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I.22 · The Generation of Plants

Und so du anders noch nicht genug hast, so lauffe zurück ad Universalitatem, allwo alle animalische, vegetabilische und mineralische Kräfften concentriret sind, und welche Subjecta sich zu allen und jeden Creaturen homogeniter gesellen, als da ist der Regen, Thau und Schnee, solche haben ihr Volatile, Acidum und Alcali, mit solchen kanst du alle Mängel erstatten. Denn putrificire den Regen, distillire durch einen Brenn-Kessel alle Feuchtigkeit ab, solche rectificire vom Phlegma in M. B. durch einen hohen Kolben, uti mos, aus dem residirenden Theil ziehe also alles Phlegma herüber, bis auf eine Honig-Dicke, aus solcher Dicke distillire einen Eßig und aus dem Capite mortuo ziehe noch ein Saltz oder Alcali. Wie es nun in Animalibus ist, so ist es auch in Vegetabilibus. In diesem Reich, wenn man weiter nimmer kan, so nimmt man den Wein und seine Partes, als in welchem alle vegetabilische Kräffte concentriret sind. Denn ad ultimum zu denen Universalien, wie oben. Also ists auch in Mineralibus. Als im Alumine sind alle weisse Mineralia; in dem Vitriol alle rothe Minerae und Astra concentrirt. So diese aber nicht genug und Bestand, so lauffe zu denen Universalibus fixioribus, als da ist der Sp. Nitri & Salis, das Volatile hole aus dem Regen-Wasser, der Sp. Nitri giebt dir das Acidum und Spir. Salis das Alcalinum. Also hast du hier ein weites Feld dich zu üben in Chymicis.

Gleichwie nun aber jedes Reich seine Eigenschafft hat und seine besondere Qualität, also daß sie unter einander unterschieden werden, und durch solche Eigenschafft unter einander Extrema und Media scheiden, dadurch sie ihre Contrarität zu einer Homogenität machen müssen lassen. Als die Animalia und Mineralia sind beyde Extrema, das vegetabilische Reich ist entzwischen. Soll nun das mineralische und animalische homogen werden, so kan solches nicht geschehen mit Lieblichkeit als durch sein Medium, nemlich das Vegetabile. Hinwieder kan das animalische Reich dem mineralischen auch nicht homogen werden ohne das vegetabilische. Nun soll ein Chymist, so er anders seine Arbeit zu Nutz bringen will, mit Verstand darinn gehen, und nicht die Animalia mit den Mineralibus vermischen, sondern zuvor mit denen Mitteln als Vegetabilibus. Er soll auch das Volatile animale nicht mit dem Alcali vegetabili vermischen, sondern gleich zu seines gleichen setzen, das Volatile animale und Volatile vegetabile zusammen, also das Acidum animale mit dem Acido vegetabili conjungiren. Ist dieses vereiniget, so soll er aber Ration gebrauchen und nicht diese conjuncta Volatilia gleich auf das Alcali, sondern Acidum, und hernach erst aufs Alcali bringen, so wird er eine rechte Ausbeute bekommen, sonst nimmt er allenthalben Schaden. Aus diesem siehet aber der Artist, wie eins ins andere gehet, in der schönsten Ordnung, und nicht confus, wie mancher ohne Consideration in die Kunst fället, sondern habitis rationibus & mediis.

Als zum Exempel ich will Gold solviren, und wills vom höchsten bis zum niedrigsten tentiren zu solviren, welches ich glaube, daß das Gold ohne Corrosiv auch mit Wasser allein zu solviren ist, wenn sie es zuvor mit allerhand mercurialischen Zusatz zermartern und in eine saltzige Natur bringen, da lässet es sich mit gleich Brunnen-Wasser ohne einigen Zusatz solviren. Solche verstehen nicht, was das Gold ist, noch weniger dessen Ursprung; also verstehen sie auch nicht, was ein Corrosiv ist, und warum die Mineralia insgemein mit Corrosivis tractiret werden. Nun will ich das Gold solviren. Ich zerblättere solches auf das allersubtileste, giesse darauf aus dem animalischen Reich Sp. urinae als Volatile. Ich setze, daß ers nicht angreiffet, so setze ich Spiritum vini zu; noch greiffts es nicht an, ich giesse das Acidum animale drauf; ist aber zu schwach, ich giesse Acidum vegetabile hinzu; greifft noch nicht an: So siehet ja ein Artist, daß diese Sachen nicht homogen sind, sondern Extrema. Denn es gehet ein Medium ab, welches von und aus der Natur des Goldes gewachsen. So gehe ich dann in das mineralische Reich als sein Proprium, ich nehme den Spir. oder Oleum Vitrioli, gieße es drauf, kochs wohl zusammen; es greifft es auch nicht an, sondern ziehet nur die Farbe heraus, und läßt das Gold weiß liegen. Nun möchte mancher dencken, was ist denn die Ursache dessen; er hat ja alle animalische, vegetabilische und mineralische Menstrua appliciret, und effectuiret doch nichts? Die Ursach dessen ist, der Spir. oder Oleum Vitrioli ist ein Extremum gegen das Gold, denn der Spiritus Vitrioli vel Sulphuris ist im mineralischen Reich das Flüchtigste, das Gold aber das Fixeste.

Nun siehet ein Artist den Spruch, daß er wahr sey: Extremum non posse conjungi cum extremo sine medio. Nun wird mancher sagen, der die Berg-Gruben nicht gar durchfahren: Was hat denn das Gold zwischen dem Oleo Vitrioli für ein Medium? ist doch der Vitriol die prima Astrorum rubeorum materia? Die prima und ultima Materia lieben ja einander? Dieses ist wahr, aber nicht sine Medio. Nun will ich dir weisen und vorzeigen, was für ein grosser und weiter Unterscheid ist zwischen dem Gold und Gold. Ist dir wohl bewust, daß das Gold aus den Ertzen geschmoltzen wird? Ist dir wohl bewust, wie eine kleine Quantität Gold aus dem Ertz geschmoltzen und herausgebracht wird? Ist dir bewust auch, wie eine grosse Quantität hinweg geworffen wird? Wenn dir dieses bewust, so will ich dir treulich oder treuhertzig in der Kürtze offenbaren, was für Mittel und Media zwischen dem Vitriol sind. Nemlich diese: Rechne den Vitriol oder Sulphur für die primam Materiam des Goldes und für das Extremum des Goldes, ich verstehe hier kein Martis oder Veneris Vitriol sondern das solarische etc. das Gold aber rechne ich für die letzte Materie und für das Extremum, dazwischen nun sind diese Media. Nach dem Vitriol oder Sulphur gehet der Arsenic: Verstehe, der Vitriol wird zu Schwefel durch lange Digestion, verkehret seine Verbrenn- und Entzündlichkeit, jedoch ist er nicht fix, sondern wird zu einem flüchtigen mercurialischen Arsenic, dieser Arsenic durch weitere Digestion wird zu einem Marcasit, proxima Materia metalli sive auri.

Denn der Marcasit wird endlich zu einem Metall ausgekocht, wie denn alle Marcasiten nach ihrer Art, einer mehr als der andere, ein fixes Granum metalli hat. Da entgegen der Sulphur und Arsenicum davon fliehen oder in Schlacken gehen. Je fixer nun dessen Corpora werden oder je alcalischer, je strenger das Acidum Vitrioli und Sulphuris wird, je edler und metallischer wird es, wie bey dem Gold zu sehen, daß es das fixeste alcalisirte Corpus ist, und so compact, daß es von keinem Acido will angegriffen seyn. Denn das Acidum sich ehe zu todt daran fressen soll, und alle seine Tugenden vermehren, daß so ferne er das Gold mit dem Spir. Vitrioli solviren wolle, so müste er das Gold zuvor zu einem Marcasit machen, denn wieder zurück zu einem Arsenicum, und den wieder zu Schwefel- und Vitriol-Kieß, oder zum Vitriol, dann würde der Vitriol-Geist sein gleiches gleich solviren radicaliter, und mit sich in einen völligen Liquorem überführen, sonsten aber nicht. Und obschon das Gold in denen Menstruis alcali-acidis zergehet, so ist es doch davon zu scheiden und zu reduciren in seine vorige Gestalt, wie es zuvor gewesen ist, nemlich ein fixes Corpus. Hier aber wie das Gold zurück gebracht wird, wie unten ferner gesagt wird, in seine primam Materiam Vitriolinam und von dannen zu einem Liquore, so ist das Gold wieder zu seinem Ursprung kommen, nemlich zu einem mineralischen Dampff worden. Denn dieser Liquor steiget Dampff-weise herüber.

Wenn nun das Gold so weit gebracht ist, und der Mensch wolte es in Leib nehmen, so ists ihm contrair. Denn es ist noch mineralisch, corrosivisch. Solches nun zu der animalischen Natur homogen zu machen, so muß er wieder ein Mittel suchen, nemlich solches, welches zwischen dem animalischen und mineralischen Reich ist, als das Vegetabile, und weil der Mensch kein Mineral nicht geniessen kan, sondern nähret sich meistens von dem animalischen und vegetabilischen Reiche, als muß er das Gold in eine vegetabilische Natur bringen, und dieses vegetabilische denn in ein animalisch verkehren, so dann wird das mineralische Reich per Media dem animalischen Reich angenehm und homogen, wie ich gnug angezeiget. Denn man muß immer von einem Medio zum andern gehen bis zum höchsten, und nicht gleich ein höchst Volatile zum fixesten nehmen. Meine Lehre wird manchen zurück treiben und wundern, wenn ich von Arsenic rede, daß ich das Gold damit praeparire; aber wenn sie es durch den Mercurium vivum, welcher fast vom Arsenic wenig different ist, praepariren, und durch den Mercurium oder durch Sublimantum oder durch die stärcksten Corrosiva des Aqua regis, das sind keine Giffte, sie schaden dem Menschen gar nicht. Der Sublimat ist ihnen vielleicht schwächer als der Arsenic; ob wohl ich weiß, daß er schärffer ist. Der Sulphur ist auch gantz von ○=○ bloß, ob er wohl allezeit ○=○ bey und mit sich führet und aus ihm der Arsenic wird. Die Corrosiva sind auch so süß und mild, daß sie den Magen nicht können angreiffen: das sind lauter bequeme Praeparationes!

Ich will dem Liebhaber noch einen Streich zu Liebe setzen, damit er mit hellen Augen die Finsterniß durchsehe. Ich habe gesagt das Gold wird geboren aus Vitriol, Sulphur und Arsenic-Marcasit. Will nun einer das Gold regulariter zum Vitriol machen, so muß ers wieder zurück treiben mit eben diesen Principiis, durch welche das Gold für sich gewachsen, sonst hat er sehr verdrießliche Mühe und Arbeit. Ich will nun nicht des Goldes eigene Principia nehmen, sondern andere, aus diesen wird sich ein jeder die rechte zu suchen wissen. Es nehme einer nur den Lapidem Arsenicalem, wie er genennet wird, der ex ana Parte Sulphuris, Arsenici & Antimonii zusammen geflossen in eine Massam, dessen Rec. 1. Loth auf 1. Quentl. Gold, laß den Lapidem zergehen gantz lind, das Gold aber lasse extrem glühen, und thue das glühende Gold in die zerflossene Massam, so wirds gleich sich vermischen und zu einer brüchigen Massa werden, welche mit Schwefel öffter reverberiret gantz offen wie ein Eisen werden wird, so hernacher leicht mit jedem Acido zu solviren. Jetzt examinire ein jeder diese Partes des Sulphuris, des Auripigments, des Antimonii: Denn Antimonium ist ein edel Marcasit, denn seine Minera weiset allezeit in seiner Proba 1. Gran Gold und Silber. Solche Massam aus diesem gebe er einem Vieh ein, denn Antimonium und Auripigmentum weiß jederman, daß sie Giffte sind, und sehe dann, wie viel es dem Vieh schaden werde, wenn er ihm auch 1. halb Viertel oder 1. Viertel gebe. Dem Antimonio nimmt der Schweffel alles Gifft hin.

Wenn nun einer denen wahren Principiis Solis nachsinnet, wie auch andern Metallen, oder aber er nehme die Mineram Solis, so ists eins, wie auch die andern Metallen, so kan ers durch den Spir. Nitri vel Salis gleich in primam Materiam werffen. Hieraus siehet der Liebhaber des Arsenici Qualität, wie geschwind ihm sein Gifft benommen und auch in eine bessere Qualität verändert wird. Also auch der andere, so er nur mit Schwefel abgebrannt wird, ist dessen Gifft so temperirt, daß er weit sicherer kan appliciret werden als sonst, auch wenn solche Giffte mit den nassen Sulphuribus corrigiret werden, als da sind Spiritus Nitri, Oleum Vitrioli, Oleum Sulphuris etc. Wir wollen hiermit ein Ende machen dieses langen Capitels, und ist hiemit das vegetabilische Reich angedeutet, welches ein rechter Hermaphrodit und Janus ist zwischen dem Animale und Minerale, und ohne welches das Minerale dem animalischen nimmer homogen werden kan, & vice versa. Es ist solcher Artist wohl nicht voll Saltz gemacht, der in Mineralibus ohne Vegetabili und mit dem Vegetabili ohne Animali eine für Menschen und Vieh taugliche Medicin gedencket zu machen. Wir wenden uns zu dem mineralischen Reich, als in welchem es grössere Stösse, als in vorigen Regnis, wird setzen.

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