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I.22 · The Generation of Plants

Welche Tugend die vielsäfftigen Vegetabilia gleich verlieren und in die Fäulung gehen. Denn je trockener und geistlicher ein Ding ist, je dauer- und lebhaffter solches ist. Es möchte aber einer sagen: Wenn denn solche Vegetabilia, als der Tannen-Baum etc. nicht Feuchtigkeit in copia zu sich nähmeten, wie wäre es denn möglich, daß er so groß solle wachsen? so wäre ja in dem Regen und Thau nicht so viel Geist, daß er so starck davon solle werden? Nun soll der Leser mercken, daß solche Gewächse gemeiniglich auf hohen, steinigten, trockenen Orten und Bergen wachsen, wenn auch ein Regen kommt, so schiesset er durch seine Menge von den Bergen ab und schwemmet zugleich auch mit sich das Sal und Nitrum, so viel er bekommen kan, in die Tieffe und Gräben und führets Strom-weise in die grossen Flüsse, welche wieder ins Meer rinnen; und dieses wohlgesaltzene Meer dringet wieder ad Centrum terrae und von dannen wird das Wasser in lauter Dampff verkehret, und steiget in die Eingeweide der Erden. Was schwer ist, schlägt sich in die Erden an, daraus die Mineralia wachsen; je leichter aber solcher Dampff ist, je höher steigt er und kommt bis in die Wurtzel derer Vegetabilien, von welchen er auch ausgegangen, und wird zu dem Nutrimento derselben. Was aber noch subtilere und flüchtigere Dämpffe sind, die brechen an Tag aus, welche zum Theil die Animalia durch den Athem an sich ziehen, sich auch davon nähren, zum Theil aber steigt er in die Lufft, das Chaos oder chaotische Wasser zu regeneriren.

Nun mercke, wie wunderbarlich der Tannen-Baum und seines gleichen sich muß nähren. Ich habe gesagt, daß die General-Nahrung sey der Vegetabilium das Regen-Wasser und Thau, irdisches Nitrum und Sal, samt den unterirdischen Dämpffen, und andere zufällige Excrementa derer Thiere, auch das abgefallene Laub jeden Vegetabilis. Wenn der Tannen-Baum auf steinigten Bergen stehet, so wird das Regen-Wasser ihme schlechte Nahrung zuführen, denn es laufft durch die Jähe des Berges gleich wieder ab. Der Thau aber für sich alleine ist zu wenig, das Nitrum und Sal schwemmet das Regen-Wasser meistens hinweg. Nachdem dieses bekant, so müssen wir gestehen, daß der Tannen-Baum und andere Berg-Gewächse sich meistens erhalten von den unterirdischen oder mineralischen ohnabläßigen Dämpffen, von dem Thau, dessen doch wenig gegen den andern, als unterirdischen Dämpffen. Aus diesem schliessen wir, daß der Tannen-Baum mit aller seiner Grösse meistens von denen unterirdischen mineralischen Dämpffen geboren, erzogen und ernehret wird, daher ist er auch nicht so verweslich, als andere ebenländische, safftige, morastige Vegetabilia, denn die Mineralia wenig, sondern gar und sehr langsam zur Verwesung gehen. Wie aber das zugehe, daß der Tannen-Baum unterirdische Spiritus und Feuchtigkeit erlange, so mercke auf diese Weise.

Die Natur bleibet keinen Augenblick stille stehen, sondern ohne eintziges Aufhören arbeitet sie fort. Wir sehen, daß unabläßlich Dämpffe von der Erden aufsteigen, die da ohne Unterlaß zu Wolcken werden, daß nicht so viel schöne Tage als Wolcken-volle Lufft vermercket wird. Solche Dämpffe sehen wir, daß sie häuffig, zuförderst im Frühling und Herbst, aus der Erden in die Lufft ausbrechen: Brechen die Dämpffe häuffig in die Lufft aus, so müssen nothwendig noch mehr in der Erden stecken, sonst drängeten sie so häuffig nicht aufeinander; und weil die Erde durchaus porös, schwammig und löchrig ist, gleichwie des Menschen und aller Thiere Leiber, so dringet solcher Dampff überall aus, gleichwie der Schweiß des Menschen, wenn er häuffig kommt, an allen Orten ausbricht, und gleichwie der Spiritus vitalis Macrocosmi durchwandelt alles Holtz, Erden und Stein. Denn jedes Ding hat seine Poros, und diesem Geist ist kein Ding verschlossen, ob es schon unser Gesicht und Verstand nicht begreifft. Nun stehet der Tannen-Baum auf dem Berg, in welchem lauter Sand, Kiesel und Steine sind, die da ein Magnet und anziehende Subjecta sind und ein coagulirtes Saltz, das da solche Dämpffe auffänget und an welchem sich die Dämpffe verdicken und zu Wasser werden, solches Wasser ist gar subtil, geistreich und starck, welches die Wurtzeln des Tannen-Baums in sich ziehen und also ihr Wachsthum nehmen. Denn so voll die Lufft von Dämpffen und Wolcken ist, so ist auch die Erde, und gleichwie solche Dämpffe in der Lufft zu Regen und Thau werden, also werden die mineralischen Dämpffe an denen Steinen zu Wasser, welches hernach die Vegetabilia geniessen.

Daß die Dämpffe an denen Steinen zu Wasser werden, ist gewiß. Denn man grabe unter die Erde nur Schuchs tieff, wo Steine sind, so wird man befinden, wenn gleich kein Fluß oder Brunnen in der Nähe ist, daß die Steine allezeit feuchte sind, welches von den mineralischen feuchten Dämpffen herkommt. Man nehme nur einen warm gemachten Kiesel oder Marmor, und setze ihn in feuchten Keller, so wird man von Stund an sehen, wie er schon Tropffen hat, als wenn er schwitzte, stehet er nun länger, so wird er immer feuchter. Zuvor habe ich gesagt, daß der Kiesel oder Stein ein coagulirtes oder zu Stein gemachtes Saltz sey. Hier werden etliche erstaunen und sagen: Meister, das ist gewiß eine Lügen. Denen ist aber leichtlich zu helffen per Mechanismum. Es nehme einer ein Saltz, was er für eins will, lasse es schmeltzen, giesse es aus, solvire es in Wasser, filtrire, so wirst du eine blöde schwache Erde hinterlassen finden, das Saltz coagulire, laß wieder schmeltzen, gieße aus, solvirs, filtrirs, so wirst du wieder eine Erde haben, aber weiß finden. Je öffter du das Saltz fliessen läßt, je mehr Erde wirst du finden, und je weisser die Erde seyn wird, wie ein Schnee. Solche Erde nimm, gib sie einem Glaser, und laß zusammenschmeltzen, so hast du einen Stein, der aus Saltz ist worden. Denn durch das öfftere Schmeltzen flieget der Spiritus salis davon, zum Theil aber wird er in solche Erde figirt und verwandelt.

Nun wird aber einer sagen: Diß sind wunderliche Händel, wo soll die Natur eine Glaß-Hütte oder Schmeltz-Tiegel in den Bergen nehmen? Das sage ich selbsten. Aber die Natur hat wohl ein gleiches. Denn gleichwie das Saltz zuvor ein Dampff war gewesen, und nur per vices ist corporalisch und fix worden: also hat die Natur dieses durch lange Zeit können machen, so macht sie auch das andere. Denn je mehr Erde zum Saltz kommt, und je mehr irdische und mineralische Spiritus salini zu Hülffe kommen, je irdischer das Saltz wird und rinnet mit dem Wasser in einen dicken Safft, so nicht flüßig ist, noch flüchtig wird, sondern immer fixer wird, bis er zusammen gehet in einen fixen, klaren, durchsichtigen Crystall oder Kiesel, nachdem solcher Safft rein oder unrein ist. Es wird lange, solche Parerga einzumischen: Doch ist einem Physico vor dem andern auch mit solchen gedienet. Ist also nun erwiesen, wie und auf was Weise die Vegetabilia wachsen.

Nun wieder ad scopum. Damit eine Vollkommenheit oder wenigstens ein vollkommener Wille und Lehre von der Natur heraus komme, so wollen wir weiter sagen, nachdem die Vegetabilia das Nitrum und Sal ohne Unterlaß zu ihrem Nutriment gebrauchen, wie es zugehe, daß eine so grosse Quantität gezeuget werde, damit kein Mangel zum Wachsthum werde. So mercke folgendes: Es ist erwiesen oben, daß in aller Erden ein Sal und Nitrum ist, auch in allen Wassern, zuförderst da die Vegetabilia selten wachsen. Denn das mineralische Sal und Nitrum hat auch seine besondere Statt, solches Nitrum und Sal wird von unten und oben stets gezeuget, nemlich von Thau, Regen und Lufft, Wasser und allerhand Accidentien und Excrementen, die da von denen Animalien und Vegetabilien durch die Putrefaction gemacht werden; von unten aber, von denen mineralischen und unterirdischen Dämpffen, die da stets ad superficiem aushauchen. Das Sal ist der Magnet, Nitrum der Stahl, so von dem Sale angezogen und durch die Reverberation der warmen Sonnen und Central-Hitze in seine Natur oder auch zu Saltz verwandelt wird. Denn in Auslaugung solcherley Erden wird man gemeiniglich mehr Saltz als Salpeter erlangen, und muß auch mehr Saltz natürlich seyn, denn der Magnet muß mehr und stärcker seyn als der Stahl, sonst könte er nicht ziehen.

Wie aber das Nitrum und Sal aus dem Regen, Thau, Schnee und andern Wasser gezeuget wird, solches ist oben erwiesen. Warum aber der Salpeter weniger in der Natur ist als das Saltz, und dessen weniger gezeuget wird, ist die Ursach dessen per Mechanismum zu erweisen. Denn so das Nitrum mehr wäre als das Sal, so machte das Nitrum das Sal auch zu Nitro, und verkehrte es in seine Natur. Das Nitrum aber ist nicht attrahirend sondern agirend, es ist das Agens, das Sal das Patiens. Nun sind alle Erden-Gewächse attrahirend, denn sie ziehen das Nitrum oder Sperma universale sehr begierig an sich: Wie man siehet, so es auf die Erden nach langen Sonnenschein geregnet, daß die Vegetabilia das volatilische Nitrum aus dem Regen so begierig an sich ziehen, daß sie in einer Nacht offt um einen Zoll höher gewachsen. Also würde es gehen, wenn mehr Salpeter wäre als Saltz, so zögen sie solches mit Gewalt an sich, und wüchsen davon überhäufft, und nähmeten auf einmal und in geschwinder Zeit alles Sperma aus der Erden zu sich, daß hernach nichts als eine Unfruchtbarkeit folgete. Wenn die käme und die Gewächse keine Nahrung mehr hätten, so müsten sie verwelcken; und gleichwie sie geschwind erwachsen, so müsten sie geschwind verderben, nach dem Axioma: Quod cito fit, cito perit.

Denn der Salpeter ist gar ein subtil, geistlich, penetrirend Saltz, welches die Gewächse durch ihre Wurtzel geschwind verdauen können; das Saltz ist aber fixer und gröber, welches sie langsamer und subtiler verdauen müssen. Darzu ist das Saltz und sein Spiritus ein balsamischer Spiritus, welcher alles erhalten muß; hergegen der Salpeter ist ein flüchtig corrumpirend, corrodirend, putrificirend und verweslich machend Saltz, welches per Mechanismum zu sehen ist. Man nehme reinen Salpeter, der kein Saltz hat, solvire ihn in Regen-Wasser, mit diesem begieß einen Apffel- oder Birn-Baum zum öfftern, so wird er dieses Jahr die schönsten Früchte in copia tragen, daß du dich verwundern wirst. Entgegen warte das Jahr drauf, so wirst du kaum einen bekommen. Ja wann der Baum nicht in einer guten Art oder Erden stehet, wird er anfangen immer mählig zu verdorren. Entgegen aber, wie ich oben gemeldet, laß 1. part. Salpeter und 2. part. Saltz schmeltzen, solvirs in Regen-Wasser, geuß zu den Baum, oder weiche einen Samen darein, so wirst du gute, herrliche und copiose Frucht ohne Schaden bekommen, und dieses jährlich, wenn man den Baum nur 2. oder 3mahl im Frühlinge begeußt.

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