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Das XIX. Capitel. Wie aus dem Volatili ein Acidum, aus dem Acido ein Alcali werde, und e contra, wie aus dem Alcali ein Acidum, und aus diesem ein Volatile werde.
In diesem Capitel folget ein notabler Punct, den die Artisten, wofern sie anders in der Kunst profitiren wollen, aufs beste mercken sollen. Die Animalia können ohne die Vegetabilia nicht mineralisch werden, und die mineralischen ohne die Vegetabilia nicht animalisch, dann das vegetabile ist das Mittel zwischen dem animalischen und mineralischen. Gleichwie nun diese Universalia und Specifica ihre Mittel müssen haben zu ihrer Vereinigung, also muß auch jedes Individuum in jedwedern Reich sein Mittel haben, seine Partes zusammen zu bringen, zu erhalten und conserviren. Solches Mittel aber wird mit dem neu-aufgebrachten termino universaliter acidum genannt, welches universaliter, specifice & individualiter in allen subjecten totius universi ein Mittel ist zwischen Volatili und Alcali, zwischen dem obern und untern, ohne welches das obere mit dem untern sich nicht vereinigen will. Dann das Volatile, als obere, ist höchst-flüchtig, und das Alcali, als untere, ist höchst-fix. Nun vereiniget sich das flüchtige nimmermehr mit dem fixen immediate, das Volatile mit dem Alcali, ohne das Acidum. Das Acidum aber ist das Mittel und der Mittel-Mann, der Sequester, Coagulator oder Vereiniger aller Dingen: dann es ist nicht so flüchtig, ist auch nicht so fix, sondern im Mittel herum, ist ein Hermophrodit, der auf beyden Achseln trägt, er ist die rechte chymische Zange.
Man soll aber hier verstehen, wann der Volatile, Acidum und Alcali homogeneum zusammen kommen und nicht heterogeneum. Wie wollen sich die heterogenea so genau zusammen verbinden, daß sie unscheidbar werden? als v. g. Rec. Spiritum vini, Ol. Vitrioli und Sal Urinæ, gieß den Spir. vini und Sal Urinæ zusammen, dann gieß Tropffen-weise das Oleum Vitrioli drein, so wird es sich anfangs zwar starck wiedersetzen, brausen und sausen, endlich aber still werden und intime conjungiren: Denn so man hernach die Wäßrigkeit abdistilliret, wird kein Spir. vini mehr gespürt werden, welcher sich mit dem Oleo Vitrioli auf das Alcali figirt hat. Aus diesem siehet der Liebhaber die schönste Vereinigung der Natur, auch in denen widerwärtigen oder heterogenischen Naturen, so jedes einer andern Qualität und Reiches ist.
Nun will ich sagen, auf was Weise das Volatile zu einem Acido, und dieses zum Alcali werde, das ist, wie eines des andern Magnet werde. So bald das oben aufgefangene Regen-Wasser anfängt zu faulen, oder so bald der eingepflantzte Geist anfängt zu wircken, das Wasser zu erwärmen und entzünden, alsobald fängt er an zu scheiden und sich immer näher und näher corporalisch zu machen: dann in jetzigem Stand ist er gantz flüchtig. Wie aber das flüchtige allezeit intendiret fix zu werden per gradus intermedios, herentgegen so er fix ist, so intendiret er per copiosos gradus wieder flüchtig zu werden. Derowegen so wird dieser Geist aus einer Volatilität durch seine unabläßliche Bewegung immer wärmer und hitziger, solche Hitze macht ihn empfindlich und scharff, also daß er in sapore eine Säurigkeit præsentiret, so wir communi termino ein Acidum heissen. Je mehr nun der geisthafft wird, je mehr macht er Erden, dann das Acidum verursachet eine præcipitation und offenbaret durch solche Entscheidung die Erden, so in dem Wasser aufgelöset, dünn und subtil gemacht und zu Wasser worden, solche nun offenbaret das Acidum, und je saurer nun und hitziger dieser Geist wird, je mehr scheidet er die Erden. Damit aber solche Erden nicht zu starck wird, und an welcher sich das Acidum gar todt fressen und alcalisiren könte, so nimmt das Acidum seine Nahrung a Volatili, dieses attrahirets, als ein Magnet, verkehrts in seine Natur und machts zu einem Acido. Je mehr nun das Acidum das Volatile an sich ziehet, je mehr erhitzet es sich, und je mehr fermentirt es, je mehr zerlöset es die Erden, als in welche sie nachgehends wieder agiren muß, und je mehr es Erden zerlöset, je mehr wird das Acidum alcalisirt und figirt.
Wann nun die Erde satt mit dem acido imprægnirt ist, und das acidum so viel Erden solviret, als es können, auch so viel Volatile, als zu seiner action vonnöthen gewesen, magnetice attrahiret, so ist das Acidum nicht mehr so starck zum figiren und præcipitiren, sondern stehet nun im Mittel, und ist von der Erden, als einem alcalischen Theil so wohl, als von dem Volatili gesättiget, und stehet nun in der Waage, erwartend, welches von beyden Theilen die Oberhand erhalten wird, zu jener gesellet es sich gleich wieder in continenti, und hilfft ihm durchaus sein gleiches gebären. Als zum Exempel, bekommt das alcali oder die Erden die Oberhand, und ist stärcker und kräfftiger, auch mehr an der quantität, als das Volatile, dann das Acidum stehet im Mittel, so macht die Erde oder Alcali das Acidum auch durchaus alcalisch, das Acidum aber, weil es von der Erden überwunden ist, ziehet das Volatile an sich, und macht es durchaus zu einem Acido, und so es zu einem Acido worden, und weil die Erde immer mehr und mehr das dominium erhält, so macht es solches auch alcalisch und irdisch, bis in die höchst steigende Art, daß also das Volatile in ein völliges Acidum, nachgehends zu einem völligen Alcali, Erde und Steine wird; Entgegen so das Volatile zu starck ist, und die Erden zu wenig, so verkehrt das Volatile das Acidum in seine Natur und macht es zu einem Volatile, das Acidum aber macht das Alcali zu einem Acido und dieses Acidum wird durch und mit dem Volatili copioso & superaccedenti ein Volatile.
Dann es ist einmahl klar und mechanice zu beweisen, daß die Erde in wärendem, daß das Acidum also agiret und in die Erde arbeitet, ein Volatile zu sich nimmt, und solches in ein Alcali mit sich verwandelt, das Acidum aber hinwieder nimmt und solvirt die Erde zu sich, und frist sich daran zu todt, und wird also alcalisirt und figirt, daß also dadurch seine Schärffe dulcificiret und stumpff wird, damit es nicht weiter um sich greiffen oder corrodiren oder solviren könne. Dieweil aber alles Acidum auch niemal so viel Erden zu sich nimmt, daß es alles solvendo terram zu einem Alcali werden kan, also nimmt es doch so viel Erden an, daß es sich daran corporalisiret, und eine formam visibilem tangibilem erlanget, welches man siehet mechanice von jedwedem Acido, daß so eine Erde damit solviret wird, und doch nicht gar, so gießet man das solvirte ab und evaporirts ad tertiam partem, setzt es dann hin zu crystallisiren, so wird das Acidum anschießen, welches nicht geschähe, wann es zu viel Erden in sich hätte: Entgegen die hinterstellige Erden, welche das Acidum nicht gar solviret hat, trockene man und lasse sie ausglüen, solvirs mit Wasser auf und laß eincoaguliren ad tertiam, setze es in die Lufft, so wird sich nichts oder gar wenig anschiessen, welches noch von dem Acido überblieben, das andere aber wird sich unangeschossen auf den Grund setzen, als ein Saltz, so wir Alcali heißen.
Dieses ist nun die Theoria, folget die Praxis, quæ illam confirmat. Rec. ein Volatile, ein Acidum, und eine todte Erden, so da nichts hält, und laß mit einander agiren auf nachfolgende Weise, so wirst du die Warheit erfahren. Rec. Spir. vini rectif. der das Schieß-Pulver anzündet, 6. part. Aceti simpl. destillati, ex vino 4. part. Aquæ fortis vel Spir. Vitrioli 2. part. gieß den Eßig und Aquafort zusammen, dann gieß diese beyde über eine Cöllnische Kreiden oder eine andere Erden, welche kein Saltz in ihr hat, sondern gantz leer ist, 5. part. und so du es darüber gegossen hast, so gieß den Spir. vini darauf, in einen Kolben, setze es ins B. M. setze Helm und Vorlage an, damit das, so aufsteiget, in die Vorlage gehe, laß also Tag und Nacht oder zwey Tag und Nacht stehen, digeriren und solviren, im ersten oder andern Grad, dann so laß erkalten, gieß das klare ab von der Erden, so noch nicht gar solviret ist, fein gemach, daß die Erde fein trocken zurück bleibe, so viel als möglich ist, solche Erde exsicciere noch mehr und reverberirs unter der Muffel, dann lauge sie mit distillirten Regen-Wasser aus, filtra, coagula, so wirst du finden ein wenig alcalisches Saltz, welches sich aus dem acido spir. nitri und aceti in und zu einem Alcali figiret. Das klare Wasser aber distillire im B. M. ad oleum ab, so gehet das Volatile, wiewol geschwächt, über, weil das Acidum ein Theil figiret hat, das Oehl aber setze an einen kühlen Ort und laß schiessen, so erlangst du ein Nitrum oder nitrosisches Saltz, oder von einem andern Acido eine andere Art und Sort Salpeter oder Vitriol.
Nun wollen wir solche partes examiniren, nemlich das Volatile, das Acidum, und die Erde oder Alcali. Daß das Volatile sich ins Acidum figirt hat, und solches rectificirt, dann figirt und attrahirt, ist scheinbar, weilen der Spir. vini zuvor sehr scharff war und das Schieß-Pulver anzündete, nun aber gantz schwach, wie ein lauter phlegma, da siehets jeder mit Augen, daß er sein Volatile oder Schärffe bey dem Acido und Alcali hinterlassen hat. Daß nun das Acidum eine Erden oder Alcali in sich genommen und solviret hat, siehet man auch klar, dann zuvor war es ein lauterer Spiritus und Wässeriges aquafort, da es nunmehr eine Saltz-Form in sich genommen, welche nicht gantz fix, auch nicht gantz flüchtig, sondern stehet zu beyden Theilen geneigt, also daß es bald wieder flüchtig durch ein flüchtiges homogeneum werden kan, auch gleich durch ein fixes homogeneum kan figirt werden, es hat nunmehr sein Corrosiv und starckes oder heftiges Acidum verlohren, aus Ursach, daß es eine Erde in sich solviret hat. Solches spüret man ex gustu: Denn es mild und süß ist als ein Sal commune aus der reverberirten Kreiden, und daraus gelaugten Alcali. Siehet man also klar, daß das Acidum sich alcalisiret oder in ein Alcali verändert hat, und daß die Erde das Acidum magnetice attrahiret und solches alcalisirt. Ist also diese Probe genugsam demonstriret, daß das Volatile zu einem Acido, das Acidum aber zu einem Alcali wird. Denn die Erde ist viel stärcker und kräfftiger, also daß sie das Acidum nicht hat können völlig überwinden und gantz in sich selbst mutiren. Derowegen hat die Erde die Oberhand, und überwindet also beyde Obere.
Entgegen aber nimm wenig Erden und so viel Acidum und Volatile, also daß die Erde völlig solviret werde, so wird die Erde zu einem Acido per Acidum & Volatile werden. Thue nun diesem Acido ein Volatile in sufficienti quantitate bey, so wird das Acidum per excessum volatilis zu einem Volatile, denn welches excedirt quantitate & virtute, potestatem habet transmutandi alterum in se ipsum. Also Rec. 1. part. Aquæ fortis, 4. oder 6. part. Acidum, 8. part. Spir. vini oder 12. Theile, machs in allem, wie oben, so wirst du sehen eine dem obigen contraire Probe, nemlich, daß du die Erde in ein Acidum verändert hast. Und so du das flüchtige etliche mal cohobirest, so wird das Acidum in ein Volatile verändert. Jetzt ist die andere Probe, aus welcher ein Liebhaber mechanice sich exerciren kan, und solches mit Augen sehen und erfahren, wie die Natur in particularibus arbeitet, also arbeitet sie auch in universalibus. Denn die Ordnung hält sie immer und so lang, bis zu der Schmeltzung des Erdbodens. Durch solche Ordnung macht sie aus den universalibus specifica & individua, nachdem die Principia excediren. Denn eines hat zu viel Volatile, das andere zu viel Alcali, das 3te zu viel Acidum, in einem zu viel, im andern zu wenig, oder in etlichen durchaus mittelmäßig. Nach Unterscheid nun des vielen oder wenigen, so nehmen sie eine Qualität an, und machen oder nehmen eine Differenz von dem andern. Denn alle Creaturen differiren, wie schon gesagt, secundum magis vel minus Volatilis, Acidi & Alcali, seu secundum majorem & minorem volatilitatem & fixitatem.