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Part II — Chapter 1: Nature

Das Erste Capitel. Von der Natur.

Wer die Natur erkennt / der hat den Haupt-Schlüssel zu den vornehmsten Wissenschafften und grösten Geheimnussen erfunden: Inmassen und wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / in Theologia nicht so mancher Irrthumb eingeschlichen: Wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wären in Philosophia nicht so viel absurda und contraria statuirt worden.

Dahero und in Ermanglung solcher Erkantnuß / die Philosophi auch noch in vielen Stücken nichts gewisses erfinden können / sondern vielmehr / und in deme sie stets neue Principia zu ersinnen sich understehen / von einem Irrthumb in den andern gerathen.

Wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wäre man in Medicina offtmahls mit præparirung der Medicin und Artzney / zu des Nächsten und nothleidenden Patienten bessern Nutzen / anders verfahren.

Ja! wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wären in Chymia & arte Hermeticâ gleichfalls nicht so viel hochschädliche Irrthumb / mit vergeblicher Auffwendung manchmahl vieler / vieler tausend Gülden begangen; wordurch diese Königliche Kunst von den meisten biß dahero für Betrügerey gehalten / auch derohalben offtmahls so hefftig gelästert worden. Und was soll ich viel sagen: Ich erschrecke gleichsam / wann ich bey etlichen Hermeticis Philosophis selbst / die definition der Natur lese; Ob sie schon im übrigen dieselbe so fern erkant / daß sie zu ihrem Zweck gelangt seynd / und das unschätzbare Magisterium glücklich verfertigt haben.

Welches alles dann auß diesem bösen Principio hergeflossen / daß wann eine quæstio de re Physicâ vorgefallen / man jederzeit / wie auch noch geschiehet / alsobald über die Heydnische Authores geloffen / und dieselbe darinn consultirt, die H. Schrifft aber hindan gesetzt; Also dieser Heyden Gedicht / der jenigen Männer / so auß Eingebung des H. Geistes selbst von denen Geschöpffen und Wunderwercken Gottes geschrieben / warhafftiger Lehr und Underricht vorgezogen.

Im übrigen die Jurisprudenz anbelangend / sintemahln dieselbe von den mehrern für keine Scienz gehalten wird; Gestalten die Frantzosen zu sagen pflegen: La Jurisprudence est plus-tost une memoire, qu’une Science. Solche auch hiehero gantz nicht gehörig ist; So lasse ich sie an ihren Ort gestellt seyn; wiewohl sonsten auch etwas dabey zu sagen wäre.

Alldieweilen nun die Erkantnuß der Natur zu dieser / vor andern Wissenschafften nöthig ist; und ich dann oben / jedoch nur mit wenigem davon gedacht / dargegen gleichwohl Vertröstung gethan / daß solches in gegenwärtigem Andern Theil mit mehrerm solle aufgeführt werden; Als habe ich demselben alhier ein genügen zu leisten nicht underlassen wollen.

Die Natur aber fürs Erste (wie sie diß Orts zu verstehen) kurtz- und eigentlich zu beschreiben: Ist dieselbe nichts anders / als eines jeden sichtbaren Geschöpffs Substanz und Wesen.

Dann fürs Andere zu wissen / daß nachdeme der Allerhöchste seine Göttliche Majestät offenbahren wollen / hat Er am allerersten geschaffen / eine allgemeine Natur / das ist: ein durchauß gleichförmiges alle natürliche Kräffte / und die Samen aller sichtigen Dinge / als nemblich die übrige Elementa, und alle vier Qualitäten / und zwar / sage ich nochmahln / in gleicher proportion, in sich habendes Wasser.

Darauf hat der Allmächtige Gott vörderist die Erde / und den Lufft (sambt dem unsichtigen Feuer) geschieden: So dann und nach dem Er gleichfalls die particular-Naturen des Liechts und der Feste geschaffen / auch vermittelst solcher Feste die Wasser unterschieden gehabt / hat Gott der Herr ferner unterschiedliche andere particular-Naturen / als die Kräuter / Bäume / &c. wie auch nach ebenmäßiger Erschaffung der particular-Natur der Liechter an der Feste des Himmels / die Fische / Vögel / und Thier &c. geschaffen. Welche die Philosophi sambt denen in den Bergwercken befindlichen Metallen / in die animalia, vegetabilia, astralia, und mineralia abtheilen.

Und sothane Schöpff- und Erschaffung / ist einig und allein durch Gottes Wort geschehen. Inmassen S. Joannes in seinem Evangelio am ersten Capitel spricht: Im Anfang war das Wort / und das Wort war bey GOtt / und GOtt war das Wort / dasselbige war im Anfang bey Gott / alle Ding sind durch dasselbige gemacht / und ohne dasselbig ist nichts gemacht / was gemacht ist.

Wie ingleichem der H. Geist / im ersten Buch Moysis am ersten Capitel solches ebenmäßig klar und außführlich auffzeichnen und beschreiben lassen; und zwar so viel die particular-Naturen / als nemblich des Lichts / der Feste / der Astrorum, Item der Animalien und Vegetabilien anbelangt / sagt der Text außtrücklich also:

Und GOTT sprach: Es werde Licht / und es ward Licht. Und GOtt sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern &c. und es geschah also. Und GOtt sprach: Es lasse die Erde auffgehen Kraut und Graß &c. und es geschah also. Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels &c. und es geschah also. Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden / und lebendigen Thieren / und mit Gevögel &c. Und GOtt sprach: Es bringe die Erde herfür lebendige Thier / ein jegliches nach seiner Art &c. Und es geschah also.

Deromegen ich mit dem Authore der Offenbahrung Göttlicher Majestät exclamire, und sage: Gelobet sey Gott / daß sein Wort so bald ein Werck ist worden. Hingegen wiederumb billich frage: Wo bleibt nun die Heydnische Natur? Dann von Ihm / in Ihm / und durch Ihn / seynd alle Dinge / wie St. Paulus / der seine Weißheit in dem dritten Himmel studiret / und gelernet hat / (Rom. 11.) bezeuget.

Aller maßen und daß nochmahl / an sich selbst keine Natur (Natura naturata inquam) seye / die etwas würcket / eben dieser in dem dritten Himmel underrichtete Philosophus & verus Sophus bestättiget / wann Er Ephes. 1. schreibet: Christus erfüllet alles in allem. Wie er auch (1. Corinth. 12.) spricht: Es seynd mancherley Kräffte / aber es ist ein Gott der da würcket alles in allen.

Welcher einig und allein ist / der æternus motor, das rechte principium motus & quietis in omnibus rebus naturalibus &c. In gleichmäßiger Erwegung / mehrerwehnter unverwerffliche Author Actor. 17. abermahl sagt: In ihm leben / weben / und sind wir.

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