Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.

← ExitThe Golden Chain of Homer
I.19 · Volatile, Acid and Alkali

Damit man mich aber recht verstehe, so will ich es offenbaren, damit jederman recht gedienet werde. So verstehe einer noch einmal, daß alle Subjecta sublunaria, jedes nach seiner Art in Animali, Vegetabili & Minerali Regno sein eigen Volatile habe, nemlich ein subtil, flüchtiges Wasser, es sey nun wenig oder viel, also auch ein acidum oder acetum, der da nach der flüchtigen Phlegma übergehet, d. i. ein Eßig-saurer Spiritus, in quovis regno redolens regnum proprium. Denn jedes auch sein alcali, so aus dem residuo per reverberationem heraus gelauget wird durchs Wasser. Wenn nun ein Chymist will ein radicirtes Volatile oder Acidum haben und machen, so nehme er jedes individui propria principia, oder in defectu unius vel alterius homogenea, setze das alcali purum in eine Retorte 1. part. geuß darauf seines acidi 3. part. distilla lente in cinere vel B. M. so gehet das acidum gantz schwach über wie ein Phlegma, und wenn es auch so scharff wäre wie ein aquafort, denn das alcali hat die Schärffe bey sich behalten und in sich figirt. Wenn du dieses gethan, so geuß wieder 3. part. acidi proprii darauf und machs wie zuvor, so gehet es schwach über, und das alcali wird schon ziemlich voll und satt seyn. Zum 3ten geuß wieder frisches acidum 3. part. wie zuvor, darüber, und quo plus, eo melius. Ziehe es in M. B. per gradus usque ad oleum ab, so stehet das Alcali solvirt und ist der volle wackelnde Bauer. Solches aufgiessen mit dem Acido thut man, bis das Acidum so scharff herüber gehet, als es ist aufgegossen worden, welches, wenn das Acidum scharff und concentrirt ist von allem Phlegma, offt zum 2. 3. 4ten mal geschicht.

Wenn nun das Alcali mit dem Acido conjungiret und als ein Oehl stehet, so sind die 2. principia bey einander. Da siehet ein Chymist, wie ein Principium das andere suavissime fasset und hält, und sein heterogeneum jaget es selbst aus, nemlich das flüchtige humidum oder phlegma. Wilst du nun ein Volatile radicatum draus machen, so procedire, wie folget: Denn so ist es schon ein Acidum radicatum und nichts mehr dabey zu thun, als daß du noch 6. part. frisches Acidum hinzu thust und treibest es damit herüber per Retortam in einen Liquorem per pauca cohobia, so ists Acetum vel Acidum radicatum. So du nun ein Volatile radicatum daraus machen wilst, so thue darunter 6. part. Volatile und treibs mit einander über, so werden sie amicissime conjungiret sine strepitu & ulla discordia. So dieses über, thue wieder frisches Volatile rectificatissimum darzu, treibs auch über, und dieses repetire 3mahl, so ist das Volatile secundum ipsius naturæ regulam radicirt, und kan billig Essentia naturæ quinta oder Magisterium genennet werden, weil alle Principia in einem beysammen, da das obere und das untere mit dem mittlern conjungirt, und kan also secundum Hermetem virtus unita genennet werden, quod hic superius sit cum inferiori contractum.

Einige nehmen dieses mit distillirten Aceto imprægnirtes Alcali 1. Theil, und thun darzu 4. Theil calcin. Kiesel-Steine, mischen es wohl unter einander, u. treiben es in einer gläsern Retorten über, erstlich geben sie 2. Stunde gelinde Feuer und denn vermehren sie das Feuer, daß die Flamme um die Retorte schlägt, und damit halten sie so lange an, bis das Sal Tartari in Gestalt eines Nebels oder Geist mit dem Wein-Eßig-Spiritu übergegangen ist. Hier siehet ein Chymist, auf was für eine Manier der Spruch wahr werde: Natura natura gaudet, natura naturam amplectitur, natura naturam vincit & superat. So nun der Artist nicht so viel Acidum nähme, sondern diesem Processui contrariam quantitatem Principiorum, also, daß das Fixum oder Alcali Oberhand hätte, so machte er ein fixes Saltz oder einen fixen Crystall draus, welcher im Feuer als eine Butter fliesset und in eine Quinta Essentia vulgariter fixata, wie die andere Quint-Essent. liquida volatilis est. Also kan er hinter und vor sich machen, wie er selbsten will, und kan eines ins andere transmutiren. Was aber die praxin anbelanget, wie aus allen individuis die Principia geschieden und wieder zusammen gesetzt, oder eins in das andere muß verwandelt werden, stehet im Tractatu de anatomia rerum (hier im II. Theil.)

Folget jetzt, den Eßig insgemein zu radiciren. Rec. Sal Tartari 4. lb. geuß darauf Aceti 1. lb. ziehe ihn wiederum ab, so ist er fertig. Nun examinire man diesen Eßig. Der simple destillirte Eßig ist ohne dem nicht scharff, und so viel Schärffe er hat, so viel behält und figirt das Sal Tartari in sich, also, daß ein blosses Phlegma an statt eines wahrhafftig geschärfften radicirten Eßigs herüber gehet, und wenn sie den Eßig 10. malen abdistilliren über Sal Tartari, so wird er immer schwächer und weniger u. ist eine leere Arbeit. Hingegen so behält das Sal Tartari die Schärffe des Eßigs in sich, und wird davon ein flüßiges Saltz, das da bey einer Kertzen leicht schmeltzet. Was sie damit für Extractiones machen, das erfahren sie selbsten. Also gehet es auch, wenn sie den Eßig über Sal armoniacum abziehen, der denn eben in seiner vorigen Schwäche übergehet, und den Salarmoniac hinter sich läst ohne seine Verminderung. In solchen Fehlern wissen sie ihnen denn durch Nachdencken eines Mittels nicht zu helffen, aus Ursache dessen denn die Operation zu Grunde gehet. Die Philosophia und Kunst wird verlachet und geschändet, für falsch u. erlogen ausgeschrien.

Die meisten distilliren in einem Kolben per Alembicum, und da gehet nur der subtileste [Eßigzeichen] Volatil- mit samt dem Phlegma über, und theils gebrauchen nun diesen zu allen Operationibus, welcher sich so schwach bezeiget, wie ein Phlegma, nur daß er noch einen kleinen Geschmack hat, der nur attestiret, daß er etwas vom Eßig gewesen, treiben sie aber stärcker, und zwar per Retortam, so erlangen sie einen stärckern, aber vom Oehl stinckend und brentzlend, welchen sie entweder gar verwerffen, oder mit vielfältigem rectificiren den Gestanck benehmen müssen. Wird dem Eßig der Gestanck genommen, so verlieret er zugleich seine Schärffe, denn ist er wieder nichts nütze. Damit aber solche auch zu einem Vortheil kommen, und einen rechten scharffen Eßig distilliren zu ihren Operationibus will ich ihnen etliche Vortheile anzeigen, nach welchen sich einer immer bessere und kürtzere Handgriffe aussinnen wird. Denn die edelsten Handgriffe, daß man einen solchen Eßig simul & semel scharff und klar, wohlriechend nach seiner Art ohne Brand distilliren kan auf eine eintzige Distillation, sind und gehören nicht ins Publicum. Dann dieser heist die Gabe GOttes Pandora, damit die gantze Kunst eröffnet wird. Jedoch eine gute Anleitung durch Exempel kan geschehen, aus welchem sich ein Sinnreicher bald zu helffen wird wissen.

Derowegen, so du wilst einen gar starcken Eßig ohne Brand distilliren, so must du ein Subjectum nehmen, das dem Eßig sein stinckend Oehl an sich halte, und nichts als die Schärffe mit der Phlegma gehen läst, so gehet der Eßig auf einmal über, klar ohne Brand, und kan man viel Maaß auf einmal bekommen, da man zuvor kaum einen vierdten Theil und sehr schwerlich erhalten können. Solche Subjecta aber, die das Oehl an sich halten, sind viel, als da ist der Calx viva, das Caput mortuum Aquæ fortis, der Colchotar, Vitriol, die Minium, die Holtz-Aschen: So nimm von diesen Subjectis eins, welches du wilt, doch ist eines besser denn das andere, die Erfahrung wirds lehren. Dessen Rec. lb 1. und von dem starcken Wein-Eßig 1. oder 2. Maaß, thue den Zusatz pulverisirt in eine grosse darzu proportionirte Retorte, geuß den Eßig darauf, setze ihn in Sand oder Asche, distillire per gradus alles, was gehen will, auf die letzte starck, so gehen saure Spiritus, welche den Acetum ziemlich schärffen. Also hast du auf einmal klaren Acetum, welcher denn mit unterschiedlichen Salien zu schärffen ist. So fern aber ein klein wenig Olität solle mit herüber gegangen seyn, so geuß ihn wieder zurück und distillire ihn noch einmal, so ist er fertig zum acuiren.

Dieser distillirte Eßig ist nun auch auf viele Weise zu acuiren: Denn auch ein modus besser als der andere, auch durch das Sal com. durch das Wein-Geläger, durch das Sal armoniacum, durch das Sal Tartari und Potaschen, durch den Spirit. Nitri oder Salis oder Vitrioli vel Sulphuris. Wer ihn nun mit solchen Dingen schärffen will, der kan es thun, denn er wird doch einen sehr trefflichen Effect thun, welcher nicht an Tag zu geben ist. So einer solchen Eßig nun schärffen will durch Wein-Geläger, welches voll Oehl stecket, so muß er ihm auch einen Zusatz geben, der das [Oehlzeichen] zurück halte, so gehet nur der Sal volatile mit dem Aceto über, welches das gantze Meisterstück ist, das da den Acetum stärcket. Welcher aber Sal, Sal Tartari, Potasche nehmen will, der muß eben einen Zusatz geben, vermittelst welchem der Eßig mit ihrem Spiritu kan und soll imprægniret werden: als da ist Leimen, Bolus, Blutstein, Rödelstein, Minium, Trippel, &c. auch von solchen Salien eine Composition machen, als Sal Tartari und Sal armoniacum zusammen setzen, oder Sal, Sal Tartari und Sal armoniacum, alle drey zusammen und den Eßig gantz trocken davon distilliren.

Hier will ich einen acuirten Acetum beschreiben, welcher besser soll seyn, als der so viele Jahre und Zeit insgemein gehandelte radicirte acetum. Rec. Salis Tartari part. 3. Spiritus salis part. 2. aceti destillati 8. oder 12. part. den acetum u. Spiritum salis geuß zusammen, das Sal Tartari thue in eine Retorte, geuß den Eßig mit dem Sp. ⊖ darauf, setz in Sand ein und distillirs gantz trocken herüber, das Sal Tartari nimm aus der Retorte, setz ihm zwey Theil calcinirte Alaun zu, thue es wieder in die Retorte, geuß das distillatum drüber und distillirs wieder starck per gradus herüber: so hast du acetum radicatum, welcher auf einmal so viel effect thun wird, als der gemeine bräuchliche auf 100. mal. Das Caput mortuum nimm aus der Retorte heraus, und so noch ein Sal Tartari darinnen ist, so cohobirs noch 1. oder 2. mahl mit aufgiessen und abziehen, bis das Sal Tartari alles übergestiegen, so hast du es aufs beste gemacht. Daß ich aber acida und alcalia unter einander werffe, habe ich billig gethan. Denn so du den Unterscheid dieser weist, so ist nicht vonnöthen, weitern Unterricht davon zu geben. Die Acida sind die Subjecta, die da subtiler sind als Alcalia, denn die acida haben nicht so viel Erden in sich solviret, als die Alcalia, sonsten sind sie gleich und kommen auch von einer Mutter und Ursprung; das flüchtig und fix magis & minus macht den Unterscheid.

Hiermit will ich anzeigen die fixe Sachen zu solviren. Verlanget ihr einen irdischen fixen alcalisirten Spiritum, flüchtige Sachen aber und die nicht so hart gebunden, einen flüchtigen Spiritum und Spiritum vini, mercket auf das Homogeneum: Denn simile gaudet simili. Die Mineralia und Metalla verlangen einen mineralischen homogenen Spiritum, wie unten offenbar wird werden, acetum ist ein vegetabilisches schwaches subject, darum muß man ihn stärcken, daß er dasjenige, was ihm zu starck ist in seiner Natur, mit des andern gedoppelten Krafft angreiffen kan, und ist dieses der Haupt-Punct, warum der acetum darzu gebraucht wird, weil er alle corrosiva mildert und dulcificiret, welche dem Menschen zu seiner Gesundheit gefährlich sind, sonsten könte man ihn wol entrathen. Denn das Aquafort, Spiritus Nitri, Salis, Vitrioli, Sulphuris solviren ohne den Eßig alle und jede subjecta, der Eßig aber temperiret ihre Schärffe, und macht, daß sie aller Natur angenehm werden. Man siehet auch wiederum, daß die Mineralia zwar ihr Volatile haben, aber denen andern Reichen contrair, und auch nicht so flüchtig. Damit sie aber auch denen andern Reichen gleich werden, so giebt man ihnen ein Volatile zu aus dem vegetabilischen als ihren nächstverwandten Reiche, oder aus einem Universal-subject, denn es ist der Chymist an den vegetabilischen acetum nicht gebunden, er kan so wol einen aus Schnee und Regen nehmen, als universali, er wird eben das thun. Weil aber vini acetum ohne dem in copia gemacht wird, so braucht man keinen Umschweiff zum sieden darzu.

Contents

Sign in to save your reading →