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I.21 · The Generation of Animals

Das XXI. Capitel. Was die Geburt der Animalien sey, und aus was Principiis solche bestehen und wieder resolviret werden.

Arbor Generationis Animalium. 1. Sperma mucilaginosum Masculinum, Fœmininum. Animalische Gur. 2. Formatio Infantis Liginosa Crystallina. 3. Formatio Infantis Membranosa. 4. Formatio Infantis Tendinosa. 5. Formatio Infantis Cartilaginosa. 6. Formatio Nati Ossea, Induratio Pueri, Adolescentis, Viri, Senis.

Tree of animal generation. Original printed page 115; its six stages are translated in the preceding passage.

Tree of animal generation. Original printed page 115; its six stages are translated in the preceding passage.

Source: Aurea Catena Homeri (1723), Stiftung der Werke von C. G. Jung, Zürich; digitised by e-rara. Public-domain original. https://doi.org/10.3931/e-rara-3819

In diesem Capitel wollen wir nur von denen vollkommenen Thieren etwas melden. Alle vollkommene Thiere werden gezeuget durch die Bewegung, mittelst welcher der Same gereitzet und heraus gelocket wird in Gestalt einer zähen wässerigen Materie als ein Schleim oder Rotz, und lauffet in seine gehörige matricem, allwo der weibliche Samen sich auch erzeiget ihres gleichen hervor zu bringen. Solcher Same ist nun ein dickes oder coagulirtes ▽ und kan billig die animalische Gur genennet werden. Aus diesem siehet man, daß das animalische Reich aus ▽ oder schleimichten wässerigen Wesen geboren, und in der feuchten Materie durch säfftige und wässerige Nahrung des Geblüts erzogen wird. Nun sobald es geboren, so geneust es meist-feuchte animalische und vegetabilische Speisen, und diese transmutiret es per proprium Archeum in seine eigene Natur, Fleisch, Blut, Haupt und Bein, nimt davon seinen Wachsthum, zur Erhaltung seines elenden Lebens, bis zu seinem prædestinirten Termino, da es denn stirbt, und in oder auf der Erden verfaulet zu Safft und Schleim, zu Rotz und Koth, und zu einem schlüpfferigen wässerigen Wesen wird. Solche Feuchtigkeit krieget in die Erde zu denen Vegetabilien, und wird also denen gleich, wie zuvor die Vegetabilien des Thieres Speise und Nahrung waren, daraus denn wieder andere vegetabilia zur Speise des Thiers wachsen, solche wieder zu ernähren. Denn wie das Animale gleich war durch seine Zerlösung und Verfaulung völlig zu einem Vegetabile transmutiret worden, also wird das daraus gewachsene zu einem Animale verwandelt, wie oben auch sattsam angezeiget worden.

So bald nun der Same in matrice zusammen geronnen Masculinum & Fœmininum, so formiret sie auch äuserlich ein Häutgen, inner demselben eine sehr klare crystallinische Feuchtigkeit, so klarer als ein Crystall; In dieser Feuchtigkeit coaguliret sich ein Küglein oder Perlein, wie ein Fisch-Aeuglein. Dieses nähret sich aus dieser crystallinischen Feuchte immer mehr und mehr, und wird daraus ein trockenes oder Corpus formatum membranosum, hernach so bekommt es Fleisch, Adern, Nerven, hernach fänget es sich an Cruspel oder weiche Beiner zu harten. Dann diesem nach, wenn es geboren wird, so härtet es diese Cruspel in harte Beine, und wird aus dem Kind ein Knabe, aus dem Knaben ein Jüngling, aus diesem ein Mann, hernach ein alter Greiß, endlich ein Todter. Diß ist der kurtze Begriff der animalischen Geburt, Zerstörung, Verwandlung und Wiedergebärung zu einem andern. Nemlich das verfaulte Thier wird wieder geboren zu einem Vegetabili, und dieses wird verändert in ein Animale, ut supra. Deren bekantes Wesen weist die Anatomia pyrotechnica, daß sie aus vielen flüchtigen Theilen und Sale volatili bestehen, mit noch wenigem Alcali oder fixen Theile.

Daß diesem also, weiset nicht allein die Anatomia, sondern man siehet es mit Augen, daß alle Thiere flüchtig, munter, schnell und beweglicher, als die Vegetabilia und Mineralia zu sehen. Denn ein Thier muß einen flüchtigen, schnellen und beweglichen Geist an sich haben, sonsten könte es sich in allen Gliedern nicht rühren. Dieser Geist ist nun das Volatile, dessen die Thiere in Ansehung der Vegetabilien und Mineralien sehr viel haben, welches da die Agilität und der schnelle Motus bezeuget: Dann so die Thiere mehr acidi hätten, welches die Eigenschafft zu constringiren und zusammen zu ziehen hat, wie bey denen Vegetabilien und Mineralien zu sehen, so könte sich das Thier auch auf allen Seiten nicht regieren, sondern bliebe an einer Stelle, wie die Vegetabilia und Mineralia unbeweglich stehen. Denn das Acidum ist styptisch, stopffend, contrahirend und zusammenziehend, constringens, coagulans, wie zu sehen an denen contracten Leuten und hartbehaltenen Animalien, als da sind Schnecken, Schild-Kröten und Krebsen-Geschlecht, welche nicht so geschwind als andere weichere Thiere ihren Gang und Bewegung auf allen Seiten vollbringen können. Daher weil die Animalia alle eins vor dem andern einen flüchtigen Geist haben, so ist auch eines vor dem andern beweglicher, wie bey denen Vögeln und zwischen denen vierfüßigen Thieren auf Erden, kriechend und wanckelend, der Unterscheid kan gemercket werden. Solchen Unterscheid siehet man auch an denen behalt- und unbehaltenen Thieren, zwischen den groß- und kleinleibigen.

Je flüchtigern Geist nun ein Thier hat, je schwächer ist dessen Leben, und seynd nimmer so dauerhafftig, wie man siehet an denen subtilen Vögeln, welche durch einen geringen Wind angeblasen ihren Lebens-Geist verlieren; je beständiger aber der Geist ist, je länger das Leben, als bey denen Raben, Hirschen, Menschen und Elephanten zu sehen. Es ist auch die Ursache eines kurtzen Lebens die überflüßige Wässerigkeit und Feuchte, wo aber wenig Feuchte, hingegen viel Geist und Substantz, da ist ein dauerhafftes Leben. Denn der Geist ist das Leben und der Balsam, und nicht das Wasser. Derowegen ist der motus rathsam, der beweget und hitzet alle Glieder, welche ohne Unterlaß alle von sich ausdämpffen visibiliter und invisibiliter, sensibiliter und insensibiliter. Zum langen Leben sind auch dienlich alle Vegetabilia, die da trockener und nicht feuchter Natur sind. Also auch solche Thiere, die einen steten motum haben, als da ist alles Wildpret, zuforderst das gefiederte, solches hat ein trockenes körnigtes Fleisch: Denn es hat starcke motus. So bald nun das Leben hin, und von dem animali gewichen, welches nichts anders ist als ein himmlisch astralisches Licht, welches den Lebens-Geist entzündet und zum Wircken treibt: so fallen sie dahin und sterben, und fangen immediate an zu faulen; jedoch mit Unterschied: Je weicher und feuchter und wässeriger das Thier ist, je ehender faulet es, als ein hart-körnigtes trockenes. Solches siehet man an denen Fischen und Wasser-Geschlecht, die da schnell anfangen zu faulen, weil sie wenig Spiritus vitalis, aber viel Feuchtigkeit haben, solche faulen schnell und gehen wieder ad primam materiam.

Das mercke der Leser wohl, der Geist ist, der da wircket und thut, und nicht das Wasser. Je stärcker und mehr der Geist in einem Animali ist, je weniger ▽, je munterer, lebhaffter das Thier ist. Hat aber das Thier viel ▽, so erträncket es den Spiritum, und das Thier wird träg und faul und schläffrig. Der Geist aber muß Wasser haben, vermittelst welchen er alles agiren muß, und kan ohne Wasser nichts thun; Allein in rechter Quantität, nicht zu viel und nicht zu wenig, sonsten ist es excessiv, welches nicht allein in animali, sondern auch in vegetabili & minerali regno. Denn der Anfang und Ursprung aller Dinge war nur Geist und ▽, und der Geist hat im ▽ angefangen zu wircken und alles, was sichtbar und unsichtbar im Himmel und auf Erden, zu schaffen auf Befehl seines Schöpffers. Also macht solcher individuirter Geist in dem Thier vermittelst des Wassers Blut, Fleisch, Haut und Bein und alle Glieder des Leibes, und macht es hart und weich nach Angebung des Schöpffers. In der Resolution aber da macht es eben solcher Spiritus, wie ers aus ▽ gemacht hat, also macht ers mit und durchs ▽ zu einer wässerichten Materie, und endlich zu einem Wasser-Spiritu, wie es auch im Anfange gewesen. Aus diesen nun siehet der Leser den Samen und Saamen, aus wem das animalische Reich geboren und zerstöret wird, und zu was es wieder wird, und in wem und aus wem es bestehet.

Der Haupt-Punct aber in solchem Capitel zu vernehmen und einem Artisten hochnöthig zu betrachten und stets vor Augen zu haben, ist die Schnellheit und Geschwindigkeit der Putrefaction in diesem Thierischen Reich, da man siehet, wenn ein Animale abstirbet, daß es, zuforderst in warmer Zeit, in wenig Stunden, Zeit und Tag anfängt zu faulen und so hefftig zu stincken, daß kein Mensch mehr um selbiges ohne Schaden der Gesundheit bleiben kan. Solcher Putrefaction Ursach aber ist der hefftige Geist, das Sal volatile copiosum. Wenn ein Chymist solches recht bedenckt, so wird er einen grossen Vortheil und Vorsprung zuvor haben, seine Operationes zu beschleunigen. Denn ein jeder Chymist will ein Anatomicus seyn omnium rerum. O HErr, wie viel tausend gehen irre und fehlen, welche da sich zermartern, um ihre Subjecta zur putrefaction und solution zu bringen. Was erdencken sie nicht vor viel tausend menstrua und solventia, und will ihnen nicht von statten gehen. Hieraus entstehet hernach aller Fehler, die Unkosten werden vergeblich angewendet, Zeit und Materie verlohren. Hier gehet das Kopff-kratzen an, hebt an zu wünschen, zu fluchen, und die Kunst samt dem Künstler zu schmähen, daß lauter Lügen und Lügner seyn. Deßwegen wer da will solcher Aergerniß überhoben seyn, der studire wohl in dem Animalischen Reich, nicht allein mit dem Kopff, sondern auch mit den Händen muß ers bereiten und bearbeiten. Anatomato, heist es im Imperativo, denn wird sich eins aus dem andern lehren.

Nun ist gesagt worden, daß keine Anatomia naturalis geschehen kan ohne die Putrefaction: Deßwegen siehe den Grund und Ursach aller Putrefaction. Hier in diesem Reich hast du die schönste Gelegenheit, und ein weites Feld zu arbeiten. Faulen die vierfüßige und die auf Erden lebende Thiere geschwind, so faulen jene, so im ▽ leben, noch geschwinder. Stincken die auf Erden lebende Thiere starck, so kan vor lautern Gestanck der im ▽ lebenden Thiere, wenn sie verfaulen, niemand bleiben, wie an den faulen Fischen und Krebsen zu sehen. Es stellet mancher Artist seine Putrefactiones etliche Monat, halbe und gantze Jahr-Zeiten an, wenns herum kommt, so ist noch kein Anfang, zuforderst in denen Mineralien. Darum, wenn jetzt dein Werck nicht faulen will, so gehe in das animalische Reich. Hier siehest du, daß die Thiere in wenig Stunden und Tagen faulen, und wie sie nun geschwinde faulen, also machen sie nach ihrer Application andere Sachen auch mit faulen. Hie nimm die Augen in die Hände. Denn hier ist ein principal-Eck- und Grundstein der gantzen Chymischen Kunst: Ein Schlüssel, der da vermag die stärckesten Schlösser der Natur zurück zu schieben, der da fliegen macht alle Stein und Metall über alle höchste Berge der Weisen. Aus diesem Grund nun sinne einer nach, und ob er sonst ein Jahr zugebracht, das verkürtzet er in einem Monat, und was ihm einen Monat gekostet, das kostet ihm eine Woche, und die Woche wird in kurtze Tage und Stunden abgekürtzt. Aber mercke, daß dieses Reich in dem mineralischen Reich ohne das vegetabilische Reich nicht oder gar contrair wircket, und dieses animalische Reich macht, daß keine Freude oder Chymische Süssigkeit heraus kommt. Aber mit dem vegetabilischen wircket es alle Angenehmheit in dem mineralischen Reiche aus. Genug sey vor dißmal, bis wir weiter Erklärung thun. Wenden uns hiemit zu dem vegetabilischen Reich.

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