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I.22 · The Generation of Plants

Darum Rec. ein wohl dephlegmirtes Aquafort, Spiritum Nitri, Salis, Sulphuris, oder deren Oleum eins von diesen, und geuß darauf Spiritum vini rectificatissimum oder alcalisatum, doch caute, daß du nicht in die Gefahr kommst: Denn es kommen zwey wunderbarliche Feuer zusammen, insonderheit der Spiritus vini und Oleum Nitri (Vitrioli) so wirst du sehen, wie sich der Spiritus vini mit Nichten will conjungiren, sondern stehen über einander wie Wasser und Oehl, pfeiffen und singen zusammen, wie die Nattern und Wieseln, und wann sich auch solche conjungiren, so müssen sie sehr verdrießlich lang circuliret und digeriret werden, dennoch wird das Corrosiv den Spir. vini nicht gerne zu sich nehmen. Solches kan jederman mit besagter Probe erfahren. Denn sehe und betrachte einer nur selbst den Wein oder Spiritum vini, was für contraire Principia er angenommen hat. Es muß ja zu einem solchen fixen Acido auch ein gleiches Acidum genommen werden, und nicht gleich das höchste, als der Spiritus vini. Denn distillire den Sp. ardentem ab von dem Wein, samt allem groben Phlegma bis auf eine Honig-Dicke, diese treibe per Retortam, so wirst du erlangen einen rechten scharffen Acetum oder Acidum, welches schon fixer ist als sein vorgegangener Spiritus vini. Solch Acidum geuß nun auf einen corrosivischen Spiritum und betrachte dann ihre schnelle Conjunction, geuß hernach den Sp. vini zu, und considerire aber deren liebliche Vereinigung.

Weil aber nicht ein jeder gern den Wein hazardiret, daraus einen Acetum und zwar in geringer Quantität zu machen, so will ich ihm, weil es ohne dem noch in dem vegetabilischen Capitel ist, zu Liebe schnell und guten Eßig machen lehren, und in der Quantität. Nempe Recipe im Herbste oder etwas früher unzeitige Wein-Trauben, mit Stengel und allem, zerstosse sie zu Safft in einem steinern Mörsel, solchen Safft thue in eine Glaß-Schale oder glasurtes Geschirr, setze es an die Sonne oder warmen Ofen und laß es gantz trocken eindorren, daß es gantz trocken sey. Dieses Saffts kanst du so viel machen, als du wilst. Du solst aber die Stengel nicht davon thun, sondern den Safft mit samt den Stengeln dörren. Auf solchen eingedorreten Safft geuß nachfolgenden Wein. Rec. den schlechtesten sauersten Wein, den thue in einen Brenn-Kessel und distillire ihm allen Spir. vini ab, das übrige geuß auf die ausgedörrete Trauben in ein Faß also: Laß dir ein Eichen- oder Bircken-Faß machen 10. oder 20. Maas haltend, dieses fülle mit den ausgedörreten Trauben voll an, oder wenigstens die Helffte, geuß dann den abdistillirten Wein darauf, setze es an einen warmen Ort oder Sonnen, und so der Wein in etlichen Tagen sehr sauer reucht, so laß ihn durch den Zapffen ab, und geuß andern solchen abdistillirten Wein darauf, setze es an einen warmen Ort oder Sonne etc.

Solches Auf- und Abgiessen kanst du immerfort treiben, so lange du lebest, und brauchst keine neue Weinbeere mehr; denn sie setzen sich zur Mutter und werden ein ewig Fermentum, und machen den Wein geschwind zu Eßig. Es machen viel Leute Eßig, aber sie wissen keine Ursach des Eßig-Machens. Die Ursach aber, daß der Wein zu Eßig wird, ist eines Theils, daß ihm durch die Wärme sein Spiritus vini volatilis entweichet, zum Theil aber figirt und alterirt wird, und so lange dieser unalterirt bleibet, wird kein Eßig draus. Darum damit du geschwind Eßig machest und einen gedoppelten Nutzen erlangest, so habe ich dich gelehret den Spir. vini zuvor abzudistilliren, welcher sonst verlohren gehet. Dann kanst du ihn auch gebrauchen. Darum dancke für die Kunst: Denn ein schlechter Handgriff kan manchem viel helffen. Aus obgesagten siehet der Liebhaber, daß der Eßig oder Acidum des Weins eine Mittel-Natur ist zwischen dem Spiritu vini und Corrosiv, welches noch sehr wenig bedencken, habe es bey keinem Practico weder gelesen, noch gesehen, noch gehöret. So nun das Corrosiv mit dem Medio erstlich und nachgehends mit dem Sp. vini conjungirt ist, so wird der Liebhaber gleich eine Süsse und Milde spüren, also daß es der menschlichen Natur schon weit angenehmer seyn wird als zuvor, und bleiben dazu ein liquorischer flüchtiger angenehmer Geist, welcher sich gantz lieblich distilliren läßt und durchs Distilliren je mehr und mehr vereiniget, versüsset oder veredelt wird.

Es ist wohl noch ein anderer Modus, die Corrosiva zu tödten, daß sie gantz und gar ihre fressende Art auch verlieren, aber ist nicht süß und lieblich, und lange nicht so gut als obige Manier. Ich will sie auch zum Unterscheid hieher setzen. Rec. Alcali vini, das ist, das aus dem Capite mortuo ausgelaugte Saltz vom Wein, als Lixivium oder ein ander Alkali, das rein, weiß und klar ist, thue es in einen Kolben, geuß darauf Sp. vini rectificatiss. 3. oder 6. mal so viel. Dann geuß Tropffen-weiß hinein ein Corrosiv, welches du wilst, so wird es sausen und brausen zusammen. Dieses treib, bis es nimmer brauset. Dann ziehe alle Feuchtigkeit ab per M. B. welches ein lauter unschmackbar Phlegma ist: denn der Sp. vini hat sich figirt. Auf dem Grunde aber wirst du finden ein Saltz, welches das Corrosiv getödtet und fixirt, also daß es in Leib ohne Schaden zu nehmen ist, aber lange nicht so gut, als der obige gantz spiritualische Weg. Hier siehet der Leser übermal ein Mittel oder Medium conjungendi Corrosiva & Acida dulcificandi per Alcalia. Aber es ist in etwas gewaltthätig, wie man siehet an ihrem grossen Brausen, und nicht so lieblich wie voriges, da sie sich wie Wasser und Wasser vermischen, gantz suaviter.

Denn der Eßig ist dem Sp. vini in radice verwandt und dem Corrosiv, denn seine Schärffe und Säure beweiset, daß er eine mineralische Homogenität und Acidität mitführet. Denn dieser ist das Mittel, welches dem Sp. vini auf dem Fuß nachfolget in der Anatomia. Denn die phlegmatischen Theile rechnen wir vor Recolacta, weil der Spiritus solche nur ad Instrumentum agendi gebraucht und nicht mehr annimmt, als zu seiner Assistenz vonnöthen, wie man siehet in Rectificatione partium. Deßwegen so mercke: Rec. einen scharffen und starcken distillirten Wein-Eßig, je schärffer er ist, je eher und besser er dulcificiret, dessen Rec. part. iij. Corrosiv. part. j. geuß zusammen; denn geuß gemach darein 4. oder 6. part. Sp. vini, so wirst du eine edle Conjunction sehen, daß sie sich sehr lieblich zusammen begeben. Also kan man auch alle corrosivische Praecipitaten und Calcinaten edulcoriren. Zuvor geuß Eßig 2. Drittel auf und ziehe ihn 2. oder 3. mal davon, hernach erst den Sp. vini auch also davon gezogen, und so das Corrosiv nicht gnugsam getödtet wäre, und der Eßig und Spir. vini zu schwach gewesen, so geuß frisches darauf und repetire es ad satietatem usque. Mercke dieses wohl, je stärcker und schärffer der Eßig und Sp. vini ist, je eher und geschwinder dulcificiren sie. Dieses thun sie zwar allein nicht so perfect, ja weit, weit davon, als wenn sie mit dem animalischen Reich in Freundschafft und Copulation gegangen, wie in meiner Praxi de Corruptione rerum seu Anatomia naturae im zweyten Buch meinem Nächsten und denen armen Krancken zu Liebe soll getreulich offenbaret werden.

Ich muß hier noch einen Punct setzen, und kan es nicht umgehen, weil ich sehe, daß alle und jede Medici gewohnt sind den Stein dulcem als ein hohes Medicinat in allen fast desperaten Morbis zu gebrauchen, welcher zu Zeiten sehr gefährlich appliciret wird. Hier aber will ich ihnen eine treffliche Correction setzen, auf welche sie sich verlassen dörffen. Nemlich man nehme diesen Eßig und Sp. vini besonders praepariret, welche ich im andern Buch de Dulcificatione mineralium in selbigem Capitel lehren werde, mit diesem solvire den Lapidem dulcem völlig auf, filtra und in B. M. ziehe ihn gar langsam ab, so viel du kanst, itera & in B. M. coagula ad oleum in B. M. semper, hernach nimm auch in selbem Cap. gemeldeten Sp. vini, geuß auch darauf 4. part. ziehe es in B. M. gar gelinde davon, geuß wieder 4. part. frischen darauf, ziehe ihn aber davon, und diß zum 3ten mal. Wilst du nun, so kanst du es in einem Oehl lassen oder zu einem süssen Saltz oder Pulver eincoaguliren, dessen 1. Gran besser operiret und sicherer zu gebrauchen wird seyn, als zuvor 1. Drachma, quod Praxis docebit. Dieses zu beschliessen, rathe ich einem jeden wahren und treuhertzigen Artisten, welcher da will geheime Secreta erfahren, er hüte sich, so lieb ihm seine Seele und Leben, was Namen und Ruhm er ist, vor den Grossen und Reichen, die da nicht achten die Niedrigen, sondern sind wie die Saug-Bienen, die da allenthalben suchen das Honig auszusaugen und entgegen einem das Gifft im Hertzen lassen, die da grosse goldene Berge verheissen, so lange bis sie einem armen Verfolgten seinen Schweiß heraus gelocket, und so sie solchen haben, so achten sie nicht mehr den, welcher es mit ihnen treu gemeynet.

Daher geschieht ihnen recht, wenn sie nur vielfältig betrogen werden, und auch verstehen, was für Mühe und Schweiß ein Kunst-ängstig-Verliebter auszustehen hat. Der Geitz und Neid störe ihnen ihr Hauß, der sich einbildet, die unbeweglichen Wälder und Berge sollen sich vor seiner Gegenwart neigen und humiliiren. Derowegen du, der du aus diesen Schrifften einen Griff erhäschest, lache in die Faust und geniesse ihn in Gottesfurcht und zu des Nächsten Dienste in stiller sanffter Ruhe, und laß die grossen Hansen lauffen, damit sie sich tieffer in Kohlen verschwärtzen, so lange bis sie erkennen, daß der Bauer so wohl als sie aus und von einem GOtt entsprungen. Denn die höchste Hoffart muß durch die Bekümmerniß und Sorgen als Mittelding mit dem höchsten Elend fixirt werden, auf daß die Hoffart erkenne, was die niedrige und die gezwungene Demuth sey. Derowegen gedulde ein solcher auf alle Weise: Denn post nubila Phoebus. GOtt wird selbsten Mittel und Weg schaffen, daß er endlich seinen Segen geniessen wird können, und so nicht am Tageslicht wachend, so erlangt ers doch schlaffend. Also ist mir armen verfolgten Acker- und Bauersmann auch ergangen, qui ego, Deo sint laudes, humilis myrica altas jam rideo cedros, hinc inde omni vento conquatiendas.

Doch nun wieder ad propositum. Ich habe noch versprochen, wie ein armer bekümmerter Artist ein Mittel-Ding suchen soll, wenn er in seiner Operation anstehet: so will ich zum Beschluß solches Capitels dieses noch herbey setzen. Also so ich 2. Sachen zusammen setze und sehe, daß sie sich nicht wollen miteinander conjungiren, misciren oder vereinigen, so sehe ich ingleichen, daß ein Medium conjungendi abgehet, hoc viso, so stehe ich und betrachte, was ich vor Subjecta vor der Hand habe. Sind es Animalia, so suche ich in diesem Reich sein eigenes Homogenium. Als posito, ich hätte ein Subject, das hätte kein Volatile nicht, als da sind Beiner, Horn und Klauen; aber es hat Acidum und Alcali. Nun wolte ich ihm gern ein Volatile homogeneum geben, was soll ich nehmen? so frage das Subject, Bein, Horn oder Klaue, von was vor einem Thier du es genommen. Kennest du das Thier und kanst es bekommen, so nimm dessen Urin oder Fleisch, Koth oder Fett, putrificirs und distillire in B. M. sein Volatile herab, so hast du schon das Medium oder den abgegangenen Theil ersetzet. Kanst du aber solches Thier nicht bekommen, so siehe dich um, in welchem gleiche Qualität und Krafft stecket, und so du solches nicht findest, nimm das Subject, in welchem alle animalische Tugend und Krafft einig und allein concentriret ist, als im Menschen, welcher aller Animalien Krafft in seinem Centro verborgen hat, dessen Urin oder Koth überall verhülfflich seyn kan, es gehe ab ein Volatile oder Acidum oder Alcali.

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