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Part II — Chapter 1: Nature

Auß welchen allem Sonnenklar erhellet / daß die Natur (bevorab so viel vorbenannte Creaturen / und deren Ordnungen anbetrifft) nur potentiam hat / und das Subjectum ist / darinn GOtt durch sein Wort würcket. Und zwar in abermahliger Betrachtung / vorangezogener Worte Pauli: Christus erfüllet alles in allen / so wohln auch der darüber in unsern Teutschen Biblien befindliche gloss, als die außtrücklich erklärt: Daß Christus würcke alle Werck / in allen Creaturen.

Gestaltsamb / und gleich wie der Spruch St. Joannis: Im Anfang war das Wort / und das Wort war bey Gott / und Gott war das Wort / dasselbige war im Anfang bey Gott. Alle Ding sind durch dasselbige gemacht / und ohne dasselbig ist nichts gemacht / was gemacht ist &c. waar und beständig bleibt / und demnach λόγος ὑποστατικὸς (dictum verbum Dei universale) & λόγος προφορικὸς, (verbum Dei particulare, in opere creationis pronuntiatum) anders nicht differiren / weder daß durch jenes primariò beedes die universal- und particular-Naturen / durch dieses aber secundariò und zwar allein die particular-Naturen geschaffen.

Also würcket λόγος ὑποστατικὸς primariò nicht allein in den universal- sondern auch in den particular: hingegen λόγος προφορικὸς secundariò erstgedachter maßen allein in den particular-Naturen. Als welches dann die vera causa subordinata secunda; wie auch keine Andere causa prima ist / als λόγος ὑποστατικός: Und zwar also / daß λόγος ὑποστατικὸς & λόγος προφορικὸς dißfalls eins seynd; Gleichwohl mit vorerwehntem Underscheid / und wann solchem nach / zum Exempel / König David sagt: Der Himmel ist durchs Wort des HErrn gemacht / so ists de λόγῳ ὑποστατικῷ zu verstehen; Wie es auch der H. Joannes an vorangezogenem Ort deutlich erklärt / in dem er schreibet: Und Gott war das Wort. Wann aber David gesprochen hätte: Der Himmel ist durchs Wort Gottes: Fiat! Es werde eine Feste! gemacht &c. so wäre es de λόγῳ προφορικῷ geredt.

Welches ich jedoch nochmahl dergestalt verstanden haben will / daß man dardurch jenes von diesem / und wiederumb dieses von jenem nicht abscheiden thue: Anerwogen dasselbe (sage ich abermahl) die causa prima: gleich wie auch dieses die causa subordinata secunda jederzeit ist und bleibet.

Und so viel alhie von der Natur und deren Erkantnuß.

Da jedoch übrigens annoch zu erinnern / daß man bevorab auch diß Orts inter causam & effectum distinguiren muß. Massen uns der H. Geist in dem 104. Psalm darzu anweiset / wann Er spricht: Du lässest auß deinen Athem / so werden sie geschaffen / und erneuerst die Gestalt der Erden. Und wiederumb: Du nimmest weg ihren Athem / so vergehen sie / und werden wieder zu Staub.

Deme ich dann nachfolgendes ebenmäßig beyzufügen für nothwendig erachtet. Nemblich weiln teste Joanne, alles durch Gottes Wort geschaffen / und ohne dasselbige nichts gemacht / was gemacht ist. Und aber alle und jede oberzehlte / und im ersten Capitel des ersten Buchs Moysis specificirte particular-Naturen / auch durch ein sonderbar Wort und Befehl / so GOtt in der Schöpffung geredt und außgesprochen / geschaffen; hingegen daselbsten (vers. nim. 1.) alwo die Erschaffung mehrgedachten Gewässers / und der universal-Naturen beschrieben / kein particular Wort oder Verbum: Fiat! stehet / noch zu finden ist: Als folgt hierauß unwidersprechlich / daß solche universali verbo Dei (λόγῳ ὑποστατικῷ) wie gesagt / und immediatè geschaffen seyen.

Et hinc fortitudo illa omnis fortitudinis fortissima: Hinc virtus illa multiplicandi in infinitum: Hinc patet Elementa, quà nimirum talia, à nullâ causâ subalternâ dependere, & per consequens, Mercurium nostrum rectè cum Basilio supernaturalem dici posse &c. Allermaßen dahero der Filius Sendivogii und Author oberwehnten contra Glauberum außgangenen Tractats gleichfalls / und nochmahln recht sagt: Daß in unserer Materia die Kräffte der gantzen Natur versamblet zu finden; Wie auch darvon / was die animal- und vegetabilische Natur anbelangt / oben im ersten Theil gnugsame demonstration geschehen / und so viel die mineralische Natur anreichet / sich unden auff das sechste Capitel dieses zweyten Theils beruffen wird.

Econtra autem, und daß die particular-Naturen λόγῳ προφορικῷ erschaffen / ist darauff ebenmäßig unfehlbar zu schliessen / weil nemblich bey Beschreibung derselben Schöpffung / der Text jederzeit außtrücklich sagt: Und Gott sprach &c. Worauß dann sattsam erscheint / daß es ein sonderbar außgesprochen und vernehmlich Wort / und nicht nur ein blosser Gedanck &c. gewesen; wie mir dann der seel. Arnd gnugsam zu meinem proposito stehet / wann er schreibet: Das Wort / so Gott in der Schöpffung geredet &c.

Deme keinen Abbruch thut / daß etliche zu Behauptung der widerigen Meynung vorwenden / weil damahl Niemands / so dasselbe hören können / zugegen: wäre es kein vernehmlich Wort / welches in die Ohren gefallen / gewesen / &c. Sintemahln und daß das Gewässer und die Elementa damahls bereits erschaffen / und in rerum naturâ sich befunden / unlaugbar ist: Demnächst aber / und daß sie so fern ein Leben und Sinnligkeit haben / und Gott den HErrn sehen / und seine Stimme hören können / solches wird auß nachfolgenden Sprüchen der H. Schrifft bewiesen:

Dann im 4. Buch Moysis am 9. Capitel / befihlt GOtt der HErr / daß man zu der Aschen von der verbrennten rothen Kuhe / lebendig Wasser (gestalten in dem Grund-Text die Wort maym, haym, außtrücklich stehen) nehmen / und ein Sprengwasser zur Entsündigung darauß machen soll.

Im 77. Psalm spricht David: Die Wasser sahen dich Gott / und ängsteten sich.

Item im 76. Psalm: Wann du das Urtheil lässest hören vom Himmel / so erschrickt das Erdreich und wird stille.

Ferner im 97. Psalm: Seine Blitzen leuchten auff den Erdboden / und das Erdreich sihet / und erschrickt.

Insonderheit aber berichtet uns der H. Evangelist Matthæus / im 8. Capitel seines Evangelij / was massen der HErr Christus den / in seiner Schiffahrt sich erhobenen Sturmwind / und das Meer betrohet / oder wie Marcus schreibet: Daß Er den Wind betrohet / und zum Meer gesagt / verstumme! und der Wind sich gelegt / und eine grosse stille worden.

Alwo mir zwar wieder vorgeworffen / und gefragt werden möchte: Ob ich dann abermahl klüger / als andere seyn wolte? Zu deme ein anders der Glaub sey / ein anders die Natur: Die Glaubens-Sachen müsse man auß der Bibel: die Natur aber auß der Philosophia studiren und lernen!

Worauff ich antworte und sage / daß ich freylich der jenige nicht seyn werde / der etwas geschrieben / und nicht seinen Zoilum gefunden. Aber soll man darumb die Warheit verschweigen / und das von Gott verliehene (zwar bey mir wenige) Pfund verbergen?

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