Allein separire das übrige Humidum davon und die Principia setze zusammen, und so es noch feucht ist, so ziehe es in B. M. ab, so wirst du im Grunde einen Schatz finden deiner Gesundheit über alle Schätze. Daß in der Erde wider alle Einwürffe ein actual Corrosiv gefunden wird, siehet ja jederman, daß der Schwefel die imperfecten Metallen, zuförderst den Eisen und Kupffer durch eine Schärffe in primam Materiam zurück corrodiert, treibt und jaget. Sein Geruch in der Nasen ist und beisst er nicht so scharff als je ein Corrosiv? Stecket er nicht die Lunge mit Gewalt an, daß der Mensch mit langem Husten und Speichel oder Saliviren solchen kaum genug dulcificiren und heraustreiben kan? Ist er nicht ein weit subtiler Corrosiv in sicco als in liquido, wie der Unterscheid in dessen und des Vitriols als seines Oels zu sehen? Er hat ein subtiles durchdringendes Acidum, das der nicht glauben kan, welcher nicht eigentlich darauf Achtung giebt.