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Das XI. Capitel. Dass das Nitrum und Sal in der Lufft und in allen Dingen der Welt sey, klare Probe.
Weilen wir in Himmel nicht steigen können, sondern dessen Subjecta meistens aus den Inferioribus erkennen müssen, so sagen wir unico verbo: Der Himmel ist voller Licht, das Licht ist ein Effect und causatum des Feuers. Der Salpeter aber ist ein lauter Feuer, also schliessen wir, daß der Himmel ein höchst volatilisch Nitrum sey, welches immer descendendo corporalisch und fixer wird. Dieses sey genug von dem himmlischen Nitro gesagt. Nun von der Lufft. Daß ein Nitrum und Saltz sey in der Lufft, ist erwiesen augenscheinlich durch Blitz, Donner und Hagel. Denn wir finden hier auf Erden ein anders Subject nicht, das also fulminiret, blitzet, donnert, hagelt, als Salpeter und salinische Sachen. Nitrum wird aus dem Himmel flüchtig geboren, in der Lufft aber in ein spiritualisch-flüchtiges, in dem Wasser aber und Erde in ein dick, sicht- und greiffbares Corpus gebracht. Wie aber das zugehe, daß es sich also entzündet in der Lufft, und also hagelt, blitzet und donnert, probiren wir erstlich per rationes physicas theoretice; dann per praxin mechanice.
Das Nitrum fulminiret nicht, es werde ihm dann ein contrarium agens beygebracht und durch die Hitze erwecket. Je flüchtiger und subtiler das Nitrum ist, desto hefftiger schläget und entzündet es sich. Also auch je subtiler und flüchtiger sein contra-agens ist, je hefftiger wircken sie beyde in einander; Derowegen, wie wir gesagt, das Licht, Leben und Feuer vom Himmel sich in der Lufft fänget und concentriret, und aus solchem ein subtiles flüchtiges Nitrum wird, und dieses muß ein contra-agens zu seiner Auswirckung haben. Damit das Nitrum nun ein contrarium erlange, so gehet diesem Nitro entgegen von unten herauf aus der Erd- und Wasser-Sphær, in der Gestalt des Dampffs, Nebels und Rauchs, ein gleiches subtiles, flüchtiges Corpus, eine flüchtige Erde und Sal volatile, Sal alcalicum volatile. Wenn denn diese zusammen kommen, und durch die Strahlen der Sonnen bewegt und erhitzt werden, so agiren sie, erhitzen immer stärcker in einander, bis sie sich entzünden, fulminiren, hageln und donnern, in der Lufft grausame Schläge anrichten, wie man in heissen Sommer-Tagen zur Gnüge erfähret. E contra aber, so die Sonne nicht zu heiß gradiret, so gehen sie zusammen, das subtile Nitrum und flüchtige Alcali conjungiren sich, jedoch ohne Schlagen, wie im Winter, Feuchten und Kalten zu sehen und augenscheinlich vermercket wird. Dessen Ursache die Feuchte und Kälte ist, welche verhindert, daß sie sich nicht also erhitzen und entzünden können.
[Passage ausgelassen: operative Herstellung und Verstärkung explosiver Verbindungen.]
Aus diesem hoffen wir sattsam probiret zu haben theoretice & practice, daß in der Lufft ein Salpeter und Saltz, wiewol flüchtig sey, und daß das Fulmen der Beweiß, und die Gegenwart solcher beyden erweise, welches denn hernach, wie oben gesagt ist, aus dem Regen-Wasser durch die Putrefaction corporalisch dargestellet. Nun wollen wir aus der Lufft auf die Erde und Wasser kommen, und deren Subjecta auch examiniren, ob Nitrum & Sal als generatores & corruptores, conservatores & destructores, & rursus regeneratores universorum, in ihnen zu finden.