Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.
Das Erste Capitel. Von der Natur.
Wer die Natur erkennt / der hat den Haupt-Schlüssel zu den vornehmsten Wissenschafften und grösten Geheimnussen erfunden: Inmassen und wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / in Theologia nicht so mancher Irrthumb eingeschlichen: Wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wären in Philosophia nicht so viel absurda und contraria statuirt worden.
Dahero und in Ermanglung solcher Erkantnuß / die Philosophi auch noch in vielen Stücken nichts gewisses erfinden können / sondern vielmehr / und in deme sie stets neue Principia zu ersinnen sich understehen / von einem Irrthumb in den andern gerathen.
Wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wäre man in Medicina offtmahls mit præparirung der Medicin und Artzney / zu des Nächsten und nothleidenden Patienten bessern Nutzen / anders verfahren.
Ja! wann man die Natur jederzeit mehrers erkennt hätte / so wären in Chymia & arte Hermeticâ gleichfalls nicht so viel hochschädliche Irrthumb / mit vergeblicher Auffwendung manchmahl vieler / vieler tausend Gülden begangen; wordurch diese Königliche Kunst von den meisten biß dahero für Betrügerey gehalten / auch derohalben offtmahls so hefftig gelästert worden. Und was soll ich viel sagen: Ich erschrecke gleichsam / wann ich bey etlichen Hermeticis Philosophis selbst / die definition der Natur lese; Ob sie schon im übrigen dieselbe so fern erkant / daß sie zu ihrem Zweck gelangt seynd / und das unschätzbare Magisterium glücklich verfertigt haben.
Welches alles dann auß diesem bösen Principio hergeflossen / daß wann eine quæstio de re Physicâ vorgefallen / man jederzeit / wie auch noch geschiehet / alsobald über die Heydnische Authores geloffen / und dieselbe darinn consultirt, die H. Schrifft aber hindan gesetzt; Also dieser Heyden Gedicht / der jenigen Männer / so auß Eingebung des H. Geistes selbst von denen Geschöpffen und Wunderwercken Gottes geschrieben / warhafftiger Lehr und Underricht vorgezogen.
Im übrigen die Jurisprudenz anbelangend / sintemahln dieselbe von den mehrern für keine Scienz gehalten wird; Gestalten die Frantzosen zu sagen pflegen: La Jurisprudence est plus-tost une memoire, qu’une Science. Solche auch hiehero gantz nicht gehörig ist; So lasse ich sie an ihren Ort gestellt seyn; wiewohl sonsten auch etwas dabey zu sagen wäre.
Alldieweilen nun die Erkantnuß der Natur zu dieser / vor andern Wissenschafften nöthig ist; und ich dann oben / jedoch nur mit wenigem davon gedacht / dargegen gleichwohl Vertröstung gethan / daß solches in gegenwärtigem Andern Theil mit mehrerm solle aufgeführt werden; Als habe ich demselben alhier ein genügen zu leisten nicht underlassen wollen.
Die Natur aber fürs Erste (wie sie diß Orts zu verstehen) kurtz- und eigentlich zu beschreiben: Ist dieselbe nichts anders / als eines jeden sichtbaren Geschöpffs Substanz und Wesen.
Dann fürs Andere zu wissen / daß nachdeme der Allerhöchste seine Göttliche Majestät offenbahren wollen / hat Er am allerersten geschaffen / eine allgemeine Natur / das ist: ein durchauß gleichförmiges alle natürliche Kräffte / und die Samen aller sichtigen Dinge / als nemblich die übrige Elementa, und alle vier Qualitäten / und zwar / sage ich nochmahln / in gleicher proportion, in sich habendes Wasser.
Darauf hat der Allmächtige Gott vörderist die Erde / und den Lufft (sambt dem unsichtigen Feuer) geschieden: So dann und nach dem Er gleichfalls die particular-Naturen des Liechts und der Feste geschaffen / auch vermittelst solcher Feste die Wasser unterschieden gehabt / hat Gott der Herr ferner unterschiedliche andere particular-Naturen / als die Kräuter / Bäume / &c. wie auch nach ebenmäßiger Erschaffung der particular-Natur der Liechter an der Feste des Himmels / die Fische / Vögel / und Thier &c. geschaffen. Welche die Philosophi sambt denen in den Bergwercken befindlichen Metallen / in die animalia, vegetabilia, astralia, und mineralia abtheilen.
Und sothane Schöpff- und Erschaffung / ist einig und allein durch Gottes Wort geschehen. Inmassen S. Joannes in seinem Evangelio am ersten Capitel spricht: Im Anfang war das Wort / und das Wort war bey GOtt / und GOtt war das Wort / dasselbige war im Anfang bey Gott / alle Ding sind durch dasselbige gemacht / und ohne dasselbig ist nichts gemacht / was gemacht ist.
Wie ingleichem der H. Geist / im ersten Buch Moysis am ersten Capitel solches ebenmäßig klar und außführlich auffzeichnen und beschreiben lassen; und zwar so viel die particular-Naturen / als nemblich des Lichts / der Feste / der Astrorum, Item der Animalien und Vegetabilien anbelangt / sagt der Text außtrücklich also:
Und GOTT sprach: Es werde Licht / und es ward Licht. Und GOtt sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern &c. und es geschah also. Und GOtt sprach: Es lasse die Erde auffgehen Kraut und Graß &c. und es geschah also. Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels &c. und es geschah also. Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden / und lebendigen Thieren / und mit Gevögel &c. Und GOtt sprach: Es bringe die Erde herfür lebendige Thier / ein jegliches nach seiner Art &c. Und es geschah also.
Deromegen ich mit dem Authore der Offenbahrung Göttlicher Majestät exclamire, und sage: Gelobet sey Gott / daß sein Wort so bald ein Werck ist worden. Hingegen wiederumb billich frage: Wo bleibt nun die Heydnische Natur? Dann von Ihm / in Ihm / und durch Ihn / seynd alle Dinge / wie St. Paulus / der seine Weißheit in dem dritten Himmel studiret / und gelernet hat / (Rom. 11.) bezeuget.
Aller maßen und daß nochmahl / an sich selbst keine Natur (Natura naturata inquam) seye / die etwas würcket / eben dieser in dem dritten Himmel underrichtete Philosophus & verus Sophus bestättiget / wann Er Ephes. 1. schreibet: Christus erfüllet alles in allem. Wie er auch (1. Corinth. 12.) spricht: Es seynd mancherley Kräffte / aber es ist ein Gott der da würcket alles in allen.
Welcher einig und allein ist / der æternus motor, das rechte principium motus & quietis in omnibus rebus naturalibus &c. In gleichmäßiger Erwegung / mehrerwehnter unverwerffliche Author Actor. 17. abermahl sagt: In ihm leben / weben / und sind wir.