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Die Ursache nun der schnellen Fruchtbarkeit ist oben gemeldet, nemlich daß die Gewächse den Salpeter sehr begierig und copiose zu sich ziehen und reissen, das Saltz aber können sie wegen seiner Fixität nicht so vielfältig zu sich nehmen. Dahero weil das Saltz die Oberhand hat samt der Erden über dem Salpeter, so macht es das Flüchtige oder Volatile aus dem Regen oder Thau durch seine Attraction zu einem Salpeter, solches ziehen die Gewächse zum Theil an sich, zum Theil aber figirt das Saltz solches durch die irdische Central- und Sonnen-Hitze zu Saltz und vermehret also dadurch seine magnetische Quantität und Qualität, also daß es in steter Augmentation und Diminution ist. Was das Vegetabile zu sich gerissen, das ersetzet es wieder von unten und oben. Damit aber nicht aller Salpeter zu Saltz werde, so schicket die Natur häuffig den volatilischen Thau und Regen herunter, zuförderst nach langen Sonnenschein, da das irdische Nitrum oder Sperma schon zu starck reverberiret wird, so kommt denn das Volatile copiosum, nemlich der Regen, aus welchem das Saltz sehr begierig das volatilische Nitrum an sich ziehet und zu figiren incliniret. Weil aber die Gewächse von der Sonnen sehr exsicciret sind; also sind sie auch begierig stets solches Nitrum an sich zu ziehen, und reissen also mit Gewalt dem Sal das Nitrum hinweg, dadurch das Saltz zum Theil vermehret, zum Theil aber dessen beraubet wird, und also gehet es ohne Unterlaß in einer ewigen, so zu sagen, Circulation her, bis der Schöpffer seine Ordnung ändert.
Denn so das Alcali oder Saltz überhand nähme, welches das rechte Principium mineralium ratione fixitatis ist, so machte es an statt der Vegetabilien lauter Mineralia, Stein, Sand und Unfruchtbarkeit. Damit solches nicht geschehe, so ist ihm das Volatile entgegen gesetzt. Es wird einer sagen: Er redet sich selbst contraire. Denn er sagt, das Sal macht das Nitrum fix und zu Saltz, dann kommt das Volatile oder Regen, der macht das Alcali zum Salpeter. Nun aber hat er gesagt, ein Extremum wircket ohne Mittel nicht in das andere, und hier gehet er sich selbst zuwieder; dieser mercket nicht recht. Resp. Die Erde ist niemals leer von Nitro; ob es schon von dem Saltz figirt wird, so wird es doch nicht alles auf einmal figirt. Derowegen so bleibet ihm schon sein Medium, daß das Volatile Nitri sich an das corporalische Nitrum hänget, und dieses hänget sich an das Alcali oder Sal und ziehet eines das andere an sich, und ist eins des andern Magnet, wie ich schon gesagt habe. Aus diesem siehet nun der Leser die vegetabilische Geburt und ihren Wachsthum, so viel als diß Tractätlein leiden will. Der aber eine vollkommenere Erklärung haben will, der suche sie bey denen Gelehrten und bey denen Herrn Botanicis, die werden ihm in genere und in specie davon Bericht geben.
Ist also der vegetabilische Same ein coagulirtes, in der Solution aber ein schleimig Wasser, wie bey denen Animalien, und also eine vegetabilische Gur. Aus solchem ist weiter zu sehen, daß alles aus dem Wasser geboren, und wieder zu Wasser reduciret wird, und nimmt es wieder seinen Tod und Absterben, wie im andern Tractat de Anatomia klärlich beschrieben wird. Dieses ist nun der kurtze Begriff der vegetabilischen Geburt, deren Bestand-Wesen aber ist in illorum Anatomia aus viel Flüchtigem und wenigerm Acido, noch wenigerm Alcali, doch ist dieses gantze Bestand-Wesen sowol das Volatile, Acidum und Alcali mehr acid oder constringent, als deren animalien Substantz, welches zu spüren und zu mercken aus ihrem Spiritu volatili ardendi, so je und allezeit eine kleine Adstringentz bey sich führet. Ihr Acidum oder Acetum aber hat keinen Beweiß nöthig, denn es ist aperte adstringent, das Alcali aber kommt fast mit dem animalischen überein. Daß diesem also, ist augenscheinlich: Denn mehr Volatile müssen sie haben als Acidum, sonst könten sie nicht so schnell, hoch, groß und in die Höhe wachsen: welches denn ihr Motus ist. Denn das Volatile muß das Acidum überwiegen, zu dem ist auch das Volatile einer acidischen Art. Denn solte das Acidum adstringens überhand nehmen, so könten sie also nicht in die Höhe wachsen, und solten mehr bey der Lufft bleiben oder gar zu Mineralien werden, indem des mineralischen Reichs gantz eigen ist, starck acid zu seyn.
Das Acidum vegetabile ist etwas weniger, jedoch potenter adstringent und kräfftig, das ist zu sehen, wie es manchen Baum und Kraut so hart zusammen ziehet, coagulirt, auch so hart-holtzig macht und zähe, daß mans offt kaum mit Eisen und Feuer bezwingen kan. Man erkennet es auch an diesem, daß sie ein starckes Acidum haben, weil sie so fest und unbeweglich an der Erden hangen. Denn wenn ihr Volatile das Acidum überwindete, wie bey denen Animalien, so wären sie viel beweglicher, wie bey denen Plantationibus zu sehen, daß das Volatile ziemlich die Oberhand hat, und schon nicht so adstringent ist, als bey denen unbeweglichen Vegetabilibus, die da ein starck adstringent Acidum haben. Daß sie aber einen Motum oder Bewegung haben, siehet man augenscheinlich, daß sie von Tag zu Tage, von Wochen zu Wochen anwachsen, in der Länge, Dicke und Grösse zunehmen. Das Zunehmen und Wachsen ist eine Bewegung, wiewohl um viel Grad von der animalischen Motion unterschieden. Das Alcali vegetabile ist fix, nicht so adstringent, wie bey denen Animalibus. Solches weiset die Anatomia. Diß sind nun die Partes nobiliores vegetabilitatis cujuscunque. Wiewohl sie noch andere haben, so werden doch solche übrige zu diesen dreyen referiret, als das subtile Phlegma zum Volatili, die gröbere und das Oehl zum Acido, die Kohlen oder Caput mortuum und Aschen zu dem Alcali. Wiederum soll der Leser mercken, daß ein Vegetabile vor das andere mehr essentialische und nobiliores Partes hat, als das andere, wie auch die Animalia nach jedwedens Prädestination mehr oder weniger Volatile, mehr oder weniger Acidum, also auch Alcali.
Nachmals soll der Leser auch dieses mercken: Daß er die Vegetabilia und Animalia in ein Volatile völlig könne bringen, oder in ein pures Acidum und Alcali, nachdem er den Process anstellet. Als so er ohne Fermentation solche distilliret, so erlanget er fast lauter Phlegma, welches nur nach dem Subject einen sehr flüchtigen Geruch hat, nach diesem ein häuffiges Acidum, das Alcali bleibet im Capite mortuo, so es aber fermentirt und putrificirt wird, je besser und mehr es Volatile giebt. Abermal siehet der Leser hieraus, daß der Unterscheid an dem Volatili, Acido und Alcali liegt, oder zwischen dem Flüchtigen und Fixen, und das Flüchtige könne gantz fix, entgegen das Fixe gantz flüchtig gemacht werden. Darum sind solche Principia nicht unterschieden essentialiter, sondern nur accidentaliter. Denn ist es gar zu flüchtig, so ist es Volatile; ists ein wenig fixer, so heists Acidum; ists gar fix, so heists Alcali, und ist doch alles von einer Wurtzel und Stamm, nemlich von einem flüchtigen chaotischen Wasser und dem darinnen flüchtig verborgenen Geist, welcher sich mediante Putrefactione & Fermentatione wie ein Protheus in so viel 1000terley Gestalten transmutiret, nach welchen er auch unterschiedlich benamset und getauffet wird. Es wird dieses Caput ziemlich lang, weilen ich immer Parerga einmische, wiewohl sie nicht gar extra rem sind. Denn dienen sie jenem nicht, so dienen sie diesem, und ist mancher frohe, wenn er einen Scrupel gelöset findet.
Damit ich aber ad scopum komme, werde ich etliche Tugenden dieses Reichs erzehlen; und ist dieses folgende einem jeden Artisten als ein Haupt-Punct zu mercken. Nemlich es haben sich viel Chymisten bemühet und lange darnach gestritten, wie sie das mineralische Reich dem animalischen homogen machen könten, damit es jenem solle angenehm, lieblich und süß, ohne alles Corrosiv, zu seiner Nahrung und Erhaltung, Cur und Heilung seiner Gebrechen aufgenommen werden können. Denn sie sehen, daß das mineralische Reich in seiner Anatomia durchs Feuer gantz scharff, beissend und corrosivisch, gifftig wird, also daß es dem animalischen Reich directe contrair, zuwieder und heterogen, auch höchst schädlich sey. Dieses nun in eine Lieblichkeit zu bringen, haben sie es immer mit den Spiritibus ardentibus alcalisatis gehalten, welche sie darüber digerirt, circulirt, abgebrannt, viel dergleichen angefangen, es hat aber jedoch der sehr verdrießlichen Mühe und grossen Unkosten kein Contento geben wollen. Nun aber, damit mein Hertz offenbar, und die Treue zu meinem Nächsten verspüret werde, so will ich meine Mühe und Schweiß hier theoretice & practice Preiß geben, daß jeder wenigstens 100fach mehr Contento erreichen wird, als er zuvor erhalten. Ich will aber vorher setzen zum mehreren Unterscheid die Praxin Chymicorum consuetam & communem, wie sie insgemein die Corrosiva absüssen, edulcoriren oder dulcificiren, dadurch sie vermeynen Scopum rei zu erhalten.
Nemlich die gebräuchliche Edulcoration und Absüssung aller Corrosivorum ist bisher gewesen mit Spiritu vini rectificatissimo sive alcalisato, daß sie solchen über dem corrosivischen Praecipitat lange Zeit digerirt und circulirt, etliche mal auf und abgezogen, oder aber crude 6. 7. oder 9. mal davon abgebrannt. Denn hat es geheissen, es ist corrigirt und edulcoriret. Aber der Effect hat gewiesen, daß sie solch Correctum mit Zittern und Gefahr dem Menschen in Leib gegeben. Nun aber will ich meine Edulcorationes setzen, mit den Ursachen neben der Demonstration, warum ohne Mittel kein einiges Corrosiv rechtschaffen zu edulcoriren. Nemlich ich habe in diesem Tractat vielfältig gelehret, und dir zu verstehen gegeben das Axioma: non transiri posse ab uno extremo ad alterum sine medio. Diesen Punct mercke doch ein jeder Chymist wohl, und lasse ihm solchen Tag und Nacht im Gemüthe liegen, will er anders in Chymicis was proficiren. Es wissen wohl alle Philosophi & Baccalaurei dieses Axioma memoriter; aber in Praxi können sie es doch nicht, welches Extremum oder Medium sey. Hieraus ist die Welt voll Irrthum, welches doch leicht zu erkennen, auch leicht zu finden. Es soll einem Artisten wohl bekant seyn jedes Dinges Natur und Art, welches er auch leicht sehen kan, ob etwas fix oder flüchtig ist.
Denn das Flüchtige, zuförderst der Spiritus vini fliehet durch den höchsten Kolben per Alembicum mit schwachem Feuer davon, welches ein Beweiß ist seiner höchsten Flüchtigkeit. Entgegen so steigt in solchem Feuer-Grad kein Corrosiv mit, ob es gleich zu einem Spiritu gemacht ist, und flüchtig herüber getrieben, als da ist das Aquafort, Spiritus Nitri, Salis, Sulphuris oder deren Oel, diese steigen nicht durch einen so hohen Kolben, und sehr schwer, auch mit grossem Feuer durch eine Retorte. Aus dem ein Artist lernen soll, daß solche Geister gegen des Spiritus vini höchster Flüchtigkeit fixer Art sind. Sind sie nun fixer Art, so sind sie dem Spir. vini contrair und ein Extremum. Hieraus ist zu sehen und zu schliessen, daß ein Medium abgehe, solches solle der Artist suchen, wie es denn leicht zu finden, wenn man die homogeneische Natur besser consideriret. Denn es sehe einer, wie langsam und mit schwachen Tropffen ein Corrosiv herüber steigt; entgegen wie schnell und Strömlein-weiß laufft der Spiritus vini in das Receptaculum. Nun muß ja ein Artist erkennen, daß zwischen diesen ein großmächtiger Unterscheid ist, wie die Praxis auch weiset.