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Das XVI. Capitel. Von dem Haupt-Punct, Pforten und Schlüssel der Natur, als ein Urheber aller Gebärung und Zerstörung derer natürlichen Dingen, Putrefactio.
Der Himmel ist wegen seiner Zartheit und subtilen Reinigkeit nicht so veränderlich als die untern Elementen; so er sich aber in der Lufft und von dannen auf das Wasser und Erden begiebt, so faulet er samt den andern auch mit, um seines gleichen in denen untern Elementen auch zu gebähren, ohne welche putrefaction aus besonderer Ordnung GOttes nichts wollen gebähren oder zerstören. Derowegen ist ohne putrefaction oder vorhergehenden macerirung, digestion oder fermentation, Gerung (sie geschehe gleich geschwind oder langsam) keine Anatomia vera zu hoffen in universalibus so wohl als specificis & individuis. Dann Thau, Regen, Schnee, Hagel und Reiff faulen ohne Unterscheid, und machen eine Scheidung des subtilen von dem groben, und dessen Zeichen ist, wann sie einen wiewol schwachen Geruch von sich geben. Die Animalia faulen wie die obere eher, leichtlicher, und wegen ihres copiösen sehr flüchtigen Salpeters stincken sie unleidlich. Die Vegetabilia faulen auch leicht wegen ihres überflüssigen humidi, doch nicht so geschwind, wie die Animalia, auch stincken sie nicht so gar übel, wie die obige. Die Mineralia faulen, fermentiren oder gähren, doch geben sie, wenigst die meisten, nicht so übeln Geruch, wie vorgesagt, doch so ein Eisen in die Macerirung kommt, und ein Homogeneum erlanget, so stincket es ärger als ein Cloac, welches wir an seinem Ort anstehen lassen rc.
Aus der Putrefaction haben wir nun dessen Nutz und Veränderung, daß die Mineralia und diese vice versa werden wieder zu Vegetabilien, die Vegetabilien zu Mineralien, und also gehet die Natur in einem Ring herum, und macht das oberst zu unterst und das unterst zu oberst, ja sie verkehrt alle drey Reiche zu einer universalischen Indifferenz-Natur, wie wir oben gesagt, daß sie Dämpffe vom Centro der Erden- und Wasser-Sphæra, als vom Reich deren Mineralien, und Dämpffe ex superficie terræ als vom regno vegetabili, und Dämpffe von denen aushauchenden und verfaulten Thieren, wie auch von denen dreyen lebenden und florirenden Reichen in die Lufft austreibet, alldorten solche chaotisiret, und zur Universalität bringet, die alsdann weder animalisch noch vegetabilisch noch mineralisch, sondern obignarisch alles in allen ist. Solches werden wenig Philosophi adolescentes, noch weniger die gemeine Art der Laboranten glauben vor seiner explication, und nach seiner explication siehets jeder Bauer vor Augen vor seiner Thür, ehe daß er einmal vor die Thür austritt, wie wir zum theil oben auch davon discuriret. Darum ist die Putrefaction dieser wunderbare Schmid, welcher aus der Erden ein Wasser macht, aus dem Wasser eine Lufft, aus der Lufft das Feuer oder den Himmel, und aus dem Himmel macht sie wieder Lufft, aus diesem Wasser und aus dem Wasser Erden. Solche Veränderung macht sie ohne Unterlaß und ohne Aufhören alle Minuten-Zeit, und so lange bis Himmel und Erden zusammen in einen glaßigten Klumpen schmeltzen.