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Das XV. Capitel. Dass das Nitrum und Sal in denen Mineralien zu finden, und dass solche aus diesen beyden gemacht und wieder dahin resolvirt werden.
Je mehr der Himmel der Erden zunahet, je irdischer und corporalischer wird er, je irdischer er wird, je mehr fix wird er, je fixerer er wird, je weniger brennet oder leuchtet er und inflammiret sich, also ist das Nitrum, das vom Himmel gestiegen, gantz flüchtig und unsichtbar im Wasser verborgen, durch die Putrefaction aber wird es offenbar. Je irdischer und fixer dieser wird, je mehr alcalisch wird er, und verlieret durch solches figiren immer mehr und mehr sein Fulmen, wie hier bey denen Mineralien zu sehen, denn je mehr er aus seiner universalischen Natur tritt, je mehr ändert er seine Natur und Qualität, so er ins Thierische Reich sich specificiret, eine andere im vegetabilischen, und aber eine andere im mineralischen, jedoch beweiset er sein feuriges Dominium in allen diesen, viel oder wenig, nachdem er fix oder flüchtig in seinem Grad ist, im animalischen und vegetabilischen Reich, in der groben und subtilen Olität, Hartzes, Pech, Resin &c. in der mineralischen in denen Sulphurischen Dingen, als da ist der Sulphur, Naphta, Petroleum &c. Weilen aber die Mineralia steinigter Art und immer mehr und mehr der Fixität zusteigen, also wird der Sulphur inflammabile durch die stete Fixation seiner Inflammation beraubet, und erlanget einen andern Grad, nemlich einen unverbrennlichen. Daß aber der Schwefel und dergleichen entzündliche Dinge salpetrisch seyn, haben wir oben erwiesen, daß alle Entzündung von Salpeter u. dessen Anhang entspringe; Daß auch ein Saltz in denen Mineralien zu finden, siehet man, so man die Mineralien mit Wasser auslauget, nachdem sie zuvor ein wenig ausgeglüet sind. Daß aber das Saltz in solcher Quantität in forma Saltz nicht mehr gespüret wird, ist die Ursach, weil es je länger je mehr irdischer wird, und je länger je mehr Erden an sich nimmt. Je mehr es Erden solviret, je irdischer wird es, und tritt je länger je mehr von seiner Saltz-Gestalt ab, denn das Axioma läst sich nicht verwenden, und die Praxis zeiget fast jedem Chymisten täglich, ex quo aliquid fit &c. & per quod &c. in illud resolvitur.
Nun sehen wir ja, so wir diese hart verknüpffte Mineralia sollen von einander lösen, müssen wir solche mit Saltz oder saltzigen und salpetrischen Menstruis thun, ohne welche sie sich nicht öffnen wollen noch werden, und daß alles Menstruum saltzig oder nitrosisch ist, weiß ein jeder Chymist. Hieraus kan ja der Leser schliessen, daß weil die Mineralia im Saltz oder saltzigen Menstruo zerschmeltzen und zergehen, daß sie mit dem Saltz eine Homogenität haben müssen, sonst würden sie nicht durch solche gezwungen werden, die Mineralia im saltzigen Menstruo zu einem Liquore zerschmeltzen, dann sie sind aus Wasser oder Saltz-Wasser gemacht und resolviren sich auch wieder darein. So man die übrige Wäßrigkeit ad tertiam abstrahiret, so macht ja jeder Chymist ein Sal oder Vitriol daraus, welcher Vitriol per cohobium distillationis gantz zu einem saltzigen Wasser oder Spiritu kan distilliret werden, aus welchem sie auch zuvor per alterationis vices gebohren sind, in summa: Die Mineralia werden aus einem versauerten, fermentirten, oder vergehrten verfaulten Sal und Nitro geboren, welches eine Erde in sich zerlöset, und davon vitriolisch wird, Sulphur Opl. &c. nachgehends immer mehr nach seinen gradibus figiret wird, und gleichwie sie aus einem versauerten geistlichen Nitro und Sal geboren werden, also werden sie von solchem versauerten Nitro wiederum ad primum zurück gebracht, wie in der Geburt der Mineralien weiter erzehlet wird werden.
Damit aber dem Leser hier ein wenig gedienet wird, wiewol es zu der Genealogia deren mineralischen gehöret, wollen wir doch auch etwas weiter heraus gehen, damit, wann es ihm gefallt, wird es ihn nicht reuen zu lesen oder gelesen zu haben. Nam repetita placebunt. Und damit wir mit obern und untern bekräfftigen. Die Mineralia werden aus dem salpeterischen und geschmolzenen Wasser, das per rimas & fissuras terræ aller Orten ad centrum terræ rinnet, geboren, dann solches saltzige Wasser wird per calorem starck erhitzet, fermentiret und Dampff-weiß als ein lauterer Geist ad circumferentiam terræ ausgetrieben, welche Dämpffe per repercutientem frigiditatem montium sich an die Felsen anschlagen und zu Wasser resolviren. Solches Wasser, weilen es ein geistliches Saltz in sich führet, und also einen Spiritum Salis & Nitri, so ist es zernagend, zerfressend, corrosivisch, dann so es nicht corrosivisch wäre, wie solte es die Stein-Felsen angreiffen und solviren? Derohalben solviret solches Wasser die Stein-Felsen und Erden, die Erden aber coaguliret das Wasser wieder zu Saltz, nicht aber wie zuvor, sondern zu einem Vitriolischen ⊖, so viel es auf einmal begriffen, das zermalmet es subtil zu einer subtilen schmierigen fetten Erden, welches insgemein Gur genennet wird, solche Gur wird durch die nachsteigende corrosivische Dämpffe immer weiter solviret, bis es so voller corrosiv wird, daß es sich zu einem Sulphur mutirt, dann je mehr es corrosiv erlanget, je sulphurischer wird es, solcher Sulphur ist oder wird durch Länge der Zeit und centralischen Wärme ausser Verbrennlichkeit gebracht und ändert sich in ein Arsenic, der Arsenic aber ändert sich in ein Marcasit, solcher ist dann erst prima proxima materia ad metalleitatem und nicht der Vitriol.
Daß der Sulphur ein lauteres corrosiv ist, das siehet man erstlich aus seinem Geruch, daß er über das Aqua fort, Aqua regis, Spiritum vitrioli, Oleum vitrioli die Lungen also stecket, daß der Mensch kaum Athen fangen kan, zum andern aus seinem Oleo, welches so wohl per campanam, als aus seiner minera communi more in copia distilliret wird, drittens daß er sein Bein exclimiret, corrodiret und verbrennet, so wohl als die corrosiva liquida. Man siehet, daß das [Ölzeichen] und Spiritus Vitrioli ein resolvirter Schwefel ist, wann man eine Erden, als da ist Kreiden, oder sonst eine fixe Erde damit imbibiret, und läst es in offenem Feuer davon rauchen, starck, wird solches sich inflammiren und brennen wie ein Schwefel. Daß der Schwefel aber ein Saltz gewesen ist, das habe ich aus seinem Ursprung jetzt zugleich vor erzehlt: Daß sie auch wieder in einen fermentirten oder versauerten Salpeter oder Vitriol und dieser wieder gar ad primum ens resolviren, habe ich eben zuvor gelehrt; Dieses soll auch unten in seinem eigenen Capitel mehr illustrirt werden. Hieraus kan der Leser ersehen, ob ich den Ursprung dieser recht verstehe, oder nicht. Gehe er vor sich oder zurück in die Anatomia Mineralium, so wird er schon zu sehen bekommen, was er zuvor nicht geglaubt.
Solte er aber meynen, daß ich die Welt will ein anders lehren, und die Alt-Väter umstossen, die so viel tausend Jahr geschrieben haben: Mercurius, Sulphur & Sal sind materia prima metallorum. Diesen antworte ich: Daß ich solte die Alt-Väter umstossen, verlang ich nicht; Daß sie aber setzen, Mercurius, Sulphur & Sal sey prima metallorum materia, weiß heutige Welt am besten, aber die Grund-Philosophi wohl, ob sie also sollen verstanden werden. Daß der Sulphur und Mercurius eben aus Nitrum und Sal geboren, ist ja scheinbar, je mehr die Erden, Salpeter oder corrosiv erlanget ein acidum, je mehr Sulphur es wird, je mehr es aber alcalisirt wird, oder saltzig, oder erlanget einen alcalisch-saltzigen Ort, welcher das corrosiv oder den Schwefel tödtet, daraus wird ein Mercurius oder ein mercurialisches Subject. Aus bisher gesagten ist Sonnen-klar, daß der Salpeter und Saltz sind der Saamen der gantzen grossen Welt flüchtig und fix, die sichtbaren Elementen aber, als Lufft, Wasser und Erde, sind das Gehäuß oder habitaculum dieser und matrice &c. Sind die Mineralia von einem dicken sauren Dampff und unterirdischen Lufft, welcher aus dem Central-Wasser per calorem abyssi in die viscera montium sich aufsublimiret, und alldort zu Wasser wird, gebohren werden, als in welchen allen Lufft und Wasser der Salpeter und Saltz als ein Sperma verborgen liegt. Also fangen wir nachgehends billig an bey der Haupt-Pforten der Natur, bey dem Schlüssel und Urheber aller Gebährung und Zerstörung jeder Dinge, ohne welchen wir sonst hart zum Grund der Natur kommen können, welcher Schlüssel und Haupt-Punct derer Chymisten intituliret ist Putrefactio.