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Das XXII. Capitel. Was die Geburt der Vegetabilien sey, und aus was für Principiis solche bestehen und wieder resolviret werden.
Arbor Generationis Vegetabilium. 1. Sperma, sive siccum semen, inde in terra resolutum, aquosum, Die vegetabilische Gur. 2. Formatio radicis. 3. Formatio caulis & foliorum ramosorum. 4. Formatio florum. 5. Formatio seminis mollis, seu nodus, quando se flores in seminificationem nodosam glomerant. 6. Formatio & induratio seminis & perfecta ejus coagulatio.

Tree of vegetable generation. Original printed page 123; its six stages are translated in the preceding passage.
Source: Aurea Catena Homeri (1723), Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich; digitised by e-rara. Public-domain original. https://doi.org/10.3931/e-rara-3819
Dieses Reich ist ein Wunder-Reich, so wunderlich als das erste, und mag billig das verzuckerte und versüssete Reich genennet werden; ob es schon dem animalischen Reich zu trutz die allerbittersten individua mitführet und bringet, so werden doch durch dieses Reich die allerbittersten Sachen, die schädlichsten Giffte und corrosive in kurtzen Stunden Zucker- und Honig-süsse. Jedoch NB. nicht ohne das animalische Reich, welches vom vegetabilischen muß ernehret werden und leben; hingegen wird das vegetabilische durch ihre excrementa und todten Cörper gedünget, ernehret, und wird eins vom andern erhalten. Das mercke ein Artist so gut, als das vorhergegangene.
Andertens ist dieses Reich ein rechter Hermaphrodit und Janus, welcher nicht animalisch noch mineralisch, sondern beydes, und stehet im Mittel-Stande. Es stehet mit einem Auge auf das animalische, mit dem andern auf das mineralische, und kan gleich animalisch so wohl als mineralisch werden, nachdem die Natur oder Kunst den Processum transmutationis vornimmt. Es gesellet sich intime mit dem ersten und letzten, das ist, mit dem thierischen Reich und mit dem Ertz-Reich, und sehnet sich darnach. Denn man siehet mit Augen, daß die Kräuter und Bäume zu Würmern werden, und also ein Leben bekommen, auch siehet man, daß viele Bäume zu Stein werden, zuförderst so im Wasser stehen und wachsen, wie meistens im Meer, da es viel gesaltzen ist. Alle Vegetabilia werden gezeuget aus ihrem eigenen oder durch die Astra influirte Samen, und dann improprie durch die Fortpflantzung derer Pfropf-Reiser, als welches schon ein aus- oder aufgeschlossener Samen ist. Wir wollen aber hier discouriren de prima materia Vegetabilium oder deren Samen, zu bessern Verstand eines anfangenden Natur-Kündigers.
So bald nun der Same in die Erde kommt, welche feuchte, nitrosisch und saltzig ist, wie oben erwiesen, so wird der Samen durchs Wasser oder die Erd-Feuchte, oder durch den Regen etc. angefeuchtet, und durch die Salia resolviret, geschwillet und springet auf und zergehet zu einem milchichten und schleimichten Wasser, wie zu sehen, wenn man einen Samen in ein solches Wasser einweichet von Salpeter und Saltz, daß er anfangt erstlich zu schwellen, dann aufzubrechen, endlich zu Schleim zu werden. Solcher Schleim ist dann die prima immediata materia alicujus vegetabilis und kan die vegetabilische Gur genennet werden. Solcher vegetabilische Safft oder Gur wird nun per calorem centralem & solis erhitzet und erwärmet, fanget an auszudämpffen über die Erden. Das allerflüchtigste nun gehet in die Lufft aus in das Chaos, das andere aber, so nicht so flüchtig, und zusammenziehender Art, das coaguliret sich durch die kalte Lufft in eine Wurtzel und Stengel, mit subtil, zart und weichen Blättlein, welches des Krauts anfängliche Geburt ist; der fixere Theil wird zur Wurtzel, der nicht so fix zum Stengel, und der noch flüchtiger, zu Blättern: aber alles anfänglich weich, zart, jung, noch voller Feuchte, und daher schwach.
Die Wurtzel nun ist des Vegetabilis Magnet, welcher die Speise aus der Erden und dem zukommenden Regen etc. Lufft attrahiret, und dem Kraute Speise zuführet, bis aus ihm ein starckes Kraut oder Baum wird. Seine Nahrung aber, wie es sich in aller Examination erweiset, ist nichts anders als die Erde und das darinne verborgene Wasser. Die Erde nimmt an sich die unterirdischen Dämpffe, so da vom Centro terrae als dem Universal-Reich in die Circumferenz & superficiem terrae zu denen Vegetabilien aufsteigen. Das Wasser aber hat in sich die zwey Universal-Spermata, das Nitrum und Sal. Das Saltz ist aber mehr als der Salpeter, denn es ist der Magnet, der da anziehen muß die nahrsame Feuchtigkeit von unten und oben. Solche Saltze aber werden ohne Unterlaß generiret aus dem Thau, Regen, Schnee etc. wie oben erzehlet, wie auch aus den unterirdischen Dämpffen ex Centro, wie auch aus der umgebenden mit Atomis immensis cumulirten Lufft, zum Theil aber, wo der Mensch der Natur hilfft mit dem Dünger, den er auf die Felder und Wiesen führet, auch in die Weinberge und Gärten, oder wo auch zum Theil allerhand Vieh hinkommt und ihre Excrementa ablegen: nachdem nun die Erde viel oder wenig bekommt, nachdem trägt es viel oder wenig, feist oder mager, grosse oder kleine Früchte.
Wir wollen jetzt alle übrige Nutrimenta fahren lassen, und wollen allein von dem Universal-Nutriment, als dem Thau und Regen, und dem daraus kommenden Nitro und Sal reden, weil eben die übrigen Nutrimenta von solchen primordialiter entspringen, auch werden sie per Reductionem wieder in solche reducirt, nemlich in Salpeter und Saltz, wie oben zur Gnüge erwiesen. Das Saltz oder der fixe Theil des Nutriments ist nun die Mutter und der Magnet, welcher eben aus dem Salpeter, wie oben gesagt, vermittelst der irdischen und Sonnen-Hitze per Reverberationem zu Saltz gemacht und fixirt wird. Dieses nun attrahiret die Nahrung und vermehret sich aus dem Thau und Regen etc. und gebäret einen Salpeter, welchen sie aus dem verfaulten Regen zu sich nimmt und fest hält, und damit ihn die Hitze der Sonnen und Erden nicht mehr fortjagen kan, so figirt das Saltz den subtilen Salpeter. Solche beyde Salia vermittelst des Wassers solviret, attrahiret die Wurtzel des Vegetabilis, macht es per Digestionem zu einem lautern Spiritu und Dampff und schicket es durch die engen Poros Dampff-weise in den Stengel und Blätter, allwo sie denn ihr Wachsthum wieder nach ihrer Prädestination verrichten.
Die Salia aber gehen nicht blos in ihrer Natur zu des Vegetabilis Nutriment, sondern sie zerlösen die Erde und machen sie auch subtil und zu einem lautern saltzigen Wasser, alsdann kan sie durch die Wurtzel wieder subtilisirt werden, damit es zum Nutriment kommen kan. Denn gleichwie die Natur denen Animalien die Art gegeben, daß sie das durch die Zähne und Zunge zermalmete und praeparirte Nutriment in den Magen schicket, allwo ein saltzig bitterer Liquor, welcher solch praeparirt Nutriment wieder subtilisirt und zu einer liquorischen Malta machet, hernach solche in das Mesenterium schicket, allwo der beste Safft heraus gezogen, und durch die natürliche Hitze per Poros in die Leber und andern Glieder Dampff-weise aufsublimiret und destilliret wird, welche Dämpffe sich in denen Vasis der Leber und andern Gliedern anschlagen, sich zu Wasser wieder resolviren, und dieses Wasser durch die Hitze wieder Dampff-weise resolvirt, in andere höhere und höhere Glieder sublimirt oder circulirt, und dieses ohne Aufhören, bis es zu seiner Perfection kommen.
Denn wer solle sich einbilden und begreiffen können, daß die Natur in denen Animalien solle das wässerige und safftige Nutriment als schwer-wässerig aufwärts der Leber zubringen, es solle vielmehr abwärts sincken und durch die Loca excrementosa ausrinnen. So es aber das Nutriment in Dampff verkehret, welcher durch alle Poros corporis, wie der Schweiß zur Haut, ausdringet, so kan solcher Dampff in seinen gehörigen feuchten Orten durch seine Verdickung zu Wasser gleicher Weise sich condensiren, bis er durch die Circulation zu Blut, Fleisch, Knorpel und Bein coagulirt wird. Daß dieses wahr sey, daß die Natur durch lauter Dampff alle Creaturen nähret, so sehet nur an den Macrocosmum, wie er mit Gewalt von dem untersten Centro der Erden die Wasser zu Dampff machet durch seine innerliche Hitze, und solche bis in höchsten Himmel austreibet, und alldorten wieder andicket und schwer machet, daß sie zu Wasser werden und durch eigene Schwere wieder zur Erden fallen. Solches siehet man an allen Animalien, als des Macrocosmi Kindern. Denn das Kind artet sich doch nach dem Vater und der Mutter, daß die Natur von der innersten Tieffe des Magens Dampff-weise die Feuchtigkeit bis in die äußerste Haut zwischen den Zähen und Fingern austreibet und durch deren Verdickerung sich in Wasser resolviren und condensiren, welches wir Schweiß nennen.
Man siehet, was noch mehr ist, daß die Dämpffe in denen Mineren und Bergen hefftig sind, welche sich denen Visceribus anschlagen und daraus die Ertze NB. aus denen Dämpffen geboren werden. Ist es in denen beyden Reichen also, so wird die Natur mit denen Vegetabilien kein besonders machen. Weil dann erwiesen, daß alle Creaturen Dampff-weise Nutrimenta in alle Glieder schicken, und dadurch ihr Wachsthum unterhalten und erlangen, so folgen sie billig ihrem Ursprünge nach. Denn sie sind alle und jede aus dem Universal-General-Dampff oder Chaos entsprungen, welcher durch Verdickung zu Wasser worden; also müssen auch billig die minora sich nach majus reguliren, und gleichwie sie aus Dampff entsprossen, ernehret und erhalten werden, also werden sie in ihrer Verwesung zu Wasser, und dieses durch die Hitze in Dampff verkehret, welcher Dampff denn wieder sich in ein ander begiebt und abermal corporalisch wird nach Art des Subjecti. Es muß sich auch keiner einbilden, daß die Vegetabilia ihre wässerige Nutrimenta, obschon Dampff-weise, also rohe an sich ziehen und Nahrung davon empfangen. Nein, denn so diesem also wäre, daß sie das zu Dampff gemachte Wasser mit aller seiner Substantz sollen in sich nehmen, so würden ja die meisten Vegetabilia gantz wässerig, weich und nicht lang dauerhafft, denn das übrige Wasser wecket den Geist auf zu agiren und würde ein Kraut kaum gewachsen seyn, so faulte es wieder zusammen.
Sondern also: Die Wurtzel der Vegetabilien ziehet nur die subtilesten flüchtigsten Geister, als kläreste reineste Wasser in sich, welches geschwind durch die Poros dringet in den Stengel und Blätter, wird alldorten verdicket, und durch die Lufft coaguliret, und also des Vegetabilis seine Partes aus einander getrieben und vergrößert und vermehret. Zu dem auch, so die Vegetabilia das Wasser mit allen Theilen solten in sich ziehen, so zieheten solche alles Nutriment aus der Erden auf einmal an, also daß die Natur nicht so viel Zeit hätte, gnugsam Nutriment zu fabriciren. Gleichwie aber in allen Dingen ein Unterscheid ist, und eins dem andern nimmer gleich siehet und wircket: also ist es hier auch. Denn ein Vegetabile für das andere hat auch weitere Poros. Denn die Weiden und Ulm-Bäume ziehen mehr und stärckere Feuchtigkeit in sich, daher sie auch nicht so beständig sind an ihrer Gesundheit, sondern bekommen allerhand Mängel und machen immerdar Moder und Fäulnissen, und dieses verursachet der Uberfluß der eingezogenen Feuchte, zumalen wenn sie an denen Wassern und Flüssen und feuchten morastigen Orten und Gräben stehen. Entgegen der Weinstock, die Wacholder-Staude, der Tannen-, Eichen- und Lerchen-Baum haben so constricte Poros, daß sie wenig grob Wasser oder Phlegma in sich saugen, sondern nur die subtilesten Dämpffe samt den subtilesten und häuffigen Geist, daher sie ein dauerhafftes, gesundes und nicht leicht mangelhafftes Leben führen, wie man siehet zuförderst an dem Tannen-Baum, Wacholder-Staude und andern mehr, daß sie Winter und Sommer grünen, auch ihre Früchte tragen.