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I.19 · Volatile, Acid and Alkali

Es möchte aber einer hier einen Einwurff thun: Warum nimmt er zur Probe solche wunderliche und contraire Sachen und Subjecta, als aus dem vegetabilisch- und mineralischen Reich? Warum probirt ers nicht aus Regen-Wasser, wie er hat angefangen? Diesem antworte ich, daß ich ihm oben Anlaß und Probe genug gewiesen. Diese vorgesetzte Probe aber ist darum, damit der Liebhaber eine Vergewisserung der versprochenen schnellen Operation habe, dieweil nicht ein jeder vorgesagten Discours aus dem Regen-Wasser zur praxi bringen will, also kan er aus so schneller Probe geschwind erkennen und mit Händen ergreifen, wie das Volatile zum Acido, und diß zum Alcali werde. Und hinwiederum ist der Tyro nicht gebunden an das obige Exempel, er kan es aus allen u. jeden subjectis totius naturæ machen, welche die 3. principia eigentlich vollkommen und eigentlich in offenen Stand haben, aus allen Animalibus und Vegetabilibus; aber aus denen Mineralibus wird ihm diese Probe schwer fallen. Doch so er diesen Tractat evolviren wird, so wird ers auch leicht fassen. Denn es nehme einer von einem Dinge das Volatile, sein Acidum und Alcali oder Erden-Aschen und machs auf obige Manier, so wird ers schon erlangen.

Man möchte aber weiter sagen: Es gehet endlich hin, eine schnelle Probe zu machen, daß man obiter etliche Subjecta zusammensetze; Aber warum nimmt er den Eßig darzu? ist nicht genug der Spir. vini als Volatile, das Aquafort als Acidum, und die Kreide als eine fixe Erde und alcalisches Subject? Warum denn Acidum darzu? Hier schicket sich nicht uneben ein fundamental. Discours, als sehr nothwendig, der denen Liebhabern, so bisher im Labyrinth gestecket, nicht ein geringes Licht, ihre so viel 1000. begangene Fehler zu corrigiren, anzünden wird. Dieses ist ein solcher Handgriff, welcher so ihn mancher recht zu appliciren wüste, er viel Umschweiffe, Unkosten und Zeit in Chymicis erspahren würde. Es ist doch zum Handwerck worden, daß jeder Laborant seine Hände in Spir. vini wäschet, da der Hunderte nicht weiß, was er ist. Sie sagen Spir. vin. muß die Sulphura extrahiren, er muß die Corrosiva dulcificiren, und die Salia clarificiren, er muß das gantze Werck als das edelste Wesen corrigiren, perficiren. Ja, sie haben recht. Aber NB. hic latet nucleus. Sage mir rationem, cur hoc faciat spir. vini? und wenn mancher seine Arbeit besiehet in finali, so siehet ers lahm und unvollkommen, daß er wünschet, er hätte es nie angefangen, darüber er doch so viel Maas des theuren Spir. vini verschwendet, und gleichwol den geringsten Effect nicht erhalten. Der Spir. vini ist so scharff gewesen, daß er das Pulver angezündet, hat doch den schlechten Effect gethan. Was ist die Ursach?

Dieses ists, hæc est ratio erroris: ab uno extremo ad alterum non datur transitus. Der Spir. vini ist ein höchst flüchtiges ens, das Aquafort, die Salia, die Erden sind einer fixeren Natur, also auch dem Oleo und Spiritu vini contraire, denn sie sind ja ein extremum, derowegen will er sich sine repugnantia nicht gerne conjungiren, und mit ihnen vergleichen: so man solches zusammen geust, so höret man gleich eine contraire Action, denn der Spir. vini und Aquafort, zuförderst so es starck ist, sausen zusammen, daß mans höret, weil sie einander contrair sind, so aber der Eßig dazwischen kommt, als das Acidum dem Spiritu vini conveniens und proprium medium, so conjungiret sich der Spiritus vini gar gerne ohne die geringste Repugnanz. Nun ist der Eßig dem Aquafort auch nicht contrair, denn solches siehet man aus ihrer Conjunction, daß sie sich zusammen mischen wie Wasser u. Wasser, ohne die geringste Repugnanz. Der Eßig nimmt den Spiritum vini in sich und coagulirt ihn amicissime mit dem Aquafort, daß sie alle Schärffe verlieren und davor bekommen eine Süsse. Man möchte aber hier einwenden, daß ja auf solche Manier leicht wäre Volatile, Acidum und Alcali zu machen, wenn ich eines mit dem andern überlade, so mans mit allerhand übersetzte, und auf allerhand Subjecta anderer Art nimmt, als der Spiritus vini, Acetum, der ein Vegetabile, das Aquafort ein Minerale, auch die Kreide, nothwendig müssen solche contraire Subjecta eine Veränderung geben. Zum 1) sage ich, procedire ich secundum legem ipsius naturæ, wie es in diesem Tractat unterschiedlich wird an seinem Ort klar ausgeführet werden. Und wem dieser modus procedendi unbekant gewesen, der sage mir jetzt Danck, daß er durch mich ein medium conjungendi gelernet, und mercke nun jetzt und überall das in Chymicis operationibus unvermeidliche Axioma Philosophicum: Non transiri posse ab uno extremo ad &c.

Es fällt mir zwar hier zu weitläufftig, solches fusius zu erklären: Jedoch einem Artisten ist mit rationibus Physicis und Praxi authentica mehr gedienet, als wenn man ihm innumeras Speculationes, Amphibolica, Hieroglyphica proponirt. Denn aus einer einmal gefaßten rechtschaffenen ration und praxi machen sich 1000. andere Argumenta, die zuvor einer niemals considerirt hat, und zündet sich selbst aus einem Lichte viel 100. andere Gemüths-Lichter an, dadurch er immer und näher ad scopum veritatis geleitet wird. Es werden viele Proceß-Bücher geschrieben, auch andere theoretice, aber keines ist oder sehr wenige ausgegangen, welche andeuten, aus was Ursach dieses oder jenes in hoc vel illo processu addiret wird, was da figire und flüchtig mache, welches das coagulans oder solvens, und warum & ex qua virtute das geschicht. Wenn denn nun ein unschuldiger Tyro über solche Processe stolpert, so gehet er blind hinein, bis er im Ausgang siehet den grossen Fehler. Denn weiß er sich weder hinten noch fornen zu helffen, weil er die Ursache nicht zu ergründen weiß. Wenn aber die gelehrte Welt ihre Bücher mit wahren rationibus illustrirte, die der Praxi auch gemäß sind, es sey auch in dem schlechtesten Stücklein, als es immer wolle, so würde man in kurtzen eine Wunder-Geburt unserer Jugend mit Erstaunen ansehen müssen, welche denn nicht mehr so viel Mühe würden haben, weitere Felder zu besamen, und die Kunst aufs höchste zu bringen.

Nun ad propositum. Hier mercke ein jeder, daß kein Subject in rerum natura, welches nicht seine principia hat, es sey occulte vel aperte, es sey universale vel individuum; und so je eines solle an seinem Principio mangeln, so hat es sein refugium auf sein gleiches Homogeneum oder auf die Universal-Subjecta, als welche potentialiter individua sind, und sich mit allen individuis vergesellschafften und vergleichen, auch darein transmutiren, gleichwie die individua respectu originis universalia sind, auch in ihrer letzten resolution darein transmutiret werden. Hat nun jedes Ding seine Principia, oder in Mangel eines ein solches per homogeneum kan ersetzt werden, so haben sie ja ein Volatile, ein Acidum, ein Alcali. Unter diesen 3en ist das Acidum das Mittel oder Medium conjungendi in allen Dingen. Nun ist auch gewiß, daß sich gleich mit seines gleichen gern vereinigen lasse in allen Dingen, als die Alcalica Salia quæcunque sint Animalia, Vegetabilia, Mineralia mischen sich gern zusammen, die Acida auch, also auch die Volatilia: denn der Spiritus vini oder Spiritus ardens vegetabilium, und der Spiritus Volatilis animalis conjungiren sich gerne zusammen, also auch der Spir. medius illorum, als da ist das Acidum oder [Eßigzeichen], also auch ihre Alcalia. Hinwieder conjungiret sich das [Eßigzeichen] oder [Eßigzeichen]dum vegetabile & homogeneum ohne Wiederstrebung mit den mineralischen Acidis, als Aquafort, Nitrum, Sal, Vitrioli, Alumen, Sulphur, als durch deren fixes Sal.

Entgegen aber, so schicket sich ein extremum mit dem andern nimmermehr mit seinem Sal oder Alcali: also conjungiret sich der Spir. vini auch nicht, oder sehr hart und gefährlich, auch sehr langsam mit denen mineralischen Acidis & Alcalibus. Wenn ihm aber sein Mittel-Ding beygebracht wird, alsbald & in puncto momenti sind sie beysammen, daß sie ohne Schaden nimmer zu separiren sind, weder durch Feuer noch Wasser. Denn setze dem Spiritu vini rectificato Acetum rectificatum zu, so wirst du gleich seine Vereinigung sehen ohne repugnation dieser beyden. Denn gieb ihnen Alcali, so wirds suavissime solviret und conjungirt, daß sie beyde oder alle 3. in rechtem Gewichte stehen, und so du wolltest per B. M. den Spiritum vini oder Eßig davon scheiden, so wirst du statt ihrer, ob sie auch aufs schärffste von allem Phlegma separiret waren, ein lauteres unschmackbares phlegma separiren, das Ens oder Essentia Spiritus vini seu ejus Sal volatile hat sich durch den Eßig und mit des Eßigs seiner Schärffe auf das Alcali figirt und wirst nach abstraction der Wäßrigkeit finden ein flüchtiges fixes Sal, wie Wachs ohne Rauch, also daß der Spiritus vini und Aceti durch ihr Sal Alcali so fix sind worden, daß sie in offenem Tiegel wie Wachs fliessen ohne Rauch.

Daß die Theoria mit der Praxi illustriret werde, so mercke folgendes. Hier muß ich in gleicher ration einen Haupt-Fehler, so fast alle und jede vulgi Chymici begehen, entdecken. Wenn die Chymici wollen den Spiritum vini schärffen, so schärffen sie ihn in consuetudine per Sal Tartari oder Tartarum calcinatum. Jetzt frage ich einen Practicum: ob er vermeynet secundum regulam naturæ zu gehen auf diese Weise? Minime. Ratio hæc est, ut supra quoque dictum: das Alcali oder Sal Tartari ist ein Corpus fixum oder extremum, der Spiritus vini ist ein summum volatile und auch ein extremum. Hier sehen sie ja schnur-gerade, daß ein Mittel-Ding abgehet, weil der Spiritus vini mit dem Alcali sich nicht misciret, sondern über einander stehen, als wenn sie niemalen zusammen gehöret hätten, der Spiritus vini conjungiret sich nicht mit dem Alcali, oder ja so langsam, daß einem darüber Unkosten und Zeit genug werden verschwinden. Wiewol der Spiritus vini per plurimas cohobationes & repetitiones entweder sich auf das alcali figirt oder das alcali flüchtig macht; sed quanto Herculeo labore! Nun ist ja secundum ipsammet naturam besser, weil ich sehe, daß sich diese beyde sehr schwer oder nicht zusammen schicken, muß ich NB. ihr eigenes Medium suchen, welches ihnen entzogen ist; habito hoc medio, geschicht die Conjunction suavissime auf einmal, ja in einem Augenblick unscheidbar.

Ja hier siehet nun jeder, was für Mühe zuvor er gehabt, daß der Spiritus vini durch solche Cohobationes sehr viel verrauchet ist, und daß ihm samt der verdrießlichen Arbeit grosser Schaden geschehen. Dann so der Spiritus vini zum Alcali kommt und mit Feuer getrieben wird, so flieget er wieder davon in seiner Quantität, und läst sein Phlegma beym alcali, dadurch der Spiritus vini concentrirt, und durch die verlohrne Phlegma schärffer und feuriger worden, das soll dann ein Spiritus vini alcalisatus und radicatus heissen. Also machen sie es auch mit dem Eßig, wie ich nachgehends sagen werde. Ihr Chymici, sucht ein Mittel-Ding und setzet es zwischen das Alcali und Volatile als ein Medium, als zwischen 2. extrema, und lasset das Alcali von solchem sich voll sauffen, bis es nicht mehr kan und so voll vom medio sey, daß es hin und her wackle, wie ein voller Bauer. So nun das alcali so voll vom acido ist, dann so laß es auch so viel Volatile sauffen, daß es noch völler werde, und je mehr Volatile, je besser. Denn so treibets durchs Feuer mit Gewalt, so flieget das alcali mit allen Theilen in die Höhe. Diesem setzet wieder so schwer oder zweymal so schwer, als es wieget, seines Volatilis zu, und treibets geschwinde mit Feuer-Gewalt über, so ist aus dem acido und alcali ein Volatile worden, und ist dann ein radicirtes und alcalisirtes Volatile.

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