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Das XXIII. Capitel. Was die Geburt der Mineralien sey, und aus was für Principiis sie bestehen.
Arbor Generationis Mineralium. 1. Spiritus Nitri & Salis cum resolvenda terra, inde 2. Vitriolum inde Gur, inde 3. Sulphur, inde 4. ○=○, inde 5. Marcasita alba & rubea, Antimonium, Bismuthum, inde 6. Metallum, inde improprium in ultima 7. fit Vitrum.

Tree of mineral generation. Original printed page 161; its seven stages are translated in the preceding passage.
Source: Aurea Catena Homeri (1723), Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich; digitised by e-rara. Public-domain original. https://doi.org/10.3931/e-rara-3819
Daß ich die gewöhnlichen Principia nicht tractiren werde, darff sich keiner verwundern, sie sind aber auch hier zu verstehen Mercurius, Sulphur und Sal; das Volatile, Acidum und Alcali; Anima, Corpus, Spiritus; Himmel, Lufft, Wasser und Erde. Deren Mineralien Geburt zu beschreiben, weiß ich schon, daß mancher in seinem Limite grosse Brocken wird einwerffen. Allein cognita Natura & ejus Origine, Progressu & Fine, wird er doch etwas in sich gehen und die Sache etwas mehrers bedencken. Denn der Leser glaube und rationire sicherlich, daß ich juxta ipsissimam Naturam & Ordinem gehe, und keinen Fußtritt weiche. Es haben viel Autores ihre Descriptiones mineralogicas der Welt zum Guten heraus gegeben, einige klar, einige dunckel, nachdem ihr Concept war, und sie es der Welt zu verstehen geben könten, deren ich keinen verachte, sondern sie werth habe, auch aus ihnen viel Gutes empfangen, und manches Licht erhalten, da ich sonsten stecken blieben wäre. Denn das Bücher-Schreiben ist nicht darum angestellet, daß man solle diesen oder jenen Autorem durch die Hechel ziehen, oder gar verwerffen. Nein, sondern alle und jede, so viel deren Bücher geschrieben, habens doch der Welt zum besten gemeynet, und doch nicht darum, daß man nothwendig müsse bey dieses oder jenes Autoris Sentiment und Opinion verbleiben; sondern so man gelehrter Leute unterschiedliche Judicia zusammenträgt, daraus erlernet man und erkennet manchesmal den Zweck und Punct, daran mancher lange Jahr zweiffelt.
Man nimmt ja viele Rathsherrn in den Rath: Denn was einem nicht beyfällt, fällt doch dem andern bey. Also auch viel Autores zusammen erklären einer vor dem andern die Natur je besser als ein ander: Denn wenn einer seine Sache gut gemacht hat, hat er doch nicht alles gewust, noch alle und jede Circumstantias beschreiben können, noch auf alles gedencken, weil jeder Minute andere Gedancken einfallen. Darum was dieser oder jener ausgelassen, das beschreibet ein anderer und erkläret jenen, oder jener diesen, aus welchen dann sich der Leser auch corrigiret, und Scopum prius neglectum kennet. Also mache es der Leser mit dieser meiner Schrifft auch. Gefällt ihm ein Punct nicht, so lasse er ihm den andern gefallen, es wird eins drinnen seyn, dessen das Pappier werth ist. Habe ich keine gute Theoriam, so habe ich doch eine gute Praxin oder andere gute Handgriffe, die manchen gar wohl taugen werden.
Ehe ich aber weiter komme, muß ich vorher setzen, daß viel Philosophi den Ursprung der Metalle mit folgenden Worten beschreiben: Ascendunt ex centro terrae vapores, qui ad frigidas fibras montium ascendentes ibidem in aquam resolvuntur & adhaerescunt, qui resolvendo terram mutantur in materiam luteolam salinam seu aluminosam & salinam, inde in Sulphur & Metalla decoquuntur secundum terrae subtilis varietatem, i. e. sie sagen: Es steigen Dämpffe von dem Centro der Erden in das Eingeweide der Ritzen und Klunsen der Felsen, schlagen sich alldorten an, und werden zu Wasser. Solch Wasser macht die Erde subtil durch Solviren, also daß aus ihnen eine salinische oder alaunische Mixtur wird, von dannen werden sie metallisch; nachdem sie eine subtile oder grobe Erde beygemischet haben, nachdem machen sie die Gestalt der Metalle. Sie schreiben wohl und recht, daß Dämpffe aufsteigen; sie expliciren aber nicht, was dieses für Dämpffe sind, aus was für einem Ursprung und was Qualität und Eigenschafft. Aus diesen und dergleichen Beschreibungen kan sich ein Schüler noch wenig helffen. Denn es steigen auch zu uns in die Lufft Dämpffe, aber wie weit sie von denen, die in der Erden seyn und bleiben, unterschieden sind, kennen allein diejenigen, welche in des grossen Demogorgonis Ventriculum eigentlich Erfahrung gethan haben.
Derowegen, so du, geneigter Leser, begierig bist einige Nachricht davon zu haben, so mercke, betrachte und practicire Nachfolgendes, wie ich oben erwähnet: Daß das Universal-Sperma omnium rerum im Anfange Wasser und Geist waren, solches erscheinet nicht allein in diesem, sondern auch in dem regenerirten Chaos, da wir angezeiget haben, wie solcher Geist aus der Unsichtbarkeit und Unbegreifflichkeit trete: Gleichwie alles aus Nichts entsprossen, dieses Nichts oder Dampff aber zu Wasser ward, darinnen der Geist verborgen lag, aus dem nachgehends alle Animalia, Vegetabilia und Mineralia gewachsen, die vordere zwey aus einem flüchtigen Samen, das letzte aber aus einem fixern. In dem chaotischen primordial- so wohl als regenerirten Wasser, wie auch in allen Wassern und Erden findet man in ihrem Centro oder Innersten zwey unterschiedene Salia, als sichtbar gemachten Welt-Geist oder Sperma corporeum Macrocosmi, Masculinum & Foemininum, Nitrum & Sal, welche wir bestättiget haben aller Sublunarium Materiam primam universalem, nondum tamen specificatam seu individuatam, welche beyde mit dem regenerirten Chaos alles in allen sind, wie probiret ist, daß sie in allen und jeden Subjectis zu finden, flüchtig und fix nach Unterscheid der Digestion, welches auch diese nachgehende Probe versichert, daß sie alles in allen seyn.
Ein Ding, das alles in allen ist, und soll seyn, das muß aller Dinge Natur und Eigenschafft in sich haben, es muß sich auch mit allen Dingen ohne Unterscheid vereinigen, vergesellschafften, copuliren und conjungiren. Diese beyde Saltze Nitrum und Sal sind in Ansehung und juxta communem Sententiam Chymicorum mineralisch, aber unrecht. Denn dieses probirets nicht, daß solche in und unter der Erden, aus den Bergen gegraben werden, daß sie deßwegen mineralisch seyn. Denn sie werden auch im Meer, See und andern Wassern auf der Erden, im Reich der Vegetabilien, wie oben probiret, gefunden; so müste dann auch folgen, so sie aus Animalien oder aus ihnen gezogen werden, sie animalisch; oder so sie im vegetabilischen Reich gefunden werden, ergo sie vegetabilisch wären. Nein, sondern, wie die Probe und der Effect weiset, daß sie in allen drey Reichen so wohl als in allen Universal-Subjectis gefunden werden. Wiederum so findet man in dem gantzen mineralischen Reich kein Saltz oder Subject, das dem animalischen Reich oder auch dem vegetabilischen homogen wäre ausser ihrer Transmutation, als diese beyde, welches keine evidente Alteration in denen Animalibus oder Menschen, oder auch in denen Vegetabilibus machte, als wie der Salpeter und Saltz: Denn Salpeter und Saltz kan der Mensch und alle Animalia, Salpeter und Saltz können die Vegetabilien geniessen, Salpeter und Saltz können die Mineralia geniessen ohne Schaden, jedoch ratione Gradus, Ponderis & Mensurae, quoniam omne nimium vertitur in vitium.
Und diese Salia, Nitrum und Sal, sind maxime generativa & conservativa, so sie aber in Contrarium gehen, destructiva omnium rerum. Man sehe diesen entgegen den Vitriol und Alaun, welche beyde unter die proprie mineralische Salien gezehlet werden, solche kan der Mensch ohne Unwillen und ohne grosse Alteration nicht geniessen, wie jene, als auch die mercurialische, arsenicalische Subjecta nicht, also auch die Vegetabilia nicht, denn sie verderben davon. Denn giebt man einem Menschen oder Vieh, Hund oder Katzen nur 1. oder 2. Scrupel Vitriol ein, ob er sich nicht mit grossem Widerwillen brechen oder alteriren wird. Also giesse man eine solche Lauge von Vitriol und Alaun zu einem Baum oder Kraut, ob es nicht verderben wird. Derowegen aus diesem abermal erhellet, daß vorgemeldete Salpeter und Saltz allen unterirdischen Creaturen homogen sind, und was homogen ist, das ist ja ihrer Natur, und was ihrer Natur ist, davon bestehen sie, wachsen und werden erhalten von selbem, und von wem sie wachsen und erhalten werden, davon sind sie ja entsprossen. Aus dem sie nun primario entsprossen sind, das ist ja ihre prima Materia, und die prima Materia ist ein Anfang und Ursprung jedes Dinges, in welches sich jede Creatur per Resolutiones wieder darein solviren muß, daß also aus dem ersten das letzte, und aus dem letzten wieder das erste werde, wiewohl aber beyde Salia Salpeter und Saltz anders und anders disponiret werden zu der Animalität, wie auch zu der Vegetabilität, also auch anders zu der Mineralität. Denn so sie einerley Disposition hätten, so würden sie einerley seyn.
Die Disposition deren Animalien und Vegetabilien ist in ihren eigenen Capiteln angedeutet worden. Hier aber wollen wir die Disposition deren Mineralien auch bemahlen. Nemlich die Mineralia sind nichts anders oder aus nichts anders gewachsen und entsprossen als aus einem sauren acidischen oder corrosivischen Dampff oder deutlicher, aus einem starcken fermentirten und versauerten Nitro und Sale, samt einer durch selbe subtil resolvirten Erde. Je subtiler die Erde durch solche Acida gemacht wird, und je irdischer und fixer die Salia werden, das ist solche Acida durch die Erde, je reiners Metall bringen sie heraus. Es ist allen Natur-Kündigern bekant, daß nicht allein alle Animalia, Vegetabilia und Mineralia in ihrem Inwendigen gesaltzen sind, und nach jedes Generis & Speciei Art die Salia fixer und flüchtiger sind; also ist auch bekant, daß die Lufft nitrosisch und saltzig ist; es ist bekant, daß das Meer und alle Wasser gesaltzen sind; es ist bekant, daß die Erde in und auswendig gesaltzen. His certificatis, so wird ein Natur-Kündiger mir zulassen, daß so die Partes Microcosmi in Circumferentia gesaltzen sind, wenig oder viel, daß das Centrum Macrocosmi noch saltziger ist, weilen aus des Centri Vaporibus, wie erwiesen, die Salia auch zum Theil, und meistens die fixe, häuffig geboren und gezeuget werden.
Nun wird einer auch bekennen, daß das Centrum terrae nicht wird seyn ein crystallen-klarer Brunnen, da nichts als lauter Liquor vitae innen intusiret, denn man siehet ja die Chasmata terrarum so wohl als aquarum, dadurch allerhand Unrath ad Centrum fliesset, gleich in des Menschen Magen und anderer Thiere, also auch zu deren Vegetabilien Wurtzel alle reine und unreine, süsse und saure Speisen hinein kommen, welche chaotische Vermischung oder verwirrte Sentina mit Hülffe deren Salien eine Fermentation erregen wird, und je stärcker das Centrum fermentirt, je stärcker dämpfft und vaporirt es. Solche Dämpffe werden durch das Inwendige der Erde vom Centro ad Circumferentiam getragen, allwo sich die dickesten und stärckesten oder fixesten in der Erden an denen Wänden der Felsen, Erden und Steinen anschlagen und zu Wasser werden; was aber flüchtiger ist, das steigt ad Superficiem Terrae zu denen Wurtzeln der Vegetabilien, und was noch flüchtiger ist, das bricht in die Lufft aus und kommt zu denen Animalien, und was das allerflüchtigste ist, das steiget hoch in die Lufft, macht Nebel und Wolcken, und diese machen Regen, Thau etc. etc. Solche Dämpffe nun sind gesaltzen, denn das Centrum ist gesaltzen, und durch seine Fermentation und Erhitzung steigen die Salia resolvirt mit dem Wasser unter der Gestalt des Dampffs über sich auf. Je näher solche Dämpffe dem Centro sind, je schärffer und corrosivischer sie sind; je weiter sie davon kommen, je temperirter und milder sie werden. Denn sie legen das meiste und fixere Corrosiv im Durchstreichen der Erden und Felsen ab.