Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.
Weil nun solches Corrosiv scharff ist, wenn es eine Erde antrifft, es sey welche es wolle, so greifft es solche an, und solviret allezeit die leicht solvirlichste voran, immer und immer ein wenig, bis durch die ohne Unterlaß nachsteigende Dämpffe viel Erde corrodiert und solviret wird. Wenn nun das Corrosiv als ein flüchtiger saurer Saltz-Spiritus oder Spiritus salis die Erde angreifft, so frißt er sich todt, und wird an der Erden corporalisch oder vitriolisch oder alaunisch, nachdem die Erde ist; die Erde entgegen wird subtil, der Spiritus aber coagulirt. Was nun das Corrosiv von der Erden nicht gar hat solviren können, das hat es zum Theil subtil gemacht und praeparirt, schmutzig und schmierig. Schmutziges oder Schmieriges heissen die Chymisten eine metallische Gur, oder primam Materiam metallorum, aber unrecht, denn es ist prima proxima Materia Sulphuris & Arsenici. Wenn der Arsenic zu einem Marcasit wird, der ist alsdenn prima proxima Materia metallica. Denn aus der Marcasit werden immediate die Metallen, und nicht aus dieser Gur, welche nur Materia metallorum remota ist. Solche Gur oder nun Schmutziges wird durch die nachdringende corrosivische Dämpffe immer subtiler gemacht, je mehr und mehr aufgelöset, und je mehr es subtil wird, je mehr figirt es Corrosiv in sich, und dieses machet es sulphurisch und arsenicalisch. Dieser Arsenic wird immer mehr und mehr maturirt in einen Marcasit, dann erst zu Metall. So ist der Progressus metallorum, welches wir immer klärer geben wollen.
Denn wenn die Dämpffe in die Klunsen der Felsen hinein steigen, so werden sie durch die Verdickung und immer ohne Unterlaß grössere Nachfolgung zu Wasser, welches Wasser den Spiritum Salis & Nitri vermischet in sich hat: Welcher Spiritus allen Chymisten bekant, daß er corrosivisch ist, hier aber im Centro mit viel Phlegma und Wasser umgeben und dilatirt. Solche Spiritus hingegen durch die Schärffe hängen sich an die Steine und Erden an, und corrodiren und solviren solche, machen es subtil, aufgeschwollen, pappich, schmierig und schmutzig zu einer feuchten Gur, welche zwischen denen Steinen und Erden liegt, wie ein mit Feist unterspicktes Fleisch. Offt aber durch das Aufschwellen dringet es gar hinaus und hänget sich an den Wänden an, wie in allen Stollen und Berg-Gruben zu sehen ist. Wenn nun solche solvirte Erde durch nachsteigende Dämpffe und salinos Spiritus immer mehr solviret und subtilirt wird, je mehr schwillt es auch auf, daß es die übrige Feuchtigkeit durch solches Aufbäumen von sich auspresset und austreibet, welche Feuchte wieder ad Centrum rinnet, oder sonst in andere Winckel und Löcher der Erden. Diese aufgeschwollene Gur hat nun nimmer keine Ruhe, denn die continuirliche aufsteigende und nachfolgende Dämpffe greiffen sie immer mehr und mehr an und hängen sich daran, figiren und coaguliren sich an der Erden, und je mehr solche corrosivische Dämpffe folgen, je feuriger sulphurischer die Erde wird, je sulphurischer sie wird, je höher schwillt es, und je mehr es schwillt, je mehr treibet es die Feuchtigkeit von sich und wird je länger je trockener.
Je trockener es aber wird, je mehr es verlieret die Sulphurität und ihre Verbrennlichkeit und erlanget dadurch den Namen des Mercurii oder von Rechts wegen des Arsenici, welches aus dem sulphurischen Acido worden ist, und solcher brennet nicht mehr, jedoch ist er noch flüchtig. Solche Flüchtigkeit wird aber durch die Central-Hitze zwischen den Steinen immer mehr und mehr gebunden, figirt und coagulirt, daß es in einen Marcasit verwandelt wird. Ist nun die Digestion oder irdische Central-Hitze starck, so wird der Marcasit zu einem Metall figirt; so es aber schwach ist, so bleibet es stecken und ein Marcasit oder Arsenic-Schwaden oder Schwefel-Kieß oder Vitriol-Kieß. Nun soll ein Liebhaber wissen, daß wenn die Natur so weit schon kommen ist, daß sie einen Sulphur oder Arsenic gemacht, so hat es die Klunsen und Runsen schon ausgefüllet, und so viel Erde solviret und schwellen gemacht, daß die Klunsen gantz steck-voll sind, alsdenn läßt sie keine Dämpffe und Feuchtigkeit mehr in sich, sondern sie ist nicht mehr in der Solution. Denn jetzt fängt sich die Exsiccation, Fixation und Coagulation an, und procediret zu der Metallheit oder Beständigkeit. Und kommt mir solche Ausfüllung der irdischen Höhlen und Klunsen nicht anders vor, als wie Honig-Bienen, die da ihre Zellen immer mit wenig Honig ausfüllen, bis sie steck-voll sind. Denn machen sie es zu in reservo.
Also auch die Natur schicket einen Dampff nach dem andern, dadurch sie je mehr und mehr Erden solviret und schwellen macht, welche Erde voll des Acidi steckt, und immer mehr angefüllet wird, also daß das Acidum und die Erde so vermischet sind, daß man in Ansehung ihrer ersten Materie nicht eigentlich kennen kan, was sie zuvor gewesen. Denn es ist aus dem Acido und Erde ein Tertium worden, welches von dem ersten gantz und gar unterschieden ist. Es ist mit dieser Geburt eben wie mit der animalischen und vegetabilischen, nur allein daß diese fixere und härtere und steinigte Subjecta intendiret zu machen; aber sie arbeitet in eodem Ordine, wie jene. Denn sie machet eben aus feuchten und weichen Dämpffen erstlich weiche, bis sie es immer weiter bringet und härtet gar zu einem Stein, wie der subtile weichsäfftige junge Eichen-Sproß oder Baum immer härter und härter bis zu einem steinharten Holtz wird. Der Unterscheid aber derer mineralischen Creaturen ist dieser: 1. Nachdem sie viel oder wenig Corrosiv bekommen. Bekommen sie viel Corrosiv, so werden sie immer flüßiger, bekommen sie wenig, so werden und bleiben sie unflüßig, bekommen sie eine reine subtile Erde oder Stein, je subtiler sie solche bearbeiten können, je edler Metall machen sie. Und also entgegen: je gröbere Erde die corrodentes Spiritus bekommen, und je weniger sie solche bearbeiten, das ist, durch Solviren immer subtiler und edler machen, je gröbers Metall machen sie. Wiederum je schlechter die Digestion und Central-Hitze ist, je weniger werden sie ausgetrocknet, coagulirt und figirt, denn so bleiben sie stecken; daraus denn werden die Vitriol-Kiese, sulphurische, arsenicalische, antimonialische, wißmuthische und dergleichen Ertze. Entgegen aber ist die Digestion starck, machet es auch beständige und metallische Ertze.
Wiederum so die Digestion und Central-Hitze ungleich ist und ist im Anfang zu starck, so wird zwar die Erde solviret, aber nicht flüchtig, sondern gleich fix und coagulirt, und kommt immer weiter zu der Metallität, solches heissen die Chymisten fixa embryonata Sulphura, als da sind der Bolus, der Blutstein, der Schmirgel, der Magnet, Tutia, Galmey etc. Ist aber die Digestion vom Anfange schwach, daß es die Erde und ihre Höhlen bald ausfüllet, also daß die Dämpffe nicht mehr hinein können, so schlagen sie sich anderwärts hin, und das Angefangene bleibt stecken, und weil es keinen stärckern Gradum ignis centralis erlanget, so bleibets, wie es ist angefangen, flüchtig und offen, als der Vitriol-Kieß, Schwefel-Kieß etc. ut supra. Wenn aber die Natur einen gleichen Gradum hält per 4. tempora sive partes Anni, so macht sie durch Hülffe der gemäßigten Corrosiven edle Metalle, als Gold, Silber, Zinn und Kupffer. Ein Artist applicire selbst hieraus den veränderlichen Unterscheid unter dem einigen Menschen-Geschlecht, wie man sagt: Viel Köpffe, viel Sinne, daß ob wir schon alle Menschen sind, so sind wir nicht einander gleich, besonders in unsern Gemüthern. Es siehet ja ein jeder in diesem einigen Geschlecht das höchste Wunder GOttes, wie er so viel Millionen Menschen und deren Ideas erschaffen, deren unter Millionen und Millionen kaum zwey sind, die nur in einem, zwey oder drey Stücken einander gleich sind, geschweige an der völligen Leibs-Machine.
Wie nun die Natur unter diesem Geschlecht einen grossen Unterscheid macht, also macht sie es in dem Mineral-Geschlecht auch. Denn ein Vitriol, ein Sulphur, ein Arsenic, ein Marcasit und ein Metall ist dem andern nicht gleich. Sehe einer nur den Unterscheid an dem einigen Gold, wie es nicht in unterschiedenen Graden seiner Farbe gefunden wird, nachdem es von der Natur rein oder unrein disponirt ist. Also ist auch ein Silber vor dem andern feiner; als ein Kupffer, ein Eisen, ein Zinn, ein Bley auch Mercurius feiner vor dem andern. Also ists auch unter denen schlechtern Mineralien. Gleichwie nun die Erden und Steine die Mutter und Grundfeste oder das Geschirr deren Mineralien ist, in welchem die Fossilia gemacht werden: Also ist der Dampff oder Sp. Salis die Nahrung und Speise derselben. Der Vitriol oder vitriolische Gur ist die Wurtzel, der Sulphur oder Arsenic der Stengel, der Marcasit die Blume oder Blüte, das Metall der Samen und vollkommene Geburt und Ausgeburt. Daß nun zum ersten der Vitriol wird, ehe der Sulphur und Arsenic, ist zu beweisen aus der Gur, so man solche auslauget, filtrirt, coagulirt, so findet man ein vitriolisch Saltz nach Art der Erde, die es solviret hat: Denn ich heisse es Vitriol, nicht, daß es ein gemeiner grüner Vitriol sey, wie bey den Krämern gekaufft wird, sondern dieweil es einen vitriolischen oder alaunischen Geschmack hat.
Daß dann nach diesem der Sulphur oder Arsenic wird, denn bey denen weissen Metallen als Bley, Zinn und Silber selten oder wenig Sulphur ardens flavum gefunden wird, aber häuffiger weisser Arsenic und alaunisch Vitriol oder Alaun, solches siehet man in der Anatomia, daß das Acidum oder saure Dämpff per ignem getrieben am ersten kommt. Diesem folgen die Flores Sulphuris, diesem der Arsenic, dann Marcasita volatilis, der fixe fliesset zu einem Regulo und Schlacken. Daß der Marcasit aus dem Arsenic gemacht wird, ist aber aus der Anatomia zu sehen. Denn der Antimonium und Wißmuth in Flores gebracht sind gantz arsenicalisch und flüchtig, haben dessen völlige Natur und Qualität. Daß aber aus denen Marcasiten das Metall gemacht wird per longam Fixationem, siehet man, daß jeder Marcasit fast ein Gran metalli perfecti seu imperfecti in der Probe von sich giebt. Also siehet der Liebhaber hieraus, wie die Natur herrlich schön per Gradus medios gehet, und nicht ab uno Extremo ad alterum, sondern sie gehet von dem flüchtigen Dampff seiner Art nach immer zu fixerer und fixerer Natur: Denn solcher Dampff ist respectu des vegetabilischen und animalischen Dampffs fix. Es haben zwar viel Autores geschrieben, daß der Vitriol die Gur sey prima Materia metalli, es haben auch etliche zugelegt, Antimonium sey Radix & Mater metallorum; aber sie haben keine Distinction gemacht, daß also daraus Irrthum und Verwirrung entstanden, woraus sich der Liebhaber nicht zu rectificiren weiß.
Denn nicht ein jeder Chymist fähret in die Berg-Gruben hinein, und so er auch hinein führe, hat doch der 1000te den Verstand solcher Sachen nicht. Er siehet wohl die Berge, Wände, das Ertz und Steine an, daß es schwartz und weiß ist, und daß es dieses und jenes Metall sey; weiter kan er nicht penetriren, wie es denn auch durch blosses Anschauen unmöglich ist. So er aber eine Stuffe Ertz abbricht, dieselbe ins Feuer bringet, eins nach dem andern auftreibet, dann kan er solche Theile weiter examiniren, und urtheilen, was sie sind und was sie in sich begreiffen. Denn insgemein wenn ein Liquidum dabey, so ist es acidum, vitriolisch, sulphurisch; sind Flores dabey, so sind es gemeiniglich Sulphur und Arsenic. Den Sulphur kennet man an seinem Brennen und Gestanck. Von dem Arsenic gieb einem Hunde etwas ein, so er sich bricht, so ists arsenicalisch, darauf gieb ihm geschwind ein Stück Butter und Methridat mit einander abgerühret. Den Marcasit kennet er, so er nicht so hoch gestiegen, sondern ein flüchtiger Theil hat sich über das fixere erhaben, wie der Zinnober oder Mercurius über die Faeces, schmeltze solche zusammen, so bekommst du eine brüchige Massam regulinam. Solche ist der Marcasit.