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Das XX. Capitel. Was das Universal- und Particular-Volatile, Acidum und Alcali sey.
Im vorstehenden Capitel haben wir gesagt, wie aus dem Volatili ein Acidum und aus diesem ein Alcali werde principaliter & generaliter aus dem regenerirten Regen-Wasser: anietzo aber wollen wir erklären, was dieses für Stücke seyn. Der Terminus Volatile ist bekant, was er sey; nemlich ein flüchtiges Wesen. Dieses heissen wir darum also, weil er das allersubtileste und flüchtigste ▽ oder Wesen ist in allen Dingen, sowol im universali als auch in specificis & individuis, weilen es in der feurigen Anatomie am ersten erlanget wird von seinen nachfolgenden Principien, es mag hernach in forma liquida, seu sicca, seu coagulata seyn. Das Acidum heißen wir darum also, weil es nach dem Volatile kommt, und unserer Zunge und Nase gemeiniglich einen sauren Geschmack und Geruch beybringet, und haben wir probirt, daß es in universalibus das Nitrum sey, es mag solches coaguliret oder wie ein Spiritus gemacht seyn, u. diß Acidum wird auch sonst ein Mittel-Ding, ein Hermaphrodit, eine mittlere Natur zwischen dem Volatili und Alcali, zwischen dem flüchtigen und fixen geheissen, und darum, weilen dieses principium in universis principiis je und allezeit nach dem Volatili und vor dem Alcali erlanget wird, und stehet also in der Mitte, hat auch die Eigenschafft und proprietät der mittlern Natur. Denn es gesellet sich gerne zu dem Volatili, und hänget sich auch an das Alcali, zu welchem es denn beygefüget wird, und ohne diese NB. Mittel-Natur wird kein Volatile fix oder beständig, und kein Alcali oder NB. fixes kan ohne dieses nicht volatilisch oder flüchtig werden. Denn durch das Acidum muß und soll nothwendig das Volatile und Alcali geschlichtet und gerichtet werden. Auch vertragen sie ihn als ein Tertium oder Scheidmann, und wer solches umgehet, der wird mit Schaden weise werden. Das Alcali oder fix heissen wir darum also, weilen es im △ beständiger als das vorgehende und das 3te und letzte principium in omni re. Dieses mag nun in forma coagulata, vel spirituosa, vel liquida, vel sicca uns erscheinen. Wenn es einen alcalischen Effect weiset, so heists ein alcali oder alcalisch Saltz, und ob solches schon zu einem Spiritu übergetrieben wird, kan es doch in puncto mit seines gleichen fixo wieder fix werden.
Welches aber nun das Volatile, Acidum und Alcali als principal-Theile sind, welche alle Wirckungen verrichten in universalibus & individuis, wollen wir gleich anzeigen. In universalibus, als da ist der Thau, Regen, Schnee, Hagel, Schlossen, ist das Volatile in seiner Anatomie und distillation nach vorhergegangener Putrefaction ein sehr subtil, hell, klar und unschmackbares flüchtiges Wasser, welchem mit fortfahrenden distilliren immer ein gröberes und schwerers Wasser auf dem Fusse folget. Nach solchem Wasser kommt das acidum mit seinem sauren Geschmack, diesem folget ein dick stinckend Oehl, welches auch zum acido gehöret, denn das acidum ist ein extendirtes Oehl und das Oehl ist ein condensirtes acidum, und kan das Oehl mit Kreiden oder Colchotar miscirt und distillirt auch zu einem acido werden. Nach diesem folget nichts mehr, sondern in fundo bleibet ein schwartzes zu Kohlen verbranntes Wesen, so die Chymici vulgo caput mortuum heissen, welches so es durchs Feuer zu Aschen gebrannt wird, so wird es zu 2. Theilen geschieden in ein Saltz und Aschen, welches alcali heist. Die Asche gehöret auch zum alcali, denn aus Asche und Saltz wird das Feuer beständigste Subject gemacht, nemlich Glaß, und ist die Asche das fixeste Theil jegliches Subjecti, hernach das Saltz.
In denen Animalibus nach ihrer putrefaction erlanget man gemeiniglich in der distillation zum ersten einen starcken, flüchtigen, stinckenden, sehr penetranten Spiritum und Sal volatile und mit diesem ein Phlegma, auch offt, daß man starck distilliret, reisset es mit sich auf ein flüchtiges Oehl, welches denn ein Volatile in den Animalien heisset, diesen folget in continuata distillatione ein gröber phlegma, nach diesem ein starcker saurer stinckender Spiritus oder Acidum animale, deme dann sein Oleum fœtidum folget. Hernach so bleibet die Kohle oder das alcalische Theil in fundo, daraus per reverberium das Sal alcali und Aschen gemacht wird. Die Vegetabilia geben nach ihrer fermentation einen flüchtigen brennenden Geist mit seinem Phlegma und offt subtiles Oehl, das ist Volatile vegetabilium. Diesem folget ein grobes Phlegma, nach diesem ein saurer rechter Eßig und ein stinckendes dickes Oehl, dieses ist das Acidum. In fundo bleibet eine zu Kohlen verbrannte Materie, so per Reverberium in Aschen und Saltz getheilet wird, und ist das Alcali vegetabile.
Die Mineralia, wenn sie erst aus dem Berge kommen und distilliret werden, geben ein wenig phlegmatisches süsses Wasser mit einem sauren Geist, das ist dann Volatile minerale; Ihm folget noch nach ein saurer Dampff, so die Chymici insgemein ein Oehl heissen, wie den ersten einen Spiritum, und ist Acidum das andere principium: wiewohl dieses Oehl und Spiritus beydes Acida sind, so machen doch die Chymici einen Unterscheid in einer unterschiedlichen Qualität. Nach diesem bleibet in residuo oder fundo eine Erde nach Art des Minerals unterschiedener Farbe, welche per reverberium in 2. unterschiedene Theile geschieden wird in eine Erde und Saltz, das ist der alcalische Theil deren Mineralien. Hieraus ist schließlichen zu sehen, aus welchem die grosse Welt mit allen ihren Theilen, und wie sie entsprungen, was sie von Anfang vor principia gehabt habe, und in was Theile sie sich nachgehends getheilet hat, wie viel derselben sind, und wie sie unterschieden werden in unterschiedene Reiche, was sie wircken und vorhaben, und zu was Ende. Und dieses in genere & universaliter. Jetzt wollen wir ad specifica & individua descendiren, als a majori ad minus, auch betrachten deren Geburt und Ursprung, samt ihrem Mittel und Ende, als deren Animalien, Vegetabilien und Mineralien, und wollen jedem Reich sein eigen Capitel setzen, selbiges vom Anfange bis zum Ende examiniren.